Ausgabe 
28.3.1877
 
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Lokal-Notiz.

Gießen, 27. März. Die gefiein Abend in Wenzel'S Saalbau stattgefundene «erfammlung der nationalen und liberalen Partei war derart besucht, daß e8 schwer hielt, in dem kroßen Local einen Platz zu finden. Mau schätzte die Besucher auf 700800 Köpfe. Zn einer der nächsten Nummern werden wir ein ausführlichere» Referat über die Versammlung bringen.

1A _ festen, 27. März. Die Anmeldungen zur Ausstellung de» hiesigen Verein» und Vogelzucht find geschlossen und e» läßt sich schon jetzt etn ziemlicher Ueber blick über das auszustellende Material geben. Von den bedeukendsten auswärtigen Züchtern und Händlern find die schönsten und seltensten Racen angemeldet und wir können getrost annehmen, daß die Ausstellung in Hinsicht auf Qualität eine gan» vorzügliche werden wird Gilt dies.» von den Hühnerracen, so ist e» dasselbe auch für die Tauben, wo eine sehr reiche Auswahl ausgestellt wird. Zn Kanariern, Zier« und sonstigen Vögeln wird die Ausstellung diesmal ganz Besonderes bieten. U. A. finb von Andreatzberg im Harz eine große Anzahl tfanarten angemeldet.

Gießen, f?. März. Wir lasten nachstehend die Tagesordnung der Stadt- oerordneten-'vitzuns am Donnerftag den 29. Marz 1877, Nachmittags 4 Uhr, in dem Sitzungssaale der alten Realschule folgen:

1 Gesuch des Feldwebels Heinrich Bruchhäuser um vauerlaubniß.

2. Gesuch de» Maschinentechnikers C Brandes um Bauerlandniß.

3. Gesuch dcs Maurermeisters Christian Haubach wegen Erbauung eines Nebengebäudes *

4. Gesuch des Metzgermeifter» Otto Luft wegen Vornahme von Bauver- änderungen.

5. Gesuch des Gastwirths Johanne- Spies wegen desgleichen.

6. Gesuch des Schreinermeisters Hermann Werner wegen desgleichen.

7. Gesuch deS Georg Loo 8 wegen desgleichen.

friedigung Steueraufsehers Ludwig Fink wegen Genehmigung einer Ein-

9. Gesuch des Brodfabrikanten Wilhelm Löb er VI. wegen desgleichen.

10. Gesuch des Philipp RodenhauS I. von Wieseck wegen Anlegung einer Sandgruoe. ö "

11. Den schadhaften Zustand des rechtsseitigen LahnuferS betr.

13. Die Anlegung von Abzugsgostrn in der Schwarzlache.

13. Den Straßenzustand vor dem Neustadter Thor.

14. Erhöhung detz Stephanswegk.

15. Herstellungen im alten Realschulgebäude.

16. Nivellement in der Schwarzlach.

17. Herstellung einer unterirdischen Tclegraphenleitung von Berlin über Halle, Cassel, Frankfurt nach Mainz. v '

18. Das neue Anlehen betr.

19. Bedürfnisse für die städtischen Schulen.

20. Fristgcsuche auf Rückstände auS dem Zabre 1876.

21. Beitrag zur Kreitzkaffe für das Jahr 1877.

22. Niederschlagung eines StraspostenL wegen Octroidefraudation.

bei ihm verweilte. Nachmittags machte Jgnatieff den Botschaftern Italiens, Frankreichs, der Türkei und Englands seine Aufwartung, sodann dem Grafen Andrasty, mit welchem er wiederum eine längere Besprechung hatte.

Wien, 26. März. General Jgnatieff hat heule Morgen den Besuch des türkischen Botschafters Aleko Pascha empfangen, welcher längere Zeit ver­weilte ; sodann erschien bei dem General der serbische Agent Zuktis.

DieMontags-Revue" dementirt die Nachrichten über Vorbereitungen des VaticanS ftr das Eonclave.

