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Ur. 2S8. Dienstag, den 5. November 1878»
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Deutschland.
Darmstadt, 3. November. Ueber den Inhalt des dem kommenden Landtag vorzulegenden Gesetzentwurfs, die Ausführung der deutschen Civil- Proceß-Ordnung und Concurs-Ordnung betreffend, erfahren wir, daß derselbe in vier Abschnitte zerfällt, welche im Ganzen 181 Artikel begreifen. Der erste Abschnitt behandelt die für die drei Provinzen gemeinschaftlichen Bestimmungen, der zweite die für die rechts-rheinischen Provinzen, der dritte die für Rheinhessen besonderen Bestimmungen, im letzten sind Schlußbesttmmungen enthalten. Die beiden mittleren Abschnitte schließen gleichzeitig die Vorschriften für die Behandlung der beim Inkrafttreten der Civil-Proceß- und Concurs-Ordnung anhängigen Rechtssachen in sich. In Kurze wird der hiesige Anwaltvercin den Gesetzentwurf zum Gegenstand einer Berathung machen. (Fr. Journ.)
Berlin. Ueber die deutscherseits erfolgte Besitzergreifung einer der Samoa-Inseln melden jetzt weitere Nachrichten, daß die „Ariadne" am 28. Juni aus Tahiti in Apia ankam, daß am 4. Juli die Bezahlung einer Geldentschä- dtgung an den deutschen Consul durch Androhung eines Bombardements einge- trieben wurde, und daß die beiden kleinen Dörfer Falealtli und Falelatei aus der Südseite der Insel Upolu von Capitän v. Werner besetzt wurden. Als Ursache letzterer Maßregel wird die Verletzung des Vertrags mit Deutschland vom 30. Juli 1877 Seitens der Regierung von Samoa angegeben, indem durch denselben Deuschland alle Rechte der meistbegünstigten Nation zugesichert wurden, während der soeben mit Nordamerika abgeschloffene Vertrag diesem Land außerordentliche Vorrechte etnräumt. — Findet dies Motiv Bestätigung, so durfte die Dauer dieser deutschen Occupation in der Südsee sich nicht nur
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nach Tagen und Wochen bemeffen; die Wiederabänderung geschloffener, internationaler Verträge ist eine Bedingung, die sich nicht wie eine Geldsumme einfach „beitreiben" läßt. In jedem Falle wird die „Ariadne" nicht unverrichteter Sache wieder heimkchren.
Berlin, 2. November. Der „Reichs-Anz." publicirt das Verbot des Bolksvereins in Merane, der Arbeiter-Harmonie in Waldenburg, des Theater- Clubs, Bruderbunds und Gesangvereins Laffallia in Offenbach, des Gesangvereins Humorig in Bieber, das Verbot der Druckschrift „Der arme Konrad" unb der periodischen Druckschriften „Der Zeitgeist" in München und „Das Panter" in Braunschweig.
Berlin, 2. Nov. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist die Nachricht, ,8 werde dem Reichstage in Betreff der Revision der Gewerbeordnung Nichts anderes zugehen, als eine Vorlage bezüglich des Schankqewerbes, voreilig; es i feien gegenwärtig eingehende Erwägungen darüber schwebend, in wie weit und । auf welchen Gebieten, im Zusammenhänge mit der Aufgabe der positiven Be- l lWpfung der Socialdemokratte, Modtficationen der Gewerbeordnung vorzu- nchmen seien.
— Wie gerüchtweise verlautet, wird im Bundesrathe der dtrecte Antrag <ni( Erlaß eines Gesetzes vorbereitet berufs Wiedereinführung der Wuchergesetze. 1Der Maximalztnsfuß von 6 pCt., die civilrechtliche Unverbindlichkeit „wucherischer" Geschäfte und deren strafrechtliche Verfolgbarkeit sollen wieder ausge- Ikiochen und das Bundesgesetz vom 14. November 1867 bezüglich der vertragsmäßigen Zinsen aufgehoben werden.
