Ausgabe 
3.3.1878 Zweites Blatt
 
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dem Kläger günstiges Urtheil gesprochen, indem es der natürlichen Tochter des­selben, der Gräfin Lambertini, gestattet hat, den Beweis zu führen, daß der Cardinal wirklich ihr Vater war-

Die spanischen Cortes haben einstimmig beschloffen, Papst Leo XIII. aus Anlaß feiner Wahl zu beglückwünschen. Daß die Regierung des katholischen Spaniens aber nicht gesonnen ist, sich von den Pfaffen auf der Nase tanzen zu lassen, beweist die Ausweisung eines Paters, der die Dynastie und die liberale Regierung des Landes in seinen Predigten angegriffen hatte.

Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten Nord­amerikas hat die bekannte Bland'sche Silberbill mit allen Amendements des Senates angenommen. Dieselbe ist nunmehr an den Präsidenten der Republik gegangen und dieser wird, da die Bill in beiden Hausern mehr als Zweidrittel­majorität erhalten hat, gezwungen sein, dieselbe zu genehmigen, so verhängniß- voll sie auch für die Ehre und den Credit des Landes sein mag. Nach neuester Nachricht hat tndeffen Präsident Hayes sein Veto gegen dieBill" eingelegt-

Vermischtes.

Aus demTeilchen Bodenbacher Anzeiger" entnehmen wir Folgendes:

Ein Schuhmacher aus Dux, bet Teplitz, ermahnt seinen hartnäckigen Schuldner zum neuen Jahr folgendermaßen:

Auf meine an Sie gerichteten Briefe noch ohne Antwort, das ist impertinent. Wenn Sie bet mir hätten so lange auf die Stiefel warten müssen, wie ich auf die Be­zahlung, so hätten Sie müssen barfuß laufen. Denken Sie vielleicht, ich finde das Leder hinter der Hausthüre, und füttere meine Gesellen mit abgerissenen Schuhsohlen und eingemachten Absatznägeln? Als Sie von mir fortgtngen, versprachen Sie mir, das Geld für die Stiefel umgehend zu schicken, nennt man das Wort halten? Dem Zuckerbäcker haben Sie bezahlt, und dort gesagt, ich, der Pechhengst, könne warten. Schämen Sie sich, ein Mensch, der auch einmal Meister werden will, nicht solcher Redensarten? Kreuzschocksternmillionhageldonnerwetter sollen Ihnen auf den Pelz fahren, und Sie sollen mich noch kennen lernen, wenn ich wild werde, da geht'S über Lahnebuchen her. Ich verlange binnen acht Tagen, wo nicht, so setze ich ein Vergiß­meinnicht in dos hiesige Wochenblatt, und gebe es durch die Blume, daß Sie bei mir an Stiefeln hängen- , o t t f _

Wenn Sie also nicht Schusterpech, sondern noch Ehre im Leibe haben, so be mühen Sie sich in genannter Zeit, wie es sich für einen reputirlichen Menschen schickt, 0eW^ Ja/Io^geht es in unserer Gegend: wenn man Geld verlangt, da gibt's Verdruß.

Achtungsvoll mit Gruß

Anton Heger,.

Schuhmachermetster in Bensen.

Ein Scherz der aus der politischen Situation heraus entstanden ist. Die Rusten, so behauptet man, sind eigentlich viel großmüthiger, als man irgend glaubt. Sie wollen den Serben sogar noch eine Kleinigkeit mehr geben, als diese selber ver­langen- Die Serben wollen nur Risch und die Russen werden ihnen Rischt geben. Wir bitten, jedenAu"-Ruf zu Unterdrückern

Literarisches.

Illustrirte Wett. Deutsches Familienbuch. 26. Jahrgang 1878. In "tägigen Heften ä nur 30 H Stuttgart, Verlag von Ed. Hallberger.

Es dürfte wohl kaum ein Unterhaltungsblatt geben, datz so mannigfaltig und reichhaltig im Text, so gediegen und überraschend schön auSgestattet durch Bilderschmuck ist als die »Illustrirte SBelt*, bei wirklich erstaunlicher Billigkeit. Das neueste Heft dieses Familienblattes, das ja ein stets neu ersehnter Gast bet Hunderttausenden ist, bringt uns einen ebenso heiteren wie daS Gemüih aus'S Tiefste ergreifenden Roman: Stolz und Liebe", bearbeitet nach englischem Stoff von Vacano, neben dem merkwür­digen Roman: .Gräfin Sibylla" von Alexander Römer- Passauer Hal eine reizende, originelle Novelle zu diesem Hefte beigesteuert, Gustav Rasch bringt einen interessanten Artikel: .Ein Besuch bei Liliputanern". Daneben eine Fülle von anregenden Artikeln auS allen Gebieten des öffentlichen wie gewerblichen und wissenschaftlichen Leben«, welche dir- Lektüre von Dutzenden von Tagesschriften und Fachblättern ersetzen. Es ist unmög­lich, mehr Unterhaltendes und Anregendes, Belehrendes und Gemeinnütziges in Wort

und Bild für die Familie zu bieten, als die »Illustrirte Welt" dies in ihren Hefien für nur wenige Pfennige thut. DicS Blatt ist in Wirklichkeit ein Schatz für jede Familie.

