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5.3.1878
 
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Mitter-

Der Friedensvertrag ist

bester kennen, denn gerade jene ersten Symptome von Selbständigkeit uub rück­sichtsloser Energie sollen ihm die noch schwankenden Stimmen einiger fremden Wähler zugewandt haben. Gelegentlich läßt er wohl auch, statt zu schelten und anzuherrschen, seine sarkastische Ader spielen, wie in dem folgenden Fall. Von der Segnungsceremonie aus St. Peter m den Vatikan zurückgekehrt, gab Leo XIII. Befehl, die Bischöfe, Monsignore, kirchlichen Würdenträger aller Art, die schaaren- weise in den Palast herbeigeeilt waren, ohne Ausnahme zu ihm vorzulasten. Unter ihnen befand sich auch das Oberhaupt eines bekannten Ordens, der zu­fällig nur mit einigen wenigen seiner Untergebenen erschienen und deshalb von der Audienz nicht eben angenehm überrascht war. Sei es also Verwirrung, sei es, daß er sich noch nicht an den Gedanken gewöhnt hatte, Cardinal Pecci sei seit einer Stunde der von dem heiligen Geist bestellte Nachfolger Petri als der Prälat zu dem neuen Papst heranttat, küßte er ihm nur die Hand und sagte, auf seine schwache Begleitung weisend, er hoffe demnächst Gelegen­heit zu haben, dem heiligen Vater seine Bruderschaft in corpore vorzustellen. Gewiß", entgegnete Leo phlegmatisch,und das wird Ihnen noch den Vor- theil gewähren, mir den Fuß küsten zu können." Unter dem Hellen Gelächter der Umstehenden trat der Mann ganz begossen seinen Rückzug an. So hat sich denn das große Ereigniß, dessen die christliche Welt so lange und so bange gewärtig war, rasch und unter verhältnißmäßig günstigen Auspicien vollzogen. In dem kurzen Conclave scheinen sich nach den mancherlei kleinen Jndiscretionen die mir darüber zu Ohren gekommen sind, erhabene und mehr als prosaische Scenen abgelöst zu haben. Das Schauspiel, welches die sixtinische Capelle bot, als die Cardinäle sich in ihr zur heiligen Äeistmeffe versammelten, soll von düsterer Majestät gewesen sein. Ich will mit einer Meldung schließen, deren Richtigkeit ich verbürgen kann. Bei ihrer ersten Huldigung, der sog. adoratio, richtete jeder der Cardinäle an den neuen Pontifex, der ihm den Frtedenskuß gab, einige Worte persönlichen Glückwunsches, wie sie ihm nun sein besonderes Verhältniß zu der Kirche und ihrem Oberhaupt eingab.Hei­liger Vater", rief bei diesem Anlaß Cardinal Hohenlohe dem Papst zu,ich lege Ihnen mein Deutschland an's Herz!" Und mit einem bedeutsamen Blick erwiderte Leo XIII.:Ich will es an mir nicht fehlen lassen." Es war doch wenigstens kein dürres Non possumus, welches der deutsche Kirchenfürst als Bescheid auf seinen kühnen Ruf etnheimste, und Pecci sagt man ja, ist gewohnt, jeoes seiner Worte auf die Wagschale zu legen. Herr v. Ledochowski, der den Ausspruch hörte, soll davon nichts weniger als erbaut gewesen sein, und schon verlautet, daß der Erzbischof von Posen Anstalten trifft, sein vatikanisches Asyl zu verlassen. Gar Manches scheint sich doch in der citta Leonina, die jetzt wieder diesen Namen verdient, ändern zu sollen."

