die Ausstellung stattfinden und am 1. Mai 1878 eröffnet werden solle. — Dem „Temps" zufolge hätte der Präsident der Republik einen Brief des Königs von Italien erhalten, der ein durchaus vertrauensvolles sympathisches Gepräge trage.
Paris, 26. Mai. Marschall Mac Mahon sagte in Erwiderung auf eine Ansprache des Maire von Comptözne: Ich ergreife die Gelegenheit, Allen und insbesondere Denjenigen, die arbeiten, zu sagen, daß der politische Act, der sich soeben vollzogen hat, sie sicherer machen, sie beruhigen soll. Derselbe hat keinen anderen Zweck, als meiner Regierung die Kraft wiederzugeben, deren sie bedarf um die Thätigkeit im Innern und den Frieden nach Außen zu sichern. Sie können künftig auf diese Wohlthaten zählen. Frankreich wird sich in keine auswärtige Verwicklung mischen. Niemand m Europa zweifelt an meinem Worte, davon empfange ich täglich Versicherungen.
England
London, 26. Mai. „Times", „Daily Telegraph" und „Daily News" finden die Besorgniffe Bismarck's, welche durch die in Frankreich sich abspinnenden klerikal-monarchischen Jntriguen hervorgerusen werden, gerechtfertigt. Der „Daily Telegraph" dementirt bestimmt, daß England Vorschläge wegen einer Demarcations-Linie gemacht habe oder annehmen würde. — Die Herzogin v. Edinburgh hat ihre Reise nach Coburg angetreten.
Belgien.
Brüssel, 25. Mai. In der Deputirten-Kammer erklärte der Finanz- Minister, die neue Zucker-Convention sei zwar so weit gefördert worden, um demnächst unterzeichnet zu werden; die bevorstehende Zucker-Campagne werde aber noch den bisherigen Bestimmungen und Tarifen unterworfen sein.
Italien
Rom, 26. Mai. Der Widerstand des päpstlichen Stuhles auch Deutsch- l and gegenüber ist wieder durch die Wendung in Frankreich bestärkt worden. Man erklärt jegliche Transactton unmöglich. So lange die deutsche Regierung sich die Regelung der kirchlichen Angelegenheiten in canonischen und kirchlichen Materien anmaße und weil die confessionellen Gesetze die Negation der Bestim mungen der Concilien seien. Man gedenkt noch entschiedener einen Kampf zu
führen und die bisher klugerweise unterlaffenen Schritte einzuleiren; die hier versammelten Bischöfe theilen diese Ansicht.
Türkei.
Konstantinopel, 24. Mai. Eine Deputation der Softas begab sich in die Deputirten-Kammer und verlangte die Entlassung der Minister. Die Debatte darüber wurde so stürmisch, daß der Präsident sich genöthigt sah, die Sitzung auszuheben. Die Sofias begaben sich daraus in das Palais des Sultans. , ,
— In der Deputirten-Kammer hoben mehrere Deputirte die Schwierigkeit der Situation hervor und erklärten es für unbedingt nothwendig, einige durch Fähigkeiten bekannte Männer zu Ministern zu ernennen. Die „Agence Havas" meldet: In Folge der Kundgebung der Softas ist über Konstantinopel und dessen Weichbild der Belagerungs-Zustand verhängt worden. Der diesbezügliche Erlaß verbietet das Waffentragen, ordnet Haussuchungen behufs Hab- haftwerdung der Waffen an, ermächtigt die Behörden, verdächtige Individuen ohne yrtheil zu verbannen und untersagt alle Zusammenrottungen. — Die Hammelsteuer ist zur Deckung der Kriegs-Auslagen verdoppelt worden. Für die private telegraphische Correspondenz in der inneren Türkei und nach Europa ist nur die türkische Sprache gestattet.
— Die „Agence Havas" meldet über die Kundgebung der Softas noch weiter: Zweitausend Softas rotteten sich heute vor dem G'bäude der Deputirten-Kammer zusammen. Nachdem der Präsident der Kammer Delegirten derselben Einlaß gewährt hatte, um ihr Begehren darzulegen, erschienen fünf Softas aus Ardaban in der Kammer, welche die durch den Verlust Ardahans hervorgerufene Erregung schilderten und die Ergreifung von Maßregeln zur Verhütung weiterer Niederlagen forderten. Nachdem darauf der Präsident erklärt hatte, die Deputirten hätten in diesem Betreff bereits ihre Schuldigkeit gethan, zogen sich die Softas zurück. Bald darauf wurde die Sitzung aufgehoben. Der Präsident begab sich zum Großvezir, und dieser alsbald zum Sultan. Wie versichert wird, bliebe das Ministerium im Amte.
