Ausgabe 
5.4.1878
 
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Anikige- unb Amtsblatt für btn Kreis Gicht».

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politischer T - e i t.

denselben P^^Weise hat seit 1856 die Umwandlung der Weltlage stattge- funben und wenn die geschilderten Vorgänge auch allgemein bekannt sind, so ist es doch keineswegs gänzlich unnütz, derartige geschrchtUche Erinnerungen wieder hervorzusuchen. Geschähe dies auch nur, um im Rückblick auf überstandene schwere Zeiten, sich einer gesicherten Gegenwart bester bewußt zu werden und dieselbe höher schätzen zu lernen-

Hefterreich.

Wien, 2. April. Salisburys Circular-Note hat hier den besten Ein­druck gemacht. DasFremdenblatt" sagt: Consequentes Zusammengehen Eng- !ands und Oesterreichs werde die Erhaltung des Friedens und die Sicherung der Unabhängigkeit Europas bewirken. Die Zeit fei nicht darnach, ein Sepa­ratabkommen zuzulasten. Wolle Rußland eine friedliche Verständigung, so fei der Congreß das einzige Mittel hierzu. Es verlautet, daß Jgnatieff nächste Woche hierher zurückkehren werde.

Arankreich.

Versailles, 2. April. In der heutigen Sitzung des Senats sagte der Senator Lafond de Saint-Mur (von der Rechten): Angesichts der äußeren Verwickelungen glaube er die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Lage der türkischen Staatsgläubiger hinlenken zu sollen. Er ersuche den Minister des Aeußern, dem Senate die Instructionen mitzutheilen, welche er den Vertretern Frankreichs über diesen Gegenstand zu ertheilen beabsichtige. Minister Waddington antwortete: Angesichts der ernsten Ereignisse im Orient sei es unmöglich, eine präc.se Antwort zu ertheilen; er könne nur erklären: wenn der Congreß zusammenträte, wenn wir uns in dieser Frage im Einvernehmen be­fanden mit den anderen dabei interessirten Mächten, so wurde diese Frage vielleicht zu denjenigen gehören, welche dem Congrefte unterbreitet werden konn­ten. Der Senator Lasond nahm von dieser Erklärung Act.

Der Senat votirte den Gesetzentwurf, welcher die Posttaxe für Briese und Zeitungen im Innern des Landes herabsetzt und vertagte sich sodann bis rum 29. April. Die Kammer nahm das Belagerungszustands-Gesetz mit den vom Senat beschlossenen Modificationen an. Finanzminister Löon Say legte das Budget für 1879 vor; darin sind die Einnahmen zu 2714 Millionen, die Ausgaben zu 2713 Millionen veranschlagt. Die Ausgaben des Kriegsbudgets haben sich um 14 Millionen, die des Marinebudgets um 3 Millionen ver­mehrt. Ein Credit von 248 Millionen ist in das Budget für 1879 zur Aus­führung der von dem Arbeiter-Minister Freycinet projecttrten öffentlichen Arbeiten eingestellt worden.

Deutschland.

Darittstadt, 1. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beil.

Nr. 10, enthält: ,

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die für das Jahr 1878 zur Bestreitung der Communal-Bedürfniffe nach dem Voranschlag der Stadt Offenbach zu erhebenden Umlagen betreffend.

2. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedurfnifte in den israelitischen Religions Gemeinden des Kreises Gießen.

3. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Communal-Bedürsnifte in den Gemeinden des Kreises Friedberg. cm, ,

4. Uebersicht der für das Jahr 1878 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Worms.

5. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die erste Gemetnde-Schu stelle zu Angenrod mit einem Gehalt von 771 «X; die zweite Gemeinde-Schulftelle zu Hausen mit einem Gehalt von 685 ^. 71^; die dritte Gemeinde-Lchul- stelle zu Grünberg mit einem Gehalt von 1114 dt 32 H. Dem Stadtvorstand zu Grünberg steht das Präfentationsrecht zu.

Darmstadt, 2. April. Se. König!. Hoheit der Großberzog haben allergnäcigst geruht: am 9. März 1878 den pensionirten Stations-Controleur, Zoll-Jnspector Karl Mann, zum Hauptsteueramts-Controleur bei dem Haupt­steueramt Gießen zu ernennen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr» Eorrespondenz-Burea«.

London, 3. April. DasAmtsblatt" veröffentlicht die Ernennung W. N. Jocelvn's, gegenwärtig Secretär der britischen Botschaft in Konstan­tinopel, zum Geschäftsträger für Baden und Hessen-Darmstadts - Dem Ver­nehmen nach wird Sandon zum Präsidenten des Handelsamtes an Adderley s Stelle ernannt werden, welcher Peer wird. , .