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondeuz-Bureau.

k ®crVn' ? März. Reichstag. Eingegangen ist die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Verwaltungsjahres 1876/77. - Bei Fortsetzung der zweiten Be- rathung des Etats des RetchskanzleramtS und des BundesratheS rechtfertigt der Direc- ?cS d^ses gegen die von Reichensperger erhobenen Vor-

dasselbe habe in jeder Richtung seine Pflicht gethan und soweit seine Kräfte ^iAten, insbesondere eine sorgfältige Controle über den Verkauf der Lebensrnittel auS- geübt. Die Zmpfgesetz-Frage werde geprüft und falls eS angezeigt erscheine, das be- ftehende Gesetz abgeänoert werden. Mendel befürwortet die Einführung der obltga- tortschen Le Zenschau. Lucius erörtert die Aufgaben des Reichs-Gesundheitsamtes, das im Wesentlichen die richtigen Grenzen innegehalten habe. Zinn zieht seinen Antrag auf Verweisung des Etats des Gesundheitsamtes an die Budget-Commission zurück! Hausburg nimmt darauf den Antrag wieder auf. Das Haus lehnt denselben ab und bewilligt die verlangte Mehrforderung für das Reichs^Gesundhettsamt.

, _ einer unerheblichen Debatte über das Patentamt wird der Rest deS Etats des RetchSkanzleramts und des Bundesraths unverändert genehmigt und der Aus- ltererungsoertrag mit Brasilien in dritter Lesung angenommen. Es folgte hierauf die Grwerdegerichte^ über die Abänderung der Gewerbeordnung und der

k -»^Präsident deS RetchskanzleramtS, Hofmann, leitete die Debatte ein. An der Hand der Motive constattrt derselbe, daß das Bedürfn.ß einer Revision der Ge- ^^oe Ordnung von allen Parteien anerkannt werde. Er erläutert den in Betreff der Aroettsbücher eingeschlagenen Mittelweg, sowie die Bestimmungen über den Lehrver­trag, die Beschaff zung jugendlicher Fabrikarbeiter und hebt schließlich hervor, daß die Gewerbegerichte ht mehr als Anhängsel der Gerichte, sondern als selbständige Mute gedacht seien. Etwaig«! AbSnderungsoorschläge würden möglichste Berücksichtigung Session $ * crun0cn wünschten lebhaft das Zustandekommen der Gesetze in dieser

: dkom, 3. März. DieOpinione" will erfahren haben, daß der Papst

: den Cardinal Franchi zu Staatssecretär ernannte. Dem italienischen Parlament ? würden Gesetzentwürfe vorgelegt werden, betr. die Wahlreform, die Herabsetzung der Mahlsteuer, die Salzsteuer, die Tabakconvention, den Handelsvertrag mit

: Frankreich, den allgemeinen Tarif, sowie Eisenbahnconventton.

Der Ministerrath berieth gestern über die Frage betreffs des G irantie- gesetzes und sprach sich dahin aus, daß dieses Gesetz einen verfassungsmäßigen organischen Charakter habe, weil es öffentliches kirchliches Recht des Staates regele.

3. März. DieMontagsrevue" schreibt über die von der Regierung verbreitete Creditvorlage: Oesterreich wirft keine Machtfrage auf es recttficlrt nur aufgeworfene Machtfrage«. Das Wiener Crbinet hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß es die Bildung eines großen südslawischen Staates auf der Balkan-Halbinsel nicht zuzeben könne; nach den Stipulationen von Adrianopel und Kassanlyk repräsentirt aber Bulgarien einen solchen Staat. Oesterreich hat ferner eine dauernde Occupation Bulgariens durch Rußland stets zuruckgewiesen; die Mission Sumarokow's und die während der Konstan- tmopeler Conferenz aufgeworfene Garantlefrage scheiterte an dieser Einsprache. Ißenn nach den russisch-türkischen Friedensvereinbarungen ein längeres Verweilen der russischen Armee auch über den Friedensschluß hinaus beabsichtigt wird, so steht dieses in grellem Widerspruch gegen die Politik Oesterreichs und gegen die Eröffnungen, welche Oesterreich in diesem Sinne an das Petersburger Cabinet gelangen ließ.

Wien, 3. März. DieMontagsrevue" widerspricht entschieden allen b-unruhlgenb-i, Gerüchten über die b-.orst-h-nde Ergreisung von militärischen Maßregeln; für den in Aussicht genommenen Credit von 60 ÜÄ.a. fl. solle vor­erst nicht einmal di- Bedeckung votirt werden, was beweise, daß cs sich nicht um die b-rz-itige Verausgabung deffelben handele. DieMontazsr-ou-" glaubt an eine friedliche Beendigung der orientalischen Frage.