Wien, 26. März. Nachdem Jgnatieff beim Kaiser Audienz gehabt, reist derselbe morgen nochmals nach Berlin. Die Verhandlungen betreffen die Abrüstungs-Frage. Die Möglichkeit einer Verständigung wird noch aufrecht erhalten.

Pesth, 26. März. Das Unterhaus hat die Vorlage wegen Aus. nähme einer Gold - Renten-Anleihe mit 166 gegen 74 Stimmen unverändert angenommen, nachdem der Finanz-Minister und der Minifter-Präfident dieselbe befürwortet hatten.

AranLrcich.

Pari-, 25. März. Die italienischen Bevollmächtigten beklagen sich über den Widerstand der französischen Minister bei dem Abschluß des neuen Handels-Vertrags. Die Aufnahme d'Abzac's in Berlin hat hier einen gün­stigen Eindruck gemacht.

England

London, 25. März. Der Eilzug von Schottland nach London ist heute Vormittag unweit Morpeth entgleist, wobei fünf Personen getüdtet und verletzt wurden.

Rußland.

Petersburg, 24. März. In den hiesigen politischen Kreisen wird die Schlußfolgerung der englischen Preffe bezüglich des Protokoll-Entwurfes für irrthümlich gehalten. Nach den hiesigen Anschauungen ist der Zweck des Pro­tokolls ein durchaus friedlicher, welcher zu seiner Voraussetzung vor Allem den Frieden mit Montenegro und die Demobilisirung der türkischen Streitkräfte hat. Nur in diesem Falle könnte auch Rußland demobilisiren. Man sagt hier vor­aus , daß die Pforte das Protokoll annehmen und die Initiative zur Ausfüh­rung von Reformen ergreifen werde. . Man hält an der Ueberzeugung fest, daß, wenn die Mächte in dieser Beziehung einstimmig eine entschiedene Sprache führen, ihre Forderungen sich erreichen lasten und der Frieden gewahrt bleiben wird. Man hält es für unzulässig, daß Europa sich zum zweiten Male durch einen resuliatlosen Act compromitttre. Von englischer Seite liegt noch keine endgültige Erklärung in der Protokoll-Angelegenheit vor. DasJournal de St. Petersbourg" bemerkt bei Besprechung der Frage der Demobilisirung der russischen Armee: Die Mobilifirung sei angeordnet für den Fall, daß Europa sich für das Loos der christlichen Unterthanen der Türkei nicht interessirt hätte. Das Weiterbestehen der Mobilisirung sei nach der Conferenz ebenso begründet, als vor derselben. Der Unterschied sei nur der, daß der Beruf der russischen Armee im November darin bestand, für dasrussische" Programm einzutreten, feit dem Januar aber darin, für das Programmaller Mächte" einzutreten.

Petersburg, 24. März. Der Verlauf der Londoner Verhandlungen und die Sprache der englischen Regierungsblätter veranlaßt die meisten hiesigen Blätter in entschieden tadelndem Sinne sich zu äußern. Es wird vornehmlich hervorgehoben, daß die britische Regierung von vornherein bezweckt habe, Ruß­land nur die Wahl zwischen Beschimpfung und Krieg zu lasten. Eine Corre- spondenz derAgence Rüste" führt aus, daß die Frage, ob Krieg oder Frieden, gegenwärtig ihre Entscheidung nicht in Petersburg, sondern in London finde. Das russische Cabinet sei mit feinen friedlichen Absichten bis an die äußerste Grenze gegangen und halte dieselben auch jetzt noch aufrecht. Wenn trotzdem der Krieg nunmehr ausbreche, so werde die Verantwortlichkeit allein England zufallen.

Türkei.

Konstantinopel, 24. März. Die montenegrinischen Delegirten hatten heute abermals eine Conferenz mit Savfet Pascha. Die Pforte lehnt noch immer die Abtretung der Bezirke Ncksic und Kuczi ab, scheint aber geneigt, die übrigen Forderungen, namentlich die freie Schifffahrt auf dem Bojana-Fluß zuzugestehen. Montenegro weigert sich, auf Niksic und Kuczi zu verzichten.

