ist eine allgemeine freudige Erregung durch das seit einigen Tagen verbreitete Gerücht hervorgerufen, der Kaijer habe den Grafen Krasinski auf Opinogora und den MarquiS Siegmund Wielopolski zu vertraulichen Conferenzen nach Petersburg berufen. Was an diesem Gerücht Wahres ist., habe ich nicht erfahren können; die Polen glauben aber daran und sind überzeugt, daß es sich um Aussöhnung mit ihnen und um große Zugeständnisie für das Königreich Polen handle, was jedoch durchaus nicht wahrscheinlich ist. — In der Diöcese Augustowo wurde kürzlich der Pfarr-Administrator Simon Lopmski auf höheren Befehl verhaftet und nach kurzer Untersuchung nach Olonetz in dte Verbannung ab geführt weil er beim Abfingen der MuttergotteS-Litanei in der Kirche dret- mal die Bitte angestimmt und mit der Gemeinde gesungen hatte: „Heilige Mutter Gottes, Königin von Polen, bitte für uns!" Von diesem Falle ist durch Circularverfügung des General. Gouverneurs Grasen Kotzebue die ge- sammte römische Geistlichkeit des Königreichs Polen mit der Androhung benach- Uchtigt worden, daß jeden Geistlichen, der öffentlich zur Mutter Gottes als der Königin Polens bete, eine gleiche Strafe treffen werde. (Osts.-Ztg.)
Tiflis, 7. Januar. Die kaukasische Armee wird andauernd durch neue Truppenzuzüge verstärkt. Der Ober - Commandant, General-Adjutant Lorrs- Melikow, fordert gegenüber der stetig anwachsenden Stärke der türkischen Armee in Armenien noch weitere 40,000 Mann. Der Stand des Heeres dürfte sich nun in folgender Weise darstellen: An regulären Truppen 134,000 Mann Infanterie und Kavallerie, 18,600 Kavallerie und Trainsoldaten, 1760 Mann Pioniere und Genietruppen und 288 Feldgeschütze. An Irregulären bei 1400 Reiter (adelige Druschinen, Offetiner und Jmretiner) mit Berggeschützen. Heute wurde damit begonnen, Belagerungsgeschütze von hier nach Kutais nach der Grenze zu befördern. Es werden zwei große Parks zusammengestellt, wahrscheinlich für den Fall der Belagerung von Kars und Erzerum. Batum dürfte nur cernirt werden. (Polit. Corresp.)
Türkei.
Konstantinopel, 24. Januar. Die „Agence Havas" meldet: General Jgnatieff wird morgen r die anderen Botschafter werden übermorgen ab reisen; dieselben konnten jedoch wegen des Unwohlseins des Sultans nicht in Abschieds-Audienz empfangen werden. Von der Pforte wird ein Rundschreiben an die Großmächte vorbereitet, worin die bezüglich der Conferenz-Beschlüsse getroffene Entscheidung erläutert wird. Wie man versichert, beabsichtigt die Pforte von der französischen Regierung einige Officiere behufs Einexercirung der Gensd'armerie und von der englischen mehrere Finanz-Capacitäten behufs Reorganisirung des Finanzwesens zu erbitten. In den Regierungskreisen wird gegenwärtig über die beim Friedensschluß mit Serbien und Montenegro zu stipulirenden Bedingungen berathen.
Amerika.
Nechp-Nork, 24. Januar. Nachrichten aus Mexico vom 16. Januar zufolge bat Porfirio Diaz die gesammte Republik, mit Ausnahme von Sinaloa und Chihuahua, in Besitz. Jglesius ist nach Mazatlan geflüchtet, Lerdo de Te jada nach San Francisco abgereist.
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Gießen, 25. Januar. Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr entzündeten sich bei einem Böcker in der Neustadt, die zum Trocknen auf der sog. Dörre befindliche« Holz spöne, sowie kleingemachtes Hol; u. s. w. Zum Glücke wurde da« Feuer rasch entdeckt und sofort gelöscht. Welch entsetzliches Unglück bet den dicht aneinanderstehenden Scheunen und Ställen hätte entstehen können, wenn daS Feuer zur Nachtzeit auSge- brochen, wollen wir nicht weiter beurteilen, möchten nur für die Folge etwas mehr Vorsicht empfehlen und zu bedenken tfeben, daß durch eigene Fehler die Nachbarschaft mit leiden muß.
