rischen Rechte in England verweisen. Diese Rechte wurden vielmehr durch langjähriges weises Nachgeben, als durch Bestehen auf dem Rechte erworben.
Von diesem Gesichtspunkte aus sind einige der letzten und entscheidenden Abstimmungen und Maßnahmen der national-liberalen Partei wohl kaum ganz zu billigen. Schon das Scheiternlaffen der bekannten Unterhandlungen mit Bismarck an der Formultrung zu bestimmter Bedingungen dürfte ein verhäng nißooller Fehler gewesen sein. Diese ganze Angelegenheit dürfte zu advocattsch wie in einem Processe und nicht politisch genug behandelt worden sein. Man könnte hierfür wohl folgendes Bild gebrauchen. Jemand ist jahrelang über ein Grundstück gegangen, unbehindert von dem Eigenthümer, ja mit seiner Zustimmung ; bald ist es so weit, daß durch langjährigen Gebrauch ein Recht erworben wird, es ist auch Aussicht, daß Eigenthümer und Nießbraucher sich gütlich in der ganzen Frage einigen werden, da wird auf einmal statt an die Billigkeit an das Recht appellirt und ein Recht auf das bisher factisch Bestandene behauptet. Das veranlaßt natürlich den Eigenthümer, zunächst sein Eigen- thumsrecht klar sestzustellen, das Grundstück zu sperren, um zu zeigen, daß ohne seinen Willen der Andere den bisherigen Gebrauch nicht mehr genießen könne. Gibt nun der Andere nach, so kann wohl wieder eine Einigung stattfinden; verlegt derselbe sich aber aus den Proceßweg und sucht seinen Gegner noch dazu nach Möglichkeit zu chicaniren, so wird schwerlich etwas Gedeihliches daraus. Zu solch einer Chicane möchten wir auch die vorläufige Beschluß- faffung der Fraction über die Tabakssteuer-Enquete rechnen. Man kann noch so sehr Gegner des Tabaks-Monopols sein und muß doch erst recht dann wünschen, daß alles Material zur Beurtheilung dieser Frage gerade auch nach der Seite des Monopols hin herbeigeschafft und gründlich untersucht werde. Schon aus dem Grunde, weil sonst diese Frage bei der großen Parteinahme, welche ste in einzelnen Thetlen Deutschlands und bei vielen Regierungen findet, in allen Zeiten knapper Finanzen — und die werden voraussichtlich noch lange herrschend bleiben — immer wiederkehren wird. Hoffen wir, daß die national- liberale Partei, deren Bestehenbleiben wir im Jntereffe Deutschlands und des liberalen Fortschritts dringend wünschen, diese Gesichtspunkte nie außer Acht laffe.
Deutschland.
Darmstadt, 29. April. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 14 enthält:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, über die Ausführung des Gesetzes vom 9. März d. I., die Gehalte der Volksschullehrer betreffend. Mit Allerhöchster Genehmigung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs wird hiermit in Ausführung des Artikels 20 des Gesetzes vom 9. März d. I., die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, bestimmt, daß dieses Gesetz mit dem 1. Januar 1879 in Wirksamkeit tritt.
2. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Maaß- unb Gewichtswesen betreffend.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Veröffentlichung der Octroi - Reglements und Tarife betreffend. Es wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß von nun an Aenderungen der bezüglich der Erhebung von Octrot bestehenden Reglements und Tarife nicht mehr in dem Großherzoglichen Regierungsblatt werden publtcirt werden, daß vielmehr die desfallsigen Bekanntmachungen durch die Localbehörden in ortsüblicher Weise werden erlaffen werden.
England.
London, 29. April, Abends. Das Comitö zur Organisirung einer Freiwtlligen-Armee für den activen Dienst macht bekannt, daß bereits etwa 8000 Freiwillige, darunter viele frühere Officiere, sich in die Listen haben eintragen lasten.
Amerika.
