Ausgabe 
3.5.1878
 
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Telegraphische Depeschen.

Privat-Depesche deS Gießener Anzeigers.

London, 2. Mai. DieTimes" schreibt, daß die Verhandlungen zwischen dem Londoner und Petersburger Cabinet über Berlin noch fortgesetzt werden.

Reuters Bureau" meldet aus Bombay, daß die zweite Abthetlung der nach Malta bestimmten Truppen abgesegelt sei.

Wagner'- telegr» Eorrespondenz-Bureau»

London, 1. Mai. Gestern tagte in Manchester eine von etwa 1500 Delegirten liberaler Vereine Nord-Englands beschickte Conferenz, um gegen die kriegerische Politik der Regierung zu protestiren. Die von der Versammlung angenommenen Resolutionen mißbilligen die Politik des Ministeriums, sowie die D ohungen und kriegerischen Kundgebungen desselben; sie bezeichnen die Entsen­dung indischer Truppen nach Europa als eine höchst allarmtrende Maßregel. Die Lage des Eonttnents rechtfertige keinen Krieg. Die Regierung Beacons­fields sei das einzige Hinderniß des Friedens. John Bright sprach besonders stark mißbilligend gegen die kriegerische Tendenz der Politik des Ministeriums und erklärte, Beaconsfield sei der einzige Friedensstörer. Seine Politik sei eine den höchsten Interessen Englands feindselige und gefährliche. Die Circular- depesche Salisbury's zeige klar den eigentlichen Zweck der englischen Regierung die Wiederherstellung der türkischen Herrschaft.

Wien, 1. Mai. DasFremdenblatt" schreibt, die Flüchtlingsfrage müsse allernächstens entschieden werden, nachdem der für die Flüchtlinge bewilligte Credit zu Ende sei. Die Pforte müsse Garantien bieten, um ihren christlichen Uuterthanen, die in Oesterreich ein Asyl gefunden, eine menschenwürdige Existenz zu sichern. Sonst müßten diese unter dem Schutz der österreichischen Macht zurückgeleitet werden. Dies forderten Oesterreich-Ungarns Interessen, Huma­nität und Civilisation.

DieReue Fr. Pr." constattrt, daß nunmehr die russisch-englischen Ver­handlungen zwischen den militärischen Vertretern beider Mächte zu führen seien.

Berlin, 1. Mai. DieProv.-Corresp." meldet, Fürst Bismarck's Krankheit nehme einen günstigen Verlauf und sei zu hoffen, es werde dem Für­sten möglich sein, sich auch noch an den Berathungen des Reichstages zu betheiligen.

Berlin, 1. Mai. Der Reichstag berieth heute den Gesetzentwurf betr. die Abwehrmaßregeln gegen die Rinderpest in dritter Lesung. Minister Hof­mann legte dar, von welchen Intentionen die Bundesregierungen bei der Vor­lage geleitet worden seien, rechtfertigte die strengen Strafbestimmungen und befürwortete die Annahme der ursprünglichen Vorlage, die durch die Beschlüsse der zweiten Lesung in ihren Zwecken wesentlich abgeschwächt worden sei; eventuell bttte er um Annahme der Beseler'schen Amendements, welche auf mehrere Straf­verschärfungen abzielen. Günther trat ebenfalls für Wiederherstellung der Regierungsvorlage ein, Windthorst (Meppen) dagegen für die Beschlüsse der zweiten Lesung und Beseler für seine Amendements. Während der Special­debatte stellte sich bei der Abstimmung über eins von jenen Amendement- heraus, daß nur 197 Mitglieder anwesend und somit das Haus nicht beschlußfähig war, worauf die Sitzung aus morgen vertagt wurde.

