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welche vom Auslande nach Deutschland zum Verbrauch eingeführt worden waren, erschien seit dem 1. Jannar 1877 auch ein großer Theil der Durchfuhr in denselben mit nachgewiesen und die Einfuhr von Eisenfabrikaten nahm in Folge desien ungeheure Dimensionen an. Da in gleichem Umfange logischer Weise auch die Ausfuhr zunehmen mußte, indem diese um denselben. Betrag der Durchfuhr sich vergrößert, welcher bei der Einfuhr hinzugekommen ist, so hat man die Entwickelung des Handels aus den Ueberschüsien der Einfuhr über die Ausfuhr oder um­gekehrt nachzuweisen gesucht.

Dies ist indeß ein sehr unzuverlässiges und unsicheres Verfahren. Bei der Bcurtheilung der handelspolitischen Beziehungen eines Landes kommt es nicht darauf an, zu wissen, wieviel dasselbe mehr einführt als aussührt oder umgekehrt, sondern man muß gesondert wissen, wie groß die Einfuhr und wie groß die Ausfuhr dcsielben ist, da nur in diesem Falle zu ermitteln ist, welchen Einfluß äußere Vorgänge auf die Entwickelung des auswärtigen Handels ausüben. Die Steigerung des Ausfuhrüberschusses in unserer Eisenindustrie kann beispielsweise eben so gut aus einer Verminderung der Einfuhr, als aus einer Vermehrung der Ausfuhr bei gleichzeitiger geringerer Vermehrung der Einfuhr, oder aus großer Verminderung der Ausfuhr bei noch grö­ßerer Verminderung der Einfuhr herrühren, Vorgänge, die unzweifelhaft von ganz verschiedener wtrthschaftlicher Bedeutung sind.

Es giebt nun unseres Erachtens nur ein Mittel, diesen Uebelstand ganz oder theilweise zu beseitigen, das ist die Deklaration. Jeder Importeur und Exporteur muß verpflichtet werden, der Waarenjendung eine oder mehrere Deklarationen beizugeben, welche Ursprungs- und Bestim­mungsort, Menge und Werth der Maaren angeben. Schon aus dem Bestimmungsort wird in den meisten Fällen beurtheilt werden können, ob die eingeführten Maaren nur tranfitiren ober im Lande der Einfuhr konsumirt werden. Da, wo dies nicht der Fall ist, also bei Maaren, welche während des Transports ihren Bestimmungsort wechseln, müßte eine Aenderung der Deklaration seitens der Transportanstalten vorgenommen werden und für solche ausländische Maaren, welche im Jnlande einige Zeit gelagert haben, dann aber wieder in's Ausland gehen, müßten die Transportvermittler, Spediteure rc. in der Ausfuhrdeklaration den Ursprung der ausgeführten Maaren anzugeben gehalten fein.

Wir gestehen zu, daß die Einführung und Durchführung dieser Bestimmungen auf man­cherlei Hindernisie stoßen wird und daß sich auch durch Deklarationen nicht ganz richtige Ein-, Aus- und Durchfuhrzahlen werden erzielen lasten. Indessen halten wir die Einführung von Deklarationen darum für empfehlenswerth, weil sie den gegenwärtigen Zustand unserer Handels­politik, jedenfalls wenigstens, verbessern werden und weil sie auch einem anderen Mangel unserer Handelsstatistik wirksam entgegentreten, welcher aus der Anschreibung der Ein- und Ausfuhr nach

Grenzstreckcn sich ergiebt.

Da cs bei Beurteilung der wirthschaftlichen Verhältnisse eines Landes nickt nur von Wichtigkeit ist, zu wissen, wieweit dasselbe in Production und Consumtion überhaupt vom Aus­lande abhängt, sondern auch in welchem Grade diese Abhängigkeit den einzelnen fremden Ländern gegenüber besteht, so gehört es zu den unumgänglichen Erfordernissen einer brauchbaren Handels- statistik, die Handelsbeziehungen eines Landes zu allen einzelnen mit ihm im Verkehr stehenden Ländern nachzuweijen. Man darf nur an die bei Abschluß eines Handels- und Zollvertrages zwischen zwei Staaten in Frage kommenden Interessen erinnern, um jedes weiteren Nachweises der Nützlichkeit solcher specieller Handels-Ausweise überhoben zu fein.

