Ausgabe 
4.7.1878
 
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wenig, theils gar nicht versichert* waren. , ,

Es versteht sich von selbst, das die Hülfe Aller da einspringen muh, wo durch ein großes Brandunglück der Erwerb und die Ernährung auf viele Monate gestört sind und es oft an den nothwendigsten Bedürfnissen von Nahrung, Kleidung und Wohnung für den Augenblick mangelt Aber das Nicht- oder Schlechtoerstchertsetn sollte lieber nicht zum Rühren dec menschlichen Herzen herangezogen werden. In ihm liegt eine strafbare Fahrlässigkeit. Die Versicherungskosten sind heute so ger ng, dah jemand, der sie aus Trägheit oder Unverstand nicht anlegen will, mit Recht die Folgen zu tragen hat. WäreHab und Gut einesJeden versichert, so würden sich l-ne Köllen noch niedriger stellen. Es ist demnach eine eigene Zumuthung, welcheder Klingel­beutel an den Versicherten stellt, auch noch die ihm schon an und für sitz nachthetUge Thorhett des Nichtoerstcherten zahlen zu helfen. Die aufrufenden und sammelnden

4-0,5 v R. 4-12,23 , 4-12,38

am statt. ^as Cabinet hat seine Entlastung eingeretcht in

9-olae von militärischen Beförderungen, die vom Kriegsminister verfügt waren. ö Abends. Der König har die Dcmisston des Cabinets abgelehnt; nur dle Stellung des Kriegsministers ist stark erschüttert.

Paris, 2. Juli, Abends. Der Schah von Persien ist heute abgereist, um sich nach Wien zu begeben. Erzherzog Albrecht von Oesterreich ist gestern Abend hier angekommen und am Bahnhofe vom Marschall-Präsidenten empfan­gen worden; heute ist der Erzherzog wieder abgereist nach dem Seebade TrouvMe.^ 2 Heute wurden hier 126 Verhaftungen vorgenom­men aus Anlaß von gestern stattgehabten Unruhen; letztere waren veranlaß, durch die einem republikanischen Mitglied- des Gemeinderaths in der Börse zu- gefügte Mißhandlung wegen des von letzterem im Gemeinderath gemachten Vorschlages, das Standbild des Bischofs Belzunce vom Platze Belzunce zu entfernen. ----

* ' Es i t noch nicht lange her, daß man die Blitzableiter als elne gotttose Ein­

richtung betrachtete, die dem Willen der Vorsehung entgegenarbeiten wolli. Seit man einsehen lernte, daß die Ktrchthürme der Frommen vom Blitz öfter getroffen werden als die Versammlungsorte der Bösen, steht man fast keinen Thurmhahn mehr ohne die schützende Stange. Ebendahin müßte es auch kommen mit dem Hause und den Mobilien eines jeden Land- und Stadtbewohners in Bezug auf die Feuerversicherung. Der dies schreibt, hat w?der Actten einer solchen Gefillschaft, noch sonst auch nur das kleinste indirecte Interesse an einer derselben. Nur ist er der Überzeugung, daß in Dem Leichtsinn, womit die Mehrzahl der Besitzenden ihr bewegliches Etgenthum dem vernichtenden Element noch immer Preis geben, eine öffentliche Ealamüat liegt, an die man durch jeneAufrufe" im Sommer immer wieder erinnert wird.

Zur Feuerversi cherung.

Die herangekommene warme Jahreszeit wird uns wie gewöhnlich wieder Brand­unglücke in Menge bringen und mit ihnen dann die gewohnten ,Aufrufe in den Rettungen, worin die Honoratioren des abgebrannten Ortes, meistens den Landrath an der Spitze, die öffentliche Mildthätigkett angehen, weil die BeschädigtentheilS

Vermischte-.

Hanau, 1. Juli. Gestern Abend kurz nach 11 Uhr meldete der Thürmer der reformirten Kirche Feuer. Als unsere freiwillige Feuerwehr sofort nach diesem Allarm­zeichen auf der Brandstätte, Schltngloff'sche Brauerei an der Bruchköbeler Straße, angekemmen stand dieselbe bereits in vollm Flammen und war oo.ausznsehen, daß hier nicht mehr viel zu retten sei. ES wurden deshalb mit aller E terg'e die anstoßenden Gebäude geschützt und Vorkehrung zur Abwendung weiteren Unglücks getroffen, was auch vollkommen gelang. Die Brauerei, erst vor eintaen Jahren neu erbaut, brannte so weit aus, daß fast nur noch die nackten Mauern sichtbar sind. W e wir hören soll durch einen herunterfallenden Stein ein Feuerwehrmann eine Verletzung davon ge-

Aecht kölnisches Wasser

von Jean Maria Farina.