London, 1. Mai.Reuters Bureau" meldet aus Rew-Dork von heute: Der DampferEimbria" liegt noch bet Southwest Harbour; seine Passagiere bilden die regelrechte Bemannung eines Kriegsschiffes, bestehend aus 60Offtcieren und 600 Matrosen der russischen Marine unter Commando des Grafen Greifen­berg. Bei Ankunft derEimbria" gillg eine lange chiffrirte Depesche an Admiral Lessowski in Petersburg ab. Der Dampfer führt Mundvorrath und Sohlen auf 10 Tage; von Waffen und Munition ist nichts sichtbar, die Officiere erklären, es sei nichts dergleichen an Bord. Die Schiffsmannschaft derEimbria" besteht aus HO Personen, sämmtlich deutsche Unterthanen. Die Behörden fanden die Schiffspapiere vollständig in Ordnung. Man glaubt, das Schiff werde bis zur Ankunst der Antwortdepesche aus Petersburg an Ort und Stelle verbleiben.

Paris, 1. Mai. Die Feierlichkeit der Eröffnung der Weltausstellung hat programmgemäß stattgefunden. Der Marschall-Präsident, die Minister, Senatoren, Deputirten und das diplomatische Corps vereinigten sich um 2 Uhr im Palais auf dem Trocadero, wo die Aufsichtscommission der Ausstellung und die Präsidenten der auswärtigen Sectionen, unter welchen sich der Prinz von Wales und Prinz Amadeus von Italien befanden, dem Präsidenten der Republik vorgestellt wurden. Die Eröffnung der Ausstellung wurde durch 100 Kanonen­schüsse verkündet. Nach der Rede des Handelsministers erklärte der Marschall die Ausstellung für eröffnet unter den enthusiastischen Rufen des Publikums: es lebe die Republik, es lebe Frankreich! Unter dem Geleite eines zahlreichen Gefolges durchschritt der Marschall verschiedene Theile der Ausstellung. Un­

Hesterreich.

Wie«, 30. April. DiePolit. Eorresp." schreibt: Wie versichert wird, hätte Großfürst Nikolaus die Ordre aus St. Petersburg erhalten, den Sultan sofort zum Gefangenen zu machen, sobald das erste Anzeichen sich ergibt, daß nach eventuell erfolgter englischer Kriegserklärung die Absicht auf der Pforte bestehe, für England Partei zu ergreifen. Es ist aber wahrscheinlich, daß, falls Konstantinopel noch vor der Kriegserklärung von den Russen besetzt wird, der Großfürst auch schon dann unter dem Vorwande, für die Sicherheit Sr. Maj. zu sorgen, sich der Person des Sultans versichern wird. Eine Abreise des SultanS nach Brussa oder anderwärts würde von den Russen gewaltsam gehin­dert werden. Großfürst Nikolaus ist heute wieder nach Konstantinopel gereist, um die Bemühungen fortzusetzen, die Pforte von England zu trennen.

Amerika.

New-Aork, 30. April. Hiesigen Journalen zufolge kam am Sonntag der Hamburger DampferEimbria" in Southwestharbour (Maine) an. Derselbe sei von russischen Agenten gemtethet worden, habe in einem finnischen Ostsee­hafen 600 Personen, meist Finnländer, darunter 63 Cajütenpassagiere, an Bord genommen und am 20. April die Reise um Nordschottland herum anzetreten. Der Capitän habe in Folge der Weisungen eines Cajütenpassagiers den Befehl erhalten, sich nach Southwestharbour zu wenden. Das Schiff habe außer Lebensmittel keine Ladung und warte weitere Ordre ab. Der Capitän kenne weder die Bestimmung des Schiffs, noch die darauf befindlichen Personen. Außer dem Capitän und seinem Ordregeber sei Niemand gelandet; auch sei Niemand an Bord zugelaffen.

geachtet des veränderlichen Wetters war die Volksmenge eine ganz enorme- Die Häuser trugen meistentheils Flaggen, alle Nationen zeigten ihre Farbe». Ganz Paris trägt ein festliches Ansehen, der Zufluß von Fremden qt äußerst zahlreich.

