Ausgabe 
24.3.1877
 
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.. k: Vnb die letzten sechs Jahre haben gezeigt, wie ernst es unser Kaiser

mlt diesem Gelodniß genommen. Umgeben von erleuchteten Rathen hat er unausgesetzt dem Wohle deS Volkes seine ungebrochene Kraft gewidmet. Wenn wir sehen, wie in dncr rurjcn Spanne Zett die Reichsgesetzgebung daS unter schweren Opfern geknüpfte Band untrer politischen Einheit gefestigt hat. dann wissen wir nicht, sollen wir in unserem ehrwürdigen Kaiser mehr 6en siegreichen Heiden ober mehr den unermüdlichen «rbelter im Dienst deS Staates bewundern, der stetS bereit ist, persönliche Wünsche und Neigungen zum Opfer zu bringen, wenn eS daS Wohl des Vaterlandes erheischt.

So steht denn unser Kaiser Wilhelm da, ein leuchtendes Vorbild selbstloser Pflichterfüllung, bewundert von der ganzen Welt, heiß geliebt von der Nation.

M- H.! Der heutige Tag ist der zweite Gedenktag, den da» Jahr 1877 uns in Ccjug auf die Person des Kaisers gebracht hat- Denn am 1. Januar l. I. waren eS ftebenzig Jahre, seit der Kaiser der Armee angehört. Den Toast, der an diesem ersten Gedenktage der deutsche Kronprinz auf die deutsche Armee brachte, beantwortete unser Kaiser mit den Worten:

Und ich trinke auf das Wohl deS Volkes, aus dem daS Heer beroorae« gangen ist." u

_ M. H.! Erwidern wir heute diesen kaiserlichen Trinkspruch, indem wir rufen Se. Majestät Kaiser Wilhelm der Siegreiche lebe hoch!"

belgische Kapitalistengefellschaft bereit erklärt hat, für die Lenne-Lahn Dill-Bahn sechs und eine halbe Million Mark zu zeichnen, unter der Bedingung, daß der Staat die bereits zugesicherten drei Millionen Mark Subvention zahlt und die früheren Zeichnungen bestehen bleiben. Diese Nachricht wird unfern Comitee-Mitgltedern in Erntebrück, Womelsdorf rc. gewiß eine rechte Osterfreude bereiten. Hoffen wir, daß Alles jetzt zur endlichen Vollendung der lang er­sehnten Bahn Hand an^s Werk legt.

Hesterreich.

Wien, 21. März. DiePolit. Corresp." meldet aus London von heute: Bis gestern Abend war eine Verständigung über das Protokoll noch nicht erzielt. Trotz der abmahnenden Haltung der britischen Preffe glaubte das britische Cabinet dennoch eine Erwähnung der Demobilisirung der russischen Armee in das Protokoll aufnehmen zu sollen. Rußland ist zwar nicht princi- piell gegen das Aussprechen der Zusicherung, daß es zur Demobilisirung schrei- ten werde, meint aber eine solche erst nach dem Perfectwerden des Protokolls abgeben zu können. Dieser Differenzpunkt ist der Grund des Aufschubes der Unterzeichnung des Protokolls von Seiten Rußlands und Englands. Nach der Begleichung dieser Differenz werden die andern Großmächte auch erst dann das Protokoll unterzeichnen, wenn sie von dem Wortlaut des Protokolls Kennt- niß erhalten haben.

Wien, 21. März. In der ersten ordentlichen Sitzung des türkischen Parlaments sollen Deputirte von Konstantinopel, Bruffa und Jerusalem, den Antrag auf Erlaß einer Adreffe als Antwort auf die Thronrede stellen, um darin den Dank für die Gewährung der Verfaflung und Wünsche für die Er­haltung des Friedens auszudrücken. Einer Moskauer Meldung derPreffe" zufolge hat das slavische Wohlthätigkeits-Comit6 beschloffen, falls die Feind­seligkeiten wieder eröffnet würden. Montenegro nach Bedarf und Möglichkeit zu unterstützen und dem General - Consul Ionin in Ragusa sogleich für alle Fälle eine Unterstützung von 20,000 Rubel zu übersenden. Ein Konstan­tinopeler Brief derPolit. Corresp." schreibt: Der Name Midhat's ist auf Aller Lippen. Sowohl die Mohamedaner wie Andersgläubige sagen, es gebe keinen anderen Menschen als ihn, der das Land aus der kritischen Lage retten könnte; man wird sonach gar nichts Erstaunliches darin finden, daß der Sul­tan, wenn es der Bevölkerung in Stambul gelingt, Mahmud Damat Pascha zu stürzen, Midhat zurückberuft und neuerdings mit der Leitung der Staatsge­schäfte betraut.

