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2<o. 19S. Freitag, den 24 August 1872.

Kichener 'Anzeiger

Anffige- unii Amtsdlatt für den Kreis Gießen.

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" A ml kicher Jheit.

Gießen, am 22. August 1877.

Betrefsenb: Die Errichtung und Einrichlung b-r Fortbildungsschulen. <-,*, ~

Die Großhmoglichc Krcis-Schul-Commlssn,» Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir erinnern Sie unter Verweisung auf § VI des Ausschreibens Großherzoglichen Minist^iums des Innern, Abtheilung für Schulangelegenhetten, vom 13. Juli 1875, daran, daß die Schülerverzeichniffe der drei Jahrgänge (1417) bis lum 1 September an uns einzusenden sind.

Dr. Boekmann.

Politischer H h e i l.

Ataliev

Rom. Der Papst hat durch eine Bulle, welche derOffervatore romano" am 16. d. publicirte, den heiligen Franz von Sales zum doctor ecclesiae ernannt. Für unsere Leser, die in der Kirchengeschichte nickt bewau- dert sind, fügen wir die Bemerkung bei, daß Franz von Sales, der bekannte Stifter des Orden« der Heimsuchung am 21. August 1567 geboren und am 28. December 1622 gestorben ist; von 1602 bis 1622 war er Bischof und Fürst von Genf. Die Erhebung zum Doctorat, die der Heilige natürlich mit Freude begrüßen wird, bezieht sich jedenfalls auf seine vor 310 Jahren am 21. August erworbene Weltbürgerschaft.

Nußland.

Petersburg. Ueber den bekannten russischen General Gurko bringt dieWiener Presse" folgende biographische Notizen: General-Lieutenant und General-Adjutant Joseph Wladimirovitsch Gurko stammt aus einer altadeligen russischen Familie; er wurde am 3. November 1828 geboren und trat in das kaiserliche Pagen-Corps. Nach Bändigung seiner Studien wurde er Officler beim Leibgarde-Husaren-Regiment Prinz von Hesien; später absolvirte er auch den Curs in der Generalstabsschule und kam 1852 zum Regiment Diebitsch als Capitän, mit dem er den ganzen Feldzug in der Krim mitmachte. Bei der Vertbeidigung der Belbek'schen Positionen zeichnete er sich besonders aus und bekam dafür den Wladimir-Orden 3. Klasse. Im Jahre 1861 wurde er Oberst und Commandant desielben Regiments. Im Jahre 1862 war er Mitglied der Commission zur Befreiung der Muschik und da er die letztere lebhaft befürwor­tete wurde er vom Kaiser in einem Handschreiben belobt und mit dem Annen- Orden 1. Klaffe ausgezeichnet. Im Jahre 1863 machte er den Feldzug in Polen mit und bekam den preußischen Rothen Adler-Orden 2. Klaffe. Im Jahre 1870 wurde er General-Major und Commandant der ersten Brigade der zweiten Garde-Kavallerie-Division. Im Jahre 1875 avancirte er zum General-Lieutenant und Commandanten derselben Garde-Kavallerie-Division. Gurko besitzt das Großkreuz des Franz-Joseph-Ordens, das ihm der Kaiser von Oesterreich bei Gelegenheit seiner Reise nach Petersburg verlieh. Beim Uebergang der Ruffen über den Balkan ernannte ihn Kaiser Alexander zu seinem General-Adjutanten. IHI .TT1,

Deutschland.

Darmstadt, 21. August. Durch den Einspruch gegen Moufang's Wahl hat der Kirchenconflict nunmehr auch in Heffen einen acuten Charakter angenommen. Man ist auf das weitere Vorgehen des Mainzer, Domkapitels iiicht wenig gespannt. Selbst wenn, was nach Lage der Verhältnisse wenig wahrscheinlich ist, ein anderer Bisthumsverweser gewählt würde, so würde auch von diesem die Negierung eine befriedigende Erklärung über strenge Befolgung der Staatsgesetze voraussichtlich nicht zu gewärtigen haben.

Nach dem nunmehr veröffentlichten Reiseprogramm wird Kaiser Wil­helm Sonntag den 23. September, halb 5 Uhr Nachmittags, von Karlsruhe kommend dahier eintreffen und Logis bei Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog nehmen. Montag den 24. September findet Exerciren der combinirten Ka­vallerie-Division unter General-Major v. Wichmann vor Sr. Majestät dcm Kaiser statt. Dienstag den 25. September, Vormittags, ebenfalls Exerciren der combinirten Kavallerie-Division, Nachmittags halb 4 Uhr, Abreise des serS nach Baden-Baden. t .

Berlin, 21. August. Den Berliner städtischen Behörden, sowie dem Polizei-Präsidium find von verschiedenen landwirthschaftlichen Vereinen Anträge auf Errichtung einer Controlstation für Lebensmittel zur Prüfung der Zuträg­lichkeit derselben für die Gesundheit und der dafür geforderten Preise zugegan- atn. Diese Anträge werden Berücksichtigung finden, und zwar m der Richtung, daß man sich dem beabsichtigten Normalstatut über die Einrichtung städtiicher Gesundheits - Aemter mit chemischen Versuchsstationen für Lebensmittel an- schließen, will.^ gonc^onbent fcer Times" in Konstantinopel verbreitet sich in einer langen D-p-sch- über die sog.Greuel-Frage." Er gelangt ,u der Schluß­folgerung, daß der Kriegein Bürgerkrieg der gegenseitigen Ausrottung ge­worden ist. und daß es nicht leicht ist zu sehen, wie nach demselben Christen und Muselmänner je wieder neben einander werden leben können.