9iom, 3. März. Zu der Ernennung des Cardinals Franchi zum Staats- ecretar meldtt.dieAgenzia Stefani," die zum Vatikan in Beziehung stehenden H6"°n, s°b-w sie von dem B-fchluffe des Papstes, Simeoni als Staatssecretär zu bestätigen, Kenntniß erhalten, von einigen Cardinälen unterstützt, Bemerkungen solcher Art gemacht, daß Simeoni, welcher bereits im ejriffc gestanden, von dem Staatssecretariats-Posten Besitz zu ergreifen sofort °emi,st°niren mußte Die Mächte hätten i/der Bestätigung Simeonis d Fortsetzung einer Pol.tik erblickt, welch- sie der gegenwärtigen Epocbe ent- a? hätten -rächten können. Der Papst hab- hierauf Franchi zu« Lttaatsfecrelär ernannt.

_ Ackermann kritistrt die Vorlagen vom Standpunkte der Freiconservativen hU8 smnb J^nbigt Anträge an» welche sich auf Beschränkung der Schank-Concessioien, der Wanderlager und Waarenaucttonen beziehen. Präsident Hofmann thetlt mit, daß £ Öbkrl?^ra!irun9 ber Schank-Concesstonen von der preußischen Regierung

bereits ausgearbeitet werde und demnächst an den Bundesrath und den Reichsta« ae- la-gen werde. Auch bezüglich der Wanderlager und Waarenaucttonen seien Erörter- noch zu keinem Resultat gediehen. Rach einer weiteren, von Gensel und Walter geführten Debatte wird die Berathung bis Montag vertaxt.

TBten, 2. März. Meldungen, welche derPoltt. Corresp." aus Kon­stantinopel von mehreren Seiten zugehen, stellen den Einmarsch eines Theiles en ?rmcc Konstantinopel als nächst zu gewärtigende Eventualität übereinstimmend in Aussicht, und^zwar unabhängig von der Unterzeichnung des Friedensvertrages oder einer weiteren Verzögerung derselben. DerPolit. au$ Bubest gemeldet: In den von Rumänien besetzten bul­garischen Distncten herrscht eine sehr irrittrte Stimmung der bulgarischen Be­völkerung gegen die Rumänen vor, welche sogar eine bedrohliche Haltung anzu­nehmen beginnt. Die rumänische Regierung beschloß, um Conflicten auszuweichen, Widdtn von den rumänischen Truppen zu räumen und dieselben aus aani SBuIgarien u6er die Donau zurückzuziehen. Der Rückmarsch derselben hat be­reits am 27. Febr. begonnen. Aus Athen wird derPoltt. Corresp." von beute gemeldet: Die projecttrte Mission Tricupis' an mehrere Höfe ist auf- Üb'choben. _ Die Position Makrinitza ist von 1800 thessalischen Insurgenten ttHcfcer besetzt worden. Am Olympos-Gebirge sind 700 macedonische Insur­genten gelandet.

- 2 März. Heute Nachmittag fand bei Lord Beaconsfield ein

Special-Conseil der Minister statt.

n "7, "^"ter's Bureau" meldet: Sämmtliche beurlaubte Officiere erhielten S?^rer^ ^^blsung, sich zur Rückkehr zu ihren Truppentheilen bereit zu halten. Ter Befehl zur Rückkehr werde ihnen telegraphisch zugehen.

. l r?' 27 ^ürz. Die Kammer hat das Gesetz über die Colpor- tage ohne Discussion so angenommen, wie es vom Senat modifictrt ist. Heute hat ein Säbelduell zwischen Thomson (Linke) und Caffagnac wegen einer gestrigen Rede stattgefunden. Thomson erhielt einen Stich durch den Hals. Man hofft, daß die Verwundung keine tödtliche

Petersburg, 2. März, Abends. DieAgence russe" schreibt: Die Meldung desDaily Telegraph" betr. die Abberufung des Botschafters Loftus beziehe sich auf eine vergangene Phase der Krisis, seit derselben hätten die Russen bereits San Stef.no besetzt. - Bezüglich der Friedensbedingungen bemerkt dasselbe Organ: es sei nicht bekannt, ob der Friedensvertrag eine Klausel zu Gunsten der Besitzer türkischer Obligationen enthalte; indeß sei daran zu erinnern, daß Jgnatieff in den letzten Sitzungen der Konstantinopeler Conferenz die Aufmerksamkeit der Pforte ernstlich auf die Nothwendigkeit lenkte, ihren europischen Gläubigern gerecht zu werden.

