1878
Mittwoch, den 1. Mai
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Mchener Anzeiger
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i-z-tchn°t-n Gesetz, gemacht »erben. Zu gleicher Zeit hat auch das Vorsteher- land demüthigeni> sei. ,
Qrtlt d-r Danziger Kaufmannschaft den Vorschlag erhoben, daß dle Seehandels- Wren, 29. April, me „Pre^e
pläfee ihren Austritt aus dem immer mehr und mehr in schutzzöllnertschem rungen Englands auf dem Congr-ffe (immer vorausgesetz die »oU^änbifle Sot- z.chrwafler schwimmenden deutschen Handelstage erklären möchten und eventuell läge des Friedensinstrnments) folgendermaßen formuiirt werden . Beschra .ung
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr» «orrespondeuz-Bureav»
London, 29. April. Graf Münster ist von Hatfield zurückgekehrt. — Times" meldet aus Petersburg: Den Gerüchten, wonach Deutschland feine Vermittlerrolle niedergelegt habe, liege etwas Wahres ju Grunde; nachdem der gleichzeitige Rückzug der Streitkräfte acceptirt, glaube Deutschland, die Unterhandlungen über die Details könnten bequemer direct geführt werden. Rußland sei völlig bereit, die Unterhandlungen direct soctznsetzen, und hoffe, Salisbury werde seine rein negative Kritik aufgeben; aber es sei unbekannt., wie England zu handeln gedenke. Rußland wünsche aufrichtig eme friedliche Lösung und sei bereit, jedwedes Arrangement zu acceptiren, wodurch der Hauptzweck des Krieges gesichert und eine mäßige Entschädigung für die von ihm gebrachten Opfer erlangt würde. Die Annexion Besiarabiens betreffend, wurde Rußland der von Ruffen bevölkerte Theil befriedigen. Eine friedliche Lösung sei jedoch nur möglich, wenn die Unterhandlungen den Punkt, daß der ganze Vertrag dem Congresse formell unterbreitet werde, vermieden, weil dies für Ruß-
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5 auch 6 Zimmern, iro lermictben.
irtenstraße B- 165,5.
l Zimmer mit Cabtml trt zu oermikihen.
6 er, Kaplansgasse.
M Deutschland.
id-r Berlin. Dem deutschen Handelstage droht eine Spaltung. Der dem Bundesrathe vorgelegte Gesetzentwurf, betreffend die Statistik des auswärtigen Warenverkehrs und die Erhebung einer statistischen Gebühr hat nämlich in den Seehandelsplätzen eine starke Opposition hervorgerufen. Von einigen Seestädten ist jetzt der Vorschlag zu einem gemeinsamen Vorgehen gegenüber dem vMAvSon Qn nfpirftpr Aeit fmt rittck dns Norlleber-
eine telegraphische Berufung der Delegtrten-Conferenz der deutschen Seehandels * Plätze beantragt. Nach einem Rundschreiben des als Vorort fungirenden Vorsteheramts der Stettiner Kaufmannschaft wird der Vorort diesem Anträge auf telegraphischem Wege entsprechen, sobald der oben bezeichnete Gesetzentwurf an den Reichstag gelangt. Gleichzeitig soll auf dieser Delegirten-Conferenz über die Tabaksstcuer und das Tabaksmonopol, über die neuesten schutzzöllnerischen Agitationen, die Einsetzung eines volkswirthschastlichen Senats und die handelspolitische Stellung Deutschlands zu Rußland verhandelt werden.
Die von Lebensversicherungs-Gesellschaften in ihren Geschäftsplan aufge- nommnne Bestimmung, daß Policen, welche aus den Inhaber lauten, an den Präsentanten ausgezohlt werden, ist nach einem Erkenntniß des Reichs-Ober- handelsgerichts, I. Senats, vom 26. Februar 1878 gütig; die Police bat dadurch für Denjenigen, welcher einen Anspruch auf die Versicherungssumme geltend macht, den Charakter eines Legitimatiortpopiers, welches desien materielle Legitimation als Forderungsberechtigten ersetzt.
