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schweren Pflichtverletzung sich gegen solche Persönlichkeiten richtet, deren Dienst- führung ohne Tadel ist. Der betr. Korrespondent derMain Ztg." sollte sich daher schon aus diesem Grunde veranlaßt sehen, seiner Anschuldigung, insofern sie in Wahrheit begründet ist, eine bestimmte Richtung zu geben und glauben wir nicht zu irren, wenn wir die Ueberzeugung aussprechen, daß eine deSfallsize aus specielle Thatsachen gestützte Mittheilung an die zuständige Behörde sofor tige Untersuchung und Abstellung der durch die Untersuchung etwa constatirten Mißbräuche zur Folge haben würde. (Darmst. Ztg.)

Berlin, 27. Mai. Vor Kurzem brachten die Zeitungen einen Aufruf, welcher Civilärzte, die Lust hätten, im FE einer Mobilmachung in die Armee einzutreten, aufforderte, die Bedingungen anzugeben, unter welchen sie ihren Eintritt zu bewerkstelligen geneigt wären. Obwohl eine solche Aufforderung sich alljährlich wiederholt, wie ja auch alle Jahre ein Mobilmachungsplau aus­gearbeitet wird, faßt man diese Aufforderung als ein beängstigendes Symptom auf, zumal noch die Nachricht verbreitet wurde, daß wegen Beschaffung der Bekleidungs- und Bewaffnungsstücke für den Landsturm verhandelt würde. Nur übersah man hierbei wiederum, daß das Landsturm-Gesetz schon seit ein paar Jahren in Kraft ist und es wohl Zeit wird, sich mit der Ausführungsmöglich­keit deffelben zu beschäftigen. Hierher gehört natürlich die Frage wegen der Bekleidung und Bewaffnung des Landsturms. Mit dieser mag man sich befaßt haben, von Anschaffungen ist nicht die Rede gewesen.

Berlin, 28. Mai. Contre-Admiral Bätsch hat heute in Wilhelmshafen den Befehl über das Panzer-Geschwader übernommen; letzteres besteht aus den Panzer-FahrzeugenDeutschland",Kaiser".Preußen",Friedrich Karl" nebst dem AvisoFalke." Das Geschwader wird morgen oder übermorgen seine Uebungsfahrt nach dem Mittelmeere antreten. Die CorvetteVictoria" ist gestern von Gibraltar nach dem östlichen Mittelmeere abgesegelt. Nach dem Eintreffen des Panzer-Geschwaders im Mittelmeere treten die daselbst noch außerdem befindlichen SchiffeGazelle",Komet" undPommerania" in den Verband des Geschwaders.

Metz, 27. Mai. Ein Hirtenbrief, welchen der Bischof von Metz aus Anlaß des 50jährigen Bischofs-Jubiläums des Papstes an die Pfarrer seiner Diöcese zu richten im Begriffe war, und welcher heute den Gläubigen zur Kenntniß gebracht werden sollte, ist, wie derMon. de la Mos." meldet, auf behördliche Anordnung in der Druckerei mit Beschlag belegt worden.

Irankreich.

Paris, 26. Mai. Die türkische Botschaft hält die Absetzung des Kriegs-Ministers in Folge der Kundgebung der Sostas für nicht unwahrschein­lich. Ein officielle Depesche aus Stambul lautet:Große Begeisterung! Die Pforte will Sadyk Pascha zum Finanz-Minister machen; dieser weigert sich jedoch, weil er augenblicklich zu leidend sei." DerFrantzais" meldet, der Bey von Tunis habe beschloffen, der Pforte die von ihr verlangten Hülfstrup- pen zu senden.

England

London, 27. Mai. Die Wochenpresse findet gleich wie die Tagespreffe die Besorgnisse Deutschlands gegenüber der klerikal-monarchischen Haltung Mac Mahon's natürlich.Saturday Review" bemerkt, der Imperialismus würde nothgedrnngen von seinen klerikalen Helfern gleich wie früher Napoleon zum Kriege gegen Deutschland gedrängt werden. Die Nachricht von dem Vor­dringen der Ruffen über Olti gegen Erzerum wird bestätigt. Die Rückbe­rufung Midhat's nach Konstantinopel steht angeblich bevor.

Italien

Nom, 28. Mai. DieAgenzia Stefani" bezeichnet die Nachricht fran­zösischer Blätter, wonach der König neuerdings rin Schreiben an Marschall Mac Mabon gerichtet habe, als völlig unbegründet; ein solches Schreiben existtre nicht.

Türkei.

