Ausgabe 
28.2.1877
 
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Weilburg, 23. Februar. Dem Bernehmen nach war der Herr tOber forftmeister Trelmann aus Wiesbaden gestern hier anwesend, um wegen Errich­tung einer Försterschule auf dem Windhofe daselbst eine eingehende Prüfung aller in Betracht kommender Verhältniffe vorzunehmen und soll dieselbe in jeder Hinsicht als sehr geeignet gefunden haben. Demnach wäre die beste Aussicht vorhanden, daß auch diese Anstalt in die unmittelbare Nähe unserer Stadt time. ' (W-Ub. Tgbl.)

Aus Bayern, 26. Februar. Die jüngst gebrachten Mittheilungen, daß unsere Kürassier-Regimenter umgewandelt werden, und daß die Mannschaft als Kopfbedeckung einen Lederhelm erhält, der durch eine Einschaltung in Pa­renthese sofort inPickelhaube" umgetauft wurde, diese Mittheilung beruht, wie demPf. K" versichert wird, auf unbegründeten Vermuthungen, da weder in der einen, noch in der anderen Beziehung bis jetzt irgend eine Bestimmung getroffen wurde. .Wie werden sich darüber unsere Raupenhelm-Enthusiasten entzücken.

Kesterreich.

Wie«, 24. Februar. Die Versammlung der Verfaffungs-Partei, wel- cher 194 Abgeordnete anwohnteu, nahm bei namentlicher Abstimmung mit 123 gegen 62 Stimmen folgenden Antrag Dr. Herbst's an: Die Verfassung«' Partei erklärt, indem sie sich vollständig freies Votum über die Ausgleichs- Vorlagen und die Bank-Statuten vorbehält und insbesondere die Frage über bie Bestellung der Vice-Gouverneure der Bank als eine offene bezeichnet, daß sie im Uebrigen die von Seiten der Regierung mitgetheilte Zusammensetzung des Generalraths der Bank nicht für unannehmbar betrachtet.

Wie«, 25. Februar. DerPreffe" zufolge würde der ungarische Finanzminister zur Deckung der laufenden Ausgaben demnächst (abgesehen von dem jüngst mit der Eredit-Anstalt abgeschloffenen Vorschuß Geschäft) eine Finanz- Operation vornehmen, und zwar dem Vernehmen nach in Form einer schwe­benden Schuld.

Wien, 25. Februar. Unter der sensationellen Ueberschrift:Russia locuta C3t bringt diePesther Corresp." einen Bericht aus Petersburg über einen im Winter-Palaste unter Vorsitz des Kaisers Alexander abgehaltencn großen Mmister-Conseil, in welchem Gortschakoff über die politische Lage, der Kriegs­minister über die militärische Bereitschaft Rußlands referirten und Beide die sofortige Action beantragt hätten. Gortschakoff soll erklärt haben, eine euro­päische Gegnerschaft sei nicht zu befürchten, wenn Rußland sich darauf beschränke, nur zur Execution der Conserenz-Beschlüffe zu schreiten und das Abwarten ver- beffere die diplomatische Lage nicht; der Kriegminister habe den Stand der russischen und türkischen Streitkräfte auseinandergesetzt und erklärt,er sei bereit." Die Verantwortung für diese Meldungen ist selbstredend dem citirten Pesther Organ zu überlasten.

ArauLreich.

Pari-, 26. Februar. Der Deputirten-Kammer ist eine von 300 Per­sonen unterzeichnete Eingabe eingereicht worden, worin die Aufhebung des ein­jährigen freiwilligen Dienstes verlangt wird. Von der betr. Commission wird die Jnbetrachtnahme vorgeschlagen.

Paris, 26. Februar. Die Linke wird die Ermächtigung zur gericht­lichen Verfolgung Castagnac's verweigern. DasSuffrage universel des Charentes" wurde im Auftrag der Gattin des Ministers Jules Simon wegen Verleumdung zu 2500 Frcs. Geldbuße und derselben Summe als Schaden- Ersatz verurtheilt.

tzugl«m».

London, 24. Februar. Das Kriegs-Budget für das nächste Finanzjahr beziffert sich mit 14,538,700 Lstrl., demnach werden im Vergleich mit dem Vorjahre 742,900 Lstrl. weniger gefordert. Die Effectivstärke der Armee wird zu 191,981 Mann angenommen. DemReuter'schen Bureau" wird aus Washington telegraphirt: In der gemeinsamen Sitzung beider Häuser erhoben die Demokraten Widerspruch gegen die Entscheidung der Fünfzehner-Commisfion, wonach die Wahl-Stimmen von Oregon zu Gunsten Hayes' gezählt werden sollen. Trotzdem wurde die Entscheidung bestätigt. Demnächst sprachen sich die Demokraten gegen die Gültigkeit der Abstimmung von Pcnnsylvanien aus.

