Htutlchlaad.
Darmstadt, 24. November. Der Abg. Schröder hat vor einiger Zeit in der zweiten Kammer die Jnterpellarion emzebracht: „Hat die Großh. Regierung für die Staaisbahnen oder oie Prwrtbahnen unseres Landes bereite Ausnahmetarife oder Differentialtarife für den Güterverkehr auf den Eisenbahnen angeoidnel oder solche für zulässig erklärt, oder wird dies noch geschehen, und voraussichtlich für welche Artikel?"
Das Großh. Ministerium der Finanzen hat diese Interpellation mittlerweile schriftlich beanwortct und ist dem betreffenden Aktenstück zu entnehmen, daß die Regierung nicht in der Lage ist, die Frage, ob demnächst noch Ausnahmetarife oder Differentialtarife für den Güterverkehr der inländischen Eisenbahnen als zulässig erachtet werden, und voraussichtlich für welche Artikel, mit Bestimmtheit zu beantworten, weil hierbei die Verbandsverkehre und die Verhältnisse der Anschlußbahnen mit in Betracht gezogen werden müffen. Hierzu wird noch bemerkt, daß der Bundesrath in seiner Sitzung vom December v. I. an die Erklärung, daß er gegen Einführung des einheitlichen Güterschemas nichts zu erinnern finde, die Erwartung geknüpft, baß über die Zahl der Specialtarife und über die Einreihung der Artikel in diese Tarife eine Einigung erzielt werde. Dieser Erwartung ist durch die Beschlüsse der Berliner General- conferenz der deutschen Eiienbahnverwalkungeu vom Februar d. I. entsprochen worden. Das königl. preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten hat später proponirt, auch fernerhin eine gemeinschastliche Behandlung der Tariffragen durch Generalconferenzen der Eisenbahnverwaltungen eintreten zu lasten, um die über die Tarifvorschristen sowohl, wie über die Güterclassification erzielte Uebereinstimmung auch dann zu erhalten, wenn bei der praktischen Durchführung des neuen Schemas sich in dem einen oder anderen Punkte Mißstände ergeben und schon vor der für das Jahr 1880. in Aussicht genommenen weiteren Beschlußnahme des Bundesralhes das Bedürf- niß hervortreten sollte, das Schema innerhalb der durch den Bundesrathsbeschluß vom December v. I. gezogenen Gränzen zu ändern. Es lst die Einsetzung einer ständigen, aus Staats- und Privatbahnverwaltungen zu bildenden Commission zur geschäftlichen Behandlung und Prüfung der das Tarifwesen betreffenden Anträge in Aussicht genommen, welcher das Recht der Cooptation durch andere, ihr nicht angehörige, aber bei einzelnen Fragen besonders interessirte Verwaltungen zustehen soll- Auch ist die Bestellung eines ständigen, aus je drei Vertretern der Landwirthschaft, der Gewerbsthätigkeit und des Handels, unter Zutritt eines besonderen, aus Bayern zu committirenden Mitgliedes, zu bildenden Ausschusses veranlaßt worden, der über allgemein wichtige, das deutsche Eisenbahnwesen betreffende Fragen aus dem Gebiete des Tarifwesens sich gutächtlich zu äußern und zu diesem Behuf jährlich zweimal mit den Mitgliedern der Tarifcommisflon zusammenzutreten hätte.
Die Großh. Regierung hat, wie die Beantwortung der oben genannten Interpellation schließlich ausführt, diesen Propositionen im Interesse einer gemeinschaftlichen Behandlung der Tarifangelegenheiten zugestimmt, hierbei aber vorausgesetzt, daß ihr die freie Behandlung, resp. Genehmigung wegen der von den projectirten General-Conserenzen zu fastenden Beschlüsse Vorbehalten ist.
