Vom handelspolitischen Gebiet sind zwei bemerkenswerthe Kundgebungen zu verzeichnen: der Ausschuß des deutschen Handelstages hat auf Grund zahlreicher Gutachten von Handelskammern bei dem Reichskanzleramt die Veranstaltung einer Enquete über die wichtigeren Productionszweige Deutschlands und die Mittel zu deren Ausbesierung beantragt, und die (fchutzzöllnerische) freie volkswirthschaftliche Vereinigung des Reichstags dem genannten Amt einen autonomen Zolltarif als Material für seine Berathungen zu übermitteln beschlossen. Auch auf socialpolitischem Gebiete regt es sich von Neuem: der Pastor Todt, Verfasser eines Buches über die Socialdemokratie, hat nämlich mit einigen Gesinnungsgenoffen einen Aufruf zur Gründung eines Centralvereins für Socialresorm auf religiöser und constitutionell-monarchischer Grundlage erlassen, welcher aus evangelischem Boden eine ähnliche Partei bilden soll, wie sie auf katholischem Boden unter dem Namen der christlich-socialen Vereine besteht.
Der preußische Landtag hat seine Weihnachtsferien angetreten. Das Abgeordnetenhaus brachte vorher den Staatshaushalts-Etat, den Gesetzentwurf über den Sitz der Landgerichte und den Accessionsvertrag mit Waldeck in dritter Berathung zu Ende. Die Annahme des „Sitzgesetzes" erfolgte unter Zustimmung der Regierung en bloc nach den Anträgen der Commission, nur unter Hinzufügung einer Resolution, durch welche die Regierung ersucht wurde, überall wo die Ortsverhältnisse es rathsam erscheinen ließen, mit benachbarte» Bundesstaaten eine Vereinigung nachbarlicher Gebietstheile zu einheitlichen G^- richtsbezirken herbeizuführen. Bet der Berathung des Etats brachte das Centrum natürlich seine gewohnten Klagen von Neuem vor. Der Abg. v. Schor- lemer gab zum tausendsten Male die Erklärung ab, die ultramontane Partei werde den Kampf auf's Aeußerste fortsetzen, und stellte dabei das Ende des (bekanntlich durch Meuchelmord gefallenen) Fürsten Wallenstein als Vorbild des Schicksals des Fürsten Bismarck bin. Allseitige Beachtung fand eine Rede des Abg. Aegidi, welcher an die Klugheit der gemäßigten Richtung innerhalb der katholischen Kirche appellirte. Der Ciltusminister nahm die Beamten gegen den Vorwurf einer tendenziösen oder ungeschickten Handhabung der Maigesetze in Schutz. Schließlich war das Haus der ewigen Phrasen der Centrumsmitglieder so müde, daß es selbst den Abg. Windthorst nur mit den deutlichsten Zeichen der Langeweile anhörte.
Graf Andrassy hat, wie früher die ungarische, so nachher auch die österreichische Delegation durch eingehende Mittheilungen über den Gang der von ihr befolgten Politik zu einer vollständigen Billigung seiner Haltung in der orientalischen Frage bewogen und damit freie Bahn für Fortführung der bisherigen Politik innerhalb des Rahmens des Drei-Katser-Bünd- nlsses gewonnen. Der ungarische Minister-Präsident Tisza sieht die Mehrheit des Reichstags in Folge des Pesther Straßenscandals nur um so fester um sich geschaart.
Kaiser Alexander ist bet seiner Rückkehr nach Petersburg mit unbeschreiblichem Enthusiasmus empfangen worden. Leider stellen sich Aeußerungen, welche er bet dieser Gelegenheit, sowie bei der einige Tage nachher stattgefundenen Feier des 100jährigen Geburtstages des Kaisers Alexander I. that, an welcher auch eine preußische Officiers-Deputation Theil nahm, keine baldige Beendigung des Krieges In Aussicht.
Für England war die Einberufung des Parlamentes das Ereigniß der Woche. Der Umstand, daß dieselbe auf einen mehrere Wochen früheren Termin als gewöhnlich (17. Januar) und „wegen dringender und wichtiger Angelegenheiten" erfolgt ist, hat die Bevölkerung in nicht geringe Aufregung versetzt.
funben und damit das Feuer entzündet. Die beiden Elenden waren stets die Ersten beim Feuer und scheinbar die Thäkigsten beim Löschen und die Erbosteten gegen die Brandstifter; sie wollten die Belohnung etnstecken, die für die Ersten auf dem Brand- vlatze ausgesetzt ist. In der Hauptsache aber trieb sie die teufliche Lust an Schreck und Verwirrung; sogar in der ersten Nacht im Gefängnitz schrieen sie aus voller Kehle: Feuer! Feuer.