London, 26. Februar. Die hiesigen Morgen-Zeitungen veröffentlichen zwei Petitionen von Bewohnern der Bulgarei, wovon die eine an die sechs Großmächte, die andere an die Bevollmächtigten zur Conferenz gerichtet ist. In beiden erklären die Petenten, sie hätten nicht das mindeste Vertrauen zu der neuen türkischen Constitution, und beklagen sich außerdem darüber, daß bie Bulgaren von den türkischen Behörden gezwungen würden, Adreffen, in welchen die Constitution gebilligt wird, zu unterzeichnen.

Schweden.

Stockholm. Die Stadt Herönsund wurde von einer riesigen Feuers­brunst heimgcsucht; sechs Straßenviertel sind eingeäschert. Der Filiale der hiesigen Mälarbank sind sämmtliche Werthpapiere und Wechsel verbrannt.

Belgien.

Brussel, 24. Februar. In einer Correspondenz desNord" aus Petersburg heißt es, Lord Derby werde bei Rußland auf kein Entgegenkommen rechnen können, wenn er nicht bei einer erneuerten Weigerung der Pforte die zu ergreifenden Zwangsmittel feststelle. Die Haltung Englands würde dazu führen, daß Rußland seine Entschließung beschleunige, um aus seiner Lage her­auszukommen, welche weder Frieden noch Krieg sei, Rußland aber ohne jede Eompensation alle Opfer eines Krieges auferlege.

Italien

No», 25. Februar. Wie verlautet, soll Fürst Bismarck die Auslieferung Ledochowski's verlangt, die italienische Regierung jedoch dieselbe aus Grund des Garantie-Gesetzes verweigert haben.

Nutzlast.

Petersbmr-, 25. Februar. An den aus Wien hierher gemeldeten Gerüchten, wonach Seiteus des Kaisers von Rußland der Befehl erlassen wäre, die russische Armee solle am 28. Febr. den Pruth überschreiten, ist kein wahres Wort. Allerdings erreicht an diesem Tage der zwischen Serbien und der Pforte bestehende Waffenstillstand, welcher seiner Zeit auf das russische Ultima­

tum zu Stande kam, sein Ende. Jndeffen ist nicht zu erwarten, daß der Kampf Serbiens mit der Pforte am 5. März wieder ausgenommen wird. Die Nach­richten über die Friedens-Verhandlungen zwischen beiden Staaten lauten günstig; sollte man bis zum 5. März damit nicht zum Abschluß kommen, so würde jedenfalls eine Verlängerung des Waffenstillstandes erfolgen. Die Situation rm Allgemeinen ist unverändert. Die Rückäußerunzen der Mächte auf die russische Circular-Depesche stehen noch aus. Von diesen, resp. von der Ent­wickelung der Dinge in Konstantinopel «erden die dieffeitigen weiteren Maß­nahmen abhängen.

Weder in Regierung«- noch in Bank-Kreisen ist etwas davon bekannt, daß gegenwärtig Verhandlungen mit Rothschild oder anderen auswärtigen Bank­häusern über etwa zu negocnrende dieffeitige Staats-Anleihen stattfinden.

TürLri.

Konstantinopel, 24. Februar. Nach einer Meldung vonHavas" wird heute das vollständige Einvernehmen zwischen Serbien und der Pforte er­wartet. Die Serben acceptircn die letztbekannlen Garantien, doch sollen die Punkte betreffs der Gleichberechtigung der Juden und die Bestellung eines be­vollmächtigten Agenten Seitens der Türkei in der Convention nicht berührt werden. Zehn Tage nach der Ratification durch die Skupschtina würden die türkischen Truppen das serbische Gebiet räumen.

Konstantinopel, 25. Februar. Dem Vernehmen nach ist in der gestrigen Conferenz zwischen den serbischen Abgesandten und Saofet Pascha eine Verständigung erzielt. Wie verlautet, würde Fürst Milan demnächst in einem Schreiben an den Sultan erklären, daß er die Friedens-Bedingungen annehme, worauf dann der Oroßvezir erwidern würde, daß die Pforte hiervon Act ge­nommen habe. Die Stellung des Fürsten von Serbien zur Pforte solle hier- nächst durch einen neuen Firman geregelt werden.

Lokal-Notig.

