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Uo. TL». Mittwoch, den 31. Oktober 1897«

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Anzeige- nnd Amtsblatt für den Kreis Gießen.

Erscheint tLgttch mit Äuinabmt de» Montag». Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pt- mit Bringerlohn,

t^rpsditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark so Pf.

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Aeulschlaud.

Darmstadt, 29. October. Die deutsche Kaiserin ist zum Besuche der Großherzoglichen Herrschaften hier eingetroffen und setzt um 5 Uhr Nachmit­tags ihre Reise fort. Der Großherzog tritt gleichzeitig eine Reise nach Ober» Hessen An.

Der Caffatioushof fällte heute in dem Proceß, den der General- Staatsprocurator Schalck gegen den Redacteur desMainzer Tagebl.", Karl Pröll, angestrengt hatte, ein sreisprechendes Urtheil.

Berlin, 27. October. Abgeordnetenhaus. Die Commissionen haben sich constituirt. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Berathung über das Schreiben des Ministers Camphauseu. Windthorst betont die Wlch- ligftit der Discussion für die Klarstellung der constitutionellen Verhältnisse. Er hält eine Adresse an den König für zweckmäßig; eine solche dürfte indessen nur von der Majorität beantragt werden. Der Redner sucht Wandlungen in der inneren Politik nachzuweisen. Minister Dr. Friedenthal wiederholt, er werde seine Zusagen erfüllen. Er betont, daß er die Kreis-Ordnung als das Gesetz bezeichnet habe, in dessen Sinne und Geiste die Verwaltungs-Reform fortgeführt werden solle. In Betreff der Städte-Ordnung bemerkt Redner, die vorgelegte Novelle enthalte einen Punkt, der eine Annäherung der Regierung an die Wünsche der Majorität involvire. Vice-Präsident des Staatsminlste riumS, Camphausen, weist auf das Bestimmteste die Aeußerung Windthorsl's zurück, daß Fürst Bismarck absolut regiere. Gegenüber der Aeußerung Wlndt horst's, die Minister seien nur Commis Bismarck's, meint Redner, die Würde des Hauses, sowie der Regierung sollte solche Betrachtungen, wie sie der ehe­malige Minister Windthorst angeftellt, nicht gestatten. Camphausen betont wie­derholt, daß die Verantwortlichkeit aller einzelnen Minister unverändert sortbe- stehe. Lasker erklärt, das formelle Recht zur Beurlaubung eines Ministers sei nicht zu bezweifeln und die Stellvertretung für denselben fei Im Interesse der Geschäfte nothwendig. Die Befürchtung einer Wandlung in der inneren Politik l Helle er nicht; eine solche Wandlung sei nicht möglich. Sein und seiner poli­tischen Freunde Standpunkt bezüglich der Verwaltungs-Reform sei der nämliche, wie vor zehn Jahren. Sie hätten die Reorganisation nur unter der Voraus­setzung unternommen, daß dieselbe planmäßig und stetig durchgeführt werde. Diese Bedingungen müßten sie auch jetzt stellen, wenn sie die Regierung unter­stützen sollten. Der Antrag Wludthorst's scheine ihm nicht zweckmäßig. Der Gedanke eines Minister-OrganlsatlonS-Gesetzes sei noch nicht reif und der An­trag auf ein Minister > Verantwortlichkelts - Gesetz hänge mit der vorliegenden Frage nicht zusammen. Die beiden vorliegenden Anträge seien daher für ihn unannehmbar. Richter polemisirt gegen einzelne Aeußerungen Lasker's und plaldirt für den Antrag der Fortschritts-Partei- Minister Dr. Friedenthal er­klärt gegenüber der bezüglichen Aeußerung Richter's, daß er im Falle der Er­teilung eines MlßtrauenS-Votums als constitutloneller Minister seine Entlassung geben würde. Löwe erklärt sich gegen die Anträge der Fortschritts-Partei und des Centrums und bezeichnet dieselben als unzweckmäßig. Hierauf folgt die Abstimmung. Der Antrag der Fortschritts-Partei wird abgelehnt; dafür stim­men die Fortschritts-Partei und die Polen. Der Antrag des Centrums wird unter namentlicher Abstimmung mit 217 gegen 132 Stimmen ebenfalls abge­lehnt. Nächste Sitzung Dienstag.

