Ausgabe 
3.10.1878
 
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Akr. 23«. Donnerstag, den 3. Octobcr 1878.

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Anskigk- ui Amtsbirät für den Kreis Gießen.

Amtlicher Hyeil.

Gießen, den 30. September 1878.

Das Großherzogliche Rentamt Gießen

an die Großhrrzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Die Berichtigung der Ende dieses Monats fälligen Holz- und Heugrasgelder aus den Oberförstereien Gießen, Schiffenberg und Treis a. d. Lda. hat bis zum 25. October 1878 bei Meidung der Mahnung zu geschehen, wovon Sie Ihren Gemeinde-Angehörigen in geeigneter Weise Kenntniß geben wollen. Schliephake.

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Pfarr-Con ferenz.

Mittwoch den 9. October, Morgens 10 Uhr: Pfarr-Conferenz in Gießen. Lang-Göns, den 1. October 1878. Strack, Dekan.

Lundes - Baugewerkschule Darmstadt.

Die Landes-Baugewerkschule zu Darmstadt beginnt ihren dritten Jahres-Cursus am 15. November l. Ihrs., welcher 4 Monate, also bis zum 15. März 1879, andauert.

Dieselbe soll, zwischen Handwerkerschule und technischen Hochschule die Mitte haltend, insbesondere Bauhandwerkern, sowie Maschinen- und Mühlen­bauern, Gelegenheit bieten, sich die für einen selbstständigen Gewerbebetrieb erforderlichen theoretischen Kenntnisie und die nothwendigen Fertigkeiten im Zeichnen und Entwerfen von Plänen für die praktische Ausführung zu erwerben. Auch soll die Baugewerkschule zur Ausbildung von Werkmeistern, Parlieren, Dauauffihern :c. dienen.

Der Unterricht wird an den Werktagen während der ganzen Tageszeit von folgenden Herren ertheilt: Architekt Professor Hermann Müller, Profesior Dr. Nell, Architekt Kuhlmann, Ingenieur Reuter, Techniker L. W- Möser, Hondelslehrer Peters und Bildhauer Fölix.

Die Schule umfaßt vorerst 2 Klassen mit folgenden Unterrichts-Gegen- ßänden: Frethand- und geometrisches Zeichnen, Darstellende Geometrie ^ein­schließlich Schattenconstructtonen und Perspective), Bauconstructionslehre (etnschl. Stabilitäts- und Festigkeits-Berechnungen), Elemente der Maschinen-Construc- tionen, Fachzeichnen, Entwerfen von Bauanlagen, kunstgewerbliches Zeichnen, technisches Rechnen, Algebra, Geometrie, Feldmeßkunst (einschl. Trigonometrie und Planzeichnen), gewerbliche Buchführung, Theile der Bausührung, insbes. Materialienkunde und Anfertigen von Kostenvoranschlägen, Grundlehren der Physik und Mechanik, Modelliren in Thon, Holz rc.

Die Unterrichtslocale befinden sich Neckarstraße Nr. 3, unfern von den Bureaulocalitäten, der Bibliothek und der technischen Mustersammlung des Gr. Gewerbvereins, so daß die letzteren von den Schülern besucht und geeignet benutzt werden können.

Bedingungen zur Aufnahme find:

1) Für die untere Abtheilung, die I. Klasse: In der Regel werden nur solche Schüler ausgenommen, welche eine mindestens einjährige Beschäftigung in einem technischen Gewerbe nachweisen können; Ausnahmen hiervon werden nur in besonderen Fällen gestattet. Dagegen wird von den Aufzunehmenden nur der Nachweis der Kenntnisie verlangt, welche den von der Oberklasse einer Volksschule Entlasienen zukommen sollen, damit jedem strebsamen Handwerker die Anstalt zugäng­lich werde.

2) Für die obere Abtheilung, die II. Klaffe, muß außerdem der Nachweis ausreichender Kenntniß der niederen Arithmetik, einer angemesienen Fertig­keit im Frethand- und geometrischen Zeichnen, sowie in der Lösung ein­facher Ausgaben der darstellenden Geometrie, und der Befähigung, sich im Deutschen gehörig schriftlich verständlich machen zu können, geliefert werden.

Das Schulgeld beträgt für die ganze Unterrichtszeit = 30 «M. und ist beim Beginn des Curses voraus zu bezahlen.

Anmeldungen zur Aufnahme wolle man möglichst frühzeitig und längstens bis zum 30. Oktober l. Ihrs, schriftlich bet der unterzeichneten Stelle oder auch mündlich auf dem Bureau derselben Neckarstraße 3, im III. Stock bewirken, da die Zulasiung der Schüler nur nach Maßgabe der vorhandenen Unterrtchts-Localitäten erfolgen kann.

Darmstadt, am 20. August 1878.

Großh. Centraistelte für die Gewerbe und den Landesgewerbverein.

Fink.

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Die orientalische Frage.

