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Hesterreich.

Pesth, 1. Februar, Abends. Bei Fortsetzung der Debatte über das Zoll- und Handelsbündniß hielt Lonyay im Unterhause eine längere Rede für die Aufrechterhaltung des gemeinsamen Zollgebietes, jedoch in freihändlerischer Richtung; Redner stellte schließlich einen Beschlußantrag, daß die Berathung vertagt werden solle, bis genügende Daten über den Handelsverkehr Ungarns mit dem Auslande und Oesterreich beschafft seien, und daß die Regierung zu­gleich aufgefordert werde, inzwischen die nothwendigen Schritte behufs Ver­längerung des Status quo einzuleiten.

AranKreich.

Paris, 2. Februar. DieRchubl. Franyaise" sagt: Nur eine Frage kann dtrect zwischen der Türkei und Rußland geregelt werden, das ist diejenige der pecuniären Entschädigung. Alle anderen Fragen gehen ganz Europa an. An eine Conferenz der Vertragsmächte von 1856 muß sich Rußland mit der Forderung einer Abänderung dieses Vertrages wenden.

Paris, 2. Februar. DieAgence Havas" meldet aus Athen vom 1. d.: Die griechische Regierung hat aus Anlaß der Vorgänge in den von Griechen bewohnten türkischen Provinzen befohlen, daß morgen die Armee in der Stärke von 12,000 Mann die Grenze überschreite und Theffalten, Epirus und Makedonien besetze, um die Ruhe aufrecht zu erhalten und der Niedermetze lung von christlichen Bewohnern vorzubeugen. Die Kammer hat der Regierung einen Credit von 10 Mill. Drachmen bewilligt.

DieAgence Havas" meldet aus Konstantinopel vom 31. Jan. (über Cairo): Mehemed Ali führt das Commando in Pera. Einige russische Plänk­ler sind über Tschorlu hinaus vorgerückt. Die militärischen Bevollmächtigten haben die Demarcationsltnte festgestellt. Die Ruffen werden provisorisch Erze- rum und Stlistria besetzen. Telegramme des Kaisers von Rußland und des Sultans drücken deren Genugthuung über die friedliche Lösung aus.

Abends. DerAgence Havas" wird aus Konstantinopel vom 1. d. (über Cnro) gemeldet: Das Protokoll über die Friedensgrund­lagen und der Waffenstillstand sind in Adrianopel unterzeich­net worden.

Versailles, 2. Februar, Nachts. In der Abendsitzung der Kammer fand ein heftiger Zwischenfall statt. Faure (Rechte) verließ seinen Platz und provoctrte ein Mitglied der Linken. Als ein Ordnungsruf beantragt wurde, verließen die Mitglieder der Rechten den Sitzungssaal. Rouher verlangte, daß die Majorität aufhöre, die Wahlen für ungültig zu erklären, und zu ernsteren Angelegenheiten übergehe. Gambetta verwahrte die Majorität gegen den Vor­wurf der Parteilichkeit und hob hervor, die ofstciellen Candidaturen hätten den Unwillen Europas gegen Frankreich erregt. (Widerspruch). Rouher griff hierauf die ofstciellen Candidaturen an. Gambetta warf Rouher vor, die mexi­kanische Expedition und den Krieg von 1870 verschuldet zu haben, und bezeich­nete die Imperialisten als Kammerdiener des Kaiserreichs. Rouher bestritt die Mitschuld an den Unfällen des Krieges von 1870 und 1871 und behauptete, daß durch die Thorheit und Unüberlegtheit der Republikaner zwei Provinzen für Frankreich verloren gegangen seien. Schließlich wurde auf Antrag der Linken die Sitzung geschloffen, um Rouher das Wort zu entziehen.

ßrrgland.

London, 2. Februar. Dem Schatzkanzler Northcote wurde gestern eine von etwa 900 der angesehensten hiesigen Kaufleute und anderen Londoner Ge­schäftstreibenden unterzeichnete Adresse überreicht, worin dieselben ihr Vertrauen in die auswärtige Politik der Regierung aussprechen.

Morning Post" schreibt: Bis gestern spät Abends habe das aus­wärtige Amt noch keine Nachricht von der erfolgten Unterzeichnung der Frie­densgrundlagen und Waffenruhe gehabt; es sei jedoch Grund anzunehmen, daß die Bedingungen heute unterzeichnet würden.

Reutcr's Bureau" meldet aus Kanstantinopel: Der Großoezir er­mächtigte Server Pascha, das Waffenstillstands-Protokoll zu unterzeichnen. Die militärischen Operationen sind eingestellt, auch die Emigration zum Stehen gekommen.

DieTimes" meldet aus Athen vom 1. d.: Der Minister des Aus­wärtigen wird morgen eine Depesche an die Mächte richten, um die Besetzung Thessaliens, Epirus und MacedonienS durch griechische Truppen zu rechtfertigen und namentlich darauf hinzuweisen, daß in Macedonien ein Aufstand ausgebro­chen sei, deffen Folgen nach der Grausamkeit, welche die türkischen irregulären Truppen ohne alle Provocation bisher begangen, vorausgesehen werden könnten. Griechenland könne solche Grausamkeiten nicht dulden und sei entschloffen, die drei Provinzen zu besetzen, bis sie in eine Lage gebracht sein würden, die sich mit der Ordnung, Ruhe und den Rechten der griechischen Stammesverwandten vertrage.

