an, ferner über die zu verkaufenden Sorten von Stempel-Marken, über die Haltung des Amtsblattes und der Gesetz-Sammlung in Lauenburg, über tu Aufhebung der Meßabgabe in Frankfurt a. d. O. und genehmigte in zweiter Lesung die Vorlage über das Kostenwesen in Auseinandersetzungs-Sachen. Bei der zweiten Berathung des Justiz-Etats wurde der ganze Justiz-Etnnahme>Titel nach längerer Debatte über das gegenwärtige Gefangenen-Arbcits-System genehmigt. Bei der Debatte über die dauernden Ausgaben sichert der Justiz- miutster die Vorlegung des von Löwenstein und Lasker gewünschten Gerichts Organisations-Gesetzes zu, und tritt den Behauptungen Schröder's (Lippst'.dt) über das angeblich häufig nicht gerechtfertigte Vorgehen der Staatsanwälte entgegen. An der Debatte hierüber nahmen auch Lasker, Windtyorst (Meppen), Petri, Hänel und Drescher Theil. Aus die bezügliche Anfrage Hauck's erklärte der Justizminister, daß er den Zeitpunkt für die Vereinigung der Leitung des Gefängnißwesens als noch nicht gekommen erachte. Der Antrag Rickert's, die Position, betr. die Erhöhung des Gehalts des Justiz-Unterstaats-Secretärts an die Budget-Commission zu verweisen, wird angenommen, der Antrag Wachler's auf Absetzung von 3750 JC. für die Kassen-Curakoren bei den Stadtgerichten und von 1800 c/ft für die freiwillige Gerichtsbarkeit ausübenden Richter deö Berliner Stadtgerichts wird abgelehnt. Zu lveiterer Debatte geben noch bic von Frantz gewünschte dienstliche Dispensirung der katholischen Gerichtsbeamten an katholischen Feiertagen und die von Magdzynski bemängelte Qualificatior. der Dolmetscher in der Provinz Posen Anlaß. Der Etat wurde im Uebrigen bis Capitel 79 unverändert genehmigt. Fortsetzung morgen.
— Bei der Stichwahl zum Reichstag wurde im 20. sächsischen Wahlkreise Brockhaus gegen den social-demokratischen Gegner gewählt. Im Wahlkreise Annaberg wurde Holtzmann (nat.-liberal) gegen Breitfelo (conservativ) gewählt.
Berlin, 26. Januar Von allen Seiten ist man darüber einig, daß durch den Abbruch der Conferenz in Konstantinopel der Friede wenigstens nicht unmittelbar gefährdet sei. Es ist erfolgt, was wir beim Anfänge der Con- ferenz wiederholt als unsere Meinung aussprachen, daß die ursprünglichen Forderungen der Mächte an ihrer eigenen Unmöglichkeit scheitern würden. Ergötzlich ist es, wie die „Times", welche sonst ihren Mund am weitesten zum Verschlingen der Türkei zu öffnen pflegte, jetzt, wo die Türkei so frei gewesen ist, auf die Frage der Mächte, in welcher Sauce sie verspeist zu werden wünsche, zu antworten, sie wünsche überhaupt nicht verspeist zu werden — ihre Haltung wieder einmal gänzlich verändert hat. Die „Times" findet jetzt so gut wie das stets türkenfreundliche „Journal des Ddbats", daß durch die türkische Verfaffung im Grunde die weitgehendsten Forderungen der Mächte erfüllt seien. Man kann nur wünschen, daß diese ruhige Ansicht die allgemeine werde. Den russischen Blättern muß man es unter den gegenwärtigen Umständen zu Gute halten, wenn sie den Mund etwas voll nehmen usid behaupten, die Türkei habe sich durch ihr Benehmen auf der Conseren; von der europäi schen Staatsgemeinschaft ausgeschloffen, der Pariser Friede von 1856 sei als aufgehoben zu betrachten, und was dergleichen mehr ist. Man kann sagen, daß die Pforte sich streng an den Pariser Vertrag gehalten hat, welcher den Mächten auch in ihrer Gesammtheit jede Einmischung in die inneren Angele- getlheiten der Türkei verbietet. (Köln. Ztg.)
— Die Behauptung der „Agence Gönörale Ruffe", die Bevollmächtigten hätten in der Schluß Conferenz in Konstantinopel einstimmig die Verträge der Türkei gegenüber für aufgehoben erklärt, ist selbstverständlich unbegründet, darf ober als ein neuer Fingerzeig angesehen werden, wie Rußland die angebliche Gemeinsamkeit der Mächte für seine Sonderzwecke zu verwerthen denkt. Es ist übrigens noch nicht einmal festgestellt, ob die verschiedenen Bevollmächtigten zu Schlußerklärungen in der Conserenz überhaupt ermächtigt waren.