(»Unser Vaterland", in Wort und Bild geschildert von einem Verein der bedeutendsten Schriftsteller und Künstler Deutschlands und Oesterreichs. Verlag der Gebrüder Kröner in Stuttgart ) »An die durch Inhalt und Ausstattung wahrhaft her­vorragenden PrachtwerkeAus deutschen Bergen" und »Rheinfahrt" reiht die thätige und kunstsinnige Verlagshandlung in dem angezeigten ein neues Unternehmen, welche« jenen nicht allein ebenbürtig zur Seite steht, sondern sie sogar weitaus zu überflügeln verspricht. Der Gedanke, welcher es in's Leden geführt hat, ist ein so glücklicher, daß er der allgemeinsten Thetlnahme sicher sein darf. Durch Griffel und Stift 'oll hier dem gesammten deutschen Vaterlande, von welchem Oesterreich nicht ausgeschlossen ist, ein Denkmal aere perennius gesetzt werden in der Schilderung seiner Städte und Burgen, seiner Berge und Ströme, seiner Thäler und Wälder, aber nicht blos in trockenen Dar­stellungen und Illustrationen hergebrachten Styls, sonder« i« dem Geiste und mit dem geläuterten Kunstgeschmack, welche des großen Gegenstandes würdig sind. Wort und Bild sollen hier in harmonischer Stimmung ein Ganzes liefern, dessen das ganze Volk sich erfreut; stolz soll es blicken auf die Herrlichkeiten seiner Stammsitze, und mit Be­geisterung soll es lesen von den Sitten und Gebräuchen seiner Brüder im wetteren und engeren Vaterlande. Die Idee ist heroorgegangen aus der bekannten Dtädtechronik des Alt­meisters Merian, aber sie ist in verbreitertem Rahmen mit allen Hilfsmitteln der heutigen Wissenschaft, Kunst und Technik zu einer Vollendung gebracht, welche mit einigem Mit­leid zurückblicken läßt auf die glatten, geistlosen Stahlstich Phantasien des »Malerischen und romantischen Deutschland" oder des Payne'schenUniversum", welche vor drei und vier Decennim baS Entzücken der Welt bildeten- Wer sich einen schlagenden Begriff machen will von den Fortschritten untere*: Kunst und der graphischen Darstellung überhaupt, der lege jene veralteten Werke neben die erwähnten Kroner'schen, und er wird lächeln über die Naivetät, welche seinerzeit erstere für unübertreffbar gehalten hat- Das vor­liegende Kunstwerk in Wort und Bild soll das gesammte Vaterland umfassen; es ist demnach so eingerichtet, daß die SerienAus deutschen Bergen" undRheinfahrt" ein­bezogen werden können. Die erste Abtheilung, von welcher bis jetzt zwölf Hefte vor­liegen, behandelt die deutschen Alpen in Wanderungen durch Tirol und Vorarlberg, das bayerische Gedirg, Salzkammergut, Steiermark und Kärnten. Eine Fülle des Schönen und Guten liegt hier vor dem Schauenden und dem Leser ausgebreitel. Die großen Genrebilder von Desregger, Math. Schmid, Gabl, die unvergleichlich stimmungs­vollen Landschaften von R. Püttner einem Zeichner von wahrhaft genialer Auf­fassung und andere der Besten bestechen nicht nur durch Sujet und Composttton, sondern auch durch die meisterhafte Wiedergabe im Holzschnitt. Zwischen dem Text eingestreut erfreuen zahlreiche Illustrationen von nicht minderer Vollendung; sie bringen nicht allein Gegenden und Gebäude zur Anschauung, sondern auch Volkstrachten, eigen­artige Berufskiassen, Porträts u- s. w. Unrecht würde aber dem Werke geschehen, wollte man dessen Bilderschmuck über den Text stellen. Dieser, unter der kundigen Leitung Hermann v- Schmid's, des Meisters her volksthümlichen Darstellung, zählt nie bedeutendsten Kräfte zu seinen Bearbeitern: einen L- Steub, F. Pichler, o. Hör- mann, Lingerie, K- Stieler, Rosegger, v. Seyffertitz, o. Rauschenfels, so daß man schon einige Ansprüche stellen darf- Was bis jetzt geleistet worden ist, erfüllt diese, in weitest­gehender Weise; die Schilderung lieft sich wie ein farbenreiches Feuilleton. Last not least sei noch Eines erwähnt, das in unseren Zeiten besonders ins Gewicht fällt: der Preis. Dieser ist in der That ein so billiger per Heft 75 Pfennige daß datz PrachtwerkUnser Vaterland" nach jeder Richtung hin das Zeug tn sich hat, ein voll­kommenes und gerechte? Volksbuch zu werden. Wenn unsere warme Empfehlung ihm dazu förderlich sein kann, so sei sie ihm hiermit aus vollster Ueberzeuzung auf "en Weg gegeben. w* h-

ES ist eine unbestrittene Thatsache, datz sehr häufig Krankheiten nur deßhalb einen tödtlichen Ausgang nehmen, weil zu spät die richtigen Mittel dagegen angewendet werden. Um das Publikum auf die durch Vernachlässigung entstehenden Gefahren aufmerksam zu machen, sind zahlreiche populär-medicinische Bücher geschrieben, kein-s davon aber hat eine so enorme Verbr e itung gefunden, aldas in 100. Auflage erschienene, reich illu strirte, vorzüglich eBuch:Dr. Ai ry's Raturheilmethode". Der Kranke findet in demselben in leicht verständlicher Weise die meistoorko nmenbcn Krankheiten besprochen, die bestgeeigneten Mittel dagegen angegeben und nutze dem als Beweis fürdieaußerordentlichenHeilerf o l g e zahlreiche Original Dankschreiben darin abgedruckt. Wir können dies in R-chter's Verlags-Anstalt zu Leipz g erschienene, 544 Seiten starke, nur 1 JL kostende vorzügliche Werk allen Kranken dringend empfehlen.

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