Ausgabe 
4.6.1878
 
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oezier ernannt wird, begründet diese Veränderung mit der Nothwenvigkeit, das Prestige und die Vorrechte der Krone zu erhrlteu, sowie die Ruhe und das öffentliche Vertrauen zu sichern. Der Großvezier wird zugleich aufgesorbert, die verfassungsmäßigen Reformen durchzuführen.

Amerika.

Washington, 28. Mai. Der Senat genehmigte eine Bill zur Ver­minderung abermaliger Einziehung von Greeabacks. Die Kammer der Reprä­sentanten nahm eine Bill an, welche den Heeresstand auf 20,000 Mann reducirt und die Verwendung von Truppen in Angelegenheiten der Civilverwaltung untersagt.

gen errichtet.

London, 30. Mai. DerGlobe" schreibt in einer Extra-Ausgabe: Wir haben guten Grund zu glauben, daß das Zusammentreten des CongreffeS endgültig beschloffen ist. Die englische und die russische Regierung sind zu einem Einvernehmen über folgende Punkte gelangt, die der Entscheidung des Coagreffes unterworfen werden sollen: 1) die Herstellung zweier bulgarisch^ Provinzen, eine nördlich vom Balkan unter einem Fürsten, die andere südlich vom Balkan und das ägeischr Meer nicht berührend, mit einem christlichen Gouverneur und einer Regierung, die derjenigen einer der englischen Colonien ähnlich ist. Der Congreß bestimmt den Namen der letzteren. 2) Die türki­schen Truppen räumen die letztere Provinz und kehren nicht dahin zurück. 3) England bedauert die Retrocession Bessarabiens, tritt derselben aber nicht entgegen. 4) England behält sich das Recht vor, im Congreffe die internatio­nalen Abmachungen in Betreff der Donau zu discutiren. 5) England betrachtet den Besitz Datums nicht als Rechtfertigung zu einem feindlichen Einschreiten; Rußland verspricht die Grenze in Asien nicht weiter vorzurücken. 6) Rußland tritt aus Englands Ersuchen Bajazid an die Türkei ab; diese tritt aber dafür dix Provinz Katour an Persien ab. 7) Rußland verspricht, die Geldentschädi- qung nicht mittelst Gebiets zu decken, noch sich in Englands Ansprüche als Gläubiger der Türkei zu mischen. Der Congreß wird die Zahlungssrage dis- cutiren. 8) Der Congreß trifft Vorkehrungen, den Epirus, Theffalien und die anderen griechischen Provinzen zu reorganisiren. 9) Rußland erklärt sich ein- verstanden, daß die Durchfahrt durch die Dardanellen und den Bosporus auf Dem Status quo verbleibe. 10) England schlägt dem Congreffe vor, daß Europa Bulgarien reorganisire und daß der Congreß die Occupation Bulgariens durch Rußland und den Durchmarsch der russischen Truppen durch Rumänien discutirc.

Türkei.

Konstantinopel, 28. Mai, Nachts. Der kaiserliche Hat, durch welchen das Großvezierat wieder errichtet und Mehemed Ruschdi Pascha zum Groß'

dites aufgeben. c , ... . . ..

Die Preffe" hebt hervor, daß aus dem geringen Umfange der laut ministerieller Erklärung in Aussicht genommenen militärische,, Vorbereitungen hecvorqehe, daß keinerlei kriegerische Action geplant roetbe. Es haM-sick für Oesterreich speciell um Herstellung geordneter stab,ler Zustande in den Nachbar­ländern. Eine vorsichtige Regierung sei g-z vung-n, alle Eventualitäten in!s Auge zu fasten. Di-Tagespreise" betont, daß die Politik Andraflys die­selbe sei wie vor drei Monaten und vor einem Jahre. Andrassy wolle auch beute die Jnteresten und den Frieden Europa'«, aber auch die Interessen und die Machtsphäre der Monarchie mit oder ohne Frieden, mit oder ohne Congreß wahren.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr» Torresp»u»euz-Bure««.

Wilhelmshaven, 29. Mai. Das am 29. Mai zusarnrneugetretene Uebungsgeschwader geht zunächst nach Plymouths die Abgangszeit ist noch nicht bestimmt. .

Paris, 29. Mai. Midhat Pascha ist Hierselbst eingetroffen und wird einige Tage hier verweilen. Der Postcougreß bestimmte Liffabon als näch- len Versammlungsort.

Berlin, 30. Mai. Die PanzerschiffePreußen",König Wilhelm undGroßer Kurfürst" sind gestern Abend von Wilhelmshaven nach Piymouth abgefahren; der AvisoFalke" folgt nach. Von Plymouth w.rd sich das G> schwader voraussichtlich nach Gibraltar begeben.

