Ausgabe 
25.12.1877
 
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greiflich unrichtig und entstellt sind, daß sie schon aus diesem Grunde keiner Richtigstellung gewürdigt werden.

Berlin, 24. December. DiePost" hört, der Präsident v. Bennigsen begebe sich, einer besonderen Einladung des Reichskanzlers folgend, in den näch­sten Tagen nach Varzin.

Die von derKreuz-Ztg." verbreitete Nachricht über die Verabschie­dung des deutschen Gesandten im Haag, Freiherrn v. Canitz, beruht auf Erfindung.

London, 23. December. Der amerikanische Gesandte Pierrepont über­reichte gestern der Königin sein Abberufungsschreiben. Gleichzeitig überreichte dec neu ernannte amerikanische Gesandte Welsch seine Beglaubigungsschreiben.

London, 23. December.Reuter's Bureau" verbreitet ein Telegramm aus Konstantinopel über die Antwort Deutschlands auf die Circular-Note der Pforte. Dasselbe besagt: Die Antwort sei sehr höflich gehalten und erkläre, Deutschland könne nicht interoeniren. Es bedeute dies nicht, daß Deutschland nicht geneigt sei, zum Frieden beizutragen. Aber gerade im Interesse des Frie­dens muffe Deutschland die Intervention ablehnen. Bezüglich der Antwort Oesterreichs sei in Konstantinopel die Ansicht verbreitet, Oesterreich werde die Unmöglichkeit der Intervention constatiren, weil die Note der Pforte keine Basis für eine solche abgebe.

Reuter's Bureau" meldet aus Erzerum vom 21. d.: Die Ruflen gaben einige Kanonenschüsse von Kiliffa-Tape oberhalb Sonsondan auf Schu- ruksu ab, wo zwei verlassene Werke zerstört wurden.

Belgrad, 23. December. Offictell. Die Javor-Armee nahm das von den Türken verschanzte Kladnitza. Die Türken zogen sich aus Nooavaros zurück.

Konstantinopel, 23. Decbr. Die in den griechischen Kirchen ver­lesene und von der Pforte genehmigte Encycltca des griechischen Patriarchen fordert die Orthodoxen zur Theilnahme an der Bürgergarde, welche nicht auf den Kriegsschauplatz gesendet wird, auf. Die Profesioren sind vom Dienste in der Bürgergarde befreit. Die Serben, welche auf Scharkioei vorrückten, wur­den zurückgeworsen. Telegramme aus Schipka und Kamarli melden, daß die Kälte groß sei und keine Operationen stattfänden.

Konstantinopel, 23 Decr. Der frühere Civil-Gouverneur von Kars, Chefvik Pascha und andere Civilbeamte von dort sind hier eingetroffen. Kiamil Bey begiebt sich nach Egypten. Oberst Studdy ist nach Kämarli abgereist, um sich an den Operationen Baker Paschas zu betheiltgen.

Athen, 23. Decbr. Kommunduros legte der Kammer Gesetzentwürfe vor, betreffend die Ernennung von Ofsicieren der mobilen Nationalgarde und die sofortige Einberufung der Reserve der regulären Armee. Die türkischen Commissäre sind auf Kreta eingetroffen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die versöhnlichen Vorschläge, deren Ueberbringer sie sind, werden angenommen werden.

Lokal-Rotiz

Gieße«, 24. Dec. Auf Wunsch Großh. Standesamts berichtigen wir unsere Notiz in letzter Nummer dahin, datz frag!. Tapetenwand nicht während der Trauung, sondern schon vorher heruntergefallen war. Die Ausschmückung bezügl. des Omens entstammte demnach der Phantasie unseres Referenten.

--Unsere Postanstalten haben für die Feiertage wieder übervolle Arbeit zu bewältigen gehabt. Datz dabet sehr schlecht geschriebene Adressen auch eine Hauptrolle spielen, zeigt folgende, welche an den richtigen Adressaten Gelangte. Dieselbe lautet: An Hern schen schall Neustadt in Gießen. Gewttz recht hübsch orthographtsch.

B erwischtes.