Berlin, 2. November. Das Studium der Medicin ist in stetiger Zunahme begriffen. Von den Universitäten, auf welchen in deutscher Sprache ge- Ichrt wird, zählte im eben abgelaufenen Sommerhalbjahre die meisten Mediciner Ben, nämlich 658; es folgen Würzburg mit 475, München 456, Dorpat 287, Berlin (ohne die, welche die militärische Laufbahn einschlagen) 364, H'pzlg 335, Greifswald 233, Zürich 184, Freiburg 181, Breslau 178, Straßburg 168, Tübingen 164, Graz 161, Bonn 132, Halle 117, Göttingen ^14, Marburg HO, Gießen 108, Heidelberg 103, Kiel 92, Jena 87, Basel 30, Rostock 39.
Kesterreich.
Wien, 1. November. Der Gesammtverlust der Occupattonsarmee in Bosnien und der Herzegowina mit Ausschluß der bei Maglaj gebliebenen Husaren, Wer der Gefallenen bet dem Sturm auf Bthac und der in den Gefechten um Poci Gefallenen beträgt 4786 Mann, und zwar 3885 Verwundete, 666 Äbte und 235 Vermißte. Hiervon entfallen nach Meldung der „B. C."
die Infanterie 4303 Mann und zwar 3504 Verwundete, 600 Todte und M) Vermißte; auf die Jägertruppe 340 Mann, und zwar 292 Verwundete, 46 Todte und 2 Vermißte; auf die Cavallerie 25 Mann, und zwar 19 Verendete-, $ Todte und 3 Vermißte; auf die Artillerie 45 Mann, und zwar 4l> Verwundete und 5 Todte; auf die Genietruppe 4 Verwundete; auf die Mmniertruppe 6 Mann, und zwar 5 Verwundete und 1 Vermißter; auf die ^nltätstruppe 3 Mann, und zwar 1 Verwundeter und 2 Vermißte; auf das Ährwesencorps 11 Mann, und zwar 10 Verwundete und 1 Todter; auf die Akipstegungsbrauche 2 Mann, und zwar* 1 Verwundeter und 1 Todter; auf °.r Landwehr 47 Mann, und zwar 9 Verwundete, 10 Todte und 28 Vermißte.
Wien, 2 November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Constanttnopel: M Pforte, in der Besorgniß, daß die Ruffen den Aufstand in Nordmacedo-
nien zum Vorwande einer Besetzung dieser Provinz nehmen, dirigirt alle von Konstantinopel abgehenden Truppenverstärkungen hauptsächlich nach Seres und Stramitza. Auch von Prtsttna und Skopia gehen beträchtliche Truppenabthei- lungen nach Maccdonien. — Der Sultan hat neuerdings Ghazi Osman mit der Ueberwachung der Befestigungsarbeiten der Vertheidigungsltnie Tscha- taldja-Derkos beauftragt. General Totleben hat sämmtliche russische Linien bis Lüle-Burgas tnspicirt. Das russische Hauptquartier bereitet die Ueberwinte- rung eines großen Thetles der Armee in der Umgebung von Adrtauopel vor. — Die Chefs der kretenstschen Jnsurrection bereiten sich vor, Kreta zu verlaffen.
Wien, 2. November. Das hiesige „Telegr.-Corresp.-Bureau" meldet aus Rom: Die Verhandlungen zwischen der päpstlichen Curie und Deutschland dauern fort und beziehen sich gegenwärtig aus die religiösen Verhältnisse von Elsaß-Lothringen. Aus den letzten Wahlen in der Schweiz wird die Curie Anlaß nehmen, wegen Wiederherstellung der gegenseitigen Beziehungen Verhandlungen einzuleiten. Die extltrten schweizerischen Bischöfe erhielten Instructionen, sich zur Rückkehr in ihre Dtöcesen vorzubereiten.
— Der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses hat beschloffen, die Regierungsvorlage, betreffend die Verlängerung der Wirksamkeit des Wehrgesetzes, gegenwärtig nicht in Berathung zu ziehen, nachdem der Landesverthetdigungs- Minister Horst erklärt hatte, daß jedenfalls vor dem 8. December von der dermaligen oder der neuen Regierung ein diese Vorlage amendtrender oder ein ganz neuer Gesetzentwurf unter Zurückziehung des jetzt vorliegenden eingebracht werden wird.
