Ausgabe 
5.12.1878
 
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1878

Donnerstag, den 5 December

Nr. 28M

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An?eigk- mb AmisM für btn Kms Gießen

Nedaetionsbureau: \ Expeditionsbureau r f

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Schulftraße B. 18.

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Krankreich.

Versailles, 2. Decbr., Abends. Im Senat legte der Ftnanzmtnister

Bern, 2. December. Angesichts der soctaldemokratischen Verfolgungen b. Deutschland, Spanten und Italien ist man tn der Schweiz besorgt, daß die genannten Mächte die Einschränkung des Asylrechts verlangen werden. Der Bund", das einflußreichste Blatt der Schweiz, schreibt in Betreff dieser Frage: Die Schweiz hat ihr Asylrecht, soweit daffelbe Bedrängten und Verfolgten Schutz bieten soll, unter allen Umständen heilig zu halten und mit Aufbietung aller ihrer Kräfte zu wahren und zu vertheidigen. Dagegen soll sie gewiffen- losen Agitatoren und gewerbsmäßigen Ehrabschneidern, welche unter dem Deck­mantel des Asyls ihr verderbliches und schmähiches Handwerk treiben, mit Energie entgegentreten. Sie wird das Asylrecht hochhalten, aber auch dafür zu sorgen wissen, daß das Asyl nicht mißbraucht werden kann; wer sich eines Mißbrauches im Sinne der obigen Ausführungen schuldig macht, der hat den Schutz des Asyls verwirkt. So lange die Schweiz in der Theorie und in der Praxis streng an dieser Auffasiung ihrer Pflichten und Rechte bezüglich des Asyls festhält, so kann sie auf der anderen Sette auch alle zu weit gehenden Zumuthungen der Diplomatie von der Hand weisen mit der Erklärung, daß

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Unterricht im Hufbeschlag 1879.

Der Unterricht im Hufbeschlag für junge Schmieve an der Gioßh. Veterinär-Anstalt zu Gießen in laufendem Winter soll am 6. Januar 1879,

Junge Schmiede, welche an demselben Theil nehmen wollen, haben sich zeitig bet unterzeichnetem Präsidmm schriftlich anzumelden unb der Anmeldung önmnifie über erworbene Schulkenntniffe, bestandene Lehrzeit und gutes Betragen sowohl, als auch über die Mittel zu ihrem Unterhalt in Gießen vorzulegen.

0 Der Unterricht wird unentgeldlich ertheilt; dagegen haben die Theilnehmer an demselben für ihren Unterhalt selbst zu sorgen. Unbemittelte muffen pch mit etwaigen Unterstützungsgesuchen an die betreffenden Bezirksvereine oder ihre Heimathgemeinde wenden. _, ,

Friedelhau en, am 24 November 1878. Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen.

o v Adalbert Freiherr Nordeck zur Rabenau.

Summe der dauernden Ausgaben des Ministeriums der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten beträgt: 47,979,381 Mk. An einmaligen und außerordent­lichen Ausgaben setzt der Etat an: 11,226,361 Mk.

Straßburg. Die Interpellation Schorlemer-Alst, betr. die Wucher­gesetze, sitidet im preußischen Landtage zur Zeit im dieffeitigen Bezirke du', ch das Vorgehen der Justiz gegen die gewerbsmäßigen Wucherer eine bemeikenS- werthe Illustration. Seit dem Erlaß der bekannten Entscheidung des ReichL- oberhandels-Gerichtes als Caffationshof für Elsaß-Lothringen, wodurch bie dauernde Geltung der ältern französischen Wuchergesetze im Reichslande sanctio- nirt wurde, geht man diesen Leuten immer schärfer an den Kragen. Die Un- tersuchungs-Aemter publicireu der Reihe nach steckbriefähnliche Bekanntmachungen tn der hiesigen Tagespresje, worin alle diejenigen, welche Seitens dieses oder jenes Wucherers benachtheiiigt worden sind, um ihre Adresse ersucht werden. Ab und zu spielt sich dann der Schlußact dieser strafrechtlichen Untersuchungen vo; den Schranken des Zuchtpolizeigerichtes ab. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese radikale Kur binnen Kurzem unsere Stadt von diesen Pestbeulen der modernen, namentlich großstädtischen Bevölkerung gänzlich säubern wird.