Washington, 29. April. Der Regierung ist keinerlei offictelle Mit- theilung zugegangen über Vorbereitungsmaßregeln Rußlands zur Ausrüstung von Kreuzern in San Francisco oder anderen Häfen der Union für den Fall eines Krieges mit England. — Das Repräsentantenhaus verwies die Bill wegen Aufhebung des Vertrages mit dem gegenwärtigen Anlethe-Syndicate an die Commission und genehmigte die Bill betreffs Verhinderung der abermaligen Einziehung gesetzlichen Papiergeldes mit 177 gegen 35 Stimmen.
Telegraphische Depeschen.
Waguer'S telegr» Eorresppndenz-vureau.
Wien, 30. April. Die „Neue freie Presse" appellirt an die Humanität Europas, sich der aufständischen Mohamedaner anzunehmen. Die „Presse" folgert aus dem im Orient eingetreteuen Chaos, daß nicht eine einzelne Macht, sondern nur das gesammte Europa Ordnung schaffen könne. „Tagblatt" meint: Oesterreich sei wahrscheinlich noch im Besitze seiner Actionssreiheit, doch werde nunmehr die Nothwendigkeit der Action bald herantreten.
London, 30. April. Die Königin beabsichtigt in Kurzem das complete erste Armeecorps in Aldershot zu inspiciren. — „Advertiser" erfährt, die Unterhandlungen über den gleichzeitigen Rückzug hätten wesentliche Fortschritte gemacht und es werde ein erfolgreicher Ausgang gehofft. — „Times" dagegen meldet aus Petersburg vom 29. d., die Verhandlungen seien in den letzten 24 Stunden nicht merklich fortgeschritten; die directen Pourparlers zwischen Petersburg und London hätten kaum begonnen. Rußland wünsche im Allge- meinen Englands Ansichten über eine friedliche Lösung zu ermitteln, es sei aber unbekannt, ob Lord SaltSbury seine streng negative Haltung aufgeben wolle.
„Reuter's Bureau" meldet aus Bombay, das erste Detachement des Expeditionscorps sei abgesegelt; ferner hätten wettere Regimenter die Ordre zur Einschiffung erhalten. Das Expedittonscorps nimmt Vorräthe für fünf Monate mit.
— In einer bei Einweihung des conservativen Clubs in Bradford gehaltenen Rede erklärte Minister Hardy: die Regierung stelle sich auf den Standpunkt der Londoner Declaration von 1871, wonach die öffentliche bona fides und die Bestimmungen der Declaration ohne Europas Zustimmung nicht verletzt werden dürften. Zur Entsendung der Flotte nach dem Marmara-Meer behufs Schutzes seiner Staatsangehörigen sei England berechtigt gewesen. Der Friede von San Stefano enthalte nicht ein einziges die Bürgschaft der Dauerhaftigkeit tragendes Moment. Auch die Interessen der mohamedanischen Be
völkerung dürften nicht außer Acht gelasten werden. Die Griechen bedürften ebensoviel Schutz wie die Slaven. Englands Maßregeln seien nicht kriegerisch, sondern bloße Sicherheitsmaßregeln. Ja England könne weder eine chauvinistische Partei noch ein chauvinistisches Ministerium existiren. Das britische Volk könne nur um großer Principien willen Krieg führen. Es sei der feste Entschluß der Regierung, die bisher festgehaltenen Principien auch ferner zu befolgen.
Wien, 30. April. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Großfürst Nikolaus stellte gestern General Totleben den Truppen als seinen Nachfolger vor, besuchte heute mit demselben den Sultan, bei welchem er sich verabschiedete und schiffte sich unmittelbar darauf mit General Nipokojcycky nach Odeffa ein. — Die Ruffen verhafteten in Adrianopel mehrere Mohamedaner. — Die Pacificirungs-Commission ist nach Philippopel abgegangen.
