Ausgabe 
3.2.1878 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt.

Wo. «9

Sonntag, den 3. Februar

1878

Kichener ^(lucißer

AMi-k- null Amtsblatt sm de« Kreis Gieße«

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag-.

über die im Jahre 1877 von der

Gießen angezetgten Verbrechen, Vergehen und Übertretungen.

Wegen

Gießen, den 29. Januar 1878.

Wochenübersicht.

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27.

28.

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31.

Mila, ichschulei ire und/ ht frei. / ober, /

Baupolizeivergehen .

Feuerpoltzetvergehen

Feilhalten verfälschter Lebensmittel

dem Bundesrath ist nämlich im Laufe der vorigen Woche eine Vorlage zuge­gangen, wonach der Kaiser auf Antrag des Reichskanzlers Stellvertreter des­selben aus anderen Mitgliedern des Bundesraths allgemein oder für einzelne Amtszweige ernennen kann. Mit diesem Gesetzentwurf, der auf einer kurz nach Reujahr vom Fürsten Bismarck eingereichten Denkschrift beruht, ist wenigstens der erste Schritt zur Ausführung der von ihm mit dem Präsidenten v. Bennig- sen besprochenen Pläne, bezw. zu der von ihm gewünschten Reorganisation der Reichsämter gethan.

Auch Griechenland ist durch die gewaltigen Erfolge der Rusten in Aufregung gerathen: es fürchtet offenbar bei dem bevorstehenden Friedensschluffe zu kurz zu kommen. Das neue Ministerium, welches sich unter Komunduros gebildet, hat erklärt, es habe sich für die Politik der Action, die Verthetdigung der Rechte Griechenlands und die Befreiung seiner Brüder aus türkischer Knechtschaft entschieden. Eine tumultuarische Kundgebung der Bevölkerung von Athen, welche die Regierung zu sofortigem kriegerischem Vorgehen drängen wollte, wurde freilich mit Gewalt unterdrückt. König Georg scheint aber doch jetzt im letzten Augenblick wirklich noch Ernst machen zu wollen, hat auch schon Truppen zur Unterstützung des in den benachbarten türkischen Provinzen aus- gebrochenen Ausstandes abgehen lasten.

Während König Humbert die Herzen seiner Italiener immer mehr für sich gewinnt, ist der Papst, der durch den Tod Victor Emanuels etwas weicher gestimmt worden war, wieder in das frühere System des Hastes und der Feindschaft gegen das geeinigte Königreich zurückgefallen. Nicht nur, daß er allen katholischen Höfen einen förmlichen Protest gegen die Thronbesteigung des neuen Königs von Italien hat zugehen lasten, er hat auch an das Mai­länder Jesuitenblatt, welches von dem dortigen Erzbischof wegen Beschimpfung des verstorbenen Königs getadelt worden war, ein Belobigungs-Breve gerichtet, worin er die Freunde einerunmöglichen Versöhnung" für gefährlicher erklärt^ als die offenen Kirchenfeinde I Der Kuß aber, den der deutsche Kronprinz dem jungen italienischen Thronerben unter dem Jubel des Volkes gegeben, hat im Vatican eine solche Erbitterung hervorgerufen, daß ein päpstliches Preßorgan sich nicht schämt, denselben mit dem Küste des Judas auf gleiche Stufe zu stellen! Mit dem Haste gegen Deutschland und Italien geht endlich auch die Feindschaft wider Rußland Hand in Hand: die soeben erfolgte Veröffentlichung

Verkaufs unreifen Obstes ....

Ruhestörung und groben Unfugs .

unterlaffkner Verwahrung bissiger Hunde

unterlastener Verwahrung von Hunden bei ausgebroch ner Tollwuth .....

Straßenpolizeivergehen ....

Übertrag 922 56 38 18 4 544 19

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Localpolizei der Stadt

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3

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Bestechung ....

Betrugs, Unterschlagung Sachbeschädigung Kuppelei.....

Bettelns ..... Hausfriedensbruchs Beleidigung öffentlicher Diener . fahrlässiger Brandstiftung .

unterlaßener Fleischbeschau Thierquälerei .... widernatürlicher Unzucht unsittlicher Handlungen Störung der Sonntagsseier Bölleret.....

Übertretung der Feierabendstunde unterlastener Fürsorge für Angehörige unterlastener Beaufsichtigung von Vieh Bahnpolizeivergehen .

Führung falscher Maße Ueöertretnng der Marktordnung Concubinats ....