Rußland.

Petersburg, 2. Februar. Wie die ^Agence Ruffe" meldet, liegen auch jetzt noch keine directen Mittheilungen über die Unterzeichnung des Waffen­stillstandes vor. Man weiß aber, daß Muffurus Pascha dem Londoner Cabi- net anzeigte, die dem Waffenstillstände vorangegangenen Friedenspräliminarien seien unterzeichnet. Nachdem Rußland den Vorschlag Oesterreichs auf Berufung einer Conferenz angenommen, werde, wie es heißt, der Sitz der Conferenz in einer Stadt sein, welche einem der Staaten gleichen Ranges angehört. Ein Tagesbefehl des Kaisers ordnet die Formation von 44 Bataillonen zur Bildung von vier neuen Reserve-Divisionen an.

Türkei.

Konstantinopel, 2. Februar, (via Malta). Der Kaiser von Ruß­land beantwortete das Ansuchen des Sultans um Gewährung des Waffenstill­standes zustimmend. Server Pascha telegraphirte gestern, der Großfürst Niko­laus sei bereit, das Protokoll über die Frtdenspräliminarien vorbehaltlich weiterer Verhandlungen zu unterzeichnen.

Rumänien.

Bukarest, 1. Februar. In der heutigen Sitzung des Senats brachte Demeter Ghlka eine Interpellation über den AusdruckRumänische Unabhän­gigkeit mit genügender Gebietsentschädigung", welcher im englischen Unterhause aus den Grundlagen für den Frieden citirt worden, ein; er wünsche zu wissen,

ob Rumänien als kriegführende Macht an der Formulirung der Friedensbedin- zungen theilgenommen habe und ob es gewiß sei, daß diese Bedingungen die territoriale Jntegrl äc Rumäniens nicht antasten werden. Die Interpellation wird am nächsten Montag berarhen werden und ist eine analoge Interpellation in der zweiten Kammer eingebracht worden.

Amerika.

Washington, 1. Februar. Der Senat hat eine Bill angenommen, wonach der Regierung 200,000 Dollars behufs Erichtung von Forts zum Schutze der Rio-Grande-Grenze bewilligt werden. Ferner ratifictrte der Senat den Freundschafts- und Friedens-Vertrag mit den Samoa-Inseln. Zu der Bland'scheii Silberbill sind zwei weitere Amendements angemeldet.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Eorrespondenz-Bureau.

Petersburg, 2. Februar. Die Unterzeichnung der Friedens­grundlagen und des Waffenstillstandes wird amtlich bestätigt.

Petersburg, 3. Februar, früh. Aus Adrianopel vom 31. Januar, Abends 6 Uhr, wird amtlich gemeldet: Die Friedensgrundlagen sind von der Pforte angenommen und soeben vom Großfürsten Nikolaus und den B.'voll- mächtigten des Sultans unterzeichnet worden, ebenso der Waffenstillstand. Der Befehl zur Einstellung der Operationen wird sogleich an alle Detachements, sowie nach dem Kaukasus entsendet. Alle Donaufestunzen und auch Erzerum werden von den Türken geräumt.

Aus Basardschik vom 31. Jan. wird amtlich gemeldet: Heute bei Tagesanbruch zündeten Volontäre von den Kinburner Dragonern unter Capitän Radowitsch die 17 Werst von Varna entfernte Eisenbahnstation Gcbedschi an, zerstörten mittelst Dynamit 2 Werst der Eisenbahnstcecke und schnitten zwei Telegraphenlinien zwischen Varna und Schumla ab. Die Ruffen erliten hier­bei keine Verluste.

Eine Depesche desGolos" aus Kars vom Heutigen meldet: Die Türken in Erzerum sind schrecklichen Leiden unterworfen; der Typhus allein rafft täglich gegen 200 Opfer hin; weder Brennholz noch sonstige Vorräthe sind vorhanden. Ismail Hakki Pascha liegt im Sterben. Die Türken haben zwar wiederholt die Uebergabe angeboten, bestehen jedoch darauf, daß die Trup­pen bewaffnet abziehen dürfen.

Konstantinopel, 2. Februar. Die telegraphische Antwort des Kai­sers von Rußland an den Sultan auf deffen Gesuch wegen Gewährung des Waffenstillstandes besagt: Der Kaiser wünsche ebenso sehr den Frieden, dieser müsse aber ein dauerhafter und solider sein.

Wien, 3. Februar. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Starke Abtheilungen russischer Matrosen passirten Bukarest auf dem Wege nach Bulgarien.

London, 3. Februar. Einer Meldung vonReuter's Bureau" aus Konstantinopel vom 2. d. zufolge erhielt Hobart Pascha den Befehl, sich mit der Flotte zur Abfahrt bereit zu halten; man glaubt nach dem Piräus. Mehemed Ali ist zum Commandanten, Adaisstd-s (Christ) zum Gouverneur von Kreta ernannt.