Pesth, 1. November. Im Unterhause gab Ministerpräsident Tisza folgende Erklärung ab: Das Gesetz bestimme nicht den Zeitpunkt der Vorlegung des Berliner Vertrages ; den Regierungen stehe überall das Rechts zu, den Zeitpunkt selbst festzusetzen. Das Verlangen, daß die Legislativen über Annahme ober Nichtannahme eines internationalen politischen Vertrages entscheiden sollen, sei nicht gerechtfertigt. Das Occupattons-Mandat sei eine äußere, nicht eine innere Angelegenheit. Eine harmonische Leitung dcr auswärtigen Angelegenheiten sei nothwendig, weil sonst der Dualismus ad absurdum geführt, dann aber der Centralismus folgen würde. Andraffy könne den Delegationen die besten Aufklärungen geben, deshalb bitte er (Tisza), den Zusammentritt der Delegationen nicht zu verzögern.
Pesth, 2. November. Tisja hat in der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses den Berliner Vertrag in Abschrift auf den Tisch des Hauses niedergelegt.
IranLreich.
Paris. Dem „Rappel" zufolge wäre in maßgebenden Kreisen davon die Rede, den größeren Theil des Weltausstellungs-Gebäudes am Marsfelde dauernd zu erhalten und zwar darüber in folgender Weise zu verfügen: Das erste Drittel des Gebäudes von der Fa^ade vor der Jenabrücke bis zur Avenue Rapp würde von dem Ganzen losgetrennt und durch eine der Farade parallele Verbindungs'Gallerie zu einem selbständigen Viereck geschloffen werden, welches das neue ethnographische, das neue pädagogische Museum und andere gelegentliche Ausstellungen aufzunehmen hätte; die im Innern dieses Abschnittes gelegenen Gallerten würden abgetragen und dieser ganze Raum in einen englischen Garten verwandelt werden. Das zweite Drittel des Palastes, in welchem der Pavillon der Stadt Paris das Haupt- und Mittelstück bildet, wäre durchaus zu demoltren und in eine bequeme Verbtndungsstraße zwischen den östlich ui d westlich vom Marsfelde gelegenen Stadttheilen umzuwandeln. Der dritte Theil endlich, welcher der Ecole militaire gegenüber liegt, könnte zur Aufnahme der schon lange vom Kriegsministerium verlangten Generalmagazine der Armee bestimmt werden. Man schätzt die für diese Veränderungen erforderlichen Ausgaben im Ganzen auf 800,000 Francs. Die Zukunft dieses Projects ist aber vorerst an die noch nicht entschiedene Frage geknüpft, ob die Stadt Paris der Regierung auch, wie diese wünscht und zu dem von ihr geforderten Preise, den Trocadero-Palast abnehmen wird. Geschieht dies nicht, so würde dies Palats allein dem Staate mehr als Raum genug für alle erdenklichen Museen bieten und es läge dann kein Grund vor, das Marsfeld seiner bisherigen Bestimmung eines großen Exercierplatzes zu entziehen.
England,
London. Ein Konstantinopeler Correspondent des „Standard" will aus bester Quelle wtffen, daß die Ruffen bei Adrtanopel große Streitkräfte zusammenziehen und wenigstens 80,000 Mann zwischen Adrianopel und Konstantinopel stehen. Auch sollen die Ruffen die Bulgaren in großen Maffen ein- exerciren und ausrüsten und die Bewegung, welche auf Grundlage des Vertrages von San Stefano Ostrumelien mit der Bulgarei vereinigen will, eifrig schützen. — Der österreichische Botschafter in Stambul, Graf Zichi, hat nach Wien berichtet, daß die Nachricht, Oesterreich-Ungarn habe den Vormarsch auf Novi- bazar aufgegeben, einen sehr guten Eindruck auf der hohen Pforte gemacht habe. Man will wiffen, daß die Beziehungen zwischen England, Frankreich, Oesterreich und der Pforte in der letzten Zeit sich freundschaftlich gestaltet haben.