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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unterlastener Fremden-Anmeldung Jagdvergehen . ' .

unerlaubten Gewerbebetriebs Unterschlagung der Stempelsteuer Obdachlosigkeit Hundesteuer-Defraudation .

Octroi-Desraudation verbotenen Schießens falscher Anschuldigung unbefugten Collectirens Gebrauchs falscher Legitimationspapiere Vergehen gegen das Preßgesetz verschiedener sonstiger Vergehen

t Harrenstraße B- 165.

r Schvlstraße B. 18.

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^Q/^""besrath hat sich mit Eifer der Berathung des Reichsetats pro 1878/79 gewidmet, der sich in Einnahmen und Ausgaben auf 546,341,701 und die erforderlichen Matricular-Umlagen auf 109,521,758 Mark, 28,413^242 mehr als im laufenden Jahre, fixirt. Die Annahme der Tabaks- steuer-Vorlage gilt, nachdem die Ausschüsse die Grundlagen derselben einstimmig ohne wesentliche Aenderungen genehmigt haben, als eine ausgemachte Thatsache. Ein in Darmstadt abgehaltener hessischer Städtetag hat dagegen die Novelle zum Gesetz über den Unterstützungswohnsitz für unannehmbar erklärt, weil die- seloe den Ruin der größeren Städte herbeiführen würde.

Aus dem Gebiete des Cu l t u r kamp fes ist, soweit er Preußen betrifft, von einem allerdings sehr bedeutsamen Bescheide des Cultusmini- sters auf eine Jrnrnediat-Eingabe orthodoxer westfälischer Protestanten gegen die Emsührung paritätischer Schulen zu berichten: es wird darin erklärt, daß die religiöse Erziehung in solchen Schulen keinerlei Beeinträchtigung erfahre, über- begründet $C S°rge der Petenten um die Zukunft der Volksschule nicht

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Zu übertragen 922 |

Großherzogliche Polizeivepwaltung Gießen. Fresenius.

Em höchst beachtenswerthes Zeichen der Zeit war eine äußerst zahlreiche socea .demokratische Volksversammlung in Berlin, auf welcher der bekannte Agitator Most gegen das Pfaffenthum donnerte und zum Austritt aus der Landeskirche auffcrberte. Als diechristlich-sociale Partei" einige Tage rodlet eine Versammlung akhielt, in welcher der Hosprediger Stöcker ein aus Forderungen der social-demokratischen und der katholischen Arbeiteipartei rusam- mengesctz es Programm vortrug, hatte dies die Folge, daß auf der einen Seile M Saales Aufnahme-Acte für die christlich-sociale Partei, auf der andern aber Austrittserklärungen aus der Landeskirche stattsanden.

, O-esterreich-Ungarn seufzt gegenwärtig mehr unter den Schwierig. ä e hm derAusgleich" bereitet, als unter den Wirren des orientali- f^en Krieges. Die Ministerien der beiden Reichshälsten haben sich zwar längst ll6er Bedingungen des Ausgleichs geeinigt, der österreichische Reichsrath

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f E indeß gewisse Abmachungen seiner Regierung nicht genehmigen. In Folge

Obgleich man auf die Rückkehr des Fürsten Bismarck nach Berlin bencn hat das Ministerium Auersperg seine Entlassung eingeretcht; der Kaiser

vor der Eröffnung des Reichstags nicht mehr rechnen darf, ist doch nunmehr $at dieselbe auch angenommen, die Bildung eines neuen Cabinets ist indeß bis-

endltch ein Anlauf ^zur Lösung derin n er en Krisis" unternommen worden: ^cr noch nicht gelungen.

England hat dagegen aus Anlaß der zwischen Rußland und der Türkei stattfindenden Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen eine Ministerkrisis durchgemacht: der Colonialminister Carnarvon ist nämlich in Folge des an die Mittelmeer-Flotte ergangenen Befehls, in die Dardanellenstraße einzufahren, aus dem Cabinet ausgetreten. Der Minister des Auswärtigen, Lord Derby, hatte aus demselben Grunde sein Entlaffungsgesuch eingereicht, nahm dasselbe indeß, da die Flotte bald daraus Gegenbefehl erhielt, wieder zurück. Mittler­weile hat der Schatzkanzler die früher angekündigte Creditforderung zu Rüstungs­zwecken und zwar im Betrage von 6 Mill. Pfund wirklich eingebracht. Gleichzeitig sind aber auch schon zahlreiche Meetings gegen die Bewilligung dieser Forderung in den größeren Städten abgehalten worden.