Konstantinopel, 3. Februar. (Auf indirectem Wege). Die Depesche Server Pascha's, womit derselbe die am 31. Januar in Adrianopel stattge­habte Unterzeichnung der Friedenspräliminarien und des Waffenstillstandes be­richtet, ist heute hier eingegangen.

Paris, 3. Februar. Eine Depesche des JournalsTemps" aus Wien meldet, sämmtliche Mächte hätten den Vorschlag Andraffy's, betr. das Zusammentreten einer Conferenz der Machte angenommen; dieselbe würde in Wien stattstnden.

Wien, 3. Februar.^DieMontagsrevue" schreibt: Durch die An­nahme der Conferenz von Seiten Rußlands ist ein bedeutendes Resultat ge­wonnen. Durch das Zugeständntß, daß die Punktationen von Kasaulik keines- wegs als vollbrachte und der europäischen Discussion entzogene Thatsache auf­gefaßt werden, ist die Conferenz gesichert; denn es ist nicht anzunehmen, daß eine europäische Macht den Muth haben sollte, den modus procedendi abzu- lehnen, der im Rechte und den Gewohnheiten Europas begründet ist, die natur­gemäße Folge der seit Beginn des Krieges eingenommenen Haltung bezeichnet und alle Bürgschaften einer glücklichen Beendigung der Wirren in sich schließt, welche Europa seit drei Jahren aufgeregt und beschäftigt haben.

Nom, 3. Februar. Durch königl. Decret wird eine Erhöhung des Tabakstarifs verfügt, was als einleitende Maßregel für die auf Herabsetzung der die ärmeren Claffen belastenden Steuern hinzielende Steuerresorm gilt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 4. Februar. Datz auf Freitag Abend angekündigte Sptelfest im Kinder­garten hatte eine zahlreiche Versammlung von Eltern und Ktnderfreunden zusammenge­führt. An dem einen Ende des geräumigen Saales lagen auf mehreren Tischen in zierlicher Ordnung eine bunte Menge der von den Kindern gefertigten Flecht-, Aus stech- und Näharbeiten ausgebreitet, die von der geschickten Hand der Kindergärtnerin zu allerliebsten Gegenständen geformt worden waren. Bei Betrachtung derselben konnte sich der Beschauer einen Begriff machen von den Beschäftigungen des Kindergartens, die einesthetls dazu dienen, den kleinen Wesen wirkliche Geschicklichkeit beizudrtngen, andernthetls, und dies ist viel wesentlicher, dieselben an Aufmerksamkeit, Ausdauer, Genauigkeit, Fleiß und Ordnung zu gewöhnen. Doch glaube man nicht, daß der Kindergarten nur solche stille Beschäftigung kennt; im Gegentheil, ganz dem Wesen des Kindes in diesem zarten Alter entsprechend, wechselt die stille Beschäftigung mit dem mehr oder weniger lebhaften Spiele ab. Von diesen Spielen führte nun die Kindergärtnerin einige vor und zeigte, wie in anregendem, der Fassungskraft des Kindes entsprechendem Gespräch die Aufmerksamkeit eineS jeden wach gerufen wurde, und wie bei den von Gesang begleiteten Marschsptelen die Kleinen sich musterhaft dem Tact fügten. Alle diejenigen, welche den Kindergarten noch nicht aus eigener Anschauung kannten und der Meinung waren, es sei derselbe eine Anstalt, wodas Lernen spielend getrieben wird", und wo in Folge deffen die Kinder für die Schule verdorben werden, konnten sich überzeugen, daß im Gegentheil das System des Kindergartens darauf hinausgeht, alle Kräfte des KindeS gleichmäßig zu entwickeln, wozu auch das Spiel ein Hauptmittel bietet. Sie konnten den Eindruck gewinnen, daß Kinder, bie schon hier an Unterordnung, Aufmerksamkeit, mit einem Wort an Dtsctplin gewöhnt werden, wahrscheinlich geeigneter sind zum Eintritt in die Schule als solche, die jene Tugenden noch nicht oder kaum zu üben Gelegenheit hatten.

Und so nahmen gewiß alle Anwesenden den Eindruck mit, daß die Anstalt nicht nur ein Aufenthaltsort für die Kinder ist, sondern zugleich eine Stätte, wo die moralischen und intellectu lle i Fähigkeiten derselben in harmonischer Weise entwickelt werden, ohne im Geringsten dem Unterricht in der Schule vorzugreifen. Wir können dem Kinder­garten deßwegen nur aus voller Seele ein frisches Gedeihen wünschen.

Gießen, 4. Februar. Verflossenen Samstag feierte der hiesige Kriegerverein sein 3. Stiftungsfest im Leib'schen Saale. Gleichwie die Armee sich aus allen Volksschichten recrutirt, so waren auch wir hier angenehm überrascht alle Klassen der Bevölkerung froh und munter vereinigt zu sehen. Und Ursache zur Beftiedigung war auch genug