Worms, 20. Dec. In einer Elaste der hiesigen Fortbildungsschule fand vorige Woche ein empörender Auftritt statt. Einer der Schüler, seines Zeichens ein Maurer, kam gestern wie schon oft mit der langen Pfeife in die Schule. In Folge einiger Bemerkungen von Setten des betr. Lehrers muckte der Schüler auf, ein Wort gab das andere, und als der Lehrer seinen Schüler endlich gebührend „zurechtschüttelte", erhielt er von bc.iifelben einen kräftigen Stoß versetzt, welcher ibn fast zum Fallen brachte und worüber ein Tbeil der vielversprechenden Jugend in ein schallendes Gelächter ausbrach. Nach Schluß der Schule stellte sich der renitente Schüler an die Thüre und rief seinem Lehrer zu: „Meinen Wams muß't mir doch bezahlen, Du Lump! Ich hab' Brod und Kleider, wer weiß, ob's Du hast!* — Eine Bemerkung hierzu zu machen, erscheint überflüssig.
— (Vogelbälge als Hutschmuck.) »Es liegt in dem Menschen ein natürlicher Trieb, sich zu entstellen, und diesen Trieb beliebt man die Mode zu nennen. Hat man ein gutes Auge, so klemmt man sich ein Stück Glas in dasselbe, um es, der Mode- narrheit wegen, zu verderben; hat man einen guten Wuchs, so trägt man entstellende Ueberröcke, deren Schooß auf dem Rücken sitzt. Namentlich aber das Weib hat, indem es in seiner Eitelkeit stets über die Grenzen und das Ziel hinausschteßt, eine Manie, sich zu verunstalten und diese Mißgestalt für guten Geschmack auszugeben, die eS in der Stufe der Civtltsation keineswegs erhebt, sondern eher zurückversetzt.
Die Narrheit des männlichen Geschlechts geht allerdings mit jener gleichen Schritt, aber als die natürlichen Regulatoren des guten Geschmacks und der Sitte gebührte es den Frauen, jeder Mtßgestaltung Einhalt zu gebieten.*
Mit diesen, wenn auch nicht gerade sehr galanten Worten charakteristrt ein Schriftsteller die Mode und wie man zugeben muß, leider nur zu wahr. Die Aus- arlunzen der Mode gehen heut zu Tage sehr wett und streift dieselbe sehr häufig an's Geschmacklose.
Hier haben wir es jedoch nicht mit der Mode im Allgemeinen zu thun, sondern mit jener schon oft von unS bekämpften und gerügten Modethorheit, Vogelbälge und Vogelflügel als Hutschmuck (?) zu verwenden. Gleich der Hydra, deren Köpfe immer wieder wuchsen so oft sie auch abgehauen wurden, erscheinen alljährlich im Herbste wieder die Vogelbälge und Vogelflügel als Hutschmuck und allenthalben steht man solche nicht nur in den Putzläden ausgestellt, sondern auch auf den Hüten angeblich zartfühlen oer Damen.
Winterfeld sagt über diese Mode: »Fast alle Moden der Menschenwelt lassen sich aus die Vorbilder der Thierwelt zurückiühren: die seltsamen Kopfputze der Vögel verleiteten die Frauen zur vielseitigen Nachahmung, von dem einfachen Morgenhäub- chen bis zu der albernen Idee, den Vogel selber auf den winzigen Hut oder den Wust falschen Haares zu befestigen *
Gtebt es denn für den Winter keine andere Verzierung als den Flügel der „Merle" oder den Balg eines tooten Singvogels? Will man den Hut absolut mit Federn verzieren, so nehme man doch solche von jagdbarem oder Hausgeflügel, von Rebhühnern, Gänsen, Enten und Haushühnern. Sind die bunten Flügelfedern eines Enterich's nicht ebenso prächtig, als diejenigen eines Diestelfinken? und der dichte Pelz einer GanS nicht ebenso schön, als der eines sog. „Eisvogels"?*) Läßt sich nicht mit Bändern, Spitzen u. dgl. Geweben, falls man keine nachgeahmten Blumen tm Winter verwenden will, ein Damenhut ebenso schon verzieren, als mit dem Balge eines tobten Vögelchens?
