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1877.
Samstag, den 29 December
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags (Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18
Bom i. Januar 1878 ab befindet sich die Redaction des „Gießener Anzeigers
Gartenstrasse B. Nr. 165.
Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" werden jedoch, wie seither, in der Expedition, Schulst $ Alle bi/ auf Widerruf aufgegebenen Anzeigen laufen mit Schluß diefes Jahres ab und müssen, falls diefelben für das Jahr 1878 weiterlaufen sollen, wieder aufs Neue mifgegeben werden.
' Expedition des «iessener Anzeigers,
Schulstrsße 18.__
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. "" Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Meßmer Wtzelger
Anzeige- uni AmisMt für in Kreis Gießen.
Zur künftigen Papstwahl.
Wiederholt ist in der letzten Zeit durch Ue gesummte Ehrtstenhcit die Nachricht verbreitet worden, daß das Ende der irdischen Larsibcchn des Papstes nahe bevorstehend sei und schon mehrmals ist daraus das Gerücht des bereits erfolgten Todes des heil. Vaters entstanden. Es scheint auch zweifellos, daß der Wiederhall von der Außenwelt bereits das Sanctuarmm des Vaticans erreicht hat, daß Pius IX. von den in Fluß gekommenen Tiscussivuen über seinen Nachfolger Kenntniß hat und daß er ahnt, seine eigene Rolle rn der Weltgeschichte, mit Ausnahme etwa eines noch vor Thcresschluß ^uubenden Einflusses auf das Cardinals-Collcgium, practisch ausgeipult ist. Selbst dies Einflußnahme wird dem todeskrauken GreiS vielleicht versagt sein, da er das diesem Zwecke dienende Konsistorium, welches bereits verschoben worden, neuer-
SÄ Ä Ä» »..» M. ««««-" .u künftige Popstwahl unb Alles, was damit zufammenhängt, 'M "kuelles Jnteres e und wenn auch das Gebiet der politischen Covjectur, das sich Angesichts der nahe "geglaubten Katastrophe eröffnet, ein ,u weites ist, um erschöpft zu werdew so ist doch das historische Interesse, welches der Moment, wo Pius IX. ben
letzten Tribut der Menschlichkeit zu zahlen haben wird, ein zu hervorragendes, um im Angesichte deffclben den Dingen im Vatican ernstere Aufmerksamkeit
Der Papst, der gegenwärtig an den Marken der Ewigkeit zu steheu scheint, ist selbst ein Markstein für die geschichtliche Epoche, welche d« Befitztttel des Patrimoniums Petri hat verloren gehen sehen und 'st jo bemerkens weither, daß der Stuhl Petri, auch seiner weltlichen Macht enikleidet, noch Ansehen genug hat, um in dem Augenblick, wo es sich um eme erst bevor^ stehende Neubesetzung deffelben handelt, die Blicke des S'sammten Emopas aus sich zu concentriren. Freilich sind die Tage vorbft, wo b,e allen andern der Erde vorgezogen wurde, aber noch giebt es in der katholischen Christenheit genug Herrscher, welche es als Vorbedingung ihrer eigenen Ex st z befrachten, die Schleppenträger des römischen Pontifex zu sem. Die'Autorität, die Macht, das Wesen und die Substanz der päpstlichen Institution sind dahm- geschwunden, aber der Schatten des Namens ist noch übrig ^blieben und noch immer mit einem Nimbus umkleidet, welcher auch in unserm aufgeklärten Jahrhundert für die Nachfolgerschaft auf dem Stuhle Petri den Ehrgeiz von •trjoSÄ* -v"ä“"ä Mitwirkung Deutschlands und seines Culturkampfes die Zetten vorüber sind, wo ein Gregor VII. den Erdball sich glaubte unterwürfig können und wo ein Fürst baarsuß zur Winterzeit im Hofe vo Kanossa eine Aubienz Sr. päpstlichen Heiligkeit."bettelte, °b" zweiter Friedrich sein Haupt unter die Fuße eines -wetten Alexan- ders legen würde. Nirgend vielleicht tritt bie Culturmission, welche dem neun- zehnten Jahrhundert zu vollbringen Vorbehalten war, glanzvoller m d sch mmg als in dem Umstande, daß der eine allgemeine Bischof nich mehr existrr und daß die theuersten Ueberlieferungen des Papstthums so zu sagen auf Hintertreppe der Geschichte verwiesen sind.