Die beabsichtigte große Revue unterblieb wegen der Ereigniffe in Rumelien, welche bedeutende Truppendetachtrungen dahin nothwendig machten. — Man versichert, die Verhandlungen zwischen dem russischen Hauptquartier und dem englischen Flottencommando wegen des gleichzeitigen Rückzuges hätten in den letzten Tagen vollständig geruht. Es verlautet jedoch, daß General Totleben neue Instructionen mitgebracht habe, in Folge deffen die Wiederaufnahme der Verhandlungen versucht werden dürfte. — Dieselbe Correspondenz meldet aus Petersburg von heute: Das Gichtleiden des Fürsten Gorrschakoff, welches sich in einer leichten Schwellung eines Fußes äußert, machte keine weiteren Fortschritte. Nichtsdestoweniger scheint bei einer voraussichtlich längeren Verhinderung des Reichskanzlers neuerlich an die Berufung des Grafen Schuwaloff aus London zur interimistischen Vertretung des Reichskanzlers gedacht zu werden.
Paris, 30. April. Anläßlich der morgigen Eröffnungsfeier der Ausstellung sind viele Häuser beflaggt. In der Ausstellung selbst herrscht eine fieberhafte Thätigkeit, die letzten Arbeiten fertig zu stellen. — Die Kammer hat die Discusfion über Erhöhung der Officiers * Pensionen auf Donnerstag festgesetzt. — Der Senat hat in erster Lesung das Gesetz betr. den Generalstab angenommen.
Washington, 30. April. Der Schatzsecretär hat abermals 5 Millionen 5/20r Bonds zur Amortisirung einberufen.
Berlin, 30. April. Die sechste Criminaldeputation des Stadtgerichts verurtheilte heute den ReichStags-Abgeordneten Most wegen Beleidigung der Geistlichkeit bei der am 22. Januar im Saale des Handwerkervereins abgehal- tenen Volksversammlung zu zweimonatlichem Gefängniß. Die Anklage wegen Gotteslästerung erachtete der Gerichtshof nicht als erwiesen.
Konstantinopel, 30. April. Gestern kam es zwischen russischen und türkischen Soldaten zu einer Schlägerei, wobei es zahlreiche Verwundete gab. Das Seraskierat untersagte deshalb den russischen Soldaten die Ueberschreitung der Demarcationslinie.
Berlin, 30. April. Der Reichstag genehmigte in zweiter Lesung unverändert den Gesetzentwurf, betr. den Gewerbebetrieb der Maschinisten auf Seedampfern. Minister Reichskanzleramts-Präsident Hofmann erklärte dabei, die Reichsregierung beabsichtige nicht, den Bestimmungen über die Prüfungen der Maschinisten rückwirkende Kraft beizulegen. Der Gesetzentwurf wegen Ausrüstung der Kauffahrteischiffe mit Booten wurde an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen. Das Rinderpest-Gesetz wurde von der heutigen Tagesordnung abgesetzt. Nächste Sitzung morgen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Gerüchte, wonach der nach Rom und Neapel reisende Baseler Professor Gelzer Aufträge von der deutschen oder preußischen Regierung habe, für gänzlich unbegründet. — Der „Reichs-Anz." publicirt das Reichs-Etatsgesetz. __
Lok a l - N o t i z.
Gießen, 1. Mai. Auf der Actien-Brauerei verunglückte gestern ein Arbeiter durch einen Sturz derart, daß derselbe alsbald eine Leiche war.
--Daß auch Wein zu Wasser werden kann, sollten mehrere Steigerer am Montag gewahr werden. Von Seiten des hiesigen Ortsgerichts waren 225 Liter Wein gepfändet worden und kamen dieselben am Montag zum Ausgebot. Ehe jedoch der Zuschlag ertheilt wurde, constatirte man durch eine Probe, daß der fragl. Wein eitel und profanes Wasser war. Wie diese Verwandlung vor sich gegangen, ist vorderhand noch nicht klar gestellt. Sogar Rothwein war durch rstb gefärbtes Wasser erseht.
Vermischte-.