Konstantinopel, 25. März. Die montenegrinischen Friedens-Unter Händler haben telegraphisch nach Celtinje gemeldet, die Pforte beharre auf der Ablehnung der Forderung Montenegro- betreffs Abtretung der Districte vo. Niksic, Kiczi und Kolatschin und wolle nur die Grenzberechtigung gegen Alba­nien hin bewilligen; sie ersuchten demnach um nähere Weisungen. Wie ver- Pchert wird, hat England die Abtretung von Niksic nach vorheriger Schleifung der dortigen Festungswerke anempfohlen; die Pforte halte jedoch die Abtretung selbst in diesem Falle für unmöglich.

Koustautkuopel, 25. März. Eine Anzahl Depntirter beabsichtigt, demnächst die Regierung im Parlament wegen der Verbannung Midhat Paschas zu interpelliren. Die hiesige Garnison ist gewechselt, indem von Syrien hierher gezogene Truppenthetle die bisher hier stehenden ersetzt haben.

' Rumänien

Bukarest, 24. März. Die Session der Kammern ist um fünf Tage bis zum 1. April verlängert worden.

Vermischtes.

Friedberg, 22. März. Dem Programm des Großh. Schullehrer-Seminar« Hierselbst entnehmen wir folgende Daten, die auch für weitere Kreise Interesse haben Dürften:

Am Schluffe deS vorigen Schuljahrs - Ostern 1876 betrug die Rabl der Seminaristen 124, wovon 31 die Abaangsprüsung bestanden und entlassen wurden Neu angenommen wurde» 76, also Bestand zu Anfang des Schuljahres 169 «ovon jedoch mimischen 2 wieder au5traten. Unter den Eingctrettnen sind 35 Söhne von Landwirthen, 21 Söhne von Lehrern, von Handwerkern 16 und von Beamten 4 auf Städte über 10,00© Einwohner kommt nur 1 Seminarist, unter 10,000 Einwohner 8 und auf Landgemeinden 67. Zn Präparandenanstalten wurden 17, in R-alschulen 20 in Gymnasien 4, von volkSschullehrern 27 und von diesen mit Geistlichen gemeinsam R vorbereitet Auf Ooerhessen kommen 36, aus Starkendura 28 und aus Nheinhesse i 11. Zur Zeit der Ausnahme standen Im sechszehntrn Lebensjahre 27, im fieoenzehnten 35, im achtzehnten 8, im neunzehnten 4, im zwanzigsten 1 und im sechSundzwanzigsten ebenfalls 1.

Nach statistischen Erhebungen kann man annehmen, daß bei 60 Kindern auf 1 L-brer, für da« Grohherzogthum Hessen etwa 2360 und bet durchschnittlich 80 Kindern 1770 Lehrer erforderlich waren. Um die durch Tod, Pensionirung rc. abgehenden Lehr­kräfte alljährlich zu ersetzen, müßten hiernach 120 bezw. 90 junge Lehrer zugehen. Kim lehrt aber die Erfahrung daß etn Seminar, das auf gründliche Durchbildung seiner Zöglinge bedrcht ist, jährlich höchstens 30 Abiturienten liefern kann, und e* würde sich hieraus die Nothwrndigkeit der Errichtung eines b-itten Seminars ergehen wenn sich sie erforderliche Zahl tüchtig öovgebtlbeter junger Leute zur Aufnahme anmelden würbe was wir nach dem neuesten Besoldungsgesetze nicht ohne Grund sehr bezweifeln möchten' J. P. Ritsert, Vergolder,

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Zur gelle Beachtung.

Für alle auswärtigen Inserat-Aufträge nehmen wir, wenn ver Betrag nicht beigefügt ist, Post-Nachnahme, da uns nicht zugemuthet werden kann, für jeden Einzelnen ein Conto zu errichten.

Die Expedition.

Keucht- und Mehlpreife in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchtmartten.

Fruchtmärkte

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Normalgewicht per Malter: Waizen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erbsen, Lin en, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.