Meine Niederlage davon in der Expedition desGießener Anzeigers empfehle ich iuM ivo« iÄen», M 6,85 per halbes Tutzend, iowie in ganzen und halben Fläschchen zu 1,28 und 68 § g-h-rs-mst.^E Maria Farlna in Köln.

Handel und Verkehr.

Frankfurt 1. Juli. Der heutige Viehmarkt war ziemlich gut befahren. An- getriebttt^waren 400 Ochsen, 220 Kühe und Rinder, 230 Kälber und 20C> £5rnmet ®e Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. ^ 68-70, 2. L^al. ^ 64-66 Kühe und Rinder 1 Qual JL 6264, 2. Qual. JL 5658, Kalber 1. Qual. JL 62-64 2. Qual. JL a» bis 60, Hammel 1. Qual. JL 6466, 2. Qual. J4 58-60, Schweine 58-59 ^ per^Pfd^ r n n F f u r t 1. Juli. sFruchtbericht) Der Markt war sehr still und trost­los. Das Angebot'von geringer Maare war dringend.

behauptet, JL 22i/3 bezahlt. Fremder je nach Qualität und Herkunft von JL.20 öt« 24? Roggen von JL 1517. Gerste ohne Leben. Hafer von JL 1416. Am Mehl matrt herrschte die bekannte Stille.Futterstoffe flau. Wir nattren heute.

arripUf ST>r 1 U 40 2 AL 36, Nr 3 JL 32, Nr 4 JL 2o, ViV. «> vAL 66, JiOQ(lCn<

mehl °/i) Berliner Marke) JL 22, do. II. (Berliner Marke) 19, Weizen, effect. hies. ab Bahnhof hier JL 23.50, ab unserer Umgegend JL 22_50' bo- freÄrc Qualität AL 2224.50, Roggen je nach Qualität JL 1617.25. Gerste JL w 21 fSrtfpr al 13 50 15 Kohlsamen JL 33 per August - September. Erbsen ^L19-22 Wicken 16-17, Linsen 19-24, RübSl, detail, JL 74. Stimmung unsicher. Dringend offeikt: Getreide und Mehl. (Die Preise verstehen sich sammtttch per 200 Pfund Zollaewickt IW Kilo.)

Lokal-Notiz.

Gießen, 3. Juli. An unsere Mitbürger richten wir die dringende Mahnung, sich nach dem Rathhause zu begeben, um nachzusehen, ob ihre Namen auch wirklich in die amtlich aufgestellten Wählerlisten eingetragen worden sind. Fehlt der Name in der Liste, so ist es unbedingt nothwendtg, solches schriftlich anzuzeigen, oder, was bequemer ist, sofort einen Antrag auf nach­trägliche Ausnahme zu Protokoll zu geben. Die Nachweisung der Berechtigung mit in die Liste ausgenommen zu werden, wird am besten und einfachsten durch Vorzeigung eines Steuerzettels beigebracht werden können. Zur Erfüllung dieser Pflicht ist nur eine kurze Spanne Zeit gegeben. Das Gesetz gestattet die öffentliche Auslegung der Listen nur noch bis einschließlich den 8. d. M- Wer es also ehrlich mit dem wichtigsten ihm gegebenen Wahlrecht, oder bester gesagt, mit seiner Wahlpflicht nimmt, wer es zu schätzen weiß und ernstlich gewillt ist, am Wahlschlachttage seinen Mann zu stehen und das wird mehr als jemals erforderlich sein, der überzeuge sich noch während dieser 8 Tage, daß jene unerläßlichen Vorbedingungen gewahrt werden, welche es ihm möglich machen, mit um den großen Sieg am 30. Juli zu erringen. Dieser Mahnruf gilt gleichzeitig für unsere Leser auf dem Lande. Auch diese wollen nicht ver­säumen , von den in ihren Wahlorten aufgelegten Wählerlisten Einsicht zu nehmen und die Eintragung der fehlenden Namen rechtzeitig erwirken.