Möchte man doch endlich das Geschmacklose und Schädliche dieser Mode ein. sehen; möchte man sich doch durch den oft wiederholten Apell an die Weiblichkeit, durch den über diese Modethorheit ergossenen Hohn und Spott endlich veranlaßt sehen, davon abzustehen.
Hoffentlich genügen diese Worte, um alle einsichtsvollen Frauen zu veranlaffm, keine derartigen Verzierungen auf ihren Hüten anbringen zu lassen. Der Dank der Vögel für die ihnen dadurch gewährte Schonung wird gewiß nicht ausbleiben.
Dr. Schaefer.
*) Die zum Hutputz so sehr beliebten sog. „Merlenflügel* sind von afrikanischen Glanzftaaren, während der sog. „Eisvogelpelz" von Seemöven stammt.
Auch daß ein Ministerrath auf den anderen gefolgt und die Königin nicht wie sonst zur Feier des Wethnachtssestes nach der Insel Wight gereist, sondern in Windsor geblieben ist, um mit den Ministern leicht persönlichen Verkehr pflegen zu können, deutet darauf hin, daß jenseits des Canals etwas Besonderes im Werke ist. Trotz der Kriegslust Lord Beaconssield's kann man dort jedoch nicht recht daran glauben, daß England sich an dem Kriege betheiligen werde; man ist vielmehr der Meinung, daß sich die Regierung vom Parlament nur die erforderlichen Geldmittel bewilligen lassen wolle, um sich in den Besitz eines Faustpfandes zur Wahrung der britischen Interessen zu setzen, falls Rußland letztere durch weiteres Vordringen gefährden sollte. Man denkt dabei hauptsächlich an eine Annexion Aegyptens. Die Handelskammern der großen Städte des Landes thun mittlerweile das Ihrige, um die Regierung durch Adressen zur Beibehaltung der bisherigen Neutralitätspolitik zu bewegen.
In Frankreich haben die Kammern ihre Session für 1877 geschlossen und den Generalräthen Platz gemacht. Das neue Ministerium hat sich inzwischen beeilt, der öffentlichen Meinung durch verschiedene Maßregeln die verlangte Genugthuung zu geben und zugleich Licht über seine eigenen Intentionen zu verbreiten. Besonders einschneidend war der von ihm vorgenommene Wechsel in dem Personal der Präfekten, von denen nicht mehr als 4 ihre Stelle behalten haben. In Folge dessen ist, wenn auch die Linke der Deputtrtenkammer den von ihr gebildeten Achtzehner-Ausschuß zur Ueberwachung der Regierung noch immer fortbestehen läßt, eine merkbare Beruhigung unter der Bevölkerung eingetreten. Die Legitimisten, Bonapartisten und Clertkalen haben den von ihnen beabsichtigten neuen Ansturm gegen die bestehende Ordnung der Dinge bis nach der Ausstellung verschoben. Daß letztere unter allen Umständen an dem früher festgesetzten Termin eröffnet werden soll, hat der Marschall-Präsident durch die jüngsthin vorgenommene Besichtigung der Ausstellungs-Arbeiten deut- lich genug kundgegkben.____________________________________________________________
B e r rn i s ch t e s.
Mainz. Eine Gaunerei wird jetzt zum Nachtheil armer Dienstboten sehr schwungvoll wie folgt betrieben: Jn's HauS schleicht sich gewöhnlich eine ältere Frau ein, zieht das Dienstmädchen auf die Seite und erzählt unter Thiänen, daß sie durch bittere Noth gezwungen sei, Goldsachen, auf die sie sonst viel halte, um jeden Preis loSzuschlagen. Sie zieht bann gewöhnlich Broche und Ring hervor und bietet Alles um etliche Mark zum Kauf an. Geht das dumme Ding auf den Leim und Hilst der Frau durch Ankauf der „Goldsachen* aus der Noth (sie könnte durch Versetzen sich, wenn sie Werthsachen hätte, viel besser helfen), so ist es gemacht. So sahen wir gestern wieder eine Broche und einen Ring, beide um sechs Mark auf die bezeichnete Weise gekauft, aber jeden Augenblick für 1 J4, höchstens 1 JL 20 $ aus dem Bazar zu beziehen. Ein Goldarbeiter sagt, baß schon feit einiger Zeit öfters Dienstmädchen zu ihm kommen, um ihn über den Goldwerth von derartigen Sachen zu befragen, die gar keinen besitzen. Man sehe sich also vor.