Berlin, 23. November. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses stand zur Berathung die Interpellation v. Stablewski's^betr. die Ver hältniste der Paroch ie-Kosten, wo die Einführung eines „Staatspfarrers" erfolgt ist. Minister Friedenthal erklärte: der Geistliche Brenk sei streng nach den Vorschriften des Gesetzes in sein Amt eingeführt; ebenso seien die Ausweisungen der Nebengeistlichen durchaus in gesetzlicher Weise erfolgt. Die Anordnung der Seelsorge in dem Provinzial - Correctionshaus sei Sache der Provinzial-Stände; diese hätten den Pfarrer Brenk angestellt. Gewissenszwang sei nirgends geübt worden: wäre dies geschehen, so würde die Staatsregierung ihre Mißbilligung darüber aussprechen. Der Minister erörterte daraus die Beschwerden über angebliche Beschränkungen der Gemeinde Kosten bezüglich der Benutzung des Kirchhofes. Die Behörden hätten lediglich die Umgebung und Ueberlretung des Gesetzes bestraft. Die Regierung könne wohl die berührten Vorgänge beklagen, aber nicht zugeben, daß die Gesetze irgendwie verletzt seien oder Gewissens-Zwang stattgefunden habe. Alle derartigen Anklagen und Vorwürfe weise die Regierung zurück. Das Haus beschloß, in eine Besprechung der Interpellation einzutreten.
"Berlin, 23. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Zei
tungs-Nachricht, daß auf Oesterreichs Antrag, einen Meistbegünstigungs-Vertrag mit Deutschland abzuschließen, bereits eine ablehnende Antwort erfolgt sei, als unbegründet. Bleibe die Annahme dieses Antrages auch unwahrscheinlich, so seien doch die Aussichten, irgend einen Mittelweg ausfindig zu machen, noch nicht völlig geschwunden.
Berlin, 24. November. Von russischer Seite sind hier mehrere hunderttausend Wintermäntel und Stiesel bestellt worden. Ebenso werden 3000 Meter eiserne Pontons von 7 Meter Länge mit Eisbrechern über Warschau von Esten nach dem Kriegsschauplatz befördert. — Die „Vost. Ztg." bringt «in Privat-Telegramm aus dem Hauptquartier zu Bogot, wonach wegen der bevorstehenden Kapitulation Plewnas die sofortige Lieferung von 70,000 Sol- daten-Broden verlangt wird.
Berlin, 24. November. Die Fortschritts-Partei wird anschließend an die Interpellation über den Welfen-FondS einen besonderen Antrag einbringen, außerdem die Einfügung des Art. 60 der Verfastung in den § 34 der Geschäfts-Ordnung beantragen.
Frankreich.
Pari-, 23. November. Zum Marine - Minister in dem neuen (Sabine! ist Admiral Roussin ernannt. — Das Comit6 der Gruppen der Linken ist versammelt und bereitet eine Interpellation vor, deren Einbringung erfolgen soll, sobald die Minister in der Kammer erscheinen werden.
Pari-, 23. November. Der „Moniteur" schreibt: Das Programm des Ministerium besteht in der absoluten Beiseitesetzung des unfruchtbaren politischen Debattirens, um sich einzig und allein den Geschäften zu widmen- Dasiclbe wird darlegen, wie es ein Gebot der Nothwendigkeit sei, daß die Kammern unverzüglich ein Budget berathen, um den beunruhigten und gefährdeten Jnteresten wieder Sicherheit zu geben, und wird Kammer und Senat auffo'dern, auf diesem praktischen Gebiete die auflösenden politischen Bestrebungen ruhen zu lasten.
Hvglaud
London, 24. November. Gladstone äußerte sich gestern in Hawarden
folgendermaßen über die orientalische Frage: Was die Haltung England- betreffe, so würde die liberale Partei, so lange von der Regierung die bedingte Neutralität aufrecht erhalten werde, bedingungsweise Ruhe beobrchten. Redner sprach sein Bedauern über die Jrrthümer Englands aus, welch.' Rußland zu seiner jetzigen Machtstellung verholfen hätten, und drückte Vertrauen aus auf die Ehre des Kaisers von Rußland und die Humanität seines Volkes. Wenn Rußland feine Macht mißbrauche, werde die Welt stark genug sein, ihm Zügel anzulegen.
Der orientaitfebe Hrieg.
Petersburg, 23. November. Amtlich wird aus Bogot vom 22. b. gemeldet: Gestern Abend bei dunklem Regenwetter machten die Türken einen Angriff auf die Batterie 3 am Nikolai-Berg, wurden aber vom Jrkutski'schen Regiment zurückgeschlagen. Später eröffneten dieselben ein lebhaftes Gewebr- unD Geschütz-Feuer; ersteres verstummte um halb 10, letzteres um 11 Uhr Abends. Die Rusten verloren 14 Mann tadt, 40 verwundet.
