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Die westlichen Karolinen
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Ufo. S4. Dienstag, den 5. März 1878.
6>ielicncr Mcheiger
Anseigr- md AmtshisN sir de» Kreis Gießen.
—---— 7—-—, p -----------------*— “ 3 7"I Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
RedactionSbureaur Gartenstraße B. 165. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. bie moa bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Expcditkonsbureaur Schulstraße B. 18. ...„ ..... .........hi....... ■■ifM—■■ ■■■■■■'■■ Tinrw^
Bekannt m achun g.
Großberzoqlichcs Ministerium des Innern hat dem landwirthschaftlichen Bezirksverein Lauterbach, welcher aus Anlaß der Fe,er seines 25jähriaen Bestehens im Laufe dieses Jahres eine Prämiirung von Pferden, Rmdmeh, Schwemm und Schaafen zu veranstalten reabsichtiP. dke Erlaubniß ertheilt, hiermit eine Verloosung von Fohlen, Rindvieh, Schwemen K. und landwrrthschaftl.chen Gegenständen zu derbinven^ dbetresi n^Looseln d» 70°/» des Erlöses aus dem Loosverkauf zur
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. B o e k m a n n. ________________________
q>arf, Beschluß der Generalversammlung des landwirthschaftlichen Vereins von Oberheffen vom 6. November v. I. soll durch Ver- mittelunä des landwirthschaftlichen Vereins von Oberhessen ein größerer Ankauf von Setzkartoffeln, und zwar von Zwtebelkartoffeln, Rwfno HU 3iSSeMiet werd!.,, wenn sich eine genügende Anzahl Landwirthe der Provmz m.t zu machenden
5» erfolgen und gleicherweise auch durch dieselbe die demnachstige Ver.heilung und
Berechnung der Kostew Bestellung von Setzkartoffeln betheiligen wollen werden ersucht, mir längstens bis
zum 10 1 SrÄXg ä« «X Die Großherzoglichen Bürgermeistereien ersuche ich noch besonders, d.es zur Kenntmß ihrer Gemeindeangehörigen zu bringen und auf Wunsch der Landwirthe die Bestellungen «« mch W vermrtteln.
Gießen den 2 März 1878. Der erste Director des landw. Bezrrks-Verems Gießen.
' Dr. B o e k m a n n. .—
22. Februar 1878.
Gießen, am 28. Februar 1878.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
------- Nr 2 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 23. l. M., enthält :
(Nr. 1220.) Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung verschiedener Landes - Selber- und Kupfermünzen.
mächtigen Hallen des Petersdoms mit erstaunlicher Frische und seltenem Woh^ lange, wie die eines Kunstredners; auch sein Gang, wie man ihn heute durch die Gärten des Vatikans wandeln sah, ist jugendlich elastisch und ermangelt daher freilich der Majestät; im Ganzes gewinnt man von bem neuen Oberhaupt der Kirche den Eindruck einer thatkrästigen, in sich geschlossenen, selbst- bewußten, aber etwas prosaischen Individualität. Als seine hervorstechendsten Charakterzüge werden denn auch allgemein Energie und Besonnenheit bezeichnet. Im Wichtigsten wie im Kleinsten geht er methodisch und mit reiflicher Ueber- tegung zu Werk, beräth sich mit Niemand als mit sich selbst und nimmt Das, wofür er sich einmal entschieden, mit allem Nachdruck und einer außerordentlichen Zähigkeit des Willens in Angriff. Schon als Camerlengo war Pecci der Schrecken des Vatikans. Zu den zahlreichen aus der »guten altenZeit übeikommenen Mißbräuchen gehört auch d-r, daß, ^owie ein Papst die Augen schließt, die Beamten der Dataria (des päpstlichen Sport-Inbureaus) die eben vorräthigen Kaffenbestände nach allen Regeln der Gesellschastsrechnung unter sich theilen. Kaum hatte Pecci an dem verhängnißvollen 7. Februar von seinen Kämmerer-Functionen Besitz genommen, so erschien er in der Dataria und verlangte, daß man ihm Rechnung lege. Die Kaffe war bereits geleert. Als die Beamten sich zu ihrer Rechtfertigung auf die ehrwürdige: Trad ttonberllfen entgegnete Pecci, ohne auch nur auf dieses Thema -lnzug-h-n, mit der größten Gelassenheit: „Die Sache hat nichts weiter auf sich , nieine Herren, glaubten einen Vorschuß nehmen zu dürfen; mit den entsprechenden AbMen an Ihren Gehältern wird der Ausfall ja bald wieder gedeckt sein. Sprach« und entfernte sich. An demselben Tag und in dem nämlichen Palast trug sich ein anderer Auftritt zu, Pecci hatte streng verboten, daß irgend wer in das Gemach zugelaffen würde, in welchem der verstorbene Pius aufgebahrt war, ehe man ihn in der Lorenzo-Capelle von St. Peter vor dem Volk ausstellte. Der mit der Bewachung des Zimmers betraute Monsignore glaubte zu Gunsten der Marchese L. eine Ausnahme machen zu sollen. Als er ihr jedoch dann die Thür öffnete, kam der allgegenwärtige Pecci herbei und fragte zürnend, warum ■ „ sich so offen gegen seine bestimmten Weisungen vergehe. Der Pralat suchte ■ ihn zu beschwichtigen, indem er ihm vorstellte, die Marchese sei nicht nur eine i der vornehmsten Damen der römischen Aristokratie, sondern auch eine alte , Freundin Pius IX.; aber der Cardinalkämmerer rief mit Donnerstimme: „Es , ?ibt hier keinen Pius IX. mehr; Sie haben mir und nur mir zu gehorchen! j Die Kunde von diesem demonstrativ gebieterischen Auftreten des Cardinals war durch die entsetzten Schranzen des Vatikans bald in die Außenwelt gedrungen, wo man nun allgemein annahm, daß Pecci sich damit alle Hoffnungen aus die Wahl verscherzt hätte. Er mußte aber das Carbinalscvllegium und die Situation
Leo XIII.