— Auf dem gestern und vorgestern stattgehabten Viehmarkt waren 862 Stück Rindvieh und 147 Schweine aufgetrieden.
Landwirts» schaftlichts.
Aampstreschmaschinen und Lokomobile«.
(Fortsetzung des Artikel- au9 Anzeiger No. 15.)
Drischt man kurzes Getreide und kommt stündlich in beiden Maschinen aus 3300 Klgr. Garben, so sind dazu zur Pferdekraft des Leerganges hin in beiden Maschinen noch 3 Pferdekräfte, also im Ganzen bei der schmalen Maschine 7 und bet der breiten 9,5 Pferdekräfte erforderlich. Man braucht demnach in diesem Falle bet der breiteren Maschine 35 pCt mehr ArbÄt für dieselbe Leistung, was zur Genüge zeigt, daß es unzweckmäßig ist, brettere Maschinen zu kaufen alS unbedingt nö thig ist.
Mit guten Dampfdreschmaschinen kann man so ziemlich alleS dreschen, nur Klee läßt sich nicht mit denselben auSreiben, und auch dte Mehrzahl der eigentlichen Kl e- dreschmaschinen arbeitet nur bei kaltem Wetter gut, während eine neue Maschine von Caraw in Prag bei jeder Witterung gut arbeiten soll. Diese Maschine besteht im Wesentlichen aus zwei Walzenpaaren, durch »eiche der Klee passiren muß, um auSge- rieben auf Siebe zu gelangen, welche in gewöhnlicher Weise die Reinigung bewerf: stelltgen Bei jedem Walzenpaare ist die eine Walze mit Kautschuk überzogen, die andere dagegen von Stahl und gerieft.
Die Geschwindigkeit der Walzen ist nicht ganz gleich, wodurch ein förmlicheS Ausreiben auf dem weichen Kautschuk entsteht.
Wir beziehen in Deutschland noch die Mehrzahl unserer Dampfdreschmaschinen ans England, während wir die Hand und Göpeldreschmaschinen nicht nur für unseren eigenen Bedarf bauen, sondern auch noch viele derartige Maschinen nach Oesterreich ausführen.
Daß wir fast keine Dampfdreschmaschinen bauen, liegt nicht daran, daß unsere Fabriken nicht darauf eingerichtet sind, sondern vorwiegend an dem zu erwartenden verhältnißmäßig geringen Absatz, der weniger Gewinn erwarten läßt alfl bei anderen Maschinen, welche mit geringerer Muhe einen größeren Absatz auf einem kleinen Ge biete gestatten.
Die in der Landwirthschaft hauptsächlich zum Dreschen verwendeten Locomo bi len werden ebenso wie die Dreschmaschinen häufig auS England bezogen. Einige deutsche Fabriken z. B Wolf in Buckau und Götjes Bergmann in Reudnitz und!
Garrett in Luckau bauen auch Locomobilen für landwirthschaftliche Zwecke, und ersterer Lefert englische Dreschmaschinen mit denselben, während letztere seihst Dampf» dreschmaschinen bauen
Klgr. 2,09 1,75 1,61 1,54 1,25
Klgr. 4,76 3,01 3,28 2,74
Prüfung im Jahre. 1852 1858 1863 1867 1872
pro Pferdekraft.
Klgr
8,05
5,02
6,00
4,71
richtet. Von besonderem Interesse ist die Strohfeuerung, weil es in manchea Gegenden, z. B. in den südrussischen Steppen, fast gar keinen Werth hat, während Holz und Kohle außerordentlich kostspielig sind. Da bei Strohfeuerung immer nur ganz geringe Mengen Stroh auf einmal brennen dürfen, so hat man für die größeren Locomobilen eine mechanische Speiseoorrichtung ähnlich wie an einer Häckselmaschine, während bet den kleineren Maschinen eine Gabel voll Stroh nach der andern in die Feuerbüchse geschoben wird und auf dem ungewöhnlich weiten Roste verbrennt.
