Als Marschall Mac Mahon, von den Fürstlichkeiten umgeben, die Ausstellung für eröffnet erklärte, sprangen die Wafferkünste, donnerten die Kanonen, entfalteten sich die Fahnen und begannen die Musikchöre zu spielen. In diesem feierlichen Augenblicke bot der Blick auf die Ausstellung ein glänzendes, prächtiges Bild dar. Der Marschall und seine Umgebung begaben sich sodann vom Trocadero herab nach dem Marsfelde, betraten das Ausstellungsgebäude und besuchten die hauptsächlichsten Sectionen des Auslandes. Die Ausstellung bietet einen wunderbaren Anblick dar und übertrifft alle ihre Vorgängerinnen. Alle Maschinen sind im Gange. Die am weitesten vorgeschrittene Section ist die englische, dann folgen die schweizerische, belgische, japanesische rc.
Kugland.
London, 1. Mai. Der Staatssecretär des Innern, Croß, eröffnete heute in Preston den neuen conservativen Club. Zahlreiche Parlamentsmitglieder wohnten diesem Acte bei. In der Eröffnungsrede betonte der Minister, daß die Regierung bet ihrem Verhalten in der Orientfrage beständig von dem aufrichtigsten Wunsche geleitet sei, den Frieden Europas, die Ehre, Integrität und die Jntereffen des Reiches aufrechtzuerhalten. Bei dem Festbanket nahm Croß nochmals das Wort. Ec sagte: Es sei durchaus unwahr, daß die Regierung die Türken in ihren kriegerischen Gesinnungen bestärkt habe. Alles, was England gegenwärtig thue, betreffe die Aufrechthaltung des Rechtes der Verträge. England bestehe auf der Aufrechthaltunz der Erklärung von 1871. Alle Regierungen hätten der Billigkeit der Circularnote Lord Salisbury's Anerkennung gezollt. Man muffe sich fragen, wozu es dienen könne, die Mächte zur Berathung zu versammeln, wenn ein von ihnen unterzeichneter Vertrag durch einen der Unterzeichner in jedem Augenblick zerrissen werden könne. Der Krieg werde durch keinen Act Englands prooocirt werden. Die Forderungen Englands seien keine Erniedrigung Rußlands. Der Vertrag von San Stefano müsse in seiner Gesammthett in Betracht gezogen werden; der eine oder andere Artikel möge gleichgültig sein, aber in seiner Gesammthett sei der Vertrag verderblich. Jede Aenderung der vorhandenen Verträge würde aus einer in voller Freiheit eröffneten Conferenz der Signatarmächte hervorgehen müssen. Der Minister wirft den Liberalen vor, daß sie stets eine unbegreifliche Zuneigung für Rußland und die russischen Institutionen bekundet hätten und sagt am Schluffe: Wir werden Europa und die Welt, vielleicht Rußland selbst zu überzeugen wissen, daß der Vertrag von San Stefano geändert werden muß. Es ist nothwendig, daß der Vertrag aus dem Tische der Conferenz niedergelegt werde, um geprüft zu werden. England wird ihn loyal behandeln, gibt die in der Lage des Orients eingetretenen Veränderungen zu, hat aber das Recht, sie zu discuttren.
Atalien.
Nom, 1. Mai- Der Senat berieth den Handelsvertrag mit Frankreich. Decesare verlangte Revision der Tarife. Die Debatte wurde auf morgen vertagt, damit die Commission auch den von der Regierung heute vorgelezten Zolltarif prüfen könne. Die von Motzemolo beabsichtigte Interpellation über bk äußere Politik wird mit Einverständntß Cortis auf Samstag vertagt.