Berlin, 21. Dec. DerBerliner Börsen-Courier" schreibt in seiner heutigen Nummer: Trübseliger als jemals läßt sich im Hetlsjahre 1877 das WrthnachtSfkst an

wenigstens für die Geschäftsleute.Das eben ist der Fluch des bösen Krachs, daß er fortzeugend Böses mutz gebären" aus den schlimmen Verhältnissen heraus sind seit Jahren nur immer schlimmere entstanden und immer weitere Kreise haben die Verluste betroffen, welche der wirthschaftliche Rückgang seit dem Jahre 1873 verursacht hat-- Selbst unter den Woblsiiuirten, unter den Familien von solidem Retchthum gibt eS kaum eine, die nicht Verluste zu beklagen hätte und so ist es begreiflich, wenn die Ein­schränkung selbst zu einer Zett allgemein wird, in der sonst Jeder die vollste Freude am Geben Hai. So werden denn die Gaben auf's Aeußerfte beschränkt, da, wo früher ein prächtiges Geschenk die Lust am Geben bekunoete, da muß heute irgend eine kleine Auf.nelksamkett genügen In unserer mittleren und niederen Bevölkerung aber ist die Möglichkeit, tiefer als sonst im Jahre in die Tasche zu greifen, thetls bis auf's Aeußerfte beschränkt, theilwetse überhaupt geschwunden. So ist es denn erklärlich, wenn n den Läden kaum die Hälfte der Käufer zu erblicken ist, die sonst in der letzten Woche vor Weihnachten sich an den Ladentischen drängen, datz die Geschäfte trotz Weihnachts­zeit und trotz der Anstrengungen die sie gemacht haben, leer stehen, daß trotzdem seit Jahren zum ersten Mal klare und milde Winttrtage den Weihnachtsmarkt begünstigen, auch hier die Zahl her Käufer eine außerordentlich geringe ist, auch hier die Verkäufer über die Noth her Zeit die bittersten Klagen führen. Und doch haben sie so gut wie ein großer Thetl ihrer besser situirten Collegen, die hinter großen Spiegelscheiben um tn glänzenden Läden ihre Waare feilbteten, auf die Zeit gerechnet, da das Christkind- lein Jedem seinen Wunsch bescheert und wie sie hofften so auch ihnen den Wunsch erfüllen würde, endlich einmal ein zahlreiches, kauflustiges Publicum bei sich zu sehen, endlich einmal inmitten dieser trübseligen Zeit ein leidlich gutes Geschäft zu machen- Wenn man da an die Weihnachtszeit tn den Jahren 1871, 72 ja selbst noch an die in den ersten Jahren nach dem Krach denkt! . . . Ja, es ist eben viel anders geworden tn der Welt seit vier oder fünf Jahren." Leider sind die Verhältnisse im ganzen deut­schen Reiche keine besseren, als wie sie uns in Vorstehendem geschildert werden. Möchte uns doch das kommende Jahr eine Wendung zum Besseren bringen!

Eingesandt.

Gestern fand in Leib's Local das von den Solisten der ehemaligen Parlow'schen Capelle annonctrte Concert statt. Es war wirklich überraschend, für ein so billiges Entree einen so genußreichen Abend zu haben. Sämmtliche Solo-Vorträge wurden präcis und wirklich virtuosenhaft ausgesührt und mit reichlichem Beifall belohnt. Be­sondere Erwähnung verdient der noch so jugendliche Harfenvirtuos Herr Dey er berg, welcher sich uns auf seinem Instrument wieder als einen tüchtigen Künstler documen- Itrte. Wir verfehlen nicht die Leser auf das am zweiten Feiertag im Prinz Carl stattfindende Concert aufmerksam zu machen, indem das vorliegende Programm unS die Gewißheit gibt, einen seltenen musikalischen Hochgenuß zu haben.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 22. Dec. Der heutige Heu-und Stroh-Markt war mittelmäßig be­fahren. Heu kostete je nach Qual, per Ctr. 2.202.60, Stroh per Ctr. JL 2.302.66, Butter im Großen das Pfund l.Qual. JL 1.30, 2. Qualität 1.1520, im Detail 1 Qual. 1.50, 2. Qual. <X 1.40. Eier, das Hundert JL 8.50, frische 10.50. Weißkraut der Centner JL 2.503. Kartoffeln J4 7 per 100 Kilo. Fleischpreise: Ochsenfleisch per Pfd. 75 Kuhfletsch 54 H, Rindfleisch 55-60 H, Kalbfleisch 6570 H, Schweine­fleisch 7080 Hammelfleisch 55-63 H. - - Buchenscheitholz per Quadrat-Meter utl 12.55, Tannenholz per Quadrat-Meter JL 8.55 Buchenscheitholz geschnitten per Centner JL 1.7590. Tannäpfel per Hectoliter 60 H. Gänse das Pfd. im Durch­schnitt 80

