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Samstag, den 1. Juni
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1878.
Anzeige- ««- Amtsblatt für brn Kreis Gieße«.
t Gartenstraße B. 165.
GUpe-ition»d«^ea«r Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringer lohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Khei f. Bekanntmachung.
Betreffend: Die Zusammenlegung der Grundstücke in der Gemarkung Saasen.
Bet der in Folge unserer Bekanntmachung vom 6. März l. I., Anzeiger Nr- 60, am 16. Mai l. I. vorgenommenen Abstimmung über den Antrag auf eine Zusammenlegung der Grundstücke in der Gemarkung Saasen rc. haben 39 Stimmberechtigte gegen den ganzen Plan, und 56 Stimmberechtigte gegen eine Zusammenlegung, aber für Anlage von Feldwegen gestimmt. Diese 95 Personen haben zusammen einen Grundbesitz von 1871017,9 lD Meter Flächengehalt mit einem Steuerkapital von 1315 st. 25 kr. Da die Gesammtzahl der Stimmberechtigten 265 mit einem Grundbesitz von 3939165,1 Meter Flächeninhalt und einem Steuerkapital von 2700 st. 46 kr. beträgt, wovon die Hälfte 132 Stimmberechtigte mit 1969582,5 Meter Flächengehalt und 1350 st. 23 kr. Steuerkapital sind, so ergiebt sich, da nach dem Gesetz alle diejenigen, welche nicht gegen den Plan gestimmt haben, als für die Ausführung stimmend angesehen werden, daß mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten für den Plan gestimmt hat, daß sich diese Mehrheit zugleich im Besitze von mehr, als der Hälfte des Flächengehaltes der zusammen zu legenden Grundstücke besindet, und daß auch mehr, als die Hälfte des Steuerkapttals aller zusammenzulegenden Grundstücke aus diese Mehrheit fällt. Demgemäß ist der Plan auf eine Zusammenlegung der Grundstücke re. in der Gemarkung Saasen angenommen worden.
Es wird dies mit dem Anfügen bekannt gemacht, daß das Abstimmungsprotokoll mit Anlagen 14 Tage lang auf der Großherzoglichen Bürgermeisterei Saasen zur Einsicht offen liegt, und daß eine etwaige Anfechtung der Zulässigkeit, oder Rechtsbeständigkeit der Abstimmung oder des vorstehend angegebenen Resultates der Abstimmung nur binnen einer gleichen Frist von vierzehn Tagen, von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung an gerechnet, bet Meldung des Ausschluffes, mittelst Recurses an den Kreisausschuß des Kreises Gießen zulässig ist.
' Gießen, den 25. Mai 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
Gießen, am 29. Mai 1978. Betreffend: Aufsicht über das Faffelvieh.
Das Großhcrzogliche Kmsamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien der nachbenannten Orte.
Die Besichtigung der Gemeinde-Zuchtstiere und Zuchteber durch die von dem landwtrthschastlichen Bezirksverein gewählte Commission wird an folgenden Tagen stattfinden:
Montag den 3. Juni: zu Bettenhausen, Muschenheim, Birklar und Langsdorf;
Dienstag den 4. Juni: zu Bellersheim, Obbornhofen, Utphe, Trais-Horloff, Inheiden und Hungen, sowie
Mittwoch den 3. Juni: zu Nonnenroth, Röthges, Villingen, Langd, Rabertshausen, Rodheim und Steinheim.
Sie wollen die Bullen- und Eberhalter anweisen, zur fraglichen Zeit zu Hause zu bleiben und die Thiere der Commission bei deren Eintreffen vorzuführen, auch fich selbst bereit halten, um etwa verlangt werdende Auskunft zu ertheilen.
Dr. Boekmann.
' —— G"i eßen, den 31. Mar 1878
Betreffend: Die Verwerthung der Sterbfallszählkarten für die Ermittelung des Gesundheitszustandes.
Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen
an die Großherzoglichen Standesämter Beltershain, Beuern, Ettingshausen, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Lumda, Muschenheim, Nieder-Bessingen, Rodheim a. d. Horloff, Saasen und Watzenborn.
Wir erinnern Sie an die alsbaldige Einsendung der Sterbfallszählkarten und Todeszeugnisse aus den Monaten März und April.
Dr. G l a s o r.
Aokitisch
Deutschland.