In der Kammer meldet Maurigi eine Interpellation bezüglich der Gerüchte über eine Mediation Italiens in der Orientfrage an. Catroli erklärt, diese Gerüchte seien absolut unbegründet; er sei damit einverstanden, daß die Interpellation unverzüglich eingebracht werde, da es nothwendig sei, den Gerüchten entschieden entgegenzutreten. Der Minister des Aeußern, Corti, bestätigt die Ausführungen Cairolt's und bezeichnete die Gerüchte über Mittheilungen der Regierung an England als unbegründet. Die Haltung der Regierung werde immer mit den Wünschen der Nation überetnsttmmen, das heiße, sie werde eventuellen Verwicklungen so fern als möglich bleiben. Hierauf zog Maurigi seine Interpellation zurück.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. «korrespondenz-Bureau»
Berlin, 2. Mai. Der Namensaufruf bei Beginn der heutigen Reichstagssitzung ergab die Anwesenheit von 232 Mitgliedern, demnach die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Gesetzentwurf, betr. die Abwehrmaßregeln gegen die Rinderpest, wurde in dritter Berathung ohne Debatte mit den Amendements Beseler's genehmigt. Die Zusammenstellung der von den betheiligten Regiegierungen und Verwaltungen fernerweit aufgestellten Liquidationen über die aus der französischen Kriegskosten-Entschädigung zu ersetzenden Aufwendungen wurde der Rechnungs-Commission überwiesen, und die Denkschrift über die Ausführung der Anlethegesetze durch Erthetlung der Decharge erledigt.
Im Fortgänge der Sitzung genehmigte der Reichstag den ersten Abschnitt des Gesetzes über die Gewerbegerichte, betr. die Einsetzung der Gewerbegerichte. Bet § 7 mußte die Debatte abgebrochen werden, da die Abstimmung über ein Amendement die abermalige Beschlußunfähigkeit des Hauses herausstellte.
Konstantinopel, 2. Mai. Die Bevölkerung einiger Districte des Vilayets Skutari (Albanien) sendet den Mächten einen Protest gegen die Annec- tion durch Montenegro. In Thracien fanden neuerliche Zusammenstöße der Russen und Bulgaren mit den Mohamedanern statt. Großfürst Nikolaus sendete vor seiner Abreise Telegramme an die Fürsten von Rumänien, Serbien und Montenegro, um für die Mitwirkung ihrer Armeen Dank zu sagen. Die Russen dringen erneuert aus die Räumung von Schumla, Varna und Datum, aber die Türken scheinen nicht geneigt, sich damit zu beeilen. Ein Theil der russischen Truppen von San Stefano marschirt nächste Woche auf die Befestigungen von Tschataldja zurück. Die Russen entsenden Verstärkungen nach Boulair hin.
Wien, 2. Mai. Die „Poltt. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Die Verhandlungen zwischen der Pforte und Totleben wegen der Räumung von Datum, Schumla und Varna dauern fort, jedoch bisher ohne Resultat. Savfet Pascha erklärte, auch von russischer Seite sei der Vertrag von San Stefano nicht vollständig erfüllt. Die Pforte entsendete die Brigadiers Osman und Nehad nach Datum; zu welchem Zwecke, ist nicht bekannt. Als Com- miffare für die neue gemischte Delimitirungs-Commission werden die Generale Said Eddin und Sadyk nach Skutari geschickt. Totleben hat die Verhandlungen mit dem englischen Flottencommando wegen des gleichzeitigen Rückzuges der beiderseitigen Streitkräfte wieder eingeleitet.
— Das „Tagblatt" will wissen: Authentische Berichte ließen keinen Zweifel darüber, daß die russische Armee bei Bukarest und an der siebenbürgi- schen Grenze zusammengezogen würde; für die österreichische Regierung ergebe sich daraus trotz der freundlichen Beziehungen zum Petersburger Cabinet die
Nothwendigkeit, militärische Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Gutem Vernehmen nach würde die Ausstellung einer Armee in Siebenbürgen in ernste Erwägung gezogen.