Berlin, 26. Januar. Eine Depesche aus Hagen meldet, daß Eugen Richter bei der Stichwahl gesiegt hat.
Hanau, 26. Januar. Endresultat: Weigel (nat.'lib.) mit 300 Stimmen Majorität gegen Frohme gewählt.
Karlsruhe, 26. Januar. Bei der Stichwahl in Freiburg kam ein Rechnungs-Versehen des Wahl-Commiffärs vor. Gewählt ist Bürklin (nat.- liberal) mit 9643 Stimmen gegen Neumann (ultramontan), der 9634 Stimmen erhielt.
Hestrrrcich.
Wien, 25. Januar. Der „Polit. Corresp." wird aus Bagdad gemeldet : „In Mesopotamien herrscht unbeschreiblicher Enthusiasmus für den Krieg. Die Redif-Bataillone sind statt 750 schon 1500 Mann stark. Man predigt den heiligen Krieg. Viele Nomadenstämme boten dem Statthalter Reiterschaaren zum Dienste an. Die Regierung hebt eine doppelte Recrutenzahl aus. .Auch viele Pferde und bedeutende Geldsummen werden nach Stambul gesandt." Ein officiöser Bries auS Athen regt die Abtretung von Epirus, Theffalien, Kreta, Psara, Samos unk Chios an Griechenland an, um we^ch^n — nicht gerade bescheidenen — Preis die Türkei die thatkräfttge Freundschaft Griechenlands gewinnen würde.
Pesth, 25. Januar. Die gestrige Berathung ist gänzlich gescheitert. Heute findet eine Conserenz hinter dem Vorsitze des Kaisers statt. Die letzte Cölfferenz soll in Wien am Samstag folgen. „Ellenör" meldet: TiSza tritt zurück, falls der König die ungarische Bank nicht genehmigt. Das Blatt füjßt hinzu, die Krone sollte es mit Sennyey und mit neuen Grundlagen zur Verhandlung versuchen.
Schatzkanzler Northcote hielt, berührte derselbe die orientalische Frage und äußerte sich dahm, daß die Erhaltung des Friedens für Englands Jntereffen wesentlich sei; die Regierung sympathlsire zwar lebhaft mit den orientalischen Christen, indeß sei die Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei ein Schritt, welcher ernste Erwägung erheische. Demnach habe die Regierung ihre Intervention möglichst eingeschränkt und j?den Zwang zu vermeiden gesucht. Niemals sei die Regierung durch unwürdig? Eifersucht gegen Rußland beeinflußt worden und habe auch niemals die Absicht einer Kriegführung zu Gunsten der Türkei gehegt. Letztere habe, indem sie die Vorschläge der Conferenz ablehnte, unbedachtsam gehandelt. Der Munster des Innern, Croß, äußerte demnächst, die Aussicht* auf Erhaltung des Friedens sei jetzt bester, als seit langer Zeit.
Türkei.
Konstantinopel, 19. Januar. Die Botschafter packen. Salisbury Hit sich statt der Aquila, die 2000 L. kostet, die billigere Ceres gechartert und h-.t zugleich den Baron v. Cilice ein.zeladeu, ihn auf seiner Reise nach Triest zu begleiten. Gras Zichy wird mit dem österreichischen Stationsdampfer nach Varna abgehen. Der Baron Werther soll mit der „Pommerania" nach Syra abreisen und von dort aus ein Lloydschiff benutzen. Von allen Mächten fühlen sich die Oesterreicher am wohlsten bei der Ablehnung. Der Barvn v. Crlice wird zum Lohn für seine Friedensbestrebungen nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren, sondern einstweilen beim auswärtigen Amt in Wien verbleiben. Es stellt sich jetzt so ziemlich als Thatsache heraus, daß er mit seinem Collegen, dem Grasen Zichy. stets in vollkommener Uebereinstimmung handelte. — Die ungarischen Studenten verweilen noch hier und werden von einem Gastmahl zum andern geschleppt, und noch immer ist der Begeisterungsrausch der beiden Nationen, nachdem sie einmal die Po tage aux deux Kardach (Brudersuppe) iPsteffen, nicht verraucht. — General Klapka begibt sich binnen Kurzem nach N«z;a zu seiner Familie.
