wo das künftige Fest abgehalten wclden kann. Nachmittags 21/r Uhr bewegte sich wieder ein Festzug, wie am Tage vorher, diesmal von der Marburgerftraße aus nach dem Festplotze, woselbst denn die Regimentsmustk concerttrte und einzelne Vereine mit großem Beifall Grsangvorträge hielten. Gegen Abend gaben sich wieder Viele dem Tanzvergnügen hin, und um 10 Uhr wurde der Festplatz durch verschiedenfarbiges bengalisches Feuer erleuchtet.
Eine unerwartet, colossale Menschenmenge wogte an den beiden Haupttagen auf dem geräumigen Festplatze theils frei umher, the'ls in den hübsch geschmückten urb b-flaggten Abends sehr gut beleuchteten Wirthschaftslocalitäten, welche sämmtlich mit Gästen aus allen Ständen fast überfüllt waren. Eine heitere, ja thetlwetse die flöh lichste Stimmung herrschte hier überall während der ganzen Dauer des Festes und so ist es nicht zu verwundern, daß sehr Viele bis zur frühen Morgenstunde auf dem Platze verweilten und selbst dann sich nur ungern von ihm zu trennen schienen. Wohl ieder Theilnehmer verließ dos Fest um eine schöne Erinnerung reicher und mit der Ueberreuaung, daß auch dieses Fest den früheren, in Gießen abgehaltenen würdig zur Seite ilu stellen sei. Der gastfreundliche Sinn und die Opferwilligkeit der Bewohner Gießens hat sich wieder einmal rühmlich bewährt. Ihnen allen gebührt dafür bei Volle aufrichtige Dank des LahMhal-Sängerbundes. Dieser selbst aber und die hiesigen Gesangvereine, welche dem Sängerbünde noch nicht angehören, mögen auch ferner blühen und immer mehr gedeihen. W—r.
Gießen, 4. Juli Der Schwurgerichtshof der Provinz Oberhessen sprach gestern den Heinrich Bernhard III. von Angenrod wegen angeschuldigten Meineids, — nachdem die Geschworenen in dieser Beziehung ein Nichtschuldtg erklärt hatten — von Strafe und Kosten frei;
dagegen verurthetlte derselbe Nachmittags, den Johannes Becker V. von Michel bach wegen Diebstahls, in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten an welcher jedoch 2 Monat erstandene Untersuchungshaft in Abzug zu bringen sind, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren;
während Fetbel Stern von Schotten wegen der angeschuldigten Begünstigung dieses Diebstahls, — nachdem die Geschworenen in dieser Beziehung ein Nichtschuldtg erklärt hatten — von Strafe freigesprochen, wurde-
Vermischte-.
— lieber das beklagenswerthe Geschick des am 23. Juni an der Hundswuth ge storbenen jungen Schriftstellers CK6rt-Montigry berichtet ein Pariser Correspondevt her »Köln. Ztg." nachstehende Einzelheiten. Derselbe wohnte mit seinem Vater in Passy und hatte die Gewohnheit, des Abends, wenn er nach Hause kam. mit seinen Hunden, die sich im Hof befanden, einige Augenblicke lang zu spielen. Vor ungefähr vierzehn Tagen biß ihn dabei eine Dogge in die Nase. Er wusch die kleine Wunde einfach mit Wasser aus. Am folgenden Morgen kam sein Bedienter, um ihm mitzu- Iheilen, daß die Dogge sich in einem eigenthümlichen Zustande befinde, ihn selbst und auch mehrere Hunde gebissen habe. CH6ci Montigny brachte die Dogge nun zu einem Thierarzt, wo sie angeblich starb. Er war jedoch keineswegs beruhigt, verschwieg aber die ganze Sache, um seinen 70jährigen Vater nicht zu erschrecken. Am letzten Donnerstag war er auf der Revu? des Longchamps Nach seiner Rückkehr klagte er über Kopfschmerzen, die am Freitag Morgen stärker wurden. Er sagte, er habe einen Sonnenstich erhalten. Der Tag und die Nacht vom Freitag verliefen ziemlich ruhig, am Samstag Morgen jedoch trat eine plötzliche Aenderung ein; der Kranke war äußerst düster und nervös. Am Samstag Abend sagte er zu der Dienerin, die ihn seit seiner Kindheit pflegte (seine Mutter, die bekannte Schauspielerin, starb vor ungefähr 18 Jahren und der junge Molstfi ny ist 22 Jahre alt): „Küsse mich zum letzen Male!"; Helene tbat es, indem sie weinend fragte: „Warum zum letzten Male?" „Weil," erroiebette er, „es in einigen Stunden gefährlich sein würde, da die Dogqe wüthend war, als sie mich gebissen hat, und ich fühle, daß ich selbst wüthend werde!" Die Krisis brach des Abends aus; der Arme tobte, zerbrach alle Spiegel und sonstigen Möbel. Eine Idee beherrschte ihn: er wollte nicht, baß sein Vater bei ihm bleibe. „Ich bitte dich, Vater, geche fort!" sagte er, „ich Hobe Furcht, eine Krisis zu beko nmen und dich zu beißen!" Man nahm einen starken Mann, um ihn zu überwachen. Später verlangte er selbst, daß man ihm eine Zwangsjacke anlege. Wan tbat es, obgleich er heftigen Widerstand Wei leistete. Er winkte alsdann seinem Wächter und bat ihn, ihm seine Hand an feine Lippen zu legen, damit er sie aus Erkenntlichkeit küsse. „Jetzt," meinte er, „kann ich Niemanden LeidH zufügen!" Einige Stunden darnach starb er. Montigny's Vater ist der Verzweiflung nahe. Ec hatle die Directivn detz TMtre du Gymnase nur noch weiter geführt, weil er wollte, daß der Verstorbene sie nach ibm übernehme.