Berlin, 27. April. Die Krankheit des Fürsten Bismarck ist, wie versichert wird, durchaus ungefährlich und nimmt ihren regelmäßigen Verlauf, wird aber doch dem Reichskanzler hinderlich sein in seiner Thätigkeit, und das zu einer Zeit, wo sie für die wichtigsten Dinge in Anspruch genommen ist. Jedenfalls wrrd seine Rückkehr nach Berlin, die für den 29. d. in Aussicht genommen war, wochenlang verzögert werden. Bedenklicher ist die Erkrankung des Fürsten Gonschakoff, und das um so mehr, als es keineswegs seststeht, daß der gemäßigte und friedliebende Graf Schuwaloff sein. Nachfolger werden würde. Die kriegslustigen Panslavisten sollen leider wieder bei dem Kaiser Alexander in Gunst stehen. Die „Nat. Ztg." schreibt darüber: „Da ist General Jgna- tieff, ein Mann, dessen ganze Laufbahn, von seinem berüchtigten Vertrage nut China an bis auf seinen leichtsinnigen Krieg von 1877 und seine Rundreise durch Europa, eine Kette von orientalischen Schwindeleien, Gewandtheiten und Unzuverlässigkeiten bildet. Trotz Allem ist er heute wieder in Gunst bei seinem Herrn, weil er ein Muster jener aalglatten orientalischen Geschmeidigkeit ist, die den äußeren Schein der Verläßlichkeit trägt. Das ist auch der andere Kämpe des Slaventhums, General Tschernajeff, ebenso begabt als der Vorhergehende, aber fast ebenso ergeben den Träumen einer unruhigen Phantasie, eines ruhelosen nationalen Chauvinismus. Nach seinen Niederlagen in Serbien fiel er sammt dem Lande seiner Kämpfe in Ungnade beim Czaren. In jüngster Zeit hat er verstanden, die verlorene Stellung dennoch wieder zu gewinnen. Er soll einem Feldzugsplan nach Indien dies verdanken, den er dem Czaren jüngst vorgelegt hat. Diesen Plan, der den Weg durch Persien im Auge hat, übergab der Czar dem Kriegsrath, welcher ihn für gut befand. Darauf hin ward Tschernajeff eines Tages vom Czaren officiel empfangen und ist seitdem rehabilitirt. Mit Tschernajeff kommt aber eine ganze, schon fast sinkende Partei beim russischen Hofe wieder zur Geltung, die Partei der Panslavisten, die mit den Jgnatteff's etwa verwandt ist wie Bruder und Bruder." Inzwischen dauern die Verhandlungen fort, ohne daß sie bis jetzt zu einem Ziele gelangten, weder über die Vorfrage der gleichmäßigen Zurückziehung der russisch-englischen Streitkräfte von Konstantinopel, noch wegen des Congresses.
— Wit Bezug aus den militärischen Compromiß im Osten verlautet, England wolle jedenfalls Vorsorge treffen, daß Rußland die Besetzung Gallipolis durch englische Truppen, sollte dieselbe in weiterem Verlaufe der KrisiS nothwendig werden, nicht verhindern könne. Soweit es sich um die englischen Bedingungen wegen des militärischen Compromiffes handelt, hört man noch, England werde auch verlangen, daß Rußland sich verpflichte, gewtsie Punkte auf der sestzustellenden Demarcationslinie nicht zu befestigen. Man zweifelt, daß Rußland darauf eingehen werde. ________________________
enlvais von 3 st Rücke und gehör in der arktplatz per 1, ) früher zu ver- ' sagt die Erp.
