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Mittwoch, den 25. April
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Abends fand eine gemüthliche Zusammenkunft mit Concert statt. — Es würde zu weit führen, wollten wir auf die einzelnen Vorträge näher eingeben, und bemerken nur, daß allen Mitwirkenden der wohlverdiente Beifall in reichstem Maße zu Theil wurde.
Ans Rheinhessen. Der Kreistag des Kreises Bingen hat einen principieü wichtigen Beschluß gefaßt. Gestützt auf das durch die Landgemeinde- Ordnung nicht aufgehobene Gesetz vom 8. Mai 1852 hatte der Tabaksfabrikant Gräff in Bingen als Höchstbesteuerter Sitz und Stimme im Gemeinderath be- gehrl und durch Regierungs-Verfügung erhalten. Die ultramontanen Väter der Stadt sind nun, anscheinend aus öconomischen Gründen, gegen die von der Negierung als höchst wünschenswerth beschloffene Erweiterung der dortigen Realschule. Für die Sitzung, in welcher über die Regierungs-Vorlage beschlossen werden sollte, wollte Herr Gräff von seinem Rechte Gebrauch machen in dem Sinne, womöglich einen culturfcindlichen Beschluß zu verhüten. Der Gemeinderath aber beschloß in Anwendung der Vorschriften des Art. 87 der Landgemeinde-Ordnung (welche sich lediglich auf die gewählten Mitglieder der Orts-Vorstände beziehen), Herrn Gräff wegen wiederholten Nicht-Erscheinens auf drei Jahre seiner Rechte und seiner Mitgliedschaft verlustig zu.erklären, schloß ihn aus und lehnte daun die Anforderung der Regierung zur Erweiterung der Realschule ab. Dieser doppelte Staatsstreich wurde auf Berufung des Gemaßregelten von dem Kreistag für nichtig erklärt und die Gemeinde in die Kosten verurtheilt.
Berlin, 21. April. Der Reichstag trat heute in die erste Berathung des Gesetz-Entwurfs, betr. die Erhebung einer Ausgleichungs-Abgabe von verschiedenen Eisen- und Stahl-Sorten, sowie dergleichen Fabrikaten ein. Handels- Minister Achenbach erklärte, der Entwurf bedeute in keiner Weise eine Umkehr i der bisherigen Zoll- und Handels-Politik, sondern solle Beschwerden aus den
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
Preic» vivrt.ljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Deutschland.
Offenbach a. M., 18. April. Am vergangenen Sonntag Nachmittag fand dahier eine Bezirksversammlung der altkatholischen Gemeinden und Vereine des Großherzogthums Hessen und der Provinz Hessen-Naffau statt, die s«hr gut besucht war. Es waren vertreten: Mainz, Worms, Wiesbaden, Hanau, Heßloch, Ober-Ursel und Offenbach und wohnten der Sitzung ferner die Herren Pfarrer Nieks (Heidelberg), Klein (Wiesbaden) und Steinwachs (Offenbach) bei. Unter dem Vorsitz des Stadtverodneten Weil von hier wur- den eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, von welchen die wichtigsten Anträge zur diesjährigen Synode (Einführung der deutschen Sprache beim Gottesdienst, Aufhebung des Cölibatszwangs u. s. w.) betreffen.
In der hierauf stattgehabten öffentlichen Versammlung hielt Herr Prof. Dr. Keller von Mainz einen höchst interessanten Vortrag über: „die religiössittliche Bildung der Jugend", der von dem Auditorium mit reichem Beifall belohnt wurde.
Ferner sprach Herr Pfarrer Rieks in seiner bekannten schneidigen Weise über die neueste Broschüre des Bischofs v. Ketteler, der sich trotz seiner Behauptung, es lohne nicht der Mühe, sich noch viel uni die Altkatholiken zu kümmern, und trotzdem die ultramontanen Blätter stets von Wuihausbrüchen gegen dieselbe strotzen, veranlaßt fand, eine 40 Seiten starke Broschüre gegen diese bösen Menschen zu schreiben, welche, nebenbei bemerkt, wohl zu dem Schwächsten gehört, was aus der Feder Sr. bischöflichen Gnaden geflossen ist.
_ Nach der darauf folgenden Rede des Herrn Lehrer Hoffmann von hier schloß der Vorsitzende die Versammlung, nachdem er das Benehmen eines von Mainz delegirten römischen Kaplans gerügt hatte, der sich durch unanständiges Lachen und laute Bemerkungen ausgezeichnet hatte. Es freut uns, constatiren zu können, daß sich die Versammlung diesen Provocationen gegenüber vollständig ruhig verhielt.
die Unterstützung anderer Staaten, wie Belgien und England, welche durch dieselben Uebelstände litten, für sich haben werde. Es handle sich diesmal um Ausgleichung, nicht um Retorsion. Seit den letzten Debatten über diese Dinge habe sich die Lage wesentlich verschlimmert. Das Uebel sei so gestiegen, daß ein Tropfen genüge, das volle Maß überlaufen zu machen. Da sei es die Pflicht der Regierung, der Concurrenz des Auslandes die Spitze zu bieten. Die Abnahme der Eisen-Ausfuhr aus Frankreich beweise nichts, selbige entspreche nur der allgemeinen Abnahme der Production. Man müsse den Muth haben, wenigstens Schritte zu thun, um die schwere Lage der Industrie erleichtern und erträglich zu machen. „Ich bitte, die Vorlage wenn Sie es den verbündeten Regierungen möglich machen wollen, und schwer empfundene Uebelstände zu beseitigen."