Frankreich.

Pari-, 21. März. Der Amnestie-Antrag der Radicalen soll noch vor den Oster-Ferien eingebracht werden. Ein Kammer-Conflict bezüglich des Armee-Gesetzes wegen der Unabhängigkeit der Intendantur vom Ober-Com- mando wird erwartet. Die neueren Berichte aus Konstantinopel lauten weniger friedlich; eine innere Krisis ist in Aussicht. Das Protokoll ist noch nicht definitiv.

Pari-, 21. März. General Bourbaki ist nach Lyon zurückgekehrt, wo eine Untersuchung wegen internationaler Umtriebe etngeleitet ist. DerEsta­fette" zufolge ist Oberst Tezenas zum Berichterstatter über den Laisant'schen Antrag ernannt worden. Der Beschluß der Commission lautet auf Erhaltung des Status quo.

Pari-, 22. März. Die Commission der Deputirten-Kammer der Vor- berathung des Antrages ßaiftnt, betr. die militärische Dienstzeit der Freiwilli­gen, beschloß, bei der Kammer die Beibehaltung der einjährigen Dienstzeit zu beantragen.

Vermischtes.

Herborn, (an der Köln-Gießener Eisenbahn), den 22 Marz 1877. Auf den Mutigen hiesigen Markt wurden gebracht: 359 Ochsen, 289 Kühe und Rinder 678 vchweine. Der nächste Markt ist am Montag, den 9. April I. IS.

..Wickrath, 9. März, «l« gestern Abend der (Kolporteur der Gladb. Zla. für Odenkirchcn, Wickrath u. |. w. mit dem um 10 Uhr 6 Minuten von hier abgehende, Zuge nach Erkelenz fahren wollte, wurde daS Eoup6 in dem Augenblicke, w, er in ba,felbc emstleg, von einem anständig auSsehenden Frauenz mmer verlassen. Nachdem der Zug sich in B-wegung gesctzl hatte, börte der Colpsrteur ein leises Gewimmer. Er durchsuchte das Coupä und fanb unter einer Bank ein vielleicht 8 Tage alles Knäülein, eingewickelt in em Stück von einer Pferdedecke und ein Frauenmäntelchen. Er übergab dasselbe dem BahnhofS'Jnspektor in Erkelenz, der dadurch in nicht geringe Verl« txv leit gerieth. denn m seiner amtlichen Eigenschaft fehlten ihm jedenfalls alle Jnftiuc- tivnen für einen derartigengefundenen Gegenstand', während etz ihm in feiner E gen- [<?aft il« Junggeselle gewiß zum ersten Mal passirte, daß er mit einem solchen Ange­binde überrascht wurde. Glücklicher Weise fand sich ein Postbeamter, der das Kind seiner Frau zur Pflege übergeben wollte. Die polizeilichen Nachforschungen sind einge- lcitet: bis jetzt ist nur ermittelt worden, daß das betreffende Frauenzimmer in Neuß eivgeftiegen fein soll.

England

Lorrdon, 20. März, Nachts. Im weiteren Verlaufe der Sitzung des Unterhauses stellte Aorke den Antrag auf Ernennung einer Commission zur Untersuchung der Usancen der Londoner Börse; obwohl der Schatzkanzler North- cote den Antrag bekämpfte, wurde derselbe doch vom Hause angenommen.

Das Cabinet hält heute Berathung über den Protokoll-Vorschlag be­züglich der orientalischen Frage. Wie es heißt, hätte Rußland für den Para­graphen. betr. die Ausführung der Reformen, in welchem von dem Actions-Modus die Rede ist, die Faffung vorgeschlagen: die Mächte einigen sich, -um auf die Ausführung der Reformen zu bestehen.

London, 21. März. General Jgnatieff kehrte heute von Hatfield, dem Landsitze des Marquis Salisbury, hierher zurück, speist Abends bei Lord Beaconsfield und wird morgen Vormittag nach Paris abreifen.

DemReuter'schen Bureau" wird telegraphisch auS Washington ge­meldet : Da- Cabinet hat beschloffen, den Congreß zu einer außerordentlichen Session auf den 4. Juni einzuberufen. Daffelbe beabsichtigt ferner, eine Com- miffton von hervorragenden Staatsmännern nach Louisiana zu entsenden, um sich über die Lage zu informiren, bevor es seine definitive Entscheiduna bezüg­lich des dortigen Conflictes trifft.