Wien, 23. November. AuS Konstantinopel wird gemeldet: Es kommen fortwährend düstere Nachrichten. Die Volks-Stimmung ist furchtbar erregt. Plakate drohen neuestens dem Sultan mit Entthronung, Verhaftungen werden täglich vorgenommen. — Die „Presse" meldet aus Bukarest: Die rumänische Armee verläßt Bulgarien nach der Entscheidung vor Plewna. — Das „Fremden-Blatt" berichtet: Deutschland wurde die Verlängerung des Appretur-Verfahrens bis Juli oder Ende 1878 von Oesterreich vorgeschlagen.
Wien, 23. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cettinje vom Heutigen: Der an der Nordspitze des Sees von Skutari gelegene Ort Lesendria und das benachbarte Insel-Fort Germomar werde von den Montenegrinern bombardirt. Seit der Besetzung Spizzas hat keine Vorwärtsbewegung der Montenegriner in der gleichen Richtung stattgefunden.
Konstantinopel, 23. November. Die hiesige „Agence Havas" meldet: Mukhtar Pascha ist trotz der vor Erzerum eingetroffenen russischen Verstärkungen und der Aufforderung des russischen Ober-Commandeurs, die Stadt zu übergeben, zum Widerstande entschlossen. — Die Notabeln von Serajewo haben dem Großvezir erklärt, die mohamedanische Bevölkerung Bosniens sei zu allen Opfern bereit, um das Land gegen eine eventuelle serbische Invasion zu vertbeidigen.
Bad-Nauheim, 22. Nov. Auch bei und ist man nunmehr einem längst gehegten Wunsche nachgekommen, indem der Besitzer eines unserer größten (Rasthöfe (Hotel de l'Europe) im Einvernehmen mit der betreffenden Behörde es unternommen hat, in seinen großen, passenden Räumlichkeiten eine Winter-Badecur, verbunden mit billigen Pensionspreisen und allen Annehmlichkeiten zu eröffnen. Wir dürfen nicht unerwähnt luffen, daß den Curgästen ebenso zum Brunnentrinken Gelegenheit geboten ist, wie im Sommer, ohne daß sie Zugluft ober sonstigen Wttterungsverhältnissen autzae- sitzt sind. Gewiß wird diese Nachricht dem heilbedürftigen Publikum von höchster Wichtigkeit sein und darf dasselbe der besten Aufnahme versichert sein.
— Drollige Scene vor Gericht. Schließlich wollen wir noch einer drolligen Scene erwähnen, so heißt es in einer Plauderei des „Wiener Fremdenblattes", die sich vor Kurzem vor einem benachbarten Bezirksgerichte abspielte. Zwei Frauen hatten sich gegenseitig mit Schmähungen überhäuft und gegen einander vor Gericht geklagt. Am bezeichneten Tage erschien eine derselben mit nur einer ihrer beiden angemeldeten Zeuginnen. Die zweite hatte nicht kommen können, weil sie im Wochenbette lag. Es erschien daher ihr Gatte, um sie zu entschuldigen und um eine Erstreckung der Tagfahrt zu bitten. „Also in acht Tagen," beeilte sich der Richter zu sagen. „Verzeihen Ew. Gnaden," rief sogleich die andere anwesende Klägerin, „in acht Tagen wird wahrscheinlich der gleiche Fall bei mir eintreten. Wollen Sie also die Sache auf später verschieben." — So nehmen wir also einen Monat an; um diese Zeit dürften Sie alle
Beide frei sein," entschied der Richter, der mit der Sache zu Ende zu fein glaubte.
Aber kaum hatte er den Termin ausgesprochen, als sich wieder eine Zeugin erhob und
verschämt lispelte: „Pardon, in einem Monat werde ich mich in der gleichen Lage befinden. Und so . . ." „Wir wollen also die Sache auf nächste Jahr verschieben und nicht weiter davon reden," entgegnete jetzt lächelnd der Richter und entließ die Parteien, die fich hoffentlich bis dabin ausgesöhnt haben werden.
Eingesandt.