Gießen, 3. Juli. Der Sckwurgerichtshof.vkrurtheilte am 2. Juli Vormittags den Wilhelm Ltndenstruth [IV. von Beuern, wegen Körperverletzung in eine Gesangmtz- ftrafc von 1 Jahr und 6 Monoten, sodonn

denselben Nachmittags, den Abraham Kaufmann von Nieder-Weisel, wegen Urkundenfälschung in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten, an welcher jedoch 1 Monat der erstandenen Untersuchungshaft in Abzug zu bringen ist, sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren;

Levi Kaufmann von da, wurde wegen destelben Verbrechens in eine Zuchthaus­strafe von 1 Jahr und 2 Monaten condemnirt und der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren für verlustig erklärt.

tragen haben. ,

Auf dem Grabstein John Donough's in Neuorleans sind folgende Grundsätze als kaufmännischer Wegweiser für junge Leute auf ihrer Lebensbahn üngegraben:

1. Erinnere dich allezeit, daß Arbeit eine der Grundbedingungen deiner Existenz ist. 2. Zeit ist Geld, wirf keine Minute weg, sondern lege eine jede verzinslich an. 3. Thu allen Menschen, tote du wünschest, daß sie dir thun. 4. Schiebe nie dem morgenden Tag zu, was heute geschehen kann. 5. Heiße nie einen Andern thun, was du selbst thun kannst. 6. Begehre nie, was nicht dein Eigen ist. 7. Halte nie eine Sache für so unbedeutend, daß sie der Beachtung nicht werth wäre. 8. Gib nie aus, was nicht wieder einkommt. 9. Vergeude nicht, sondern erzeuge. 10. Laß die strengste Ordnung die Handlungen deines Lebens regeln Sinne dein Lebenlang, wie du so viel Gutes als möglich stiften könntest. 11. Entziehe dir nichts, was zum Behagen des Lebens nothwendtg ist, aber bleibe dabei einfach und genügsam. 12. Arbeite so lange als cs deine Kraft nur erlaubt; Ruhestand ist Rückgang.

Freunden der Natur, speciell von Blumen und Pflanzen wollen wir auf ein seltenes Vorkommen in der Pflanzenwelt aufmerksam machen. Gleichwie die Agave americana L welche im vorigen Jahre im Palmengarten zu Frankfurt a. M. nir Blütbe gelangte, stehen eben zwei Jucea oder Palmenlilien im Wenzel'schen (Harten tn schönster Blüthe. DaS Blühen dieser Pflanze ist in der botanischen Welt eine Seltenheit und glaubten wir die L.ser darauf aufmerksam zu machen zumal zwei gleich große und egale Pflanzen der Palmenlilie in gedachtem Etabttssement sich be­finden - Wenn wir bei dieser Gelegenheit der Übrigen Anlagen und Pflanzengruppen gedenken, welche den schönen Garten zieren und das Herz des Besuchers erquickten, so freut es uns constatiren zu uüssen, daß die Sängergaste bei dem Fiübcovcerte am Montag ihre Bewunderun/ausdrückten, daß unsere Stadt ein Vergnügungs Etabliffement besitzt, geschc ffen durch den Geschmcck des Herrn Wenzel, um welches un8 andere Städte beneiden. "~n

Literarisches.

Jllustrirte Frauen-Zettung.. (Preis vierteljährlich 2 JL 50 A.) Dtt nmeste Moden-Nummer (23) enthält: Elegante Promenaden- hohe Taillen, Paletots, Mantelets, Kle'derarmel, runde und Capot-HÜte, Morgenhauden, CoiffÜren, Haarfrisuren, Rüschen, Halskrausen, Collier, Seitenkamme, Manschetten und GartenschÜrze. Kleider, Schürzen u. Morgenkleider für gröbere u. kleinere Mädchen. A beits- körbch.n. Nachtlampen- ober Windschirm, Taschentuch-Behalter, Schuhtasche, Armstuhl für Gartenzimmer. Spitzen und Bordüren tn irischer Spitzenarbeck, Tülldurchzug, Häkelarbeit und Filet-Guipüre, verschiedene Bunt- und Kceuzsttchfttckereten, Namens- Chiffren in Weiß- und Kreuzstichstickerei rc. rc. mit 72 Abbildungen und einem kolorirten Moden­kupfer. Die neueste Unterhaltungs-Nummer (24) enthält. Jncognito. Cine Geschichte aus dem bairischen Hochlande. Von Josef Erler. Mactzbuba, ein Kind der Tropen. Von E. Schmidt-Weißenfels. Die Edelsteine in Mythus und Aber­glauben. Von Alexander Kaufmann. Ein Eskimo-Besuch in Berlin. Don Max fjolborn Aus der Frauenwelt. Verschiedenes. Briefmappe. Frmuen-Gedenk' taae - Ferner folgende Illustrationen: Mädchen aus Trastevere. Von Adolph Schick. Die Eskimo-Familie im Berliner Zoologischen Garten. Don Paul Meyer- heim. Gräfin La Motte, mm»Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postämter.^»