DiePost" erklärt die Meldung verschiedener Blätter: Der Minister Dr. Friedenthal habe in den die Verwaltungs-Reform betreffenden Passus der Thronrede das Versprechen der Uebertragung der Reformgesetze auf die west­lichen Provinzen aufnehmen wollen, der Minister-Prästdent die fragliche Stelle aber gestrichen, für unrichtig. Der in Rede stehende Passus sei vor der Be­rufung Dr. Friedenthal's zum stellvertretenden Minister des Innern entworfen und nicht nur von sämmtlichen Ministern, einschließlich des Fürsten Bismarck, sondern auch von dem Kaiser unverändert genehmigt worden.

Berlin, 28. October. In der Capelle der russischen Botschaft sand heute Vormittag ein Trauer-Gottesdienst für den gefallenen Prinzen v. Leuch­tenberg statt. Der Kaiser wohnte der Feierlichkeit, an der auch viele russische Unterthanen theilnahmen, bei.

Stettin, 27. October. Das ttreisgerrcht hat als Kuratoren bei dem Eoncurs der Pommer'schen ritterschaftllchen Privat-Bank die Herren Keddlg, Braun und Hildebrandt bestätigt.

Stuttgart, 27. October. Die Königin von Württemberg ist heute von Friedrichshafen zum Kur-Aufenthalt nach San Remo abgereist. Der König kehrt heute Abend von dem Sommer-Aufenthalt in Friedrichshafen nach der Residenz zurück.

Kestmeich.

Wien, 26. Oktober. In der heutigen Sitzung M Abgeordnetenhauses richtete Oberleitner folgende Interpellation an den £anbel8mlnHter: ob und warum die Verhandlungen über den Zoll-Vertrag mit Deutschland abgebrochen seien, und eventuell welche Maßregeln die Regierung zu ergreifen gedenke, um den wirthschastllchen Nachthellen zu begegnen, welche aus der Störung altge­wohnter Verkehrs-Beziehungen erwachsen könnten, und um Erschütterungen

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Hintanzubalten oder zu mildern, welche bet dem nahenden Ablaufe der Geltungs- zeit des Vertrags mit Deutschland zahlreiche Industriezweige bedrohten. Baron Zschok brachte eine Interpellation ein bezüglich der Beschlagnahme von für Rumänien bestimmten Eisenbahnschienen auf ihrem Transporte durch Ungarn.

Wien, 27. October. DieWiener Abendpost" verweist auf die gestrige unter Reserve veröffentlichte Nachricht derPolit. Corresp.", nach welcher die Pforte die guten Dienste Englands wegen der Anbahnung des Friedens in Anspruch genommen habe. DieAbendpost" fügt hinzu, daß andere Organe in die Nachricht Glauben setzten. Allein mit Rücksicht darauf, daß im Verlaufe des Krieges die Friedens-Nachrichten sich schon oft nicht bestätigt hätten, könne sie sich der von derPolit. Corresp." ausgesprochenen Reserve nur anschließen und nichts sehnlicher wünschen, als daß die nächste Zukunft dieses Abwarten als unberechtigt erweise.

Pesth, 27. Oktober. Im Abgeordnetenhaus« meldete Stmontay «ine Interpellation an über einen vor längerer Zeit stattgehabten ungehinderten Transport scharser Patronen auf der Fünskirchener Eisenbahn.

KrauKrttch.

Paris, 26. Oktober. Der dintsche Botschafter, Fürst Hohenlobe, ist heute Abend um 9 Uhr hier eingetroffen. Herzog v. Decaze« wird morgen siüh in Pari« zurückerwartet, um an dem Mtnisterrathe thetlzunehmen, worin angeblich wichtige Beschlüsse über die Mittel zur Lösung der Krists gefaßt wer. den sollen. Die Rede Gambetta'S wird von den- legitimlstischen Organen auf'« Heftigste angegriffen.