Konstantinopel, 28. Mai. Nach einem Telegramm des Unier- Gouverneurs von Sazirtun an ben Kriegs-Minister sollen die Türken unter Mnffa Pascha Ardahan wieder besetzt haben. Der Unter-Gouverneur hat diese Nachricht heute durch ein Telegramm des Kaimakams von Livane erhalten, welchem dieselbe durch einen Tscherkeffen überbracht wurde. In der Depu- tirten-Kammer setzte der Deputirte für Aleppo die militärische Lage in Asien auseinander und beantragte, alle Minister aufzufordern, in der Kammer zu er­scheinen und sich mit dieser über die zu ergreifenden dringlichen Maßregeln in's Einvernehmen zu setzen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen

Einige bei der am Donnerstag stattgehabten Demonstration compro- mittirie Personen sind verbannt. Auch Waffen Confiscationen sind vorgenommen. Der österreichische Botschafter Graf Zichy und der italienische Graf Corti werden im Lause dieser Woche vom Sultan in Privat-Audicnz empfangen.

DasReuter'sche Bureau" meldet: In der Notification der Ver­hängung des Belagerungs-Zustandes, welche die Pforte an die Botschafter der Mächte gerichtet hat, wird hervorgehoben, daß die Anwendung der durch den Belagerungs-Zustand gebotenen Maßregeln gegen Ausländer sich innerhalb der durch die (Kapitulationen vorgeschriebenen Grenzen bewegen werde.

Konstantinopel, 29. Mai. Ismail Bey, früherer Gouverneur von Tultscha, welcher der Theilnahme an der Kundgebung der Softas bezichtigt ist, wurde am Samstag verhaftet und ist nunmehr nach Bruffa verbannt.

Kriechenland.

Athen, 28. Mai. Die Kammer ist heute Vormittag durch das vom Minister-Präsidenten verlesene königliche Decret, welches dieselbe zu einer außer­ordentlichen Session zusammenberuft, eröffnet worden. Nach Eröffnung bestand die Opposition daraus, daß sofort die Wahl des Präsidenten vorgenommen werde. Angerinos, der Candidat der Partei Kumunduros, siegte mit 71 gegen 42 Stimmen, woraus der Minister-Präsident Deligeorgis seine Demission ankündigte.

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel, 26. Mai Die Veranstalter der am Donnerstag in den Räumen der Kammer staltgehabten Demonstrationen sind verhaftet worden. Der persische Gesandte bat dem Minister deS Auswärtigen, Savset Pascha, eine Note überreicht, worin es heißt, die persische Regierung werde die freund­

schaftlichen Beziehungen, welche die mohamedauischen Völker unter sich vereini­gen, aufrechterhalten. Eine Depesche von FarsU Pascha, dem Commandanten von Sukhum-Kale, meldet Folgendes: Eine Flotten-Ainheilung mit 350 Frei willigen an Bord hat einen Angriff aus das Fort Ardler gemach'. Mit Unterstützung der Artillerie wurden Die Truppen auszeschifft und schlugen den Feind, welcher 200 Toote zurückließ. Das Fort wurde zerstört. Darauf kehrte die Flotten-Abkheilung nach Sukhum-Kale zurück. Bei einem Gefecht in der Nähe von Sukhum-Kale am Dienstag wurden von aufständischen Abchasiern 300 Ruffen getödtet.

Petersburg, 27. Mai. Die Bukarester Nachrichten über die Zer­störung eines tückischen Monitors enthalten Ungenauigkeiten. Die Sache »er­hält sich folgendermaßen: Die russischen Officiere brachten am Hellen Tage unter dem Feuer des nachher zerstörten Schiffes den Torpedo an den Monitor und sprengten letzteren in die Luft. Eure Schaluppe wurde durch die Explosion fast unter Waffer gesetzt, eine andere von einer Kugel getroffen. Auf russischer Seite ist Niemand verwundet.

Wien, 28. Mai. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel vom 27. Mai: Gleichzeitig mit dem Inkrafttreten des Belagerungs-Zust indes wird ein Kriegsgericht eingesetzt werden zur Aburtheilung Derer, die sich gegen die Sicherheit des Staates vergehen. Man erwartet die Vertagung der Kam- mer. Der Sultan hat sich auf das Bestimmteste gegen die Zurückberufung von Midhat Pascha erklärt. Achmet Mukhtar Pascha zieht sich zurück, um Erzerum zu decken. Derselben Korrespondenz wird aus Bukarest von heute telegra- phirt: Minister Cogalniceanu erließ an die rumänischen Agenten im Auslande ein Rundschreiben, worin die Erklärung dec Unabhängigkeit Rumäniens notifi. cirt wird. Die ganze rumänische Armee in der Stärke von 40,000 Mann ist m der kleinen Walachei concentrirt.

London, 28. Mai. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Erzerum vom 23. Mai: Zwei Regimenter Kavallerie und zwei Batterien der Türkin haben ein Regiment unb eine Batterie Ruffen bei Maghardjik, 10 Meilen von Kars, angegriffen; die Ruffen sollen circa 150 Todte und Verwundete ver­loren haben.