Jllustrirte Jaadzeitung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturrunde. HerauS- gegeben vom k. Oberförster H. Nitzsche. S. Jahrgang. Nr^^19 enthalt:: ®ie Doppel-Stahl-Läufe von I. Neumann. Einaeregnet von B. Raucheneggn mit Bild. Italienische Jagdbriefe von Freiherr Schenck zu L-chweinsberg. Literatur. Die Krankheiten des Hundes nebst Anleitung zur Aufzucht und Pflege von 3t M- Leo, nttt Bildern (V/2 JL) rc. Verlag von Schmidt <t Günther in Leipzig- 3 JL halbjährlich.

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Temperatur in Gießen. Juni 1878:

Niederste..................

Mittlere Mittel früherer Jahre +21 5 ;

N^nschlag an 19 Tagen ..... 0'73 ^°Q

Niederschlag im Mittel früherer Jabre an 13 Tagen . . . 2,73 ,

sotligen. Für eine Linderung des Wahlgesetzes seien noch nicht einmal vor bereitende Schritte erfolgt. Es habe sich nur um auf den nachstjähngen Etat be- , ^gliche Entschließungen und Jurisdiciionsverträge mit den thüringischen Staaten .

^"Petersburg, 2. Juli. DasJournal de St. Pstersbourg" bejeich- net die Annahme, die Türkei könnte sich der Ausführung der Congreßbeschlusie widersetzen, als absurd. Eine Eventualität dieser Art anzunehmen, hieße glau­ben, daß Europa nur zum Cougreß zusammengetreten sei, um fromme Wunsche auszusprechen. Der Congreß werde, ehe er ausemandergehe d e Gewißheit erlangt haben, daß die Pforte seinen Beschlüßen zustimme und dieselben aus­führe oder aber der Congreß werde Maßregeln anordnen, welche er für noth- toenb$ßicn, 2. Juli. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Gestern berieiben die Senatoren und Deputirten in gemeinsamer Sitzmig über die be­vorstehenden, aus Rumänien bezüglichen Congreßbeschlusie. In dem Lande berrickt atofie Besorgniß, der Congreß werde ur Rumänien die Emanclpation ker Jud n deeEen und die Gleichheit aller Religionsbekenntnisie als Bed n- gung für die Anerkennung der Unabhängigkeit aufstellen. Die Aufregung hierüber soll bereits einen gefährlichen Grad erreicht haben. - Rach den neuesten Be­sten befinden sich auf der Balkanchalbinsel zwischen Jasiy, San Stefano, Bukarest und Sofia an russischen Truppen 198,000 Combattanten und 90 000 Nichtcombattanten. Der »leichen Quelle zufolge verloren die^Russenbisher an Todten, Verwundeten und Siechen 321,000 Mann, darunter 2700 Osst- del, Die Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel von heute: Zwischen Savfet Pascha" und dem Grasen Zichy dauern die Verhandlungen wegen der bosnischen Flüchtlinge fort- Der hiesige englische Consul soll heute nach dem Rhodopegebirge abreisen, um für 70,000 dort befindliche Emigranten Hulfe- l'istu^^Erlin 2. Juli. Der Vicepräsident des Staatsministeriums, Gras Siolbera, begibt sich heute über Wernigerode nach Wien, woselbst er mit dem Prinzen Reuß zusammentreffen wird. Der französische Botschaftssecretär Her­bette Mitglied der europäischen Donau-Commission, ist gestern Abend hier ein-

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v r)ro eröffnet. Derselbe erwähnte des Attentats aus den Kaiser und forderte . - -----cstn»

das Haus auf, seinen Abscheu gegen die Thai, s-'ne Theilnahme für den Kaiser und Dank gegen Gott für seine Rettung durch Ausstehen auszudrucken. Das­selbe geschab. Die Austrittsgesuche der Abgg. PH- Schmidt (liberal), Seitz und Häuser (Patrioten) wurden genehmigt. Von neuen Vorlagen sind einge« flQnflen: Der Militär-Etat für 1878/79, die Erweiterungs- und Ergänzungs­bauten für die in Betrieb befindlichen Staatsbahnen und ein modificirter Gesetzentwurf in Betreff der pfälzischen Bahnen. Die nächste Sitzung findet