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!7, März 1877.

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$». 95. Frkitag, den 30. März 189».

AMP- ui Amtsblatt fit den Kreis Gieftn.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Peci? vierteljährNch 2 Mark 20 Pf. mit Brinaerlohn.

Expedition r S ch ulftratz e. Lit. 8. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

2MS" Des h. Charfreitags wegen erscheint Samstag früh kein Anzeiger.

Amtlicher I $ ei L

Berlin, den 9. März 1877.

B e k a n n t m a ch u n g.

Betreffend: Den Remonte-Ankauf pro 1877.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei und ausnahmsweise vier und fünf Jahren sind im Bereich des Großherzogthums Heffeu für dieses Jahr nachstehende, Morgens um 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar am

20. Juni in Alsfeld,

30. Nidda,

5. Juli Nieder-Wöllstadt,

6. Groß-Umstadt,

7. Bickenbach,

9. Groß-Gerau,

10. ,, Goddelau,

11. Gernsheim,

ferner ein Nachmittags 2 Uhr beginnender Markt

6. Juli in Groß-Bieberau.

Die von der Militär-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und gegen Quittung sofort baar bezahlt.

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesehen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der sämmtlichen Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer vom Kaufe ausgeschlosten und ist erwünscht, daß die Schweife der Pferde nicht übermäßig verkürzt werden.

Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß rnib Ringen versehen, eine starke Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens zwei Meter langen starken Hanfstricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.

Kriegsministerium, Abtheilung für das Remonte-Wesen. ___(gez.) von Rauch. von Uslar.__________________________________________________

__ ©iejen, am 26. März 1877.

Betreffend: Das Behüten der Wiesen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Groscherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß das Behüten der Wiesen nach der Wiesen-Polizei-Ordnung für den Kreis Gießen vom 1. April an unter- agt ist. Sie wollen die Schäfer hierauf aufmerksam machen und die Feldschützen strengstens anweisen, etwaige Uebertretungen zur Anzeige zu bringen. Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, Zuwiderhandlungen gegen dieses Verbot zur Anzeige zu bringen. __v. Röder._______________________________________

Gießen, am 24. März 1877.

Betreffend: Anleitung zur Ertheilung des evangelischen Religions-Unterrichts in den Volksschulen.

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die evangelischen Schnlvvrstände des Kreises.

Auf Anregung Großherzoglichen Oberconsistoriums ist von einer besonders dazu bestellten Commission auf Grund des Lehrplans für die Volksschulen eine Anleitung zur Ertheilung des evangelischen Religionsunterrichts in den Volksschulen ausgearbeitet worden. Wir übersenden Ihnen mit nächster Post Exemplare derselben mit dem Auftrage, solche an die evangelischen Schulen und Schulklasten zur Benutzung bei Ertheilung des Religionsunterrichts zu vertheilen.

v. Röder.

politischer H h e i £

Deutschland.

Mainz, 26. März. Die auf mehreren Punkten gleichzeitig mit äußer­ster Beschleunigung in Angriff genommenen Arbeiten der unterirdischen Tele­graphenleitung zwischen Halle (Berlin) Frankfurt und hier werden schon in der nächsten Woche beendigt. Die Fortsetzung bis Metz mit Abzweigungen nach Bitsch und Straßburg und Diedenhofen, welche Plätze mit dem hiesigen den Bezirk der hier etsblirten Festungs- und Artillerie-Jnspection III bilden, dürfte ebenfalls bald erfolgen. In den Rhein wird ein zweites Kabel versenkt wer­den. Bezüglich des weiter zu bildenden Eisenbahn-Regimentes mit einer Kriegs-Telegraphen-Abtheilung sind die Vorbereitungen schon seit dem letzten Kriege getroffen; namentlich besteht seitdem hier ein eigenes Kriegs'Telegraphen- Amt mit dem entsprechenden Personal, welches das Krieg-ministerium in Berlin dtrect mit dem Platze, vermittelst des Festungs-Telegraphen sogar mit allen Hauptpunkten der inneren und äußeren Festungswerke in Verbindung setzen kann. Die Bildung des neuen Regiments wird dem Vernehmen nach mit Benutzung der hier gebildeten Eadrcs im Herbste erfolgen.

Berlin. Die Blätter erinnern daran, wie Kaiser Wilhelm mit der Gunst des Schicksals, die ihn in das neunte Jahrzehnt eines thatenreichen Lebens treten ließ, unter den großen Potentaten ganz einzig dasteht. Nicht allein in der langen Reihe der deutschen Kaiser, sondern auch von sämmtlichen Herrschern Preußens, Englands, Frankreichs und Rußlands hat kein einziger den Austritt aus 70, haben Wenige nur, wie Friedrich der Große (1712 bis 1786) die 70 erreicht. Georg III. von England wurde zwar über 81 Jahre alt, hatte aber längst nicht mehr regiert; die Franzosen Louis XIV. und Louis HWpp wurden 77, Karl X. 79 Jahre alt, aber wie! Von sämmtlichen deutschen Kaisern, deren durchschnittliches Lebensalter nicht mehr als etwa

53 Jahre beträgt bekanntlich feine ungünstige MortalitätSziffer sind nur vier 70 Jahre und darüber geworden: nämlich Karl der Große 72, Rudolf, der erste Habsburger, 73, seine Nachkommen Sigismund 75 und Friedrich III. 78; nicht mehr als im Ganzen 19 unter 49 haben es zu 60 und mehr gebracht.

Berlin, 26. März. Der ReichstagS-Abgeordnete Herr A. Kapell sendet derVolks-Ztg." nachstehende Erklärung mit der Bitte nm Aufnahme zu: Durch mehrere Zeitungen läuft unter der UeberschriftOfficiös" die Nachricht, daß ich in der Reichstags-Sitzung vom 12. März d. I. behauptet hätte: im Kreise Neurode herrschte der Hungertyphus in solch' erschreckender Weise, daß in der Stadt Neurode allein 125 Personen der Seuche erlegen wären, daß jedoch die daraufhin angestellte amtliche Untersuchung das Gegentheil ergeben habe. Der Kreisphysikus habe erklärt:eS wäre in sechs Monaten kein Typhusfall mehr vorgekommen." Daraufhin erkläre ich, daß ich oben ange­führte Aeußerungen nicht gethan, sondern nach dem amtlichen stenographischen Bericht der Sitzung wörtlich gesagt habe:Ich habe vor wenigen Tagen er­fahren, daß im Neuroder Kreise der Hungertyphus in solchem Grade aufgetreten ist, daß über 100 Menschen ihm schon erlegen find." Hier ist von der Stadt Neurode nicht die Rede, ebensowenig von 125 Personen, welche in der Stadt bereits der Seuche erlegen sein sollen. Ferner ist auch nichts von mirbe­hauptet" worden, sondern ich sprach von einemErfahren" durch andere Per­sonen. . . Zur Sache selbst will ich noch hinzufügen, daß die Nachricht, welche mir zugegangen ist, keineswegs falsch war, sondern daß der Jrrthum lediglich daraus beruht, daß die Person, welche mir Bericht erstattete, den Neuroder Kreis mit einem der oberschlesischen Kreise verwechselt hat.

Berlin wird abermals einen aufregenden und schwierigen Wahlkampf durchzufechten haben; denn es kann wohl kaum noch zweifelhaft sein, daß die