Wien, 29. Mai. DiePreffe" meldet aus Kalafat: Das Bombar­dement von Widdin wurde, nachdem es noch nicht ganz eine Stunde gedauert hatte, eingestellt. Der Fürst blieb während dieser Zeit innerhalb der Batterie. Dasselbe Blatt meldet aus Bukarest: Die Eisenbahn-Verbindung zwischen Tekutsch und Braila ist durch Hochwaffer unterbrochen. DasNeue Tagebl." meldet aus Agram: Die Aufständischen haben ein türkisches Blockhaus bei Topola erstürmt. Die Besatzung desselben verlor 30 Mann und ergriff die Flucht.

Wien, 29. Mai. DerPreffe" zufolge wären sämmtliche Meldungen über eine angeblich zwischen Rußland und Oesterreich bezüglich der Ausdehnung der kriegerischen Action Rußlands vereinbarte Demarcations-Linie (Marowa oder Aluta) unbegründet; es bestehe keinerlei Vereinbarung über eine Beschrän­kung der russischen Kriegführung.

Petersburg, 29. Mai. Der Gang der russischen Kriegführung wird durch Sengen und Brennen vereinzelter Ortschaften an der Küste des Schwär« zen Meeres nicht berührt, ebensowenig durch die vergeblich versuchte Aufwieg,- lung einzelner Stämme des Kaukasus. Diese türkischen Jnsurrections-Versucht können leicht an der Donau Gegenzüge Hervorrufen. Rußland verzichtet jedoch auf solche Hülfsmittel, ist vielmehr bemüht, wo, wie Serbien, Alles zum Kriege drängt, von der Theilnahme abzurathen. Rußland wird in jedem Falle eine Linie des Verhaltens innehalten, die eine Revolution nicht wachruft.

Lokal-Notiz.

Gießen, 29. Mai 1877. In der heutigen öffentlichen Sitzung Großherzoglickcr. Hofgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Haupt- und Ergänzungs-Geschworenen für das Schwurgericht vom III. Quartal, dessen Sitzungen Montag den 2. Juli d. I, Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitz des zum Präsidenten des Schwurgerichlshofs de- stimmten Großherzoglichen Hofgertchis-Ralds Herrn Wey land bezw. des zu bcffa Stellvertreter ernannten Großherzoglichen Hofgerichts-Raths Herrn Becker werden ei- öffnet werden, in folgender Reihenfolge ausgeloost.

I. Erganzungs'Geschworene:

1. Dr. Hermann Wasserschleben, Universitäts-Kanzler,

2. Dr. Anton Schneider, Professor,

3. Ottmar Weidig, Hofgerichts-Adoocat,

4. Dr. Karl Zöppritz, Professor.

5. Dr. Egid Gutfleisch, Hofgerichts-Advocat,

6. Ferdinand August Wehn, Commissionär,

7. Ernst Wallenfels, Backer,

8. Friedrich Textor, Bierbrauer,

9. Georg Wilhelm Ferber, Buchhändler,

10. Dr. Johann Baptist Braun, Prioatdocent,

11. Dr. August Streng, Professor,

12. Heinrich Michael Marz, Bauunternehmer; sämmtltch in Gießen.

II. Haupt-Geschworene:

1. Karl Christian Hanner, Weinhandler in Büdingen.

2. Georg Ferdinand Gail, Fabrikant in Gießen.

3. Johannes Blitz, Commissionär daselbst.

4. Freiherr Adolph von Harnier in Echzell.

5. Friedrich Koch. Gutsbesitzer in Stockheim. /

6. Balibasar Weber, Müller in Bingenheim.

7. Christian Lony, Bierbrauer in Gießen.

8. Johann Wilhelm Lenz, Landwirth in Bauernheim.

9. Jacob Wießler, Geldwechsler in Butzbach.

10. Karl Flach II., Branntweinhändler daselbst-

11. Nicolaus Wiegand, Effenbändler in Schlechtenwegen.

12. Andreas Euler, Schneidmüller in Gießen-

13. Johannes Geisel VI., Landwirth in Leusel-

14. Christian Löber III., Cigarrenfabrikant in Gießen.

15. Georg Sack, Metzger daselbst.

16. Heinrich Friedrich II., Landwirth in Heimertshausen

17. Georg Hölzer, ElUnwaarenhändler in Butzbach.

18. Johannes Fischer, Steinkoblcnhändler in Gießen.

19. Andreas Ströbel, Mühlenbesitzer in Klein-Karben. r

20. Georg Schudl, Müller und Landwirth in Unter-WidderSheim, (Hof-Schweu heim).

21. Jakob Kallenbach, Müller in Burg-Gemünden.

22 Karl Bichmann, pens. Major in Friedberg.

23. Heinrich Pfeil, Landwirth in Ehringshausen.

24. Jacob Schudt, Müller in Wetlerfeld.

25. Friedrich Bückng, Rentner in Gießen.

26. Jacob Hähnlcin, Fluchthändler in Büdingen.

27. Heinr. Ludw. Peter Wolff, Gastwirtb in Rommelhausen.

28. Heinrich Jung, Landwirth in Eudorf.

29. Fr. Aug. Ludwig Koch, Commissionär in Gießen.

30. Wilhelm Leo Vogt, Oeconom in Reichelsheim.

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