Berlin, 21. August. Fürst Bismarck, welcher gestern Abend noch den Minister v. Bülow und den Gesandten v. Radowitz empfing, hat sich heute Nachmittag nach Babelsberg zum Vortrag beim Kaiser begeben.

Hesterreich.

Wien, 21. August. Aus der Türkei geht derPoilt. Corresp. die kurze aber inhaltschwer- Nachricht zu, daß die Urheber des Consul-Mordes! tn Salonichi freizelassen worden seien. Wenn diese Nachricht sich bestätigen sollte. , so wäre dies allerdings ein schwerwiegender Beweis für das unqualificirbare . Spiel Pas in der Türkei mit den fundamentalsten Grundsätzen des europäischen Völkerrechts getrieben wird. Man fühlt sich fast versucht zu fragen , ob denn die ottomanischen Behörden so gänzlich baar jeder Einsicht und Ueberleguug sind, daß sie sich die hochernsten Folgen nicht klar zu machen vermögen, we ch- durch derartige, das Hereinbrechen der Anarchie geradezu provocirende Vor- kommnifie für die innere Lage der Türkei - »m zunächst nur d e,en Gesichts­punkt hervorzuheben erwachsen müssen. (Diese Nachricht klingt ungenau. Bkkanntlich wurven doch die Urheber, 6 an der Zahl, kurze Zeit nach dem Austrit^gch^ngll i D-^Red.) melbct au# Belgrad: Die Mini-

sterkiisis ist beendigt, indem Stewtscha Mihallovics Minister-Präsident.bleibt und während seiner fünfwöchentlichen Beurlaubung nach Mar,enbad und Ostende durch Ristics vertreten wird. Die Beseitigung der Krisis trat in Folge Inter­vention des Fürsten ein. - Das Kriegs-Ministerium etzt die Vorbereitungen zur Action gegen Osten und Süden hin fort. In Regierungskreffen behauptet man, Oesterreich werde gegen Serbien« thätiges Eingreifen kein Veto einltflen. - Derselben Zeitung wird aus Bukarest berichtet: Rußland erklärte neuerlich osficiell, daß es an Serbien keinerlei Ansinnen wegen einer Action gestellt habe.

England

Malta, 21. August. Die englischen Kriegsschiffe »Wye" und »Hol' spur" sind hier -ingetroffen und alsbald zum Geschwader in d-r Besika-B y wkitergegangen. Das PanzerschiffAgincourt ist glUchfalls nach der Befika Bav abgesegelt. Daff-lb- nahm Handwerkszeug für Schanz-Arbeiten in einer für 400 Sappeur-Genie-Truppen ausreichenden Menge mit.

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel, 21. August. Der Minister der auswärtigen Ange­legenheilen bat an die Vertreter der Pforte im Auslande folgende Depesche gelange^laffn>l. m^ Suleiman Pascha's vom 15. d. meldet, daß eine tür­kische Abtheilung von Eclaireurs in dem Dorse Jffchanly mnhamedanische Frauen und sogar eine große Anzahl Kinder unter fünf Jahren »fand, >veiche von Bulgaren gefangen gehalten wurden- Die Bulgaren hatten bie ge(aintnte männliche Bevölkerung, sowie ein- Anzahl von Frauen maffacrirt- Verschont wurden nur einige junge Frauen und Mädchen, welche »^wungen wurden, Kleidung der Christen anzulegen. Die bisher gefangenen Frauen und Kinder wurden auf fünfundzwanzig aus dem Hauptquartier herbeigeschaffte Wagen so­dann nach Haimkem transportirt, woselbst st- Nahrung und Unterkommen ge­funden." Ein weiteres Telegramm Suleiman Paschas berichtet, daß an dem­selben Tage nach d-r Umgegend von Kasanlyk dirigirte Eclaireurs bei d Dorfe Ma glas eine Anzahl Bulgaren antrafen, welche angegriffen und geschla­gen wurdew Dieselben flohen in die B-rge und ließen t«anrig der Ihrigen auf dem Kamvivlade zurück. Als di- Abtheilung Eclaireurs in das Dorf -in- trat, fand sie daselbst hundert muselmännische Frauen und Kinder von zartem Alter, welche nach dem Hauptquartier mitgenommen wurden, Eme Anzahl von über hundert Frauen war außerdem in einem benachbarten Kloster von den Bulgaren -ing-sp-rrt worden. Da die Eclaireurs davon b^-chrich.igt wurden, so erwarteten sie Verstärkungen und marschirten sodann nack l-n'-n diese Unglücklichen zu befreien. - E,n drittes Telegramm Sul-.-nan Pascha s, datirt vom 16. d. Mts., meldet folgende Tbatsachen, welche durch eigene Au- schannnq Seitens eine« höheren englischen M rriue-Osficiers, der die Armee bis Hainbvghaz begleitete, constatirt worden sind. 120 muselmännische Einwohn r be« Dorfes Jffchanly ftnb von Kosaken unb Bulgaren maffacrirt N o.ben. Unter den Tobten bemerkte man eine junge muselmännische Frau von beso -