Gießen. Schon seit einiger Zeck geht die Uhr auf dem alten Rathhaus nicht mehr und dies ist für Bewohner der Umgebung sehr störend, da dieselben gewöhnt sind, sich auf diese Uhr zu verlassen, namentlich da sie die Viertelstunden schlagt, was bei der Uhr des Stadtthurms nicht der Fall ist. Wenn dieselbe zerbrochen ist, warum wird sie nicht sofort wieder reparirt ? Bedarf denn ein Uebelftanb an dem städtischen Aerar immer erst der öffentlichen Rüge, bevor er ausgebessert wird, oder müßte die« nicht vielmehr sogleich geschehen, sobald er bemerkt wird. Wozu werden denn die hierzu Beauftragten bezablt? ___________________
~£~i terarische s.
Die Frau. Ihre Stellung und Aufgabe in HauS und Welt. Von Mathilde Lammers. (Leipzig 1877, Vetl & Comp.) Geh. 2 JL 60 H; gebunden 3 <^ 60 H. Die Mittel und Wege zu zeigen, wie das weibliche Leben und Glück von zulälligen äußeren Begünstigungen, von Schönheit und Vermögen unabhängig au machen und gleichsam auf seine eigenen Füße zu stellen ist, ist die Aufgabe, deren Losung sich die Verfasserin gestellt hat. Verständig und klar ist die Darlegung der Wege, die zu diesem Ziele führen. Die Verfasserin hält die Ehe und den damit verbundenen häuslichen Beruf für die erste, nächste und wÜnschenSwertheste Bestimmung des Weibes; jebe« Mädchen soll daher eine ausreichende Lehrzeit für diesen Beruf durchmachen. Aber darüber darf die Möglichkeit nicht außer Acht gelassen werden, daß ein Mädchen un- verheirathet bleibt, und es müssen Vorkehrungen getroffen werden, daß es auch für diesen Fall einen nützlichen, mit Erwerb verbundenen, auf bestimmte Kräfte und Fertigkeiten begründeten Beruf finden kann. Man kann dem Büchlein nur eine recht weite Verbreitung wünschen; es ist eine vorzügliche Gabe für denkende Mütter und Heranwachsende Mädchen. Ä Ä
Jlluftrirte Frauen-Zeitung (Preis vierteljährlich 2 50 H). Die neueste
Mod en-Num mer (41) enthält: Gesellschaft«-, Promenaden-und Ball-Toiletten nebst Blumen- Coiffuren, Umhang und Mantillentücher zu Ball- oder GesellschaftS-Toiletten, Paletots, Hute, Morgenhauben, Latzschürzen, Unterrock, Kragen und Manschetten. Prinzeßkleider für flWte Mädchen, auch Anzüge, Hüte und Schürzen für kleinere Mädchen. Schutzdecke für ein Dillard, Marktnetz i Filet); Kaffebeutel (Strickarbeit); Rückenkiffen (Kreuzstichstickerei); Flaschenkorb (Waldmosaik); Ueberzug für einen Wärmstein. Wiegen, oder Schlafdecke, Taschentuchbehalter, Notiz- oder Visitenkartenbuch. Kragenecken mit Kreuzstich- und Wirkstichstickercl. Spitzen, gehakelt und gestrickt, auch in filet anlique und Tülldurchzug. (Arundmuster aus Z^enUtze und Mignar> dise. Bordüren zur Verzierung von Tischwäsche, Handtücher x. x. mit 63 Abbildungen und einem Ertrablatt (Altdeutsche Leinenstickerei), ferner ein colorirtes Modenkupfer. Die neueste Unt-rhaltung«-Nummcr (42): Zur s-schicht« »°n Bürger erster Gfrc. Nach neuen handschriftlichen Quellen von Adolf Strodtmann. — Auf der Concertreise. Eine Musiker- Novelle von H. Ehrlich. (Fortsetzung). - Im Baselerhofe. Von Auguste Scheibe - Die Sternschnuppen. Von Dr. Herrn. I. Klein. — Verschiedenes. — WirthschaftlicheS. — Briefmappe. — Fraucn-Gedcnktage. — Ferner folgende Illustrationen: Bürger s erste F^au, Dorette Leonhart. — Bürger « Molly, Auguste Leonhart. — Die Toilette der Indianerin. Von C. M. Beyle. — Dor der Verlobung. Von W^Roegge.__।__»
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