Um 1 Uhr begaben sich die Ehrenescorten nach den betreffenden Hotels, um die Präsidenten des Senats und der Deputirtenkammer, den König Franz de Assist von Spanien, die Prinzen von WaleS, Oranten, Dänemark, Amadeus von Italien und Heinrich der N ederlande zur Ausstellung zu geleiten. Nach­dem die Fürstlichkeiten auf dem Trocadero angelangt waren, stellte ihnen der Marschall-Präsident die M irisier, das Personal der Ausstellung und verschiedene andere Persönlichkeiten vor. Köniz Franz, der Prinz von Oranten und der Prinz von Dänemark befanden sich zur Rechten des Marschalls, die Prinzen v. Wales, der Niederlande und von Italien zu seiner Lurken. Das großartige Schauspiel vollzog sich in vollkommener Ordnung. Viele französische Städte si id heute zur Feier des Tages beflaggt und werden Abends illuminiren wie Paris.

Parks, 1. Mai, Abends. Boulevard-Verkehr. Wegen des Menschen­gewühls auf den Boulevards kein Geschäft.

Wien, 1. Mai. DiePolrt. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom Heutigen: Lotleben begab sich unmittelbar nach der Abreise des Großfürsten Nikolaus auf die Pforte und hielt dort mit Sadyk, Savfet und Izzet Pascha eine Conferenz, welcher man in diplomatischen Kreisen große Wichtigkeit bei­mißt. Totleben soll neuerlich die Räumung von Schumla, Varna und Batum urgirt und, falls die Pforte diesem Verlangen unverzüglich nachzebe, den Rückzug der Russen bis an die befestigten Linien von Tschekmedje-Tschataldja-Derkos in Aussicht gestellt Haven. Man glaubt, Totleben beabsichtige im Falle des Aus­bruchs des Krieges mit England keine Besetzung Konstantinopels. Sämmtliche diplomatische Missionen thaten bei der Pforte einen gemeinschaftlichen Schritt wegen Beseitigung der durch Anhäufung der Flüchtlinge in der Hauptstadt ent­standenen sanitären Uebelstände. Sadyk Pascha versprach Abhülfe.

Aus Bukarest von heute berichtet diePolit. Corresp." : Die rumänische Regierung ließ constatiren, daß sich gegenwärtig 56,000 Russen in Rumänien befinden; weitere bedeutende Nachschübe sind im Anzuge. Die russische Diplo­matie setzt ihre Bemühungen fort, die rumänische Regierung zum Abschlüsse einer neuen Convention zu bewegen.

Konstantinopel, 1. Mai. Der britische Consul in Trapezunt empfing eine Deputation der Bevölkerung von Batum, welche den Entschluß erklärte, sich dem Einmarsch der Russen in Batum zu widersetzen und britischen Schutz verlangte.

Äugsburg, 1. Mai. DerAllz. Ztz." zufolge ernannte der König von Bayern den Domprobst Streichele in Augsburg zum Erzbischof von München - Freising.

London, 1. Mai.Reuter's Bureau" meldet: Die von General Totleben eingeleiteten Unterhandlungen bezüglich des gleichzeitigen Rückzuges der Russen und Engländer sind bis jetzt resultatlos geblieben.

Konstantinopel, 1 Mai. Die britische Flotte verließ zum Zwecke einer U'bunzsfahrt Jsmid, wird in Tuzla vor Anker gehen und in zwei Tagen zurückkehren.

Petersburg, 1. Mai. DieAgence Russe" schreibt: Die Situation ist unverändert. Die Pourparlers zwischen den Mähten dauern fort. Es heißt, Fürst Labanow, früher Botschafter in Konstantinopel, würde an Stelle Jgnatieff's den Botschafterposten in Konstantinopel erhalten und Jzmid Pascha Botschafter in Petersburg werden. In dem Befinden Gortschakoff'S ist keine Aenderung eingetreten.

Vermischtes.

Worms, 30. April Für den hiesigen Kreis soll, dem Vorgänge Offenbach- folgend, ein Kretsfeuerwehrtnspector mit einem Iahresgehalt von 300 jl angestcllt werden.