* Zur allgemeinen politischen Lage. '
Die deutsche Regierung setzt ihre Vermutlungslhätigkeil zwischen den ] bei der orientalischen Frage nächstbetheiligten Mächten mit unermüdetem Eifer ' fort. Sie hat dabei auch schon wichtige Erfolge erzielt. Vor Allem ist es ; ihr gelungen, die Annäherung zwischen Oesterreich und Rußland so zu fördern, daß beide Mächte zu der Erkenntniß gekommen sind, ihre Interessen könnten recht gut auf dem Wege freundschaftlicher Verständigung gewahrt werden. Dagegen haben die Verhandlungen mit England und Rußland bisher nur zu mehr scheinbaren als wirklichen Resultaten geführt. Man ist zwar in London sowohl wie in Petersburg auf den Gedanken des Fürsten Bismarck, zunächst eine Vor- conserenz abzuhalten, aus welcher das Programm für den Congreß sestgestelll werden solle, im Princip eingegangen. Man hat sich sogar aus beiden Seiten, um nicht den Schein allzu großer Kriegslust auf sich zu laden, principiell zu einer gleichzeitigen Räumung der nächsten Umgebung Konstantinopels bereit erklärt. Aber die Unterhandlungen über die Art und Weise der Ausführung dieser Vorsichtsmaßregeln stoßen auf zahllose Schwierigkeiten. Es tritt dabei das Mißtrauen, von dem die beiden Gegner gegen einander erfüllt sind, in seiner ganzen Schärfe hervor: jeder von beiden fürchtet, daß der andere aus dem scheinbaren Rückzüge irgend einen unberechtigten Vortheil erringen möge. Man fühlt zugleich je länger um so mehr, daß der Gegensatz zwischen den beiderseitigen Jntereffen zu tiefgehend ist, als daß er durch Verhandlungen am ßiümn T'sch ausgeglichen werden könnte — handelt es sich doch, nachdem England den Vertrag von San St.fano in seinen wichtigsten Bestimmungen für unannehmbar erklärt hat, für Rußland um Aufrechthaltung oder Preisgebung ter mit den schwersten Opfern erkauften Errungenschaften. Das Schlimmste ist, daß Kaiser Alexander sich durch Rücksichten auf die bedenklichen inneren Zustände seines Reiches gehindert sieht, so wesentliche Zugeständniffe zu machen, wie England sie fordert. Ist doch die Volksstimmuug in Rußland durch den Widerstand, den England der Ausführung des Friedensvertrages entgegensetzt, so gereizt worden, daß sie über Verrath schreien würde, wenn die Regierung noch mehr Mäßigung zeigen wollte, als sie — der Meinung des russischen Volkes zufolge — bisher geübt hat. Zudem sind die revolutionären Leidenschaften, wie sich bei Gelegenheit des Processes gegen die Nihilistin Vera Sassu- litsch gezeigt hat, gerade jetzt so aufgeregt, daß die Regierung eine Beschwichtigung derselben nur von einem neuen Kriege erhoffen kann.
So treiben denn beide Mächte fast unaufhaltsam dem Kriege entgegen. So friedlich die Worte klingen mögen, die von London und Petersburg noch in die Welt hinausgesprochen werden, so dringend die Welt überhaupt die Erhaltung des Friedens wünscht und bedarf, die Wünsche und Worte stehen in einem unheilbaren Widerspruche mit den Thatsachen: die beiden Gegner betreiben nämlich ihre Kriegsrüstungen eifriger als je zuvor, und zumal seitdem es bekannt geworden ist, daß die englische Regierung schon indische Truppen zur Einschiffung nach dem Mittelmeer beordert hat, kann an dem Ernst ihrer Absicht, eventuell das Schwert zu ziehen, nicht mehr gezweifelt werden. Die deutsche Vermittlung ist augenblicklich der letzte Anker, an den sich die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens anklammert. Dieselbe könnte indeß nur unter der Voraussetzung begründete Aussicht auf Erfolg eröffnen, wenn die deutsche Regierung eine bestimmte Partei ergriffe und den hartnäckigen Theil durch Androhung von Gewaltmaßregeln zur Nachgiebigkeit zwänge. Zu einer solchen Parteinahme, welche Deutschland selbst unfehlbar mit einer der beiden Parteien verfeinden würde, haben wir aber gegenwärtig um so weniger Veranlassung, da sich in Frankreich — Dank dem Treiben der Jesuitenpartei — neuerdings wieder eine Neigung zu Allianzbildungen bemerkbar macht, welche die deutsche Regierung dringend mahnt, aus ihrer Hut zu sein und ihre bisherigen freundlichen Beziehungen zu allen Mächten auch fernerhin zu erhalten. Kurz, die politische Lage scheint uns gegenwärtig ähnlich zu sein, wie vor dem Kriege von 1866: während über Rückzug und Abrüstung unterhandelt wird, bereiten sich die feindlichen Gegner in Wirklichkeit aus den unvermeidlichen Krieg vor. Der Ernst der augenblicklichen Lage kennzeichnet sich auch durch den Umstand, daß Kaiser Wilhelm sich durch dieselbe sogar bewogen gefühlt hat, auf die von ihm beabsichtigte Erholungsreise nach Wiesbaden für jetzt zu verzichten. Ein Trost ist nut, daß Deutschlands neutrale Haltung auch die übrigen Mächte zur Zurückhaltung zwingen und somit dazu beitragen wird, den bevorstehenden Krieg Mschen Rußland und England zu localisiren.
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