St. Wendel, 25. April. In dem etwa zwei Stunden von hier, nahe bei Marpingen, belegenen Dörfchen Alsweiler hat gestern ein schauderhaftes Verbrechen Statt gefunden. Die Reservisten au? Alsweiler und den umliegenden Dörfern waren dorthin zur Control-versimmlung beordert, und nach derselben gingen eine Anzahl der Burschen ins WirthShaus, wo sie bald unter sich aneinander geriethen Die Wirthin, Ehefrau Brück, welche jene zur Ruhe und zum Frieden auffardrrte, muhte dieses aber mit dem Leven bühen Der ganze Schwarm der rohen Buven fiel über sie mit Knitteln und Messern her. Es gelang der armen Frau noch, blutend und schwer verletzt, auf die Straße zu flüchten und um Hülfe zu rufen, allein ehe diese kam, hatte die äußerste Rohheit und Brutalität schon ihr Opfer gefordert. Ein Sohn der Frau Brück und eine Tochter derselben die ihrer Mutter Hülfe leisten wollten, fielen gleichfalls der rohen Bande in die Hände. Der Sohn liegt durch Messerstiche und Knittel- biebe lebensgefährlich verwundet danieder und der Tochter ist ein Arm zweimal gebrochen. Und wer waren die Mörder? Alles junge Burschen aus dem gottbegnadeten Mirpingen, deren heute zwölf hier gefänglich eingebracht wurden, und darunter sogar ein Bruder des Wunderkindes Susanna Leist.
Tabor. Am 15. April wurde bei dem hiesigen KreiSgertchte die Taborer Actien- malzfabrik und Getreideballe, welche im Jahre 1872 mit einem Kostenaufwande von 150,000 fl. errichtet, im Jihre 1874 sammt Grundstücken auf 204,000 fl. freiwillig und tm Jahre 1877 auf 110,000 fl. exekutiv abgeschätzt wurde, in der dritten exekutiven Feilbietung um das Meistrebot von 5 fl. sage fünf Gulden, von der Taborer Sparkasse erstanden. Die Sparkasse trat als einziger Käufer auf. Noch an demselben Tage wurde derselben von dritter Seite eine Kaufofs rte von 36,000 fl. überreicht.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 29. April. (Fruchtbericht) Unser heutiger Markt befand sich wieder in jrner Zwitterftimrnung wie vor den Festtagen. Käufer rote Verkäufer verbalten sich passiv. Unsere Müller sind rathlos und entmuthigt in Folge der Flaue deS Mehl-MarkteS. Weizen ab unserer Umgegend JL 23.75—24, fremder von JL 23.75 bis 25.25 je nach Qualität und Herkunft. Roggen sehr ruhig, französischer JC 18.25, norddeutscher «4L 18. russischer 17—17.25 Gerste verlaffen. Hafer fest oon JL 14.50 bis 16.50 je nach Qualität. Am Mehlmarkt anhaltende Ruhe. Futterstoffe fest
Mehl Nr. 1 JL 42, Nr. 2 38, Nr. 3 34, 97r. 4 30, Nr. 5 24, Roggenmehl o/i (Berliner Marke) JC 25, do. II. (Berliner Marke) JC 21, Weizen, effect. tzies. ad Bahnhof hier je. 24—25, ab unserer Umgegend JL 23.75—24, do. fremder je nach Qualität JL 23.75—25, Roggen je nach Qualität JL 17.25—18.25, Gerste X !• bis 23, Hafer JL 14—16.50, Kohlsamen X —, Erbsen Jt 19—23, Wicken JC 15 bis 17, Linsen JL 19—23, Rüböl, detail, JL 78. Stimmung unsicher. Hauptsächlich gefragt war: —; dringend offerirt: — (Die Preise verstehen sich sämmllich per 200 Pfund Zollgewicht = 100 Kilo.)
Herborn, (an der Köln-Gießener Eisenbahn), dm 29. April. Auf den heutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 65 Ochsen, 16t Kühe und Rinder, 1020 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag, dm 27. Mai I. I.
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