Port Said, 30. Mai. Das englische PanzerschiffMinotaur" ist nach Kreta abgesegelt. , , ,

Washington, 29. Mai. Der Congreß genehmigte den Gesetzentwurf, nach welchem Die gegenwärtigen Gehaltssätze für die Gesandtschaften ^ufrecht­erhalten werden. Das Repräsentantenhaus beschloß, sich bis zum 17. Juni Definitiv zu vertagen. In einem Schreiben des Cvngreßmitgliedes Stephen- wird die Resolution gemißbilligt. Auf der Vancouver Insel werden B-festigun«

Kirchliche Anzeige« der cvüngclischcn Gemeinde zu Gieße». Gottesdienst.

Sonntag den 2. Juni.

Morgens 9 Uhr: Missionsprediger Schrenk au8 Frankfurt a M Nachmittags: Pfarrer Schlosser.

Prüfung und Vorstellung der Confirmandinnen.

Nachmittags 6 Uhr wird Herr Missionsprediger Schrenk in derHoSpttalktrche einen Vortrag über Mission halten.

Am 2. Pfingstfeiertag wird das heil. Abendmahl gefeiert werden.

(Die Pfarrgeschafte für die Woche vom 2. Mai bis 8. Juni besorgt Pfarrvicar Schöner.)

Irischbäcker in Gießen.

Sonntag ben 2. gunt. Laut« «eil. Neuen Bäum. Emil Sauer, Selter,, weg. Wilhelm Lang in der Neustadt.______

London, 29. Mai. DasReuter'jche Bureau" meldet: Das Gerücht von einem angeblichen Attentate auf den deutschen Kronprinzen hat seinen Ur­sprung in dem am letzten Sonntag vor der deutschen Botschaft von einer Anzahl deutscher Socialdemokraten gemachten Versuche, die Ueberreichung einer LopalitLts-Ädreffe der deutschen Arbeiter Londons an den Kronprinzen zu ver­hindern. Die Socialdemokraten, durch einige Franzosen verstärkt, rotteten fta zusammen, sangen di- Marseillaise und riefen: Nieder mit dem Kronprinzen Schließlich brachte die Polizei die Tumultuanten auseinander.

Italien.

Rom, 28. Mai. Der deutsche Botschafter, Herr v. Keudell, überreichte dem König Humbert die Insignien des ihm anläßlich seiner Thronbesteigung vom Kaiser Wilhelm verliehenen Schwarzen Adlerordens.

Kurland.

Petersburg, 29. Mai. DieAgence Rüste" bestätigt, indem sie an­derweitige Zettungsangaben widerlegt, daß die Cabinete bis jetzt lediglich ver­traulich befragt worden seien, ob der in's Auge gefaßte, aber noch nicht fest­gesetzte Datum des 11. Juni für den Zusammentritt des Congrestes ihnen """Petersburg, 29. Mai. DasJournal de St. Pätersbonrg" consta- ttrt mit Befriedigung den Fortschritt in der Situation zu Gunsten des Zusam­mentritts des Congrestes und der Herstellung einer Verständigung. Das Journal weist daraus hin, daß sich Rußland vor 2 Jahren in derselben Lage befunden habe, wie Frankreich im Januar 1859. Frankreich habe damals erklärt, vor Ausbruch des Krieges das thun zu wollen, was es nach einem solchen zu tbun gezwungen sein würde. Auch der Apell Rußlands an Europa im Jahre 1876 sei nickt gehört worden; Rußland habe auf eigene Kosten sich der schwie­rigen Aufgabe unterziehen müsten, di- Unmöglichkeit des status quo ,m Orient nachzuweisen. Es komme jetzt darauf an, eine Conflagratwn der entgegen, stehenden Jnteresten, welche durch die Berechnungen der Pforte in Bewegung gesetzt seien, zu verhindern. Würde dieser Zweck erreicht, so wurde für d,e Jnteresten der Christen im Orient und den europäischen Frieden viel gewonnen fein Wenn auch mit Rücksicht auf die Kriegspartei in Konstantinopel, Pest» und London immer noch Reserve nothwendig sei, so fördere doch jeder ^,ag die Verständigung.

England.

London, 29. Mai. Lord John Ruffel ist gestern Abend gegen 11 Uhr gestorben. Einem Telegramm aus Portorico zufolge ist das Packetboot Tasmanian" bei Ponce gescheitert. Es ist Hülfe dorthin abg-gang-n.

