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'gezeichnete
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Str. 232. Samstag, den 5. Oktober L878.
ANkige- iti AmtsbKit für lei Kreis Gießen.
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Amtlicher Theil.
Gießen, den 1. October 1878.
Betreffend: Den im October 1878 vorzunehmenden Wtesengang.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Nach Artikel 7 der Wiesenpolizei -Ordaung ist im Monat October der Wiesengang von den Wiesenvorständen unter Zuziehung der Feldschützen und Wiesenwärter vorzunehmen.
Wir beauftragen Sie deßhalb, dieselben hierzu baldigst aufzufordern und die über den Wiesengang auszunehmenden Protokolle bis längstens zum 1. k. M. anher vorzulegen.
In diesen Protokollen haben die Wtesenvorstände, was Sie denselben noch besonders eröffnen wollen, hauptsächlich folgende Punkte aufzunehmen:
1) ob die 'Anordnungen, welche Sie bei dem im März d. I. vorgenommenen Wiesengang getroffen haben, befolgt worden sind und welche nicht;
2) welche Anordnungen von den Wiesenvorstanden zur Beseitigung der bei dem diesmaligen Wiesengang vorgefundenen Mängel von Ihnen getroffen worden sind oder vorgeschlagen werden; hierbei wird den Wiesenvorständen besonders empfohlen, ihr Augenmerk namentlich auch auf die Reinigung der Wiesen von Gestrüpp, Gesträuch, Moos rc., auf die Entfernung der Herbstzeitlosen, des Erdauswurss aus den Be- und Ent- Wässerungsgräben, auf die Verebenung der Maulwurfshügel und dergleichen und auf die Unterhaltung der Be- und Entwässerungsgräben zu richten und hierbei nach den bestehenden Bestimmungen zu verfahren;
3) Verbefferungsvorschläge in Bezug auf größere Wiejenfluren, namentlich solche, zu deren Ausführung das Wwsenculturaesetz vom 7. October 1830 Anwendung findet.
Zu Nr. 2 erläutern wir, daß Sie in der Regel, insofern kein besonderer Anstand vorliegt, jedem der betreffenden Wiesenbesitzer speciell eröffnen wollen, welche Mängel der Wiesenvorstand vorgefunden hat und daß diese Mängel binnen der vom Wiesenvorstand zu bestimmenden Frist so gewiß zu beseitigen wären, als sonst die nöthigen Herstellungen auf Kosten der Säumigen angeordnet würden. Nach fruchtlosem Ablauf der gesetzten Frist wollen Sie nach Anhörung des Wiesenvorstandes weitere Anträge stellen. Jedenfalls sind die von Ihnen getroffenen Anordnungen in den von Ihnen einzusendenden Proio- kollen einstweilen zu erwähnen.
Das Protokoll über den Rundgang ist von allen Theilnehmern zu unterzeichnen. War ein Mitglied des Wiesenvorstandes verhindert, am Rundgange Theil zu nehmen, so ist dies am Schluffe des Protokoües zu bemerken.
Sollte der Wtesenvorstand, der außer dem Gr. Bürgermeister oder Beigeordneten, mindestens noch aus zwei Ortseinwohnern, welche Wiesen besitzen,
ooer solche zu benutzen ober zu verwalten haben, bestehen soll, nicht mehr vollständig sein, so wollen Sie den Gemeinderath wegen Ergänzung des Wiesen
vorstandes vernehmen und uns die Anträge des Gememderathes in besonderer Verhandlung vorlegen.
Wenn schließlich Exemplare der Wiesenpolizet-Ordnung fehlen, empfehlen wir Ihnen anzugeben, wie viel Exemplare derselben Sie bedürfen.
___Dr. Boekmann.____________________________________________
Generalversammlung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen.
Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des landwirthsch. Vereins von Oberhessen soll am Samstag den IS. Oktober l. I., des Vormittags 11 Uhr, zu Gießen im Gasthaus zum Einhorn stattfinden.
Gegenstände der Verhandlungen werden sein:
1) Erstattung des statutenmäßigen Rechenschaftsberichtes.
2) Die zweckmäßigste Anwendung künstlicher Dungmittel.
3) Die Errichtung einer landwirthschaftlichen Creditbank.
4) Die Errichtung von Molkerei-Genossenschaften.
5) Die Verbesserung des Feldschutzes.
6) Die Einwirkung der Einführung indirecter Steuern auf die Landwirthschast.
7) Die Gründung von Arbeiter-Hülsskassen auf dem Lande.
Nach § 33 der Statuten muß jedes Mitglied des Vereins, welches in der Versammlung einen Vortrag zu halten wünscht, diese Absicht vor Beginn derselben dem Präsidium zu erkennen geben; schriftliche Mittheilungen sind mindestens einige Tage vor der Versammlung bei demselben einzuretchen.