Pari», 27. Oktober. Der deutsche Botschafter. Fürst Hohenlobe. stat- tete heute Nachmittag den, Marschall Mac Mahon und dem Herzog v. Decaze« Besuche ab.

Pari-, 28. October. Die Munlcipal-Wahleu für Paris sind auf den 25. November festgesetzt. - DerFrankls" erklärt, die Journale hätten Un­recht, wenn sie aus seiner gestrigen Mittheilung schlössen, der Marschall sei geneigt, der Linken Zugeständnisse zu machen. Daß das Ministerium dem Mar- sckalle überlasse, sich an die Männer zu wenden, welche sich ihm zur Unter» flützuug seiner bisherigen Politik darböten, implicire nicht, daß der Marschall bereit sei, aus diese Politik zu verzichten und von den Erklärungen abzuwelchen, welche ihn vor dem Lande verpflichteten. Das Blatt stellt in Abrede, daß die Majorität des Senats bereit sei, sich aufzulösen, und bemerkt, die Mehrzahl der Senatoren fei noch abwesend und solche Entscheidungen könnten nur aus Collectlv-Berathungen hervorgehen.

DerFranyais" stellt in Abrede, daß die Majorität des Senats sich auflösen und die Sache der Regierung aufgeben wolle.

Atalten

Rom, 28. October. DerCorriere d'Jtalia" dementlrt entschieden die Nachricht eines Wiener Blattes, daß die Pforte eine Beschwerde-Rote an das italienische Cablnet wegen angeblicher Jntriguen italienischer Agenten in den lavischen Provinzen gerichtet habe. Das Blatt sagt: Die Pforte hat hierüber nicht blos eine Beschwerde geführt, sondern hatte selbst keine Veranlassung, zlesbezügliche Bemerkungen zu machen.

Außland.

Moskau, 26. October. General-Major Hartung hat sich gestern im Gerichtslocale erschossen, unmittelbar nachdem die Jury bet der Verhandlung des Processes (Sanftleben denselben der Entwendung von Wechseln und anderer Crirntnal-Verbrechen für schuldig erklärt hatte; derselbe ließ einen Zettel zurück, auf dem er seine Unschuld betheuerte.

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel , 26. Oktober. Dem Vernehmen nach würde Baker sein Commando niederlegen und nach Konstantinopel kommen, um die Gensd ar- merle zu organistren.

Petersburg, 27. Oktober Offkleße Meldung aus Poradirn vom 26. d.: Gestern besichtigte Großfürst Nikolaus das Schlachtfeld von Gorni- Dubniak und die von unseren Truppen erkämpften Positionen. Die Truppen sind vom Siege am 24. Oktober begeistert. Alle, vom Generale bi« zum Sol- baten, haben sich als Helden benommen. Unser Verlust beträgt 2500 Manu. Der türkische Verlust ist beinahe ebenso groß. 80 türkische Osstclere sind ge­fangen, eine Fahne und 4 Geschütze erbeutet.

Petersburg, 28. October. Telegramm aus Tiflis vom 27. d.: Aus Jgdyr wird gemeldet: In der Nacht vom 19. auf den 20. Octbr. verließ die Arriöre - Garde Ismail Pascha'S unbemerkt ihre Positionen. Vor ihrem Rückzüge verbrannten die Türken beiläufig 240 Patronen Kasten. Drei Kosaken- Sotnlen und zwei Escadrons Dragoner jagten dem Feinde nach, überschritten die Grenze und stießen bei dem Mlssuna-Passe aus einige Hundert Mann tür­kische Kavallerie, welche sich eilig in die Berge auf der Straße »ach Diadm zurückzogen. Später erhielten neue Truppen Geschützfeuer von den Missnna, Höhen, welches unsererseits nicht erwidert wurde, da keine Artillerie mitgenom-