Ausgabe 
24.1.1877
 
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lasse die Geistlichkeit für die politische Auflösung wirken; daher nähmen allerlei Mißbräuche ihren Ursprung. Schließlich ersuchte der Minister das Hau-<, den Entwurf ohne Abänderungen anzunehmeu.

Kurland.

Petersburg. DerRegier. Anz" erkläit aus Grand amtlicher Nach- richten den Gesundheitszustand der in Bessarabien und zum Theil im Gouver­nement Podolien liegenden Truppen der activen Armee für ausgezeichnet. Epidemische Krankheiten feien nicht vorhanden. Der Procentsatz der Erkran- kungen bei den Divisionen schwanke zwischen 0,75 und 2 pCt. und bleibe im allgemeinen Durchschnitt unter 1 pCt- zurück Diese günstige Erscheinung laste sich bei Den ungemein strengen klimatischen Verhältnisten, unter denen Die Mo- bilisirung ausgesührt wurde, vorzugsweise durch die Maßregeln erklären, die zur Wahrung der Gesundheit der Soldaten ergriffen wurden. Warme Kleidung, verstärkte warme Kost, Branntwein-Rationen, welche von Zeit zu Zeit mit Lhee ab­wechseln, mäßiger Frontdienst und Uebungsmärsche Alles dies muffe dazu bei- trigen, die Gesundheit der Truppen zu bewahren, die in engen Quartiereii zusammenliegen, und zwar in einer Jahreszeit, welche für die Gesundheit am allerungünstigsten sei.

Petersburg, 22. Januar. Nach einem Telegramm desReg.-Anz." aus Kischenew vom 9./21. d. Mts. haben sich an diesem Tage im Hauptquar­tier der Bevollmächtigte der Gesellschaft deS rothen Kreuzes Abasa und fein Gehülfe Fürst Wolkowsky vorgestellt, um Instructionen zu empfangen, an wel­chen Punkten sanitätliche Hülfe am nothwendigsten wäre, im Falle der Krieg zum Ausbruch käme. Der Gesundheitszustand der Armee ist durchaus befriedi­gend. Obige beide Delegirte haben gestern die Spitäler besucht.

Türkei.

Koustautiuopel. Eirn osficiöse türkische Quelle gibt die Zahl der längs der Donau echelonnirten türkischen Truppen auf 129,850 Manu an, ohne indessen anzugeben, ob hierbei die Nichtcombattanten mitgezählt sind. Der Vice- König von Aegypten ist verpflichtet, der Türkei ein (Kontingent von 40,000 Mann zu stellen; da die Höhe der Pforte aber dermalen nur die Beistellung von 20,000 Mann begehrte, von denen nur 8500 an den Feldzügen in Serbien und Montenegro Theil nahmen, so ist an ihn die Aufforderung ergangen, Die noch fehlenden 11,500 Mann zur Absendung bereit zu halten, und man glaubt, daß dieselben binnen 3 bis 4 Wochen eintreffen werden.

Konstantinopel, 21. Januar, lieber die gestrige Sitzung der Con­serenz verlautet noch weiter: Nachdem General Jgnatieff seine Bemühungen zur Verhütung des Krieges dargelegt hatte, führte er in seinen Schlußworten aus, daß, wenn die Pforte jetzt eine Action gegen Serbien und Montenegro unternehmen würde, oder wenn die christliche Bevölkerung fernere Leiden zu erdulden hätte, so würde Europa davon Kenntniß nehmen. Endlich erwähnte Jgnatieff auch noch, daß die Mitglieder der Conferenz eine Petition von christ­lichen Bewohnern Macedoniens, Epirus, Thessaliens und Kretas erhalten hätten, mit der Bitte, die Conferenz möge sich auch mit der Verbesserung ihrer Lage beschäftigen; die Conferenz habe zwar diese Bitten nicht in Erwägung ziehen können, da ihr Mandat bereits beendet sei, dennoch wolle er die Thatsache an sich noch in der heutigen Schluß-Sitzung constatiren.

Vermischtes.

Eine interessante Statistik liegt uns über die Hühnerzucht in Frankreich vor. Dieses Land züchtet jährlich etwa 40 Millionen Hühner, welche, zum Durchschnittspreis von 2V2 Francs gerechnet, eine Summe von 100 Millionen Francs ergeben. Von diesen 40 Mill. Hühnern wird alljährlich der fünfte Theil ausgezehrt, was also eine erste Fleischproduction im Werthe von 20 Mill. Francs auSmacht, während das Fleisch der jährlich verspeisten Hähne etwa 5 Mill. Francs bringt. Die 40 Millionen Hühner schenken im Jahre 100 Millionen Küken das Dasein, von welchen man 20 Millionen zur Zucht ausmachsen läßt, von denen indessen et nm die Hälfte durch Unfälle und Krank heilen umkommt. Die übrigen 80 D/tUtonen Küken, welche ihr junges Leben unter dem Messer aushauchen, erzielen, das Stück zu l/2 Francs verkauft 120 Millionen Francs. Hierzu sind ferner noch als Resultat deS Mehrwerthes der Kapaunen und Poularden 6 Millionen zu rechnen, was als Gesammtergebniß der jährlichen Hühnerfleischpro- duction die Summe von 151 Millionen Franks auSmacht. Außerdem legen noch die 40 Millionen Hühner je 100 Eier das Jahr, also zusammen 4 Milliarden, was, das Ei zu 6 Centimes gerechnet, 240 Millionen ergiebt. So weit Frankreich. Bei uns liegen die Sachen anders. Wir führen alljährlich etliche Millionen italienische Eier ein und ziehen bloshalbe Hühner", das einzige Geflügel, was die Meisten genießen und je genossen haben.