Am dritten Weihnachtstage, den 27. December, wird altkatholischer Gottesdienst Morgens um SV2 Ufor in der Hospitalkirche hierselbst gehalten werden.

Der altkatholische Kirchenvorstand.

Allgemeiner Anzeiger.

Das Register über die direkten Steuern für das Jahr 1878 liegt 8 Tage lang auf dem Bürgermeisterei-Büreau zur Einsicht der Jntereffenten offen.

Gießen, den 24. December 1877.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

7199)____________________ Keller, Beigeordneter.____________________________

Hekamllmachung.

Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt und zwar:

Donnerstag den 27. December 1877,

Samstag 29.

sowie:

Mittwoch den r. Januar 1878,

Donnerstag 3.

L-amstag5.

Dienstag 8.

Mittwoch 9.

Donnerstag 10.

Lamstag 12

Dienstag 15. ,,

Mittwoch 16. ,,

Donnerstag 17.

Samstag 19.

Die Jnteresftttten werden daher auf­gefordert, die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vor­zeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.

Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses tn ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 29. November 1877.

Der Rechner der Spar- und Leihkasse: ____ Kehr.____

SeUgcvotrnes.

7195) Ein Wohnhaus in der Wolken­gasse C. 96 zu verkaufen. Zu erfragen

Löwengasse 117.

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Sonnenstraße 57.

Mr Eiskeller.

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Frankfurter Hof.

Erlanger Bier von der Brauerei Erich im Zapf.___________(7196

Meinen

Cigarre ^verkauf bringe in empfehlende Erinnerung, mit dem Bemerken, daß dieselben in sehr guter Waare zu äußerst billigen Preisen ver tauft werden. (7198

J. Rothenberger, Lindenplah.

Guten natürlichen Rheinwein per Liter 80 Pf. empfiehlt (7193 O* Roth, Neuen-Bäuen.

Apfelsinen ä 12 und 15 H empfiehlt (7129 Gg. Wilh. Werdig.

Sauerkraut per Pfd. 12

Gurken per Stück 3 und 4 H billigst bei (7080

Carl Roloff, Brandgasse.

Die Wei Behandlung

von Emil Schmall (Frankfurter Hof)

empfiehlt: «M.

Wachenheimer, . . per Liter . . . . 60

Deidsheimer, . . . .... 90

Ungsteiner, .... .... 1 20

Rüdesheimer, . . . Flasche.... 1 20

Moselwein, . . ... 1 40

Bordeaux-Medoe, . incl. Glas 1 20

St. Julien, 1 70

Ferner: moussiiende Rhein- und Moselweine von 3 an per Flasche.

Malaga-Madeira und alten Cognae billigst.

Frische Schellfische

treffen heute und bis Mittwoch ein.

M85) 3* A. Busch Söhne.

Neujahrs-Gratulations -Karten

in großer und reicher Auswahl

7182) bei KlCC} neben dem Rathhaus.

Geschäfts Cmpfehlnng.

Verehrlichem Publikum diene hiermit zur Nachricht, daß sich daS zwischen Hess und mir gemeinschaftlich betriebene Geschäft aufgelöst, und ich ein solches in meinem eigenen Namen weiterbetreiben werde.

Indem ich reelle und prompte Bedienung zusichere zeichne achtungsvoll

Wilhelm Müller, Schreiner.

NB. Mein Geschäftslokal befindet sich im Hause des Herrn J. Strack, meine Wohnung dagegen in dem Hause des Herrn E. Pitthan, Wallthorstraße.