" London, 29. Mai. DerDaily Telegraph" will wiffen, der heutige Cabinetsrath würde di- Instructionen für di- Vertreter Englands auf dem Congreffe s-ststell-n. Nach der mit dem Grasen schuwaloff erzielten Verstän­digung würde N-ubulgarien auf weniger als die Hälfte des ursprünglich be­stimmten Umfanges reducirt. In Armenien habe Rußland beträchtliche Limita- ionen zugestanden und seien auch bezüglich der türkischen Kriegsentschädigung

in moralische Abhängigkeit von anderen Staaten bringen mußte. Dieselbe könne i auf dem Congreffe oder ohne «inen solchen nur als gleichberechtigter und gleich machtvoller Factor erscheinen.Wir bedürfen gewiffer militärischer Vorkehrun- i fltn, weil, wenn der Congreß zu einem europäischen Einverstandniß führt, der Moment gekommen sein wird, wo die Umgestaltung aller V-rhcktnlffe an unserer Grenze sich praktisch vollziehen soll nn» in diesem Falle noch Cornpli- cationen entstehen können, die auch nach Einigung über die -ur°pä,sch-n Jn- tereffen unsere speciellen Jntereffen in Frage stellen können. Wir bedürfen iener Vorkehrungen nicht minder für den Fall, daß der Congreß nicht die Emi £nn «i-lensollt-, um Stellung zu nehmen. Di-.h-ilung der Details der militärischen Maßnahmen wird man nicht »erlangen. Zweck derselben ist die Verstärkung der Truppen in Dalmatien und Siebenbürgen, Herstellung der Bereitschaft einiger Truppenkörper, die Instandsetzung einiger Derth^digungs- Positionen Im Falle eines Aufmarsches. Die politischen Zwecke der Regierung sind unverändert dieselben. Ueberzeugt, daß die durch den Krieg entstandenen «raaen nur eine europäische Lösung erhalten könnten, ergriff die Regierung, die Initiative zur Einberufung des Congreffe«. Heute ist die Aussicht nahegeruckl, daß der Congreß In kurzer Zett zusamm-ntret-n werde. Die Ausgabe der Regierung dem Congreffe gegenüber ist: für Erhaltung des europäischen Fne- d-ns zu wirken und zugleich für di. Wahrung des österrench-ungarischen wi- d-s allgemein europäischen Jntereffes -inzutreten. Di- Regierung nahm diesen Standpunkt vor dem Frieden von San Stefano ein und halt denselben auch heute fest. Constatirend, daß di- Situation dieselbe ist, in deren Voraussicht der C-edit beansprucht wurde, ferner daß ihre Politik in keiner Weise verän­dert, bittet die Regierung, die Mittheüung von der th-ilweisen Inanspruch­nahme des Credits zur Kenntniß zu nehmen.

Wien, 29. Mai. Sämmtliche Blätter besprechen das Exposäe des Grasen Andraffy. Di-Neue Fr. Pr." will aus demselben di- B-sorgniß h-rausl-sen, daß di- -uropätsch- Einigung auf dem Congreffe g-wiff-n G^ sichts- punkten nicht entsprechen könnte, welche in Wien für specifisch österreichisch, ungarische Jntereffen gehalten werden. DasFremdenblatt sagt . Das Exposee werde überall, wo Gefühl und Verständniß für die Jntereffen des Reiches lebendig sind, einen wohlthuenden Eindruck hervorb^ngen; es hofft, der Budget-Ausschuß werde jetzt den Widerstand gegen die Deckung des Cre-

Handel und Verkehr.

Gießen, 31. Mai. An dem am 28. und 29. d. M- dahier stattgchabten Vieh- markte waren aufgetrieben 1857 Stück Rindvieh und 1226 Schweine; die Preise waren sehr hoch. Nächster Markt am 25. Juni. r m _

Frankfurt, 29. Mat. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Gentner JL 2.50-3 20 (5trofr per Gentner X ,60-2 20 Butter im Großen das Pfund 1. Qual. «4t 1 15, 2. Qual.

L Qual. X 1.30, 2. Qual. X 1.15-20, Eier daS Hundert JL 4-50-5.80. Kartoffeln X 56 per 100 Kilo. Fleischpreise: Ochsenfletsch per Psd. 6873 Kuh- u- Rm> fletsch 55-62 H, Kalbfleisch 60-70 H, Hammelfleisch 55-68 Schweinefleisch 68-75 Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 28-33 X, ganze Erbsen 24-28 X,

L i^m b u^r g^'29^Mat^(Fruchtt>ericht) Rother Weizen -"20.25, Weißer Weizen X 19.75, Korn"^L 13.80, Gerste 11.20, Hafer JL 7.55. (DurchschnittS-Preis pro Malter) ___________