Türkei.

Konstantinopel, 20. März. Nach Verlesung der kaiserlichen Thron­rede bei der gestrigen Eröffnung des Parlaments begrüßte Savfet Pascha im Auftrage des Sultans die anwesenden Mitglieder des diplomatischen CorpS, um denselben für ihr Erscheinen zu danken. Savfet Pascha schloß mit den Worten: Sie haben die Absichten Sr. Majestät des Sultans vernommen, welcher keine bestimmteren Versicherungen über seine aufrichtigen Jntensionen, das 8oo6 der Bevölkerung zu verbessern, geben zu müssen hofft.

Konstantinopel, 21. März. Die montenegrinischen Abgesandten wur­den durch eine Depesche des Fürsten benachrichtigt, daß derselbe auf verschie- bene der bisher gestellten Forderungen, wie auf die Abtretung des Hafens Spizza und rechten Moracza-Ufers verzichte, und außer den bereits von der Pforte zugestandenen Gebiets-Abtretungen nur noch an der Einräumung der D'stricte^Niksic, Kuni und eines Theils von Kolacie festhalte. Der Abtretung von Waffoj.vitz an die Türkei könne der Fürst nicht seine Zustimmung geben und beharre auf der Bedingung hinsichtlich der freien Schifffahrt auf dem Bojana - Fluß, verzichte hingegen auf die Abtretung der Inseln im See von ^Lkutari. Nachdem heute diese reducirten Bedingungen von den montenegrini­schen Bevollmächtigten an Savfet Pascha mitgetheilt waren, wurden solche vom Ministerrathe in Berathung genommen. Man versichert, die Regierung werde auf ihrer Weigerung, Niksic abzutreten, beharren und diesen Beschluß durch Savfet Pascha den montenegrinischen Unterhändlern mittheilen lassen.

Lokal - 9k otiz.

1 ~ , Äußerl, 23. März^ Die Feier deS Geburt-festes unseres Kaisers verlief, in : Folge Wegfalls der militärischen Feftlichkciten, veranlaßt durch die Landestrauer, riem- i *.as Banket im W-nzcl'fchen Garten war aber trotzdem sehr besucht und

dcrrschre dort enie recht fröhliche Stimmung und wurde manches Glas auf das Wobl- ergehen deS hochverehrten HeldenkaiferS geleert. Wir bringen nachstehend die Ansprache mlli* i »k t M Vereins der nationalen und liberalen Partei, Herr Hof«

gerichlS-Ädvokat ve Dlttmar die Feier eingeleitet hat: V y '

'M'H'' Nicht um einem Brauch der Unterthanen-Höflichkeit zu genügen, son­dern dem Drange eines patriotischen HerzenS folgend, haben wir uns heute in diesen i b'n ^""en des Reichs geschmückten Räumen versammelt, und allüberall in beut» eiViflungn*Cn Ü^rt ^eUtC C " Elches Herzensoedürfniß die Patrioten zu gleicher Ver« nur unserer Freude darüber Ausdruck zu verleihen, daß Kaiser m ,bAUI? bXt Oe/L Voriehung mit dem yeulisen Tage ein Lebensalter er- rcl<bt, "Elches nur wenigen Sterblichen zu erreichen vergönnt ist, sondern auch qeua« beseelt" Dankbarkeit abzulegen, welche uns in diesem denkwürdigen Momente

Wer vor kaum elf Jahren verkündet hätte: Am 22. März 1877 wird die deutsche Nation den achtzigsten Geburtstag ihres Kaisers feiern: Würde man ihm nicht wie ^<n Fl° mCACU beflC6net sein? Und wahrlich, wer nur das Stück deutscher Geschichte von der Gründung deS deutschen Bundes d.S vor Beginn de« unser Vater« 1866 ^®eVn ?°nn Crl?fenAen deutsch-österreichischen Krieges deS JahreS

. haft ? e man/3 °erargcn, wenn ihm auf den Trümmern der

edelsten und besten Bestrebungen der Glaube an eine glückliche Zukunft unseres «ater« a"öeö ?f<rLOr?n gongen war. Wir aber, die wir die wunderbaren Fügungen der T et! ^a^rc -IPllAucL m degnadet waren, wir dürfen und müssen erkennen, daß, wie in dem Haushalte der Natur, so auch in dem Entwickelungsgange der Geschichte keine Ki ast verloren gehr. Und eine Kraft, deren erster Keim nun Jahrhunderte hinter unS e-^rnI? tU??r ab2r Susammentraf mit der Wiedergeburt Deutschlands,