Die Mehrzahl aller in der Landwirthschaft o.-rwrndeten Locomobilen ist von der bekannten englischen Construction, die bei gutem reinen Wasser an Dauerhaftigkeit kau n etwas zu wünschen läßt, dagegen früher femltd? viel Kohle brauchte- Für die leichtere Reinigung der englischen Locomobtlkessel von JMfelftern ist bi- beute nur wenig geschehen. Wo die Locomobile auf dem Hofe selbst gebraucht wird, kann man das Wasser nöthigen Falles nach dem de Haen'fchen Verfahren durch Kalk- und Ehlorbariumzusatz von seinem Gehalte an gelöstem kohlensaurem Kalke und Glps befreien, wo man aber das Wasscr aus beliebigen Brunnen nehmen muß, wird sich bald so viel Kesselstein ansetzen, daß der Kohlenverblauch bet gleicher Leistung hoppelt so groß werden kann. Um den Kessel dann wenigsten- oon Ze>t zu Zett gründlich reinigen zu können, wendet man mit gutem Erfolge die Kestel mit ausziehbaren Röhren und Feuerbüchsen an, wie sie z y von Wolf in Buckau gebaut werden, erzielt aber nicht dieselben Vortheile wie bei einer gründlichen Reinigung de- Wassers.
Außer kleineren Verbesterungen nahm besonders die Verminderung deS Kohlenoerbrauches dte Fabrikanten in Anspruch und wie weit dieselbe den englischen Fabrikanten in den letzten 20 Jahren gelungen ist, geht auS der nachstehenden Zusammenstellung hervor, welche die Resultate der von der Royal Agricultural Society of England Gemachten Messungen enthält, und deswegen von ganz besonderem Werlhe ist, weil man bei allen Messungen dieselbe Kohle verwendete.
1,45*) —
Wenn auch die meisten zu diesen Concurrenzen gesandten Maschinen viel beffere Ausführung und zum Theil auch andere Einrichtung and größere Kessel hoben als die gewöhnlichen Maschinen, so zeigen doch die wirklich staunen» werthen Fortschritte, daß dte besseren Fabrikanten ganz genau rotffen, wie man vorzügliche Locomobilen baut. Die gewöhnlichen Locomobilen brauchen wesentlich mehr Kohle al- oben angegeben wurde, ober der Kohlenverbrauch dürfte sich doch im gleichen Maße vermindert haben, weil alle Fabriken ganz wesentliche Verbesser ungen angebracht haben. Zunächst werden statt der früher üblichen sehr niedrigen Dampfspannungen jetzt häufig Spannungen von 5—7 Atmosphären Ueberbrucf verwendet, und habet arbeiten die Maschinen unge» gesihr mit halber Füllung, während man fiüher etwa 80 pCt. Füllung hatte. Durch die Verminderung der Cylindersüllung und die Eryöhung der Damvfspannung konnte man 20-30 p(St. Kohlenersparniß erzielen, weil mit dem durch die Expansion vermin» berten Dampfoerbrauche auch die Heizfläche verhältnißmäßig größer wurde, viele Fabrikanten wenden an den Eylindern Dampfmäntel an und erzielen so eine weitere Ersparniß, während ein Theil de- abgehenden Dampfes zum vorwärmen deS Speise» wasser- verwendet wird, wodurch man leicht 10 pE. Brennmaterial ersparen kann.
Eine wesentliche Ersparniß wird für viele Gegenden auch dadurch erz'clt, daß man die Feuerung der Locomobilen für die möglichst billigen Brennmaterialien ein»
Geringster Kohlenoerdrauch Mittlerer Kohlenver» Höchster Kohlenverrauch pro Pferdekraft. brauch pro Pferdekraft.