— In Naumburg sind endlich die Brandstifter entdeckt, die seit Jahr und Tag die Stadt vielmals durch Feuersbrünste in Schrecken gesetzt haben. Es sind zwei Mit fllieber der Feuerwehr, der Kammmachergehülfe Klehm und der Zimmergeselle Rödiger, 27 und 21 Jahre alt. Sie sind beide geständig und fügten hinzu, oftmals fei das Feuer, das sie angelegt, nicht zum Ausbruch gekommen. Bei dem letzten Brandfall hätten sie bereits das betr. Gebäude verlassen gehabt, nachdem Hunderte von Streichhölzern den Dienst versagt, da habe Rödiger in seiner Westentasche ein Zündholz ge-
Alle« Kranken Kraft und Gesundheit ohne Medici« und ohne Kosten durck die Heilnahrung:
Revalesciere “XL.
Seit 80 Jahren hat keine Krankheit dieser angenehmen Gesnudheits« speise widerstanden und bewährt sich dieselbe hei Erwachsenen und Kindern ohne Rebtctn und ohne Kosten bei allen Magen-, Nerven. Brust-, Lungen-, Leber-, Drüsen-, chletmbaut-, Athem-. Blasen- unb Nierenleiden, Tuberkulose, Schwindsucht, Asthma, Husten, Unverdaulichkett, Verstopfung, Diarrhöen, Schlaflosigkeit, Schwäche, Hämor- hoiden, Wassersucht, Fieber, Schwindel, Blutaufsteigen, Ohrenbrousen, Uebelkeit und Erbrechen fe bst während der Schwange, schalt, Diabetes, Melancholie, Abmagerung, Rheumatismus, Gicht, Bleichsucht; auch ist sic als Nahrung für Säuglinge schon von er Geburt an selbst der Ammenmilch oorzuziehen. — Ein Auszug aus 80,000 Certi. fcaten über Genesungen, die aller Medicin widerstanden, worunter Certificate vom Professor Dr. Wurzer, Medicinalrath Dr. Angelstein, Dr Shoreland, Dr. Campbell, Professor Dr. Död«, Dr. Ure, Gräfin Caftlestuart, Marquise de Bröhan, und viele« mberen hochgeuellten Personen, wird franco auf Verlangen eingesandt.
Abgekürzter Auszug aus 80,000 Eertaficateu.
Nr. 62476. Dem heben Gott und Ihnen sei Dank. Die Revedeeelbre bat meine 18jährigen Leiden im Magen und in den Nerven, verbunden mit allgemeiner Schwäche und nächtlichem Schweiß gänzlich beseitigt.
I. Comparet, Pfarrer, Saiete Romaine des Dee.
Nr. 89211. Orvaux, 15. April 1875. Seit vier Jahren genieße ich die köstlich« Revalesciere und leide seitdem nicht mehr an den Schmerzen in den Lenden, die mich während langer Jahre fürchterlich gefoltert hatten. In meinem 93. Jahre stehend, er» freue ich mich jetzt der vollkommensten Gesundheit- Leroy, Pfarrer.
Nr- 45270. I. Robert. Von seinem 25 jährigen Leiden an Schwindsucht, Husten, Erbrechungen, Verstopfungen und Taubheit gänzlich bergestellt-
62845. Pfarrer Boilet von Ecrainville. Bo« Asthma mit häufigen Erstickungen völlig hrrgesteUl.
80416. Frau Major Deutsch, geb. von Horn in Posen; deren Kinder noe Drüsen leiden hergestellt. _
Nr. 64210. Marquise von BrLhcm von 7jähriger Leberkrankheit, Schlaflosigkeit Zittern an allen Glieder«, Abmagerung und Hypochondrie.
Nr. 75877. Florian Köllcr, K. 't. Militär Verwalter, Großwardein, von Lungen- mb Lufttöbren-Katarrh., Kopsschwinbel unb Brustbeklemmung.
Nr. 75970. Herr Gabriel Teschner, Hörer der öffentlichen höheren Hai del? Lehranstalt in Wien, in einem verzweifelten Grade von Brustübel und Nervenzerrüttuna-
Nr. 65715. Fräulein de Montlouis, von Unverdaulichkett, Schlaflosigkeit und ?ibmagerung.
Nr. 75928. Baron Sigmo von 10 jähriger Lähmung an Hände« und Füßen ic
Die Revalesciere ist viermal so nahryaft als Fleisch und erspart bet Erwachsenen und Kindern 50 Mal ihren Preis in anderen Mitteln und Speisen-
Preise der Revaleseibre </, Pfd. 1 JL 80 1 Psd. 3 50 H, 2 Pfd. 5 ^4 7» H
12 Pfd. 28 JL 50 H.
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