Darmstadt, 29. Mai. Vor ungefähr Jahren wurde ein „Verein deutscher Lehrerinnen" in England in's Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, die dort in großer Anzahl vorhandenen deutschen Erzieherinnen von der zu ihrer Anstellung bisher vielfach erforderlichen Vermittlung gewiffenloser Agenten unabhängig zu machen, ihnen auf würdigere Art zu Stellen zu verhelfen und stellenlose, kranke Mitglieder zu unterstützen. Die Zweckmäßigkeit des Vereins ergab sich sehr bald durch den Beitritt einer erheblichen Anzahl von Mitgliedern und die durch denselben in kurzer Zeit vermittelten Anstellun gen von über 50 deutschen Lehrerinnen resp. Erzieherinnen, gegen Entrichtung eines im Vergleich zu den von Agenten erhobenen Beträgen sechsfach geringeren Procentsatzes an die Vereinskaffe. Ihre König!. Hoheit die Großherzogin hat daher in Folge des vom Vorstand an Hochdieselbe ergangenen Gesuchs, das Protektorat über den Verein, an dessen Spitze sich Damen aus den vornehmsten Familien der englischen Aristokratie gestellt haben, zu übernehmen geruht j und demselben ein namhaftes Geldgeschenk überweisen lasten. Es wäre wün- schenswerth, daß die Gründung dieses dem Jntereffe so vieler Damen, welche ! sich dem Lehr- oder Erziehungsfache gewidmet haben, Rechnung tragenden Vereins, in Deutschland genügend bekannt würde, um den zahlreichen Lehrerinnen, welche sich zur Erwerbung ihres Unterhalts zunächst nach England zu wenden beabsichtigen, Veranlassung zu bieten, ihre Anstellung durch die Vermittlung des „Vereins deutscher Lehrerinnen" nachzusuchen.
Berlin, 27. Mai. Das Befinden des Fürsten Bismarck läßt, nach den hier eingetroffenen Nachrichten, noch immer viel zu wünschen übrig; somit dürften die Nachrichten, daß derselbe in den nächsten Tagen hier eintreffen w«rde, sich auch diesesmal nicht bestätigen. Das Gleiche gilt, wie die Dinge setzt liegen, von der angeblich bevorstehenden Hierherkunft des Grafen v. Stolberg-Wernigerode. So lange die politische Lage sich nicht in der einen oder
anderen Weise geklärt hat, ist die Abberufung des Grafen von dem Wiener Botschafterposten nicht wohl möglich.
Berlin, 28. Mai. Die Morgenblätter berichten übereinstimmend: „In Folge des gestern Mittag wie ein Lauffeuer sich verbreitenden Gerüchts von einem in London gegen den Kronprinzen verübten Attentat, wobei derselbe am rechten Arm schwer verwundet worden sei, wurde das Polizei-Präsidium alsbald vom Stadtgerichts-Präsidenten Krüger, vom Staatsanwalt Testendorf, vem Untersuchungsrichter Johl, vielen Richtern. Gelehrten, Künstlern rc. ausgesucht, die etwas Näheres über den Fall hören wollten. Der Letter der Crt- minal-Polizet, Polizeirath Pick, telegraphirte zur vollständigen Beruhigung des Publikums und der Beamtenkreise nach London und konnte den Harrenden alsbald die erfreuliche Antwort geben, daß kein wahres Wort an der Geschichte sei. Inzwischen ging die Behörde der Quelle aus den Grund, aus welcher diese Nachricht stamme, und verhaftete einen Arbeiter, der sie in einem Schank- Lokale der Wallstraße erzählt hatte. Gegen diesen wird wohl die Anklage auf Verübung groben Unfugs erhoben werden."
Hesterreich.
Wien, 28. Mai, Abends. Aus dem Inhalte des von Andraffy in beiden Delegationen verlesenen Exposees ist Folgendes hervorzuheben: Das gemeinsame Ministerium habe sich wegen Deckung und Bewilligung des Credites an beide Finanzmtnister gewendet und gedenke nunmehr einen Theil deffelben thatsächlich zu verwenden. Die Constellation sei heute dieselbe, wie zu der Zeit, als der Credit verlangt wurde. Die Regierung habe die Deckung und theilweise Verwendung des Credites verlangen muffen, als es klar geworden sei, daß die Entscheidung der Frage, ob die Krisis zum Congreß oder Krieg führe, nicht mehr warten lassen könne. In keinem Falle hätten die nöthtgsten militärischen Vorkehrungen länger- verschoben werden können. Die Monarchie dürfe nicht in eine Lage gerathen oder darin verbleiben, welche uns