Petersburg, 2. Mai. Das „Journal de St. Potersbourg" macht auf die Widersprüche in der vom englischen Minister Hardy zu Bradford gehaltenen Rede aufmerksam, worin gesagt sei, England vertheidige die Declaration von 1871, die Niemand ohne Zustimmung Europas verletzen dürfe, und andererseits erklärt sie, England habe seine Flotte nach den Dardanellen geschickt, um sein Recht zu constatiren, in den türkischen Gewässern Schiffe zu halten. Hardys Rede weiter analysirend, hebt das Journal hervor, die englische Politik habe neuerdings drei Richtungen verfolgt: die erste galt den englischen, die zweite den europäischen, die dritte neueste galt den muselmännischen Jntereffen. Das Journal erörtert sodann die Principienfrage des Vertrags und bemerkt: wenn ein von 6 Mächten abgeschlossener Vertrag während 20 Jahren durch einen der Contrahenten so verletzt worden sei, daß dadurch der Unwille Europas er- regt werde, so blieben für die übrigen Unterzeichner nur zwei Entschlüsse übrig, entweder sie vereinigen sich, um das Vertragsbrüchige Mitglied zu zwingen, seinen Verpflichtungen nachzukommen, oder sie handelten gar nicht und betrachteten sich ihrer Verpflichtungen für entbunden. Rußland habe die Mächte drei verschiedene Male zu ersterem Entschlüsse aufgefordert; England allein habe sich dem widersetzt. Nachdem der Mißerfolg der Konstantinopler Conferenz den zweiten Entschluß herbeigeführt, habe es Rußland freizestanden, den ihm durch seine Traditionen vorgeschriebrnen W:g allein zu verfolgen. Es überschreite die Grenzen der Vernunft, heute, nachdem der Krieg neue Rechte und Pflichien geschaffen, an von Niemrnd eingehaltene frühere Verpflichtungen zu erinnern. Wolle Hardy sagen, der von den sechs Mähten geschlossene Vertrag müsse durch einen neuen Vertrag der sechs Mühte ersetzt werden, so bestreite das Rußland nicht, welches zuerst das Zusammentreten des Congreffes verlangt habe, den England verhindere. Das von Hardy vertretene System würde bedeuten, daß Englands Opposition genüge, um den von den sechs Mähten geschlossenen, von der Türkei verletzten Vertrag nicht zu modificiren, selbst wenn die anderen Machte die Revision verlangten. Eine solche inconstitutionelle und illegale Theorie sei unannehmbar.
Wien, 2. Mai. Ein Petersburger Correspondent meldet der ,Polit. Corresp." unterm 28.: Heute Vormittag fand unter dem Vorsitze des Kaisers großer Miiüsterrath statt, in welchem wichtige Entscheidungen getroffen worden sein sollen. Unmittelbar darauf wurden Depeschen nach Wien und London expedirt. Es ist ziemlich sicher, daß die gefaßten Beschlüsse höchst versöhnlicher und beschwichtigender Natur sind. — Die Redaction der „Polit. Corresp." bemerkt hierzu: In der That hören wir, daß das Petersburger Cabinet neuerlich die Initiative zur Einleitung von Verhandlungen mit dem Londoner Cabinet in der Congreßfrage ergriffen habe, welche aus weiter reichenden Zugeständnissen als die bisherigen beruhen dürften.
Wien, 2. Mai, Abends. Gutem Vernehmen nach wird morgen ein gemeinsamer Ministerrath stattsinden, worin die Ausgleichsvechandlungen zwischen dem ungarischen und dem österreichischen Ministerium zum Abschlüsse kommen dürften.
Konstantinopel, 2. Mai. Der Divisionär Schakir ist zum ottoma- nischen Botschafter in Petersburg, Suleiman Bey zum Botschaftsrath ernannt worden. Fürst Labaroff wurde zum russischen Botschafter in Konstantinopel ernannt. — Die Russen besetzten Pravadi zwischen Schumla und Varna. Etwa 20 türkische Bataillone befinden sich noch in Varna und ebenso viel in Schumla. Heute ist Conseil im Seraskierat wegen Ocgmisirung einer Vertheidigungsarmee.
Versailles, 2. Mai. In der Deputirtenkammer nahm Präsident GrSoy das Wort, um sich zum Dollmetscher der einstimmigen Gefühle des Hauses zu machen, indem er seine Genugthuunz und tiefe Bewegung über das großartige Schauspiel der Eröffnung der Weltausstellung Ausdruck gebe. Nach den Unglücksschlägen finde Frankreich in seinem Wohlstände, seiner Macht und seinem Genius das Mittel, seine Freunde zu diesem Feste zu laden. (Allgemeiner Beifall.)