Es war ein Köhlerglauben, wenn die Diplomatie und mit ihr die Welt sich dem Glauben hingegeben hat, der Berliner Vertrag werde seinen Zweck, einen dauerhaften Frieden, erfüllen. Alles was sich ereignet, seit dem dieser Vertrag rattficirt ist, trägt vielmehr deutlich den Charakter eines tiefe« inneren Zwiespaltes und den Keim neuer Kämpfe, neuer Kriege in sich. Was wir in Bosnien sehen, ist ein verttabeler Krieg, und die Haltung der Albanesen |unb anderer Grenzvölker, die einen Ausstand organisirt haben, die Ermordung Mehemed Ali>s, die Kriegsbereitschaft Serbiens und Montenegros, endlich die widerwillige Räumung der von den Türken den Ruffen abgetretenen Landstriche Alles dies trägt wahrlich keinen friedlichen Charakter an sich.

In Bosnien liegt die Unterstützung, welche die Türkei den Insurgenten gewährt hat, offen zu Tage, und es wäre sehr wunderbar, wenn diese That- jache ohne türkisch-österreichische Differenz von der Liste des Tagesfragen ver- chwinden würde. Sollte die Zukunft, und bei der schließlichen Lösung ber| Frage über das Schicksal Bosniens ist das wohl kaum die Frage uns diesen österreichisch-türkischen Conflict bringen, so ist abermals der europäische Friede arg gefährdet. Jedenfalls würden sowohl die Stellung Rußlands als Protector der christlichen Kleinstaaten, sowie die Stellung Italiens mit der glimmenden Trientiner Frage, Oesterreich schwerlich sehr sympathisch sein. Bei dem Gewohnheits-Unglück Oesterreichs in allen Kriegen lasten sich übrigens Situationen denken, die zwar nicht die Türken vor Wien zeigen, aber Oester- nichs Adler weit von Stambul flügellahm zeigen würden.

In diese drohende und durch nichts gesicherte Unruhe aus der Balkan- Halbinsel, welche seit Jahren traurige Rückwirkungen auf die Ruhe tn Europa bat, mischt sich nun plötzlich noch die alte Eifersucht zwischen Rußland und England in Asien. Diesmal ist es Afghanistan, wo der Erisapfel gepflückt wird. Auch diesmal präsentirt sich England wieder als kriegslustig, gerade so tote im Orient, nach dem Grundsatz, daß der größte Schreier das beste Ge- \W macht. Die Frage des Uebergewichts in Asien wurde aus dem Congreste

er Hheil.

in Berlin von England wie von Rußland zu berühren vermieden, trotzdem warf die Frage manchmal ihren Schatten in die Verhandlungen. Die gewaltsame Entscheidung derselben ist nur eine Frage der Zeit. An der Haltung Rußlands in diesem Streit hängt nicht nur das Schicksal Afghanistans, sondern vielleicht der Frieden der Welt. Sucht die russische Regierung den Krieg zu vermeiden, so wird es ihrem Einfluste nicht schwer sein, den Emir zur Nachgiebigkeit und Genugthuung gegen die britische Macht zu bewegen. Bleiben diese Einwirkun­gen aus und weigert sich der kleine asiatische Fürst, trotz aller englischen Demon­strationenanderen Sinnes zu werden", so darf man annehmen, daß tn Petersburg der Augenblick für gekommen erachtet wird, den großen Kamps um Asien aufzunehmen. Europa wird durch diesen Feuerschein am fernen östlichen Himmel zwar unmittelbar nicht getroffen, sein beängstigender Einblick aber wird auch in unfern Welttheil aus die nächste Zeit hin für zahlreiche Jntereflen leider fühlbar sein.

Deutschland.

Darmstadt, 30. Septbr. Das neueste Regierungsblatt enthält das Gesetz zum Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Wird ein solches Kind bei Lebzeiten der Eltern außerhalb der elterlichen Woh­nung gegen Entgelt in Verpflegung gegeben, so bedarf es hierzu der vorgängi­gen Genehmigung der Ortspolizei-Behörde, welche alle Umstände zu prüfen hat, ob dem Kinde die gehörige Pflege zu Theil werde. Uebertretungen der gesetz­lichen Vorschrift unterliegen Geldbuße von 20150 Mk. Das Gesetz, das seine Entstehung den Anträgen des Abg. Dumont verdankt, richtet sich gegen die schmähliche Behandlung der Pflegekinder durch unbemittelte Leute und die sog. Engelmacherei, und läßt einen wohlthätigen Einfluß erwarten.

Berlin. Die Wahlprüfungs-Commission des Reichstages hat durch den Abg. Laporte über die Wahl des Grafen Grote in Harburg schriftlichen Bericht erstatten lasten. Demselben ist der Protest beigegeben, der zehn Wider- Igesetzlichkeiten nachweist. Unter Anderem wird Geldvertheilung zu Gunsten des