Konstantinopel, 23. Januar, Abends. Von den Conferenz-Bevoll- mächtigten ist bis jetzt nur der Marq >is v. Salisbury abgereist. Die Abreise ^gnatieff's ist durch den auf dem Schwarzen Meer herrschenden Sturm verzögert worden. Saofet Pascha machte heute den Botschaftern Gegenbesuche.
Konstantinopel, 25. Januar. Sir Henry Elliot ist heute via Brindisi abaereist; Werther, Zichy und C'lice reisen Sonnabend via Triest ab.
Pera, 24. Januar. Wegen Krankheit ertheilte der Sultan keinem der ab' reisenden Botschafter die erbetene Abschieds-Audienz; nur Elliot soll empfang-m werden. Salisbury hat vor seiner Abreise ein Schreiben an Midhat gerichtet, worin er diesen für den Mißerfolg der Conferenz verantwortlich macht, roor uif der Bezir würdevoll antwortete, sein Gewiffen sei rein. Die Pforte erhält zahlreiche Zustimmungs-Abrkffen.
Auszug aus den StandegamtsregMern der Stadl Gießen.
Vom 21. bis 27. Januar 1877.
Eheschließungen.
24. Jmuar. Der Dreher Heinrich Müller von Ober-Schmitten mit Johanna Friederke Mathilde Knöchel von Slllfclh, wohnhaft in Gießen. — Der Schreinermeister Christian Karl Heinrich Haubach von Gießen mit Johannette Christiane Ernst oon Leun.
Geborene.
17. Januar. Heinrich Wilhelm, Sohn deS Küfers Konrad Schlierbach III. — Friedrich Wilhelm, Sohn des Eisenbahn-Arbeiters J)hannes Diehl. 21. Jan. Karolis, Tochter deS Mechanikers Hermann Kraft. 17. Jan. Heinrich, Sobn des Kürschners und PelzwaarendändlerS Georg Schultbeitz. 22 Jan. Wilhelm Friedrich Martin Ludwig, Sohn des Bremsers an der Cäsn-Mindencr Eisenbahn Christian Rumpf. — Friedrich Wilhelm, ein außereheliches Kind von Auswätts. - Vubro-a, ein auße-- eheliches Kind von Auswärts. 23. Jrn. Georg, ein außereheliches Kind oon Auswärts. 14. Jan. Elisalstthe, Tochter des Kaufmanns Ludwig Ernst Kalkhoff 24. Jan. Moritz, Sohn des Kaufmanns Solomon Abraham Blumenfeld. 23 Jan jd« Hanna Louise Christine, Tochter des Weißbinders Philipp Schäfer IV. 22. Jan. Katharine Anna Margarethe, Tochter des Fabrikarbeiters Friedrich Bintz. 19. Jan. Kari Friedrich, Soirn des Schuhmachers Hei rich Balthasar Ludwig Jung. 24. Jan. Lina Elisabeth, Tochter des Drehers Johann Georg Christian Brückel.
Gestorbene.
20. Januar. Der Ta^löhner Ferdinand Insel aus Lich, 42 Jahre alt, (im acade- mischen Hosmtal gestdrben ) 22 Jan. Juliane Louise, 18 Tage alt, Tochter des Oecv- nomen Friedrich Simon I. von Gießen 23 Jan. Kathari-e Menzel von Alt-Buseck, 60 Jahre alt,Jim akademischen Hospital gestorben.)
Auszug aus hen McherMchern der Möl HiMn.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 24. Januar. Christian Karl Heinrich Haubach, Schreiner dahier, deS verstorbenen Bürgers und Schreiners Georg Karl Haubach ehe! Sohn; und Johannette Christiane Ernst, des Bürgers unb Schmiedemcisters in Leun, Christian Ernst, ehel. Tochter.
Getaufte.
D<n 21. Januar. Dem Schneider Jakob Büttner ein Sohn, Christian Emil, geb. den 1. Januar.
Denselben. Dem Bürger und Oeconomen Friedrich Simon eine Tochter, Julie Louise, geb. den 3. Januar.
Denselben. Dem Techniker ^sarl Wilhelm Brandes eine Tächter, Auguste Henriette, geb. den 19. November.
Denselben. Dem Schaffner Johann Conrad Lauer eiy Sohn, Johann Conrad, geh, den 18. December.~
Krrgtmed.
SkMtbon, 25. Januar. Die Minister Northcote und Croß wohnten Heftern einer großen conservativen Versammlung zu Liverpool bei, an welcher im Ganzen 5000 Personen theilnahmen. In einer Ansprache, welche der
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