— Newyork. Amerikanische Journale erzählen mehrere komische Details über eine Spiritistensitzung. Es wurde angekündigt, daß der „Geist" des berühmten Daniel Webster während der Sitzung das Zimmer in sichtbarer und körperlicher Form durchschreiten werde, ohne daß man ihn aber gehen hören wird. Leider befand sich unter den Anwesenden ein arger Skeptiker, dem es ohne entdeckt zu werden, gelang, den Fußbodm mit winzigen Nägeln zu besäen. Der ..Geist" erschien und wollte seinen Spaziergang beginnen, aber schon beim erstes Schritte hielt er inne und befühlte mit schmerzhaftem Ausdruck seine Füße. Dasielbe wiederholte sich beim zweiten Schritte. Beim dritten konnte der „Geist" sich nicht mehr enthalten, einen ziemlich irdischen Ausruf auszustoßen und setzte sich auf den Boden nieder, um aber allsogleich unter heftigem Fluchen wieder aufzuspringen und zu verschwinden. Die anwesenden Gläubigen, welche sich das sonderbare Benehmen des „Geistes" nicht zu erklären vermochten, konnten sich vor Ueberraschung kaum erholen.
Literarisches.
Eine längst mit Spannung erwartete Abtheilung von „Brehms Thierleben" (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig): die Niederen Thiere, von Profesior Oscar Schmidt in Straßburg, ist jetzt in der zweiten, umgearbeiteten Auflage zum Abschluß gebracht und muß als eine Glanzpartie dieses klassischen Werkes bezeichnet werden.
Gerade auf dem Gebiete der niederen Lebewesen bewegt sich die Forschung, angeregt durch die Ideen Darwins, Häckels und anderer Koryphäen der Entwickelungstheorie, in neuester Zeit so umgestaltend wie auf keinem anderen. Durch die neu eröffneten zoologischen Stationen zu Neapel, Triest rc. wurden dem Forscher zudem Beobachtungsgebiete erschlossen, die bisher so gut wie nicht vorhanden waren. Die Resultate sind bekanntlich von der weittragendsten Bedeutung und mußten auch der Schmidt'schen Darstellung in „Brehms Thierleben" ihren Stempel aufdrücken. Seine ebenso umfassenden wir erfolgreichen Studien gerade in diesem populären Werke niedergelegt und so zum Gemeingut gemacht zu haben, ist ein Verdienst Oscar Schmidts, das in hohem Grade anerkannt werden muß.
Auch mit Bezug auf die außerordentlich reichhaltige Illustration ist dieser Band geradezu epochemachend zu nennen. Freilich konnte eine so außergewöhnliche Leistung nur durch außergewöhnliche Mittel erzielt werden. Die Schwierigkeiten in der Beschaffung wirklich wahrheitsgetreuer Abbildungen dieses eigenthümlichen Thierkreises kennt nur der Fachmann; ihre Ueberwindung ist hier in bewunvernswerther Weise gelungen Wie früher an zahlreichen anderen Küsten europäischer Meere, so neuerdings in dem Aquarium zu Neapel während zweier Winter lag der Verfasser speciellen Studien für dies Werk ob. Gleichzeitig wurden dort auch unter seiner wiffenschaftlichen Leitung künstlerische Beobachtungen angestellt, die es ermöglichten, dem Buch eine Reihe vonThier- bildern einzuverleiben, die hier überhaupt zum erstenmal zu finden sind, während andere durch neue, richtigere Auffassung und unmittelbar der Natur abgelauschte Bewegung alles bisher Dagewesene übertreffen. In der technischen Herstellung, in der Ausstattung des Buches überhaupt hat das Bibliographische Institut ein Meisterstück qeliefert.
entschiedener Gegner allzr sogenannten Geheimmittel, hatte in seinem bedeu- tenden Wirkungskreise sehr oft Gelegenheit, die verschiedenartigsten Haus-und
Heilmittel kennen zu lernen und darunter sehr viele, welche längst verschollen sind. In den letzten Jahren traf er häufiger, ja so häufig die wohl keinem Arzte dem Namen nach mehr unbekannten Dr. Airy'schen Specialitäten an, daß er stutzig wurde. Anfangs glaubte er, die überraschend schnelle Aufnahme den Annoncen zuschreiben zu müssen, sah aber bald ein, daß die meisten seiner den bessern Ständen angehörenden Patienten nickt in Folge der Annoncen, sondern auf Empfehlung von Bekannten hin die Airy'schen Remevien in Gebrauch genommen hatten. Dieser Umstand und die ihm entgegengetretenen überraschenden Resultate veranlaßten ihn, jene Specialitäten am Krankenbette selbst zu prüfen. In keinem einzigen Falle konnte er eine absolut schädliche Wirkung diesen Mitteln Schuld geben, in sehr vielen aber einen so entschiedenen Umschlag zur Besserung des Krankheitsfalles, daß der Arzt selbst in eigener Familie diese Airy'schen Specialitäten als Hausmittel einführte und seither kein mißbilligendes Urtheil über dieselben mehr gelten läßt. Wer sich nähere Kenntniß über die Naturheilmethode des Dr. Airy verschaffen will, beziehe das instructive Buch, welches klare Abhandlungen über die meisten Krankheiten, sogar mit belehrenden Illustrationen für den enorm billigen Preis von nur 1 Mark gewährt, direct aus Rickter's Verlags-Anstalt in Leipzig. . *
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