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Donmrstag, den 26. Juli

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Auzeigk- unb AmisdIM für ben Kreis Gießen

i Wilhelm Emanuel v. Ketteler.

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PrriS vierteljährlich 3 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Expedition r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

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bat das deutsche Volk seinen hoben Beruf für das Reich Gottes verloren, als es die Einheit im Glauben zerriß, welche der heil. Bonisacius gegründet hatte. Seitdem hat Deutschland fast nur mehr dazu beigetragen, das Reich Ehristi auf Erden zu zerstören und eine heidnische Weltanschauung hervorzurufen. Seitdem gehen die deutschen Herzen und die deutschen Gedanken immer weiter anseinander und wir sind vielleicht eben jetzt mitten in einer Entwickelung begriffen, die das Verschwinden des deutschen Volks als eines einigen Volkes vorbereitet." .....

Wer so sprach, konnte Emyclica und Syllabus em Jahrzehnt spater nur nut Freuden begrüßen und gleich dem Papste gegen die Möglichkeit einer Aus- söhnunamit dem Fortschritt, dem Liberalismus und der neuen Ctvilisatton energisch protestiren. Als aber 1869 die Kunde von dem bevorstehenden valt- canischen Concil und seiner Hauptaufgabe, der Dogmatisirung der päpstlichen Unfehlbarkeit Unruhe und Besorgniß im katholischen Deutschland hervorrief, da beteuerte er auf der Fuldaer September-Conferenz mit dem gesammten deut­schen Episcopate;Nie und. nimmer wird und kann ein allgemeines Concil eine neue Lehre aussprechen, welche in der heil. Schrift oder der apostolischen Ueberlieferug nicht enthalten ist ------ *Je unb nimmer wird und kann ein allgemeines Concil Lehren verkündigen, welche mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit, mit dem Rechte des Staates und seiner Obrigkeiten, mit der Gesittung und mit den wahren Interessen der Wissen- schäft oder mit der rechtmäßigen Freiheit und dem Wohle der Völker im Wi-

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derspruche stehen." ,

In der That gehörte er dann auf dem Concil selbst der kleinen Oppo- sitionspartei an, die auf dem Standpunkte des Trienter zu verharren entschlossen var. Noch in der letzten Stunde, am Abend des 15. Juni, bat er mit Sinter, Darboy, Ginoulhiac, Schcrr und Rivct knie-fällig d-u Papst, er möge seine Jnfallibilität doch wenigstens mit dem Zusatzeinnixus testimomoecclesta- runt (gestützt auf das Z-ugniß der Kirchen) erklären lassen. Die Bitte war veraebtick. Am folgenden Tag- ward im schärfsten Contrast zu diesem Wunsche der Minorität die Formelnon autem ex consensu ecctesiae (ni$t fwer ans der Zustimmung der Kirche) eingefügt und die Oppositions-B,schöf- reisten ab, um nicht - wie sie dem Papst am 17. Juli schriftlich erklärten - öffentlich und im Angesichte des Vaters non placet z" sagen.

Ketteler hat allerdings, doch wohl nur zufällig, dieses Schriftstück nicht mitunterzeichnet. Jedenfalls ist er bei der bekannten Fahnenflucht der charak­terfesten deutschen Kirchenfürsten einer der ersten gewesen, denn ein Ende August von Fulda erlaffener Hirtenbrief verkündet das neue, von ihm bis dahin bekämpfte Unfehlbarkeits-Dogma als Entwicke ung der alten, rn der Sinterlaae des Glaubens enthaltenen lind treu gehüteten Wahrheit. Bischof Retnkens hat die schnelle Wandlung in seiner SchriftKnieefall unb Satt des Bischoss Wilhelm Emanuel Freiherr» v. Ketteler' (2. Auflage 18<7 Bonn)

Arankreich.

Daris 23. Juli. Das JournalTemps" enthält die von irgend einer anderen Seite noch nicht bestätigte Meldung aus Athen, daß auf Kre a

ö Gießen am 24. Juli 1877.

'"""-M Großhcrzoglichf Kms-Schul-Commisflon Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

' « Bezüglich der Erndieferien, insoweit dieselben in di- Zeit bis zum 4. August fallen, ist bei uns kein- besondere Anzeige zu machen, bei längerer Dauer jedoch rechtzeitig an uns zu berichten. ^öd er

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Hesterreich.

Wien, 24. Juli. DerNeuen Fr. Pr." wird aus Jaffy vom 23. d. die russische Armee bestimmten Vieh-Transporten ist die Rinderpest in verheerender Weise ausgebrochen.