Konstantinopel, 25. Mai Die Regierung veröffentlicht über die gestrigen Vorgänge in der Kammer Folgendes: In Folge der durch den Fall von Ardahan entstandenes! Beunruhigung erschien eine Deputation von aus der Provinz Ardahan stammenden Bewohnern Konstantinopels in der Kammer. Dieselbe erklärte ihre Bereitwilligkeit zu allen Opfern und ließ es sich angelegen sein, die ernstliche Aufmerksamkeit der Kammer auf die Lage der klein- asiatischen Armee zu lenken. Aus der Mitte der Kammer wurde der Deputation begreiflich gemacht, daß die Regierung nichts vernachlässige; die Armee sei der Gegenstand der größten Sorgfalt des Sultans. Der beste Dienst für das Vaterland sei jetzt, volles Vertrauen in die Hingebung und Selbstverleugnung der Regierung und der Vertreter der Nation zu zeigen. Darauf zog die Deputation mit den zahlreichen Volksmassen, die sich bis zu den Saal-Thüren ihr angeschlossen hatten, wieder ab unter dem Rufe: „Es lebe der Sultan!"
Konstantinopel, 26. Mai. Die fremden Botschafter hielten gestern eine gemeinsame Couferenz über die politische Lage ab. Mit Rücksicht auf die Capitulationen ist ein Belagerungs-Zustand wahrscheinlich. In Folge der wachsenden Bewegung wurde die Berufung von Kriegsschiffen angeregt. Mehrere Minister haben ihre Entlassung gegeben. Die Deputirten-Kammer hat sich an der (Softa-) Bewegung betheiligt und verlangt die Rückkehr Midhat Paschas.
Konstantinopel, 26. Mai. Gestern hatte der britische Botschafter Layard beim Sultan Audienz, um ihm den neuen britischen Militär-Attache Dickson vorzustellen. — Der Kriegs-Minister hat den Bey von Tunis telegraphisch aufgefordert, sein Truppen-Contingent zur Unterstützung der Pforte abzusenden.
Rumänien
Bukarest, 25. Mai. Die „Agence Havas" meldet von hier: Einem von der Regierung vorgelegten Gesetz.Entwurf zufolge wird die Einführung von Staats-Papiergeld und der Verkauf der Domanialgüter beabsichtigt. Ferner sollen 30 Mill. Lei in auf Inhaber lautenden Schatzbonds aufgebracht werden, die in Stücken bis zum Minimal-Betrage von 5 Lei emittirt werden
sollen. Diese Bonds können zum Nominal-Betrage für den Ankauf von Doma- nialgütern, die zur Garantie für die Emission dienen, verwendet werden.
Bukarest, 26. Mai. Der Czar hat beschlossen, den Fürsten Milan in Plojeschti zu empfangen.
Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 24. Mai. Amtliche Meldung. Ardahan, das Seitens der Russen bombardirt wurde, ist von den Türken Angesichts der 10 Bataillone betragenden Uebermacht der Russen geräumt worden. Die Garnison Ardahans zog in der Stärke von 10 Bataillonen ab. Ihr Verlust an Todten betrug 150 Mann; ebensoviel Verwundete wurden zurückgelassen.
Petersburg, 25. Mai. Ein Telegramm des Großfürsten Nicolaus meldet, daß der Kampf bei Oltenitza fortgesetzt und die Befestigungen des Feindes Tuturkai beschossen werden. In Folge heftiger Regengüsse seien die Flüsse ui reißende Ströme verwandelt, durch welche die Brücken bedroht würden. — Ein Telegramm von der Kaukasus-Armee, d. d. 24 Mai, bestätigt die Landung von sieben bemannten türkischen Schiffen bei Cap Ardler; die dort ausgeschifften Mannschaften seien zumeist ehemalige Auswanderer aus dem Kaukasus. Dasselbe Telegramm berichtet über ein erfolgreiches Treffen eines russischen Detachements mit den Türken bei Sukhum-Kale.
Tiflis, 25. Mai. Gestern ging nach vorhergegangenem Tedeum der Zug mit dem Hauptquartier nach Alexandropol ab. Die Abreise des Oberst- Commandirenden Großfürsten Michael wird in einigen Tagen erfolgen.
London, 26. Mai. „Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum vom 23. d. Mts.: Mukhtar Pascha operirte neuerdings gegen Tzakir-Babaka. Die Colonne des russischen linken Flügels, welche in der Richtung auf Wan vorge- rückt war, hatte zwei Scharmützel mit türkischen irregulären Truppen in der Gegend von Argische. Die Türken zogen sich von Karakilissa auf Toprak Kala zurück. Bei Erzerum findet eine große Concentrirung der türkischen Truppe» statt. Am 23. Mai begannen die Russen die Forts Tahmaz und Karadagh, zwei Außenwerke von Kars, zu bombardiren. Aus Erzerum vom 24. d. Mts. meldet „Reuter's Bureau" : Die Russen haben gestern Kars angegriffen. Das Feuer von beiden Seiten war sehr heftig und dauerte noch Abends fort. Das Resultat des Kampfes ist noch unbekannt.
Bukarest, 26. Mai. Die Russen haben in der vergangenen Nacht 3 Uhr vermittelst Torpedo-Schaluppen den größten türkischen Monitor in die Lust gesprengt.
Athen, 26. Mai. Griechenland hat in Steyr 30,000 Gras-Gewehre, lieferbar bis August, bestellt.