Kefterreich.

Wien, 2. December. In der Sitzung des Finanz-Ausschusses der Reichsrathsdelegation hat Graf Andrasiy eine sehr lange Verteidigungsrede ge­halten, die jedoch einen durchschlagenden Erfolg nicht gehabt zu haben scheint. Die Monarchie habe, ohne an einem opferreichen Kriege thetlzunehmen, an An- sehen gewonnen und genieße, wie die Ertheilung des Mandats beweise, das Vertrauen Europas. Die österreichische Politik trachte nach keinem Landerwerbe. So lange Aussicht gewesen, d ß die Türket im Besitze Bosniens und der Her­zegowina bleiben würde, habe man Alles vermieden, was zu einer Occupation führen könnte; diese habe jedoch tn's Auge gefaßt werden muffen, als diese Provinzen auf dem Sprunge standen, ihren Herrn zu wechseln. Der Versuch, Bosnien und die Herzegowina autonom zu machen, sei aussichtslos gewesen, hätte den Verlust Dalmatiens, d. h. der Seeküste, d. h. der Machtstellung für Oesterreich zur Folge gehabt. Vermieden habe daher die Occupation nicht wer­den können. Sw hätte auch nicht verschoben werden können, weil der Wider­stand Zett gewonnen hätte, zu einem wohlorganisirten Kriege anzuwachsen. Was die finanzielle Frage anbetrifft, so habe die Regierung Alles gethan, um die Lasten nicht allzusehr anwachsen zu lasten. Dieselben haben nicht die Hälfte der Summe betragen, welche die einfache Mobilisirung der Armee gekostet hätte. Seine Politik, die eine gut österreichische, aber auch die einzige sei, welche der Türkei ermögliche, sich in ihrem jetzigen Bestände zu erhalten, könne nicht an­ders lauten, alsDurchführung des Berliner Vertrages durch Oesterreich- Ungarn und durch die anderen Staaten."

Schweiz.

Deutschland.

Darmstadt, 2. December. Wie wir vernehmen, wäre nunmehr ein mehrwöchiger,Aufenthalt der Großherzoglichen Familie in Heidelberg tn Aussicht genommen.

Darmstadt, 2. December. Sofort nach Zusammentritt des 23. Land­tags hat der Abg. Schröder tn der zweiten Kammer den Antrag eingebracht, dieselbe wolle Großh. Staatsregierung ersuchen, den Ständen sofort Vorlage auf Verw'lligung der entsprechenden Gelder zur Anstellung von einem oder mehreren Fabrikrnspectoren zu viachen, um Nöthiges noch in dem vorzulegenden Staatsbudget vorsehen zu können. Durch die inzwischen erfolgte Vorlage des Hauptvoranschlags der Staats-Einnahmen und -Ausgaben für die Finanzperiode 18791882 ist dieser Antrag gegenstandslos geworden, da in dem Etat des Ministeriums des Innern unter der besonderen RubrikFabukinspector" eine Anforderung von jährlich 3600 Mk. für einen von Anfang des Jahres 1879 zu bestellenden Beamten als desten Besoldung und von jährlich 3100 Mk. für sachliche Ausgaben enthalten ist. Letztere zerfallen tn Reisekosten und Dwten des Fabrikinspectors 2300 Mk., Bureaukosten desselben 300 Mk., für Publi­kationen und für Beschaffung von Arbeitsbüchern für jugendliche Arbeiter 500 Mk. Die dem betr. Special-Etat von der Regierung beigegebenen Bemer­kungen führen aus, wie es die Bestimmung des § 139a des Reichsgesetzes vom 17. Juli 1878, die Abänderuna der Gewerbeordnung betr., der Regierung zur Pflicht wacht, von Anfang 1879 an einen Beamten zu bestellen, von dem die dort bezeichneten Funktionen auszuüben sind. Bei der Nothwendigkeit, für diese Stelle einen technisch befähigten Mann zu gewinnen, glaubt man einen gerin­geren Betrag als 3600 Mk. für seine Besoldung nicht vorsehen zu dürfen. Hebet die zur Bestreitung der sachlichen Ausgaben erforderlichen Mittel fehlt es zwar bisher an Erfahrung, doch werden die hierfür angesetzten Beträge wohl als genügend angesehen werden können. Die erste Ausfertigung der Arbeitsbücher für jugendliche Arbeiter hat nach dem Gesetz kostenfrei zu ge­schehen und sind dieselben daher aus Staatskosten den Polizei-Behörden zu