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Die römisch-katholisch- Kirch-, die jetzt täglich erwarten muß, ihres heil. Vaters beraubt zu werden, hat soeben einen ihrer treuesten Sohne und that- kiästigsten, rücksichtslosesten Parteigänger verloren: Wilhelm Emanuel- v. Ketteler, der Bischof von Mainz, ist am 16. Juli zu Burghausen in - Oberbayern gestorben, wo er vor einigen Wochen auf der Rückkehr von Rom erkrankt war. Er wurde am 25. December 1811 in dem lv-stsa .fchen Dorfe Harkotten geboren als Sprößling eines alten westfalischen Adelsgeschiechts, das sich seit der Reformation in eine katholische und eine evangelische LlNietheüe. (Stifter der letzteren ist der bekannte Heermeister von Lievland, Konrad Kette- kr, der sich 1561 zum Herzog von Kurland und Semgaüeu machte.) Wilhelm Emanuel war ursprünglich nicht für den geistlichen Stand bestimmt. Rach ab- solvirtem Abiturienten-Examen studirte er auf den Universitäten Göttingen,, Hei- d-lb-rg, München und B-rliu, trat bann in Münster in di- juristische Laufbahn, ging als Referendar an di- Regierung zu Munster über und diente als Em jährig-Freiwilliger im 11. Husaren-Regiment. Im Jahre 1839 nahm er, ver­anlaßt durch den Kölner Kirchenstrcit, seinen Abschied aus dem Staatsdienst unb ging nach München, um sich dort theologischen Studien zu^widmen. 1843 trat er in das bischöfliche Priester-Seminar zu Munster, wurde am 1. Ium 1844 zum Priester geweiht unb bann als Kaplan zu Beckum in ber Dwc-sc Münster zuerst in ber Seelsorge beschäftigt. In seinem 35. Leb-nszahr- Pastor jn Hopsten, erwarb er sich balb bi- Zuneigung seiner G-memb-, in bet -r »och h Ute in bankbarer Erinnerung lebt. 1848 nahm er als Abgeorbueter ai b National-Persammluiig in Frankfurt Th-il und vertrat bo.rt «ne entg«ben couservative Richtung. Am Grabe des ermordeten Fürsten Lichnowski hielt er die Leichenrede und predigte zu verschiedenen Malen von Frankfurt aus un Dom zu Mainz, in den er bald daraus als Bischof von Pius ganz beson ; ten Gnaden -inziehen sollte. Nach seiner Frankfurter Thatigk-it war er: Pro st an der Berliner Hedwigskirche geworden und kaum einige Monate m dies Stillmig als^der erledigte Aiaiuzer Stuhl 1849 durch ben vom Capitel ge- Zhlt-n milden Gießene? Professor Leopold Schmid neu besetzt werden sollte. Der Papst verweigerte jedoch diesem dl- Bestätigung undnannte a MfefcWSföB

vom Mär"'185l 'klrchliche^Disttplin

ziehen und frei anzustellen und über Priester und Laten di kirch ichDie J »n üben; 2) katholisch- Schnier.zu besitzen und ,rl ^de,?Jnstituie^ui,d

Leben zu leiten, namentlich auch die zu dessen Pst g k^^lischen Kirch- » L Ätf-'» ausdrücklich garautirte Vermögen auch selbst v-rw-ilt-n zu dursje . MWMMZW gänzlich verödete Das Ministerium Dalwigk ließ ru^tg gaiizucy verooeie jqka mit fsprm n Ketteler eine geheime Convention

Ui(iete, jm beiberf« g 3 II m(tten Kircheusürsten konnte bas letzte Dem für Roms Welt-Mi,,ionemo oöllia katholisirtes Deutschland.

Ziel dieser Reactionk-m and- , alg gottlose R-volutioch die unser

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Mit zäher Entschlossenheit hat der Mainzer Bischof seit seiner Unterwer­fung die Consequenzen dieses Schrittes vertreten und als Mitglied der Centrums- Fraction im deutschen Parlament an seinem Theile daran gearbeitet, auch das neugeeinte Reich unter den Krummstab zu beugen. Er ist darüber mit seiner Landesregierung, an deren Spitze kein Dalwigk mehr stand, zerfallen, und ftlhtte sichwie ein Paria im eigenen Vaterlande. Wir müssen sagen, er hat reich Geistesgaben und eine eiserne Willens-Energie an eine undeutscheDache gesetz. , sich selbst und seiner Kirche nicht zum Heile, unserem Volk und Vaterland«aber zu schwerem Schaden.

ermann, liirile edition d. Blattes aller Art, Bier-^ Maturen dnstt' .. VMMinacher, d.____________________

fyanblatißft gesucht nen

L. Petri II.