Gießen, 27. Februar. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung der Stadt- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 1. März 1877, Nachmittags 1 Uhr, in dem Sitzungssaale der alten Realschule folgen:

1. Die Verpachtung der Georgenschanze detr.

2. Den Schlcusenwärterdtenst betr.

3. Die Anlegung eines Schießplatzes für das Militär betr.

4. Gesuch deS Gastwitths Jean Weber zur Stadt Cassel um Erlaubnitz zur Vornahme von Bauoeränderungen.

5. Gesuch des Heilgehülsen Gerlipp von Gießen wegen desgleichen.

6. Gesuch bc5 Maurermeisters Christian Hcrubach um Erlautznib zur An­lage eines Wärterhauses am Gleiberger Weg.

7. Fluthgräben auf dem Reickenfand betr.

8. Gesuch des Georg Stuhl er von hier wegen käuflicher Ueberlassung von städtischem Gelinde.

9. Straßenanlaze im Gartfeld betr.

10. Die Eröffnung der Blockstraße betr.

11. Gesuch wegen Abgabe von Kiefernstämmen aus den städtischen Waldungen mittelst Handverkauf.

12. Baureparaturen am alten Realschulgebäude.

13. Die Erbauung einer Brücke über die Wieseck-

14. Befreiung von Schulgeld.

15. Decretur von Drucktasten.

16. Die ReichSbanknebenstelle.

17. Maßregeln gegen die Rinderpest.

18. Gesuch wegen miethweiser Ueberlassung städtischer Näumltchkctten.

Gie ßen, 27. Februar. Auszug auS dem Sitzungsprotokoll der Stadtverordneten- Versammlung am 15. Februar 1877.

1. Dem Gesuche des Herrn Küfers Johann Thoma aus Rollhofen im Königreich Bayern um Naturalisation wurde insoweit stattgegeben, al8 dasselbe befür­wortet und dem Bittsteller die Aufnahme als Oitsbürger von Gießen ertheilt werden soll, wenn er das Stt.atSbürgcrrecht erlangt hat-

2. Für die von der Stadt Gießen zur Besoldung des 1. Stadtgeistlichen M Natur zu liefernden 17,2 Rmtr. Buchen-Scheitbolz wur.be die dafür vom 1. Jan. 1877 ad zu leistende baare Vergütung mit 200 je jährlich genehmigt.

3. Auch für dieses Jahr ist von dem Verein fir Vögel- und Geflügelzucht eine Ausstellung in Aussicht genommen und soll demselben für diesen Zweck die Turnhalle vom 4. bis 15. April c. zur Verfügung gestellt werden.

4. Auf ein Gesuch des Herrn Heinrich Bruchhäuser dahier, um Ueber- lasiung eines städtischen Bauplatzes links der Grünbergerstraße ist beschlossen worden, demselben den noch freien Platz zunächst der Wohnung deS Herrn B alt h asar Weber unter den Bedingungen zu überlassen, daß er für jede DÄlefter bis zu 100 oPlafter 4 J£'unb für jeve «eitere lHKlafter 8 je. ju bezahlen, alle entstehenden Kosten zu tragen und die nöthig werdende Verlegung deS dortigen WegS mit Canal zu über nehmen dabe, auch das anzulegende Vorgärtchen mit entsprechender Einfriedigung ver­sehen müffe. ,

5 Die Pläne über das von Herrn Schreinermeister Wilhelm Schäfer neben seinem schon aufjefü&iien Bau im Gartfeld weiter zu erbauende Wohnhaus finden Billigung und wird sich für Befürwortung des Gesuchs ausgesprochen.

6. Ebenso sollen die Gesuche der Herren Heinrich Frech I und Wilhelm Kratzenberger, welche an ihren Häusern auf dem Reichensand Bauveränderungeu vornehmen lassen wollen, zur Genehmigung vorgeschlagen werben.

7. In dem in der heutigen Sitzung beratenen Voranschlag der Stadt Gießen für da8 Jahr 1877 schließt sich die Hauptsumme der Einnahme» und Ausgaben aus 860024 JL 44 $ ab. Als wesentliche Beträge in demselben erscheinen:

A. Bei der Einnahme.

JL H

Rubr. 1 Kasseoorrath auS der 1875er Rechnung 88065

1 Ausstände ......... 5579 -

3 Von verliehenen Gütern.............. 4958

4 Aus Gras und anderen Naturalien 105T9

5 Von Waldungen 132338

18 Miethe von Markt und öffentlichen Plätzen . ..... 2500

21 Octroi ............. 59270 -

22 Schul« u. Holzgeld und sonstige Beiträge zu den Schulkosten 45788

42 Neu aufzunehmende Kapitalien..... 352637

53 Umlagen ................ 127656

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Rubr. 65 Kapitalzinsen ........... 65060

67 Unterhaltung und Kosten der Güter 3122

68 Waldungen 33097

75 Kosten der Schulhäuser und Schalen 12084

77 Unterhaltung der Straßen, Brücke» u. Wege 11151

78 Reinigung der Straße»............. 4504

80 Für Straßenbeleuchtung . .......... 12000

81 Wasserleitungen und Brunnen 27554

84 Feuerlöschanstalten............ 3136

87 Für Octroivermaltung und Rückvergütung 9350

94 Unterstützung HülfSbedurftiger............11801

98 Beitrag zur Kreiskasse 3499

103 Besoldungen 164738

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