2. December. Die Ausschreitungen Seitens des Militärs nehmen bedauerlicher Weise ihren Fortgang. In der verflossenen Nacht sand in der Neustadt zwischen Soldaten und Schutzmännern ein wahrer Kampf statt. Die Soldaten machten von der blanken Waffe Gebrauch und brachten dem Revier-Vorsteher der Schutzmannschaft des vierten Bezirks verschiedene Ver­legungen Hieb- und Stichwunden, bei. Die Bewohner der Neustadt befanden 3 der größten Aufregung; mit ihrer Hülfe gelang es schließlich, bk taten zu bewältigen und in Hast zu bringen. Man erwartet strenge Befehle

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eom December. Der Alterspräsident des Abgeordnetenhauses

und des Reichstages, v. Bouin, ist heute gestorben.

B-rlin 2. December. Die Verhängung deskleinen" odertrockenen" Belagerungszustandes Über Berlin, Potsdam und Charlottenburg nebst Umge. buna8 d b bie Kreise Teltow, Nieber-Barnim unb Ost-Havellanb hat, schon weil sie so plötzlich kam, einen tiefen Einbruck auf bie Bevölkerung, namentlich ber Reichshauptstabt, gemacht. Bis jetzt sinb auf Grunb ber von bem Mini­sterium der Polizei zugestanbenen Befugnisse 57 Socialbemokraten au«getmiffen worden, darunter selbstverständlich alle mehr bekannten socialdemokratischen Größen wie die Abgg. Fritzsche unb Haffelmann, bie Herren Auer, Baumann Rackow, Finn unb selbst bie sattsam bekannten Frauen Hahn, Dtagemann unb Cancius. Die Ausgewiesenen mußten sich binnen höchstens vier Tagen na» Emvfana ber Ausweisungs-Orbre aus Berlin entfernen unb ffnb thells nach Hamburg, thells nach Leipzig, größtenthells aber nach Köln gegangen.

Die Fortschrittspartei beabsichtigt im Abgeorbnetenhause bie Legierung Über die Gründe zu befragen, welche die schwere Maßregel veranlaßt haben. Ob die Regierung diese Frage beantworten wird, ist freilich sehr ungewiß, da sie ^f^^^^ch^Efchx"'t;M^ta^^R^che^!lch^!t ^l^egen^^ folgende sie" die Kraft und auch den Willen habe, im eigenen Hause Ordnung zu 'schaffen

Vollen: für die Universitäten 5,540,337 Mk., für Gymnasien unb Realschulen unb zu erhalten ohne frembes Zuthun.

4 515 991 Mk., für das Elementar-Unterrichtswesen 2,133,157 Mk., für Kunst ---

unb Wissenschaft 2,610,233 Mk. , für das technische Unterrichtswesen 1.808,125 Mk., für Cultus und Unterricht gemeinsam 6,370,209 Mk. Die

izer Pud'lhuvd pidi i. Derselbe «st put fit- Anfragen bei der

r ßunt), ioil) giflttl fang entlaufen- obMben 81t. D. 21?

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Bert jeM m bUfa ?' ^ s-hoii, des leversetzollgeli m freut ürs eS deshalb feiner weiteret riginal Ansgabe or »Pzi«. ein OcUrbud ar t. Wildungen ist durch jA Serfüfier, Leipiig, fop)u> oejie^en gegen stronco-lntzirr t zu iabm in bei Zos. $il= n Sieätaben, Mhlia^i $