Untere Handelsstatistik hat nnn bisher die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland unb den einzelnen fremben Staaten nicht nachzuweisen vermocht, ba bie Anschreibung der ein- unb ausgeführten Mengen nicht nach den Ursprungs- und Bestimmungsländern der Maaren, sondern nach den Grenzstrecken, über welche ihr Eingang ober Ausgnng erfolgt ist, stattfinbct. Aus biese Meise kommt cs, daß beispielsweise unser Handelsverkehr mit den Niederlanden Millionen von Gentnern aufweist, welche nur zum kleinsten Theile niederländischen Ursprungs ober nach ben Niederlanben bestimmt sind, zumeist vielmehr ben Handel Deutschlanbs mit Englanb unb ben überseeischen Läncern barfteUen. Auch hier kann eine wenn nicht völlige, so boch wesentliche Abhülfe nur durch Einführung von Deklarationen geschaffen werden. Menn Jedermann genöthigt ist, den Ursprungs- unb Bestimmungsort bcr Maaren in einer benselben beizufügenben Deklara­tion anzugeben, so wirb man ein im Ganzen richtiges Bild von den Handelsbeziehungen Deutsch­lands zu den einzelnen Ländern gewinnen können. Absichtlich verführende Angaben über den Ursprungsort gewisser Erzeugnisse, wie sic bei den Different'r.'zolltarifen zum Zwecke der Steuer- befraubation ja nicht selten Vorkommen dürften, wird man mit verhältnißmäßigcr Leichtigkeit ermitteln und wenigstens ihre statistische Bedeutung bald zu beurtheilen vermögen. Der dritte Mangel unserer Handelsstatistik beruht in der unrichtigen und unzuverlässigen Ermittelung der Ausfuhr. Das statistische Amt hat zur Beseitigung desselben Die direkte Erhebung der aus Deutschland exportirten Maaren von den Exporteuren in Vorschlag gebracht Diese Maßregel wird sehr schwer durchzuführen sein und doch nur geringe Resultate haben. Schon bie Ermit­telung ber Personen, welche überhaupt expvrtircn, dürfte sehr viel Schwierigkeiten machen, ganz abgesehen davon, ob diese Menge, Werth und Bestimmungsort des Exports auch wahrheitsgetreu anzugeben gesonnen sind. Ein allerdings auch nicht ganz probates Mittel würde unseres Erach­tens darin bestehen, die mit den statistischen Ausschreibungen betrauten Zollbeamten zu größerer Aufmerksamkeit auf bie Ausfuhr zu veranlassen unb außerdem eine internationale Gleichmäßigkeit der statistischen Erhebungen über den Waarenverkehr herbeizuführen. Wenn beispielsweise alle Länder dieselben Deklarationen forderten, unb im Ganzen gleichartige Waarenklassifikationcn an­nehmen würben, so bürsten sich bie Fehler unserer Aussuhrstatistik leicht aus ben Hanbelsaus- weisen anberet Länbcr berichtigen lasten. Ob biefer Ausweg allerbings leicht einzuschlagen ist, wagen wir nach ben geringen Resultaten, welche bie Bestrebungen ber statistischen Congresse für gleichmäßige statistische Erhebungen in allen ßänbern gehabt haben, nicht zu entscheiden.

(D. V. C.)

Bei Reifenberg im Taunus wurde vor einigen Tagen von einem Jäger ein interessanter Kampf zwischen einer Wildkatze und zwei Wieseln beobachtet. Die letzteren Wußten so gewandt den Tatzenschlägen und Bissen der Katze auszuweichen und brachten ihrem stärkeren Gegner so schmerzhafte Verwundungen am Halse bei, daß nach einer Viertelstunde der Kampf zu Gunsten der Wiesel beendet war. Die Katze ergriff die Flucht, worüber die Wiesel augenscheinliche Zeichen der Freude von sich gaben.

Darmstadt. (Billiges Kalbfleisch) Wir finden folgendes Inserat: »Kalb- fleisch jeden Freitag von 5 und Samstag den ganzen Tag, Brust a Pfd. 40 H, Keule 50 H. Alle anderen Sorten Fleisch, sowie Kalbsgeschlinge, Zungen rc. zu den billigsten Prellen, Scydelstr. 21, Ecke der Neuen Grüi'str. und Skalitzerftraße 140." Leider ist's ein bischen zu weit für uns bis an die betreffende Straßenecke, die nämlich in Berlin sich befindet, denn das Inserat ist aus* derBerliner Zig."