London, 3. März. Reuters Bureau meldet aus Konstantinopel vom i. b.: «ußland habe bezüglich der Grenzen des künftigen Bulgariens Zuge- ständnisie gemacht und den Anspruch auf einen Theil der türkischen Flotte ganz ausgegeben. Werde auch noch über die Kriegsentschädigung verhandelt, so sei die Unterzeichnung des Friedensoertrages doch unmittelbar bevorstehend. Igna- tieff und^Savset Pascha hätten heute eine längere Unterredung gehabt. Morgen solle in L>an Stefano eine Truppenrevue statlfinden.

Das JournalObserver" meldet: Bis gestern Abend spät war auf dem auswärtigen Amte keine Nachricht bezüglich der wirklich erfolgten Unter­zeichnung des Friedensvertrages eingetroffen. Nach demselben Journal soll eine amtliche Bestätigung der Meldung derTimes", wonach bie Pforte befohlen habe, keine weiteren Kriegsschiffe bie Darbanellen passtren zu lasten, nicht vorliegen.

®rn6f?>(fter^Mr8e 4- 'Uhr früh. Ein ofstcielles T-l-gr-mm b°s

®ott verlieh uns bas Gluch b,e von Ew. Mas. begonnene groß- und b-ilige Lache zu beenblgen. Arn Tage b-r Befreiung b-r L-ib-ig-n-n erlösten Euere Mazestot die Christen vom Joche der Muselmänner.

, 4 Wq. 5)ie Nachricht von dem Friedensschlüsse oer=

breitete sich gestern am späten Abend durch die Stadt. Dichte Volksmaff-ii drängten sich auf allen Platzen und auf den Straßen nach dem kaiserlichen Pa- lais. Hier wurde der Kaiser durch begeistertes Hurrahrufen beglückwünscht. Der aU worauf die Volksmenge entblößten Hauptes

Die Nationalhymne anstimmte. v *

in Dl- Inthronisation b-s Papstes ha- heute Vormittag

t s ft11 dem herkömmlichen Ceremoniell im Beisein b-r

Prälaten und des diplomatischen Corps stattgefunden.

Nom, 2. März. Die Anzeichen für eine versöhnliche friedliebende Hal­tung deö Papstes nehmen zu. Bezüglich Italiens gab Leo XIII. einer Con- grcgation von Cardinälen die Erklärung ab, die einen tiefen Andruck machte; er sagte nämlich, daß jede unnütze Aufreizung der Massen oder der Regierung vermieden und Unvermeidliches hingenommen werden müsse, so weit die Sphäre des Gebens und der Moral nicht in Mitleidenschaft gezogen werde. to . ? März. DieNat.-Ztg." meldet: Die Entschließung Sr.

Majestät des Kaisers gegenüber dem Entlassungsgesuche des Ministers Camp^ hausen ist gutem Vernehmen nach dahin ergangen, daß zur Zeit ein Grund ?ür das Entlaffungsgesuch nicht vorliege und der Minister zunächst die Be­schlüsse des Reichstages gegenüber den Steuervorlagen abwarten möge.

«Pttbon, 4. März. Ein Telegramm desReuter'schen Bureau" aus Konstantinopel vom 2. d. bezeichnet wiederholt die Unterzeichnung des Friedens­vertrages als an diesem Tage, 2. März, Abends, bevorstehend, da ' einzelnen Punkte die Verständigung erzielt sei.

Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 3. d., ^»»ec- nachts : Der Friede ist unterzeichnet. Großfürst Nikolaus verkündete den Sol­daten bei der Revue die Unterzeichnung. Es heißt, Rußland habe auf die Verpfandung der Tribute von Egypten und Bulgarien verzichtet.

$efet$bHtg, 3. März, Abends. Der AriedenSvertraa til unterzeichnet. " 1

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Hohensolms, an FW. Oberfö^ Di 1^9) Revik

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