Wer auch immer bet Nachfolger Pius IX. für bie breifache Tiara jein möge, bas weltliche Regiment bürste sür ihn für immer verloren fein , unb bie Jnterbictionen unb Excommumcationen, m welchen bie gekrankte Würbe allenfalls noch weiter ihren Ausbruck stoben mag, «erben in unserem Zeitalter nur noch gebuldet werben können, weil sie ein 'M Grunde genommen mrsä-äblicher Zeitvertreib sinb. Di- phönipartige Lebensfähigkeit, «eiche bas Papstlhum früher auszeichneie, burfte mit Pius IX. ein für "ii'mal begrabe i werden; nichisbestoweniger wirb man begierig fein können, wer der Nachso g bes neunten Pius sein wirb, unb welches bet Selben bon Alters her üblichen Prinzipien bei der Papstwabl werbe in Anwenbung kommen. Bisher wählte man bekanntlich in den meisten Fällen benjenigen Cardinal, bet durch sein becte- pibes Aussehen bie Hoffnung aus eine balbige Wiederholung bet Wahl rege machte, ober bie Wahl fiel auf einen intelligenten, robusten, wagehalsigen Priester, welcher die Hoffnung erweckte, bem in Abnahme begriffenen Glanz bes Papstthums neuen Schimmer zu verleihen. Die Lage, in ®el$" '
bie Papstwürde in anbere Hänbe übergehen laßt, ist eine solche,^baß bie äßie- berherstellung bes verlorenen Glanzes als em dringliches Ersorderniß erscheint unb schon hat auch verlautet, baß unter allen Umständen ein energischer talie- mscher Carbinal mit bet Tiara bekleidet werben soll, damit der Möglichkeit aus Wiedeiherstellung des Papstthums nicht etwa prajudicwt werde.
Es ist keine Frage, daß bei solcher Sachlage d« politische Welt, welche gegenwärtig schon unter dem Banne so schwerer europäischer Verwicklungen sich bifindet, in der Popstwahl, wenn dieselbe bie heutigen ernsten Zettverhältnisse zum Htntergrunbe hat, einem Zwischenfalle entgegensieht, her, geeignet >st, d'e Verwirrung zu vergrößern. Eine verschärfte Fortsetzung des poPstUcheu Kampfes um die weltliche Macht hat aber glücklicherweise ihre gefährlichste Spitze dadurch verloren, daß in Frankreich vorläufig die Rolle des Klerus fett der neuesten Wendung der Dinge so ziemlich ausgespielt ist und baß die Thatsache eines protestantischen Ministers des Auswärtigen in Frankreich die Möglichkeit ausschließt daß das republikanische Frankreich sich betufen fühlen könnt-, für ben Papst unb gegen Italien in bie Schranken zu treten. Nach biefer Rich- tuna bin ist die Beendigung der französischen Verfassungs-Krise von um so her- votragenderer Tragweite, als das einer Anzahl, europäischer Staaten von der päpstlichen Kurie eingeräumte Veto-Recht gegenüber dem Conclave allem Anscheine nach außer Anwendung bleiben wird, da bafielbe — au sich controvers — lediglich negativer Natur ist und keine sehr wirksame Waffe ^bgttb .
Deutschland.
Stuttgart, 25. November. Der berühmte Irrenarzt, Obermedicinal- rath Zeller in Winnenben, ist gestorben.
Irankreich.
Daris, 25. December. Zur Wiberlegung bei Angaben von gewissen auswärttaeu Zeitungen schreibt bet „Temps" : Es steht vollkommen fest, baß b e ftan ösiscke Regierung aus ihrer Zurückhaltung nicht h-raustreten unb eine active Roll- im Orient spielen will. Entgegengesetzten Falles würbe solches auch vom Lande nicht zugelassen werden.
~ r Gießen, am 20. December 1877.
Betreffend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1858, die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgesahr und die Vergütung der Brandschäden. , ~
Das Großherzoglichc Krclsamt Gießen
an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreifes.
Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche unserer Verfügung vom 3. l. Mts., Anzeiger Nr. 285, noch nicht nachgekommen sind, an d.e Einsendung der vorgeschriebenen Berichte binnen drei Tagen. Bookman __