In Mainz wirbelt die Frage: ob eine Abtheilung BerufSfeuerwehr errichtet werben soll, viel Staub auf. Die Sache wird vielfach in dortigen Blättern theilS für, thetls wider besprochen, und ist dieS bet den bedeutenden Kosten, die eine Brrufsfeuer- wehr verursachen wird, sehr natürlich. Für einen unparteiisch Fecnstehenben muh es auffallen, daß die Mainzer Feuerwehr seit 1876, also seit der Zett, in welcher st- die­selbe nach dem Prinzip der wirklichen Freiwilligkeit organisirte, bet jedem Brand und sonstiger Gelegenheit einer scharfen, wir möchten fast foien, gehässigen Kritik unter­zogen wird. Wie es den Anschein hat, stammt auch da-Projekt einer Berufsfeuerwehr von Leuten her, die aus Gründen, welche mau in Feuerwehrkreisen nur zu gut kennt, dem Mainzer Corps etwas am Zeuge flicken möchten. Hoffentlich w'rd der Beschluß der Stadtverordneten die Sache ein für alle Mal beseitigen, da sonst höchst unerquick­liche Zustände geschaffen werden könnten, wofür andere Städte schlagende Bestpiele liefern.

Der «Mainz. Anz." berichtet: Die Entwicklung der Vegetation ist eine so üppige wie noch selten. Man klagt, daß das Korn so rasch wächst, daß e- auf einzelnen Feldern bereits dantederliegt. Es zeigen sich bereits Aehren- Kohl, Futterkcäuter stehen vorzüglich und die Blüthe der Obstbäume nimmt ruhig und günstig ihren Verlauf-

Ja Carlsbad hat eine Idylle im Dachstübchen traurig geendigt. Er, ein Tapezier-Gehülfe, wohnte im Dachstübchen eines hohen Hauses, und Sie, im Drch- stitbchen des Nachbarhauses. Sie waren nicht Philemon und Baucis, sondern er stieg Nachts wie Kater Murr über das D ach zu Ihr und sie sp innen Seide und Pläne, bi- Er neulich Morgens auf dem Rückweg auZglitt; denn es hatte geregnet. Zerschellt und tobt wurde er von dem Pflaster aufgehoben und alles war aus.

Handel und Verkehr.

Gießen, 2. Mai. Bet dem am 30. April stattqehabten Viehmarkte waren auf­getrieben 1333 Stück Rindvieh und 1602 Schweine; nächst:r Markl am 14. und 15 Mai, am letzteren Tage auch Krämermarkt.

Frankfurt, 1. Mai. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war ziemlich be­fahren. Heu kostete je nach Qualität per Gentner JL 23.40, Stroh per Eentr. JL 2 bis 2.40, Butter im Großen das Pfund 1. Qual. 1.10, 2. Qual. .M. 1, im Detail 1. Qual. JL 1.1520, 2. Qual. 1.10, Eier das Hundert JL 4.80-6. Kartoffeln Jt 7. per 100 Kilo. Fletschpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 7075 A, «u^ u. Rindfleisch 55-64 Kalbfleisch 60-70 H, Hammelfleisch 50-63 Schweine­fleisch 70-75 H. Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 28-33 JL, ganze Erbsen 24-28^. Bohnen 25-28 jl, Linsen 28-36 jl, Spargeln per Pfund 50-60 H Bedeutende Quantitäten wurden ausgeführt.

Limburg, 1. Mai. fFruchtbericht.) Rother Westen X 21.--, Weißer Weizen 7' 50rn x 14-15' Gerste JL 12.50, Hafer JL 7.70. (Durchschnitts-Preis pro Malter.)______

Niederste.

Mittlere .

-3,4 o R. 4-7,06 , 4-6,69 4-17,8

1,02 Par. Zoll

Mittel früherer Jahre............

Höchste ................

Niederschlag an 10 Tagen..........*

ün Mittel früherer Jahre an 12 Tagen ... 1,50 ~

Die Begetations-Entwickelung war am Schluffe deS Monats im Vergleiche zum mittleren verhalten zu dieser Zeit um 6 Tage verfrüht.

Temperatur in Gießen.

April 1878:

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