Waldkappel, 23. Oct. Ge> ern Abend gegen 8V2 Uhr brach in der Scheuer des Schuhmachermcisters Hartung Hierselbst Feuer aus, welches mit so rasender Schnellig­keit um fick griff, doß bereits in einigen Minuten alle angrenzenden Gebäude in Hellen Flammen standen. Obwohl die hiesige freiwillige Feuerwehr alarmtrt und in kurzer Zeit auf der Brandstätte war, so konnte man, trotz aller Anstrengungen, doch nicht gleich Herr des Feuers werden, da augenblicklich ein großer Wassermangel hier herrschte und die gefüllten Scheunen dem verzehrenden Elemente reichliche Nahrung lieferten. Die Einwohner waren so bestürzt und außer Fassung, eingedenk des großen Brandes uor 23 Jahren, der damals fast die ganze Stadt in Asche legte, daß nur Jeder an sich dachte und in Sicherheit brachte, was irgend zu retten war. Nachdem der Tele­graph in Bewegung gesetzt war, erschienen bald aus den benachbarten Orten Harmuth­sachsen, Friemen, Bischhausen, Hoheneiche und Reichensachsen die freiwilligen Feuer- Wehren mit ihren Spritzen, durch deren Ruhe und energischer Thätigkeit, im Verein mit der unserigen und mit Aufopferung oll ihrer Kräfte es gegen IVr Uhr Morgens gelang, das Feuer zu lokalisiren um 5 Uhr Morgens die Gefahr ganz zu beseitigen. Abgebrannt sind im Ganzen 4 Scheunen mit sämmtlichen Früchten und 2 Schweinen, theilweise in Flammen standen viele angrenzende Häuser, bet denen das Feuer jedoch in.od) im Keime erstickt wurde. In großer Gefahr schwebte die Apotheke. Es war ein Glück, daß es am Abend windstill, bei dem geringsten Winde hatte in Folge des Wasser Mangels die Stadt heute ganz in Asche liegen können. Wir ballen es für unsere Pflicht nicht allein den obengenannten Feuerwehren unseren Dank auszusprechen, sondern müssen hier auch noch lobend der Baubeamten der Berlin Coblenzer Eisenbahn ge­denken, deren Umsicht und Thätigkeit es größter thells zu verdanken ist, daß das Feuer 5cine größere Dimensionen angenommen hat.

Der hundertjährige Geburtstag des Turnvater- Jahn wird seitens der deut schen Turner durch das fünfte allgemeine deutsche Turnfest und einen allgemeinen deut -scheu Tuintag begangen werden, und zwar am nächsten 11 August in der Hauptstadt der Provinz Schlesien in Breslau. Der Breslauer Turnrath hat sich bereits als Aus­schuß constituirt, um die nothwendungen Vorbereitungen zur Ausführung des Festes in die Hand zu nehmen.

Zur Reform der Handelsstatistik.

Die Mängel, welche ben statistischen Nachweisen über ben Waarenverkehr Deutschlands mit dem Ausland« anhaften, sind in letzter Zeit so oft Gegenstand der Erwähnung unb Erörte­rung gewesen, baß sich der Bundesrath veranlaßt gesehen hat, eine sachverständige Commission berufen, welche Mittel unb Wege zur möglichsten Beseitigung bcrselben in Berathung ziehen soll. Diese Commission, beten Zusammentreten nicht mehr weit entfernt sein dürfte, wird keine <onz leichte Aufgabe haben Die schon an sich großen Schwierigkeiten einer richtigen Erhebung W auswärtigen Waarenverkehrs eines Landes, werden nämlich in Deutschland noch durch des­sen centrale und binnenländische Lage, welche eine concentrirte Erhebung in einigen wenigen Import- unb Exportplätzen nicht gestattet, vergrößert.

Als erstes Postulat einer zweckentsprechenden Handelsstatistik muß die richtige Ermittelung Lvn Einfuhr, Ausfuhr unb Durchfuhr hingestellt werben. Die strengste Unterscheibung btefer i-rei Verkchrsrichtungen ist unbebingt nothwenbig, da sie von ganz verschiedener wirtschaftlicher Bedeutung sind. Während die Einfuhr nachweist, in welchem Grade ein Land hinsichtlich ber Produktion unb Consumtion von anderen Ländern abhängig ist, zeigt die Ausfuhr an, wieweit ,rS gelungen ist, mit diesen oder jenen Erzeugniffen euf fremden Märkten zu concurriren und Mietet bie Durchfuhr einen sicheren Maßstab zur Beurtheilung ber Concurrenz, welche andere Länder uns in unseren Hinterländern zu machen im Stande sind. Erst aus der richtigen Kennt ^niß jedes einzelnen dieser drei Faktoren wird man hinreichend sichere Aufschlüsse über die wirt­schaftliche Kraft eines Landes und über die Bedeutung seiner auswärtigen Handelsbeziehungen schöpfen können. In Deutschland werden nun gegenwärtig die drei Verkehrsrichtungen, Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr nur bei den zollpflichtigen Maaren mit Der notwendigen Genauigkeit unterschieben. Bei den übrigen Artikeln erscheinen die Einfuhr und die Ausfuhr mit der Durch- fubr zusammengcworfen, so daß man nicht zu erkennen vermag, welche der als eingeführt be­zeichnete Mengen wirklich in Deutschland consumirt, und welche nach anderen Ländern durchgeführt worben sind unb wieweit bie Ausfuhr Maaren beutschen Ursprungs ober Maaren, welche aus dem Auslande stammen, nachweist. Die Mängel dieses Verfahrens haben sich besonders bet ber Untersuchung über Den Gang bes deutschen EisenhanDels seit Aufhebung ber Eisenzolle bemert zich gemacht. Währenb im Jahre 1x76 hier die Einfuhrzahlen nur jene Mengen darstellten,

Allgemeiner Anzeiger.

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