Berlin, 23. April. Die russische Negierung hat hier
Wunsch ausgesprochen, daß bei dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen Rußlands zur Pforte sich die deutsche Vertretung in der Türkei der Wahrnehmung der russischen Interessen unterziehen möge. Diesem Ersuchen ist mit größter Bereitwilligkeit entsprochen, und sofort der deutsche Geschäftsträger in Konstantinopel für sich und sämmtliche in der Türkei functionirenden deutschen Cousulate mit der nothwendigen Ermächtigung versehen worden.
Wiesbaden, 22. April. Der Kaiser ist heute Morgen um 9 Uhr hier eingetroffen. Zur Begrüßung Sr. Majestät hatten sich am Bahnhof eingefunden : die Großherzogin von Baden, der Landgraf von Hessen, die Gräfin Fürstenberg und die Spitzen der Behörden. Se. Majestät fuhr durch die festlich beflaggte Stadt nach'dem Schlosse. Trotz des starken Schneefalls hatte sich eine große Menschenmenge zur Bewillkommnung eingesunden.
Wiesbaden, 23 April. Der Kaiser hat gestern den hier wohnenden Fürstlichkeiten Besuch abgestattet und Abends der Theater-Vorstellung beige« wohnt. Heute nahm Se. Majestät die Vorträge des Civil - Cabinets und des Vertreter des auswärtigen Amtes, v. Bülow, entgegen; am Abend ist Besuch des Concertes im Theater beabsichtigt, worauf Serenade und Beleuchtung des Schloßplatzes stattfinden wird.
m t Gießen, den 21. April 1877.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes über das Besteuerungsrecht der Kirchen- und Religionsgemeinschaften.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
(in die Großherzoqlichen Bürgermeistereien.
Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung vom 25. Januar 1877 — Anzeiger No. 23 — binnen 14 Tagen.
________________________________ v. Röder.
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Hesterreich.
Wien, 23. April. Im Abgeordnetenhause legt der Finanz-Minister die auf den österreichisch-ungarischen Ausgleich Bezug habenden Gesetz-Entwürfe vor. Giskra, Herbst und Genoffen interpelliren die Regierung, ob dieselbe in der Lage wäre, über die Haltung der Monarchie beim Ausbruche und im even- s tuellen Verlaufe des russisch-türkischen Krieges Auskunft zu ertheilen ? Bejahenden Falles, welche Ziele und Zwecke werden' von der Regierung in's Auge gefaßt und wie gedenkt sie dieselbe zu erreichen?
Pesth, 23. April. In der gestrigen Partei-Conferenz kündigte Minister Tisza für heute die Vorlage der Ausgleichs-Gesetze an. Ausgenommen von letzteren sind die Zoll-Tarife, welche wegen der schwebenden Verhandlungen mit Deutschland noch nicht perfect sind.
— Die Regierung bringt im Unterhause die Ausgleichs-Gesetze mit Oesterreich ein, und fügt hinzu: daß hierdurch keinerlei Recht Ungarns preisgegeben und eine wesentliche Verbesserung der Finanzlage zu erwarten sei.
Frankreich.
Paris, 20. April. In den hiesigen osficiellen Kreisen herrscht fortwährend die Befürchtung, daß der Krieg zwischen Rußland und der Türkei ein allgemeiner werden könne; die heutige Abendbörse dagegen war etwas beruhigter, da sehr „wohl unterrichtete" Finanziers versicherten, daß noch Wochen vergehen könnten, ehe der Ausbruch der Feindseligkeiten zu befürchten sein würde.
Paris, 21. April. Da die Türkei nach der russischen Kriegserklärung den heiligen Krieg proclamiren will, so sind die hiesigen osficiellen Kreise nicht ohne Befürchtung wegen der Haltung der Muselmänner in Nordafrtka. Auch an Geld wird es, wenigstens in der ersten Zeit des Krieges, der Türkei keineswegs fehlen; denn die ganze muselmännische Welt wird zu einem heiligen Kriege Geld beisteuern; auch würden im Nothfalle die drei Schätze, von denen sich der eine in Mekka befindet je nach den Bedürfnissen zur Verfügung des Sultans gestellt werden. Es ist die Rede von der Errichtung eines französischen Consulats in der russischen Hafenstadt Poti. Man hat'dabei hauptsächlich die bevorstehenden kriegerischen Ereigniffe in Asien im Ange.
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IllSO»* , f,tMl 0(1 oi^engen uno yanvrlS-Politik, sondern solle Beschwerden aus den I»’ Ogitr mJ «elfen der Industrie Vorbeugen und ein Stützpunkt für die bisherige Zoll-
. ,’lACT" Politik werden. Die Vertheidiger der Vvrlagc hätten allerdings keinen leichten
tc «t-nd, da dieselbe von den Schutzzöllnern wegen ihres provisorischen Charak-
_p ^rs, von den Freihändlern hingegen darum verworfen würde, weil sie darin i q116 Ümfetyr ^er Zoll-Politik sähen. Die frühere Vorlage wegen der Retor-
Y sions-Zölle habe constitutionelle Bedenken wachgerufen; bei dem jetzigen Ent-
vV&6m «AttlkW '' (1^* ^blen diese fort, da dieser sich nur auf Eisen erstrecke. Er richte sich ' „n <0. _ ai1^ Eeseitigung gewisser Uebelstände in Frankreich, wobei man gewiß!
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