Der Unterzeichnete ladet hiermit die Vereinsmitglieder, sowie alle Freunde der Landwirthschast zu dieser Versammlung hiermit ergebenst ein. Friedelhausen, am 1. Oktober 1878.
Der Präsident des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen. __________________________________________Ad al bert Freiherr Nordeck zur Ra b e n a u.
Aotilischer Ph-il.
schwerem ist.
\ Ur heute wollen wir nur einen Punkt herausgreisen: den Größenwahn. Wir I zählen gerade diese Krankheit unserer Zeit, weil gerade sie sehr weit verbreitet weil sie ihrer ganzen Natur nach so verderblich wirkt, wie kaum eine
die den Schein über das Sein, den äußeren Glanz über den inneren Kern setzt, führt er dazu, den richtigen Maßstab für die Würdigung der Dinge vollständig zw verlieren und von einem Jrrthum in den andern zu verfallen.
Der Größenwahn offenbart sich in allen Ständen und Berufsarteu. Ueberall will man über den Platz hinaus, auf den man gestellt ist, überall will man Erfolge erringen, überall steckt man sich hohe Ziele, ohne zu fragen, ob diese denn auch im Verhältnisse stehen zu den eigenen Kräften, nirgends sagt man sich, daß jede Arbeit ehrt, wenn sie nur mit Fleiß, Tüchtigkeit und Strebsamkeit ausgeführt wird; nirgends bedenkt man, daß zur richtigen Schätzung des Menschen weniger darauf ankommt, was er ist, als wie er's ist. Ueberall ist man mehr aus Glanz und Schimmer, als auf inneren Gehalt bedacht.
Die Folgen machen sich denn auch vielfach geltend. Im Beamtenstande führen sie oftmals zu der nichtsnutzigen, gesinnungslosen Streberei, die vor dem hohen Chef katzbuckelt, den Untergebenen aber dafür tyrannisirt; die mehr an das baldige Einrücken in die nächsthohe Stelle, als an die vollständige Ausfüllung der jetzigen denkt; welche die Aufmerksamkeit des Vorgesetzten durch irgend eine glänzende Einzel-Leistung erregen will, aber die prunklose, nirgends in die Augen fallende, pünktliche Alltags-Arbeit verschmäht; welche schließlich, wenn ihre Hoffnungen sich nicht erfüllen, zum totalen Zerfallen mit sich selbst, zur Unzufriedenheit mit dem Berufe, zum Haß gegen alle Vorgesetzten führt.
| Wenn wir diese Frage gewissenhaft und gründlich beantworten wollen, ! |o werden wir gar nicht anders können, als daß wir einen großen Theil der —I für unsere Zustände auf uns selbst nehmen. Die Zeiten sind eben | ^cht besser geworden, weil die Menschen nicht besser geworden sind. Das ist .< Aeich^' "re alte Wahrheit. Die Schuld außerhalb zu suchen, bet der Gesetzgebung, im M der Umgebung, bei diesem und jenem nutzt nichts; es nützt wett mehr und man k. (59*'" kommt der Wahrheit näher, wenn man bet sich selbst den Anfang macht.
, Darüber, worin wir's heutzutage meist versehen, wäre viel zu sagen. rtmül-lR*' ///- ftut beute wollen wir nur psnon flhinff . htm (Tftrnfipnnmftn. flXtir
-Größenwahn.
„Laßt uns besser werden, gleich wird>s besser sein", heißt es in einem alten Liede. „Laßt uns besser werden, gleich wird's besser sein", möchten wir wiederholen als Antwort auf die vielen Klagen, welche in Bezug auf die schlechte Leit, auf die wirthschastliche Lage, auf unsere Gesetzgebung, ja schließlich auf Alles und Jedes laut werden. Es ist nicht in Abrede zu stellen, manches von lcm, was da bekrittelt wird, könnte besser werden, wett besser sein; wo aber liegt denn der Keim des Nebels? Liegt er in den Zuständen an sich oder ! nicht vielmehr in uns selbst, die wir diese Zustände durch unser eigenes I Kebahren herbeigeführt haben?
ebenen.
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! ij und ilifll?! ’ udere. itfl- W Der Größenwahn, wie wir ihn hier verstehen, ist nichts anders, als die e ßksl-^ ’ ueberschätzung der eigenen Kräfte, der eigenen Leistungen und demzufolge auch ( ggW"1 k”' ®-‘xw------- k-----' " ” - ~ - ■■ ****'*-••
Noch tiefer einschneidend sind die Folgen dieser Richtung im wtrthschaft- lichen Leben. Einige Beispiele mögen genügen; glücklicher Weise sind es ja , ■ - - ° u -1-, — ...... W|.-...D... -.....-o-i—o- —7,nur immer vereinzelte, besonders krasse Fälle, von denen wir zu reden haben,
oer Berechtigungen, die daraus herzuletten sind. Gepaart mit Oberflächlichkeit,!und auch an Gegenstücken fehlt es nicht. Aber diese vereinzelten krassen Fälle