Bei den älteren Maschinen bemerkte man wahrend der Arbeit das Bestreben, vor und zurück und auf und ab zu schwingen, das auch durch sorgfältige- Feststellen nicht ganz aufgehoben werden konnte, und den Uebelftanb mit sich brachte, daß der Riemen bald mehr und bald weniger gespannt wurde, wobei die Reibung entweder durch die erforderliche stärkere Riemenspannung ober burch ein theilweise« Gleiten des Rieme s vergrößert wurde. Jetzt macht man in bas Schwungrab an einem Ende der Kurbelwelle und womöglich auch in eine Riemenscheibe am anderen Ende Gegengewichte, welche diese Schwingungen zum größten Theile aufheben und zur Schonung der R-emen beitragen.
So bequem und so nützlich sich auch die Locomobilen im Allgemeinen für die Landwirthschaft erweisen, so haben sie doch die großen Fehler, daß ersten? bei schlechtem Wasser und dadurch erzeugtem Kesselstein der Kohlenverbrauch außerordentlich rasch wachst, und daß zweiten- bei nicht sachgemäßer Behandlung Explosionen stattfinden können, welche namentlich beim Dreschen, wo sich so viele Leute in der Nähe der Maschine befinden, die schlimmsten Folgen haben werden.
Diesen Uebelständen würde vollständig abgeholfen, wenn die Luftmaschinen, welche bi- jetzt noch etwas zu theuer arbeiten, so verbessert würden, daß sie ersten- billiger arbeiten, zweitens kein Kühlwasser mehr brauchen und drittens transportabel gemacht werden können. Außer der Vermeidung der eben erwähnten Nebelstände hätte man auch noch die Dortheile, daß man keine Concessio» mehr brauchte, sondern die Maschine überall ausftellen dürfte, wo nicht etwa die Feuerung gefahrbringend werden könnte.
Wie weit wir noch von diesem Ziele entfernt sind, oder ob e- so zu erreichen ist, daß man Luftmaschinen von größerer Pferdekraft leicht wird trantportiren können, ist schwer zu sagen, aber daß man diese« Ziel anstrebt, beweisen die vielen neu auftauchenden Conftructionen.
*) Diese Zahl gibt nur da- Mittel aus den sechs besten Maschinen und ist bei» wegen etwas zu günstig.
Schlffeibericht. Mitzetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd (?♦ W. Dictz in Gießen.
Newyork, 22 Januar. (Per transatlantischen Telegraph.) Da- Postdampf» schiff des Nordd. Lloyd Baltimore, Capt. H. Andreßcn, welches am 27. Decbr. von Bremen und am 30. Decbr. von Southampton abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore anaefommen.
Rewyork, 22. Januar. (Per transatlantischen Telegraph). DaS Postdampfschiff deS Nordd. Lloyd Hannover, Capt- H- Erdmann, welches am 26. December von Bremen und am 30. December Den Havre abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.
Southampton, 24. Januar. DaS Postdampfschiff des Norddeutschen Lloyd Hermann, Eapitain G Reichmann, welches am 13. Januar von Newyork abgegangen war, ist heute 10 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen und hat nach Landung der für Southampton bestimmten Passagiere, Post und Ladung 12 Uhr Mittags dte Reise nach Bremen fortgesetzt. Der Hermann überbringt HO Passagiere und volle Ladung.
Mit dem Dampfer ^Hermann" kehren ein Officier, zwanzig Seecadelten und zwei Matrose : Sr. Iltaj. Schiff „Hertha"' in dte Heimath zurück. Sie haben sich in Southampton, wohin sie von Australien mit einem englischen Dampfer gelangt waren, an Bord des „Hermann" eingeschifft.
Allgemeiner Anzeiger-
Carnevalverein Türkei.
Fünfte Wochensitzung.
Freitag den 2 6. Januar in MWenzeFs Saal66.
Anfang 8 Uhr. (483
MchlMiierlegimg.
461) Von heute an befindet sich mein Geschäft im Hause des Herrn Chr. Schopbach,, Neuebäue B. 80.
Achtungsvoll
W. Heusler.
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