^.daS Herrschergeschlecht, dessen ruhmgekroniem Oberhaupt wir durch unsere heutige Dank und Ehre bezeugen wollen. Ereignisse, die den Zeitgenosse a?s Spiel d?! Zufalls erscheinen mußten, haben sich uns jetzt erwiesen als Bausteine, welche die Vor« Mung bei dem Aufbau unseres nationalen Gemeinwesens an die richtige Stelle ein» .. 3t mehr bie Macht des heiligen römischen Reichs deutscher Nation dahin- schwand, desto kräftiger rang sich das Furstengeschleckt empor, daS nunmehr der Träger der Kaiserwürde ist. Was aber hat die schwäbischen .Grafen von Zollern' zu Burg. iu/ur!üV,fn.°°£n Brandenburg, zu Königen von Preußen g?« macht? 3brc mit ritterlicher Heldenkraft gepaarte klare Erkenntniß und ebele Auf« schweren Berufs derer, die zum herrschen bestimmt sind. Mil siegreichem

cro m. «cn 5®d.^en Vr ^uItur ^at bad Geschlecht der Hohenzolleru autz der veröveten Mark Brandenburg heraus den Kern gebildet, um welchen sich der deutsche Staat der Gegenwart kiystallisiren konnte.

, L?ch will meine Regierung so führen, daß ich mir sagen kann, sie ist nicht meine Privatangelegenheit, fonbrrn die Sache meines Volke-' das war der Wahr« ra«/ Kurfürst vor nunmehr fast zweihundert Jahren seinen Söhnen

m ®erm16nie -Ich dt« bet erlittener des Staate«', da« .obren die

uuäVeärma*! °fegte ekt 6cc ®re8c seiner Regententugend ein unoergLngitches Ruh.

Und da» ist der Geist, der nuch unteren Kaiser Wilhelm und mit ihm unser Vaterland groß gemacht hat. * '

Wohl Zählt die preußisch-deutsche Geschichte Tage, in denen es dem Patrioten bange darüber werden konnte, ob die ruhmreichen Traditionen nicht verloren aeaanaen seien. Das waren insbesondere die Tage, an denen die Königin Louise, die Mutter unseres Kaiser-, sagte:Wir sind auf den Lorbeeren Friedrichs deS Großen einat- schlafen/' Ader gerade diese Fürstin war es auch wieder, die mit prophetischem Blick öie erhabene Mission erkannte, welche ihre Nachkommen zu erfüllen berufen waren. . Unser Sohn Wilhelm/ so schrieb sie einst an ihren Vater,wird, wenn mich nicht Alle- trugt, weJein Sater, einfach, bieder und verständig/' und tief niedergebeugt vo« Jen sKweren Schicksalsschlagen, welche unter dem gallischen Imperator da« Vaterland betroffen hatten, senkte sie in die jugendliche Brust ihrer Söhne den Gedanken an die «etreiunß deS Vaterlandes aus der Fremdherrschaft,vielleicht läßt sich Preußen, Schuhgeist auf Euch nieder, dann befreit Euer Volk" das war der Mabnruf der trauernden Königin an ihre Söhne.

Und zu welch' herrlicher Blüthe ist dieser Samen aufgegangen, denein guter Engel für die gute Sache", wie Theodor Äörn-r die Königin Louise einst nannte in das Herz ihres Sohne« gelegt hatte. Schon am 10. März 1814 schmückte die Brust unseres i^iflcn Kaiser- da« eiserne Kreuz, daS er sich im muthigen Kampfe gegen den Erbfeind errungen. Doch erst die Jahre 1870 und 1871 sollten die kühnsten Hoffnungen der Patrioten zur vollen Wahrheit machen Veistummen muß die Klage über unser Vaterland:Zum Kinderspolt hat Deiner Fürsten Zwietracht Dich herabgewürdigt" - seit am 10. Januar 1871 ein neuer Kaiser erstanden, ein Kaiser, der. nicht geblendet von kriegerischem Ruhme, sondern eingedenk der Segnungen des Friedens, der Nation das Wiedererstehen der Kaiserwürde mit dem Gelöbnitz verkündete:Allezeit zu sein Mehrer deS Deutschen Reich«, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." u