Vom neuen Papste schreibt ein ßorrefponbent bei „^0^.
Tolaenbe' Darüber finb hier Freunb unb Fetnb einig, baß mit Leo All . । ®ne® nicht gewöhnliche Persönlichkeit die Statthalterschast Christi angetreten hat Zwar erhoffen von ihm weder die Einen die rettende That^ die unter - den obwaltenden Verhältnissen allerdings ein Wunder vom reinsten Wasser wäre, den Wiedererwerb der weltlichen Herrschaft, noch mögen die Andern oet seinem Erscheinen abermals, wie 1846, von dem nicht geringeren Wunder einer Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und der modernen Weltordnung träumen : die Zeit der Illusionen ist auf beiden Setten vorüber. Aber an die Stelle des sensitiven Greises ist mit Joachim Pecci, so heißt es m allen Lagern ein Mann getreten, ein nüchterner, leiblich und geistig gesunder, mit eigenen Augen sehender und mit eigenem Kopfe denkender Mensch, welcher wohl müßte sonst kein Italiener und kein Priester sein — von der ganzen Wurd und sittlichen Machtsülle seines Amtes durchdrungen, darum aber doch nicht außer Stande «st, irdische Dinge mit irdischem Maßstabe zu messen und dem Geiste der Zeit wenigstens passiv Rechnung zu tragen. Irrt die öffentliche Stimme nicht, so wird es Leo XIII. ernst sein mit der Resignatll-n; er wird nach dem unvermeidlichen ersten Proteste die dem h-"'S°n Stuhle geschaffen Lage entsagungsvoll hinnehmen ; was für seinen Vorgänger alle Bttterniß selbst erlebten Leides hatte, ist für ihn schon eine historische Thatsache, eine Fugung, di- man beklagen und zur Wahrung des Prinzips ein- für atonal anfechten kann, gegen die man sich aber nicht täglich in unfruchtbarer Erschöpfung einer besten Kräfte auflehnen wird. In diesem Sinne dürste das neue Pontifikat wie es Zeit und Umstände mit sich bringen mindestens -inen wohlthatig n Uebergang bezeichnen, eine dem Innern der Krrche zugewandte Richtung, und -s mag uns als eine Vorbedeutung deffen gelten und nicht, wie man woh s g - al« -in Sinnbild der päpstlichen Unsrech-it und Gefangenschaft, wenn L ' XIlinnen ersten apostolischen Segen von der großen Loggia von St. P-t-r ntty auf den offenen Platz, in die weite W-lt hinaus, sondern in d-n Dom hinein, über di- Häupter seiner Gemeinde, über Diejenigen allein, die sich S^bg chm neigen, herabströmen ließ. - Leo XIII. ist ein Man» von was m-hr als mittlerer Größe, scharfem Gestchtsausdruck und vornehmer »Jg*
durchdringender Blick kann hart, aber auch erwärmen . mürbe
wirken, der Mund verräth rücksichtslos- Entschloffenheit En-rg,- und würde im Verein mit den stark entwickelten Nasenflügeln dem Antlitz eineri 3ufl W, Sinnlichkeit geben, wenn nicht eine edle, von ?)^em Haup h
spielte Stirn es versöhnend und durchgeistigend überwölbte. DieStim 68jährigen Mannes erscholl bet der B-nediction vor einigen Tagen durch