Wien, 3. Mai. Die „Presse" enthält folgende Nachrichten: Verläßliche Informationen bestätigen, daß die Pourparlers zwischen London und Petersburg wieder begonnen haben; die Verhandlungen betreffen sowohl den Congreß, als die militärische Demarcation um Konstantinopel. Es verlaute, Rußland habe sich zu ansehnlichen Zugeständnissen herbeiqelassen.
Aus Razusa: In Antivari wurde ein österreichischer Sonsulatsbedien- steter von Montenegrinern mißhandelt und von Spizzanoten über die österreichische Grenze getrieben. Statthalter Rodich forderte sofort vom Fürsten Nikita Bestrafung der Schuldigen.__
Vermischte-.
— In Wesel stnd an einen Tage im Rheine 4000 Maisische in einem Gesamrnl- gewicht von 19,000 Pfd. gefangen worden.
— (Zar Warnung für Mütter) In Offmbach ereignete sich vorgestern ein höchst trauriger Vorfall. Eine Frau, damit beschäftigt Wäich. aufzuhäigen, suchte ihren schreienden Säugling ,um Schweigen zu bringen, indem ste ihm einen fogenannten „Lutscher" gab. Als die Mutter nach getaner Arbeit an das Bett ihres Kindes trat, fand sie dasselbe als Leiche, erstickt durch den „Lutscher", welcher sich dem Kinde in den Hals gesetzt, die Luftröhre verschlossen und ft den Erstickungstod herbeigeführt bat Möge dieser traurige Fall unsere Mütter dringend mahnen, Die Unsitte des Lutschet gebens bet Seite zu legen. Man lasse den Säugling, wenn man weih, dah nicht Hunger als Ursache seine« Schreiens zu bstrachten ist, ruhig schreien und suche ihn nicht durch Lutscher zu stillen, was geradezu schädlich ist.
Vom Fuhe des südwestlichen TaunuS, 28. April. „Unb dräut der Winter noch so sehr — mit trotzigen Geberben, — und streut er EiS und Schnee um: her, — es muß doch Frühling werden." Ja, der Lenz hat Einkehr gehalten unb ist nun wieder zur Herrschaft gelangt. In den Wäldern und Feldern, in H cken und Sträuchern, in Gärten und Wiesen verkündigen ihn die befiederten munteren Sänger; aber auch der reiche Blumenschmuck unserer fruchttragenden Bäume ruft laut: »Der Lenz ist wieder da." WaS nun den Blüthenschmuck betrifft, so blühen auch diesmal wieder die Steinobstbäume am reichlichsten; die Aepfelbäume, soweit wir dies zu beobachten Gelegenheit hatten, blühen theilweise gut; dasselbe läht sich von den B rnbäumen sagen, die edelsten Sorten blühen jedoch am wenigsten. Im Uebrigen ist der Stand der Feldfrüchte ein befriedigender. Weizen und Roggen haben sich, wofür wir der gütigen Vorsehung zum Danke verpflichtet sind, in der letzten Zeit aanz vortrefflich entwickelt; der deutsche Klee, der nur fast ausschließlich in hiesiger Gegend angebaut wird, verspricht in seinem ersten Schnitt einen reichlichen Ertrag; stellenweise kann auch hin und wieder daS GraS schon gemäht werden. Von Futtermangel kann also keine Rede sein; in Folge besten sind auch die V:ehprelse in letzter Zeit wieder bedeutend in die Höhe gegangen.
Handel und Verkehr.
Mit dem 1. Januar k. I. wird endlich ein einheitliches Eisenbahn-Frachtbrief- Formular für sSmmtliche Eisenbahnen Deutschlands zur Einführung gelangen, nachdem der Bundesrath auf Befürwortung des Reichseisenbahn-AmteS dasselbe genehmigt hat.