Petersburg, 26. Mai. Vom asiatischen Kriegsschauplätze find folgende Nachrichten eingelaufen: Bajazit. Dem Fürsten Schuwaloff ist es gelungen , einen Kurdenstamm zum Gehorsam zu bringen Die Unterwerfung eines andern wird erwartet. — Karakilissa. Die Türken haben bedeutende Verstärkungen erhalten und beabsichtigen, die Offensive zu ergreifen. — Sugdidi Oberfllieutenant Polikowsky, welcher vom General Krawtschenko nach den Höhen von Jakor gesendet war, um dort Herumflreifende Abchasier-Banden zu zerstreuen, brachte diesen in einem bedeutenden Gefechte große Verluste bei.
Petersburg, 26 Mai. Die „Agence Russe" bezeichnet die Zeitungs- Meldungen, daß Rußland die Karpathen-Pässe zu besetzen beabsichtige, als völlig unbegründet; diese Gerüchte zielten nur daraus ab, die ausgezeichneten Beziehungen zwischen Oesterreich und Rußland zu trüben.
Petersburg, 26. Mai. Der „Regierungsbote" veröffentlicht einen kaiserlichen Ukas, betreffend die internationalen Vorschriften während des Kriegs. Danach sind die in Rußland wohnenden Türken berechtigt, unter dem Schutze des Gesetzes ihre Gewerbe weiter zu betreiben. Türkische Schiffe dürfen russische Häfen nach Landungsfrist frei verlassen. Den Untertbanen neutraler Staaten und dem neutralen Handel wird nach Möglichkeit Schutz gewähr,. Die Kaperei ist verboten. Neutrale Flagge deckt feindliche Maaren, ausgenommen Kriegs-Contrebande. Neutrale Maare bleibt auch unter feindlicher Flagge unangefochten Die Blokade muß eine effective, Handel und Schifffahrt der Neutralen auf der Donau möglichst frei sein. Die Militärbehörden schütz n die Arbeiten und das Personal der Donau-Commission. Die Bestimmungen der Genfer Convention, die Unverletzlichkeit des Abzeichens, welches die Türken statt des rolhen Kreuzes annehmen, sind zu respectiren. Die Petersburger Declaration, betreffend den Nichtgebrauch von Explosions-Geschossen und die Beschlüsse der Brüsseler Conferenz von 1874 sind zu beachten.
SctilflHberAcht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in G i e ß e n.
Newyork, 25. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Das PostbarnpssLll Main, Capt. G. Reichmann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 12. Mat von Bremen und am 15. Mat von Southampton abgegangen war, ist heute 2 Uhr Nachm. wohlbehalten hier angekommen.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 26. Mat. Der heutige Heu-u. Stroh-Markt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität per Centner X 4.50—6.—, Stroh per Gentner X 4 bis 5. Butter im Großhandel das Pfund 1. Qualität X 1.30, 2. Qual. X 1.20, im Kleinhandel 1. Qual. X 1 50—60, 2. Qual. X 1.40. Gier, gewöhnliche, bad Hundert x 4.20—40, italienische X 5 50. Spargel das Pfd. 60-70 Kartoffeln 100 Kilo- 0rCmm<Zßterhaben, 26. Mat. Neue Kartoffeln per Kilogr. (höchster Preis) X 1-2°. (niedrigster Preis) 80 Butter per Kilogr- (h- Pr.) 3 X, (n. Pr.) X 2.60. Ein per 25 Stück (h Pr.) X 1.50, (n. Pr.) X 1.13, Gernischtbrod per Kilogr. (h- Pr-) 43 H, (n. Pr.) 43 X Schwarzbrot) (Langbrod) per 2Kil- (h Pr.) 65 ,3, (n. Pr,' 59 Schwarzbrot» (Rundbrod) per 2 Kil. (h. Pr.) 57 H, (n. Pr) 54 H. Ochsenilei sch vor ber Keule per Kilogr. lh. Pr.) X 1.40, (n. Pr.) X 132. Rinbfleuch (h- Pr.) in. Pr.) X 1. Schweinefleisch per Kil- (h- Pr.) X 1.38, (n. Pr.) X 1.38. Kalbfle.'ch per Kil- (b Pr.) X 1.38, (n. Pr.) X 1. Hammelfleisch per Kil- (h- Pr.) X (n. Pr.) X 1. Dörrfleisch per Kilogr (h. Pr.) X 1.72, (n. Pr.) X 1.60.
Diez, 25. Mai. (Fruchtmarkt ) Die Preise stellten sich: Rother Weireu X 22 53, Weißer Wetzen X 22 50, Korn X 16.90, Gerste X 14, Hafer X 8.96, Kartoffeln --
aNS* Inserate.
welche in der folgenden Nummer Aufnahme finden sollen, bitten wir bis Vormittags 11 Uhr aufgeben zu sollen. Größere Inserate wolle man einen Tag vorher aufgeben. Um den Satz rechtzeitig fertig zu stellen ist diese Bestimmung unerläßlich.
Die Expedition.