Wien, 3. April. Die hervorragenden Morgenblätter besprechen das Rundschreiben Lord Salisbury's günstig und äußern meist die Ueberze^ng, daß nur die Nachgiebigkeit Rußlands den Ausbruch des Krieges mit England ""^"sonbon', 3. April. Ein Telegramm des Standard" aus Kvnstan- ttnopel vom 2. d. meldet: Da die Rusi.n fürchten die Türket werde tm Falle eines englisch - russischen Krieges ihre Neutralität bchaup.en, so verengte der Dragoman Onou die Räumung der Forts an den toben Uf»n des Bosporus, die Uebergabe Gallipolis. Bnlairs. Maschlaks, Makl.kats und di- U-beriasiung mehrerer Kasernen und Hospitäler. Großsürst Nikolaus bette,bt diese F°rde- rungen, welche als Ultimatum angesehen werden. Der Sultan und Vesik Pascha^sind^gegen^ dieselben.ig^ b(e Regierung beschlossen, den Herzog von Edinburgh unverzüglich vom Mittelmeer abzuberusen. D» C-nalflot - gehe wahrscheinlich demnächst nach dem Piräus. Der Erzbischof von Can­terbury hat im Hinblick auf die ernste Krisis Friedensgebete angeordnet.

Die Times" weift darauf hin, daß Oesterreich und England in ihrer Ansicht über den russisch-türkischen Friedensvertrag und über die Mittel, durch

Kngkaud.

London, 2. April. In Devonport werden für den Hospitaldienst im Mittelmeer zwei hölzerne Kriegsschiffe eingerichtet. Granville und Hartington empfangen morgen eine Deputation der liberalen Vereine Englands, die von John Bright geführt wird. Dieselbe will sich zu Gunsten der Erhaltung des Friedens aussprcchen. -Standard" zufolge ist, um nicht die Elfersucht der ausländischen Mächte zu erregen, die Absicht aufgegeben worden, auf Tenedos eine Flottenstatlvn zu errichten.

Amerika.

Washinaton, 2. April. Die Justiz Commission der Repräsentanten- Kammer genehmigte die Bill, betr. die Bezahlung der vom Genfer Schiedsge­richt in der Alabama-Angelegenheit der amerikanischen Regierung zugesprochenen Entschädigungs-Summe nebst Zinsen.

Tempora mutantur.

In diesen Tagen, wo w.r das Zusammentrele» eines europäischen Con- areNes in Berlin zu erwarten glaubten, dürfte manchen unserer Leser em Ruck- L auf den Pariser Congreß vom Jahre 1856 und eine Vergleichung der damaligen politischen Lage Deutschlands mit seiner gegenwärtigeninteressnem oUr Qeit des Krimkrieges war unser Vaterland noch m 36 Staaten und Stäätchen zerstückelt, der NameDeutschland" existirte politisch ganz und gar picht. Es gab nur ein Preußen, ein Bayern, ein Heften u. s. w. und all diese , Länder, statt sich zu nähern und in gegenseitiger Unterstützung einen Halt gegen Bedrohungen von Außen zu gewinnen, silchten in nichtiger ^^U^telei sich gegen einander möglichst abzuschließen. Der einzige deutsche Staat, welcher zur Mitwirkung im europäischen Concerte zugelaften worden war, war Preußen, und auch dieses wurde nur geduldet. Die erste stimme im politischen Rache Batte Frankreich sich angemaßt. Sein ränkevoller Herrscher Napoleon III. liebte es ein wenig den Jupiter tonnans Europas zu spielen, von Zeit zu Zett die ihm aufmerksam lauschenden Staaten durch drohende und -um Thett unver­ständliche Orakelsprüche in Furcht zu setzen oder durch eine friedlich klingende Thronrede belebenden Sonnenschein auf den Gebieten der Politik hervorzurufen. Es konnte unter diesen Derhältniften der Congreß von 18u6 nur in Pans, nur unter Frankreichs Präsidium ftattsinden.

Nachdem die französischen Truppen aus der blutgetränkten Krim w eder nach Frankreich zurückgekehrt waren, eröffneten die Vertreter der europäischen Großmächte den Congreß. Den Vorsitz führte für Frankreich der Graf Colonna Walewski, ferner waren gegenwärtig d,e Vertreter Rußlands. Englands, Oester reichs, Italiens und der Türkei. Nur für Preußen ivar Niemand anwesend, dieser Staat war nicht einmal eingeladen worden Nach den ersten Sitzungen fiel es den Diplomaten aber doch ein, daß eine solche Rücksichtslosigkeit gegen Preußen zum mindesten unhöflich sei. Es wurde daher rasch nochpost^festum ein Einladungsschreiben nach Berlin geschickt, worauf der preußische Mmister Präsident, He^rr v. Manteuffel, nebst dem preußischen Botschafter, dem Grafen v Hatzfeld, an den ferneren Berathungen theilnahm. Freilich gelten die Vertreter Preußens dabei nur eine stumme Rolle, die übrigen Großmächte glaubten Preußen durch die Erlaubniß, seinen Namen unter den Vertrag setzen zu dürfen, hinreichend genug Ehre angethan zu haben.

Mit solcher Geringschätzung wurde Preußen und mit '^ Deutschland von seinen Nachbarstaaten vor 22 Jahrnr betrachtet Die rast os zerstörend und neuauibauende Zeit hat seit jenen Tagen die Verhältnisse der Großmächte zu einander in ungeahnter Weise verändert. Die poKttfd)e Macht Frankreichs ist gebrochen, sein Imperator im Exil gestorben. Um des mächtigen Deutich- lands Gunst buhlen aber die Großmächte. In der Hauptstadt ^s deutschen Reiches, in Berlin, sollte der Congreß ßcrttfinden und der deutsche Reichskanzler