Ein einfaches Mittel, Fälschungen von Mehl zu erkennen, besteht darin, daß man ein Glas, am besten ein möglichst enges und hohes, entsprechend mit Essig füllt und auf diesen lotse und langsam eine Probe des durchmengten Materials riefeln läßt Sinkt dabei etwas zu Boden, ohne sich wieder erheben zu können, so zeigt dies Fäl­schung an. Darnach ist es Zeit, einen Chemiker zuzuziehen, der feftfteUe, in welchem Verhältniß sich Wanrheit zu Dichtung befindet- Wenn leider gegenwärtig eine solche wissenschaftliche Untersuchung noch ziemlich theuer ist Dr. Jinrick zu Berlin berech­nete 30 JL so kann doch unter fast allen Umständen der Kostenpunkt nicht maß­gebend sein, weil der Genuß derartiger Nahrungsmittel hauptsächlich den Kindern, und diesen fast regelmäßig binnen Kurzem bis zur Lebensgefahr, schädlich wirken muß.

Dresden. (Wahlkuriosa) An der Wahlurne eines Altstidter Bezirkes erschien ein Mann, der sichRichter" nannte. Nach dem Vornamen befragt, erroioerte er: Den weeß ich nich." Als man darüber verwundert schien, daß er nicht einmal feinen eigenen Vornamen wisse, entgegnete er treuherzig:Ja, hernse, ich bin Se ja gar nicht Richter; Richter kann nid) selber kommen und da sull ich fern den Zettel ad- geben." Vor einer andern hiesigen Commission erschien em Lehrling.WaS wollen Sie?" fragte man ibn.Mei Meester schickt den Stimmzettel." ,Da muß Ihr Meister selbst kommen."9tee, der kann nid), der ist krank: aber stimmen muß er."Wir- können den Zettel nicht annehmen, sagen Sie ihm das." Nur mit Mühe war der junge Mann zu bewegen, den Zettel wieder mitzunehmen. Endlich that er es, indem ei mißvergnügt brummte:Na, dann wird mei Meester aber scheene Heese sein."

(Bergsturz in Steinbrück.) Wiener Blätter erhalten über einen schrecklichen Vorfall bei Steinbrück eine vom Gemeinde-Amte von Lack und dem amtirenben Be- zirks-Eommissar in Steinbiück unterzeichnete Darstellung- Nach derselben fand der Unfall am 15. Januar um 4 Uhr Morgens zwischen dem nöidlichen Ende der Station Steinbrück und dem Orte Wäsche, 20 Minuten vom Stations-Gebäude entfernt, statt. Es ging eine Grundlawine nieder, welche auf ihrem Wege gegen den Bahndamm, vor welchem sie auf circa zwölf Meter Halt machte, drei Wohnhäuser fammt drei Neben­gebäuden fammt 13 Menschen begrub Es gelang gegen halb 9 Uhr den bet der Hütte deS Jawscheg beschäftigten Arbe tecn der Oelsabrik, die zerschmetterte Leiche eines drei­jährigen Kindes unter einer einen halben Meter hohen L-thuttdecke zu finden. Aber erst nach dreitägiger, mühseliger, unausgesetzter Arbeit gelang es, die Leiche des Heizers Jam- scheg und dessen Gattin zerstückt auszufinden An der Rettung der übrigen Personen wirb fortgearbeitet, doch ist die Hoffnung sehr gering, obwohl man vermuthet, daß das eine der Häuser, in dem sich eben acht Personen befanden und das gemauert war, nicht zertrümmert, sondern verschüttet sei, und daß sich die Personen darin noch am Leden befinden, weshalb die von Trifail requirirten 60 Bergleute, unter der geradezu aufopfernden Leitung deS Ingenieurs Fritsch, einen Stollen in der Richtung des genann­ten Hauses gebahnt haben. Eine Unmasse von Menschen besuchte bereits die Unglücks­stätte, die ein äußerst trauriges Bild bietet, welches dadurch noch mehr verdüstert wird, daß auf einer angrenzenden Wiese bereits zwölf Särge bereit liegen, um die Leichen der Verunglückten aufzunehmen; in einem derselben liegt bereits die Leiche deS zerschmetter­ten kleinen Kindes.

Steinbrück, 19 Jan. Gestern Abend 10 Ubr fand ein neuer großer Emsturz statt. Die Rettungsarbeiter hatten sich rcchtzeitig geflüchtet. Die alte Unglücksstelle 'ft neuerlich überdeckt. Der E'senbahndamm ist zerrissen, das Flußbett ist 100 Meter breit und 10 Meter hoch ausgefüllt, der Wasserlauf vollständig abgesperrt, eine große Wasserabstauung findet statt. Eden sind gegen 100 Bergleute angekommcn, um den Wasserabzug herzustellen. Bahn- und Postoerkehr sind unterbrochen. Der BezirkS- Comrnissär, der Bürgermeister und Bahn.Ingenieure waren schon Nachis zur Stelle. Pioniere wurden requirirt. Die Direktion der Südbahn meldet hierüber: In Folge einer heute Nacht zwischen Römerbad und Steinbrück stattgehabten bedeutenden Berg- abrutschung ist der Verkehr zwischen diesen beiden Stationen vorläufig nicht möglich. Es wird Vorkehrung getroffen, so bald als lhunlich das Umfteigen bei Reisenden an der Unteidrechungtzstelle zu ermöglichen. Die voraussichtliche Dauer der Unterbrechung läßt sich noch nicht bestimmen. Der Frachtenverkehr von und nach den über Römer­bad hinaus gelegenen Stationen wird auf anderer Route vermittelt werden. Die unterwegs befindlichen Reifenden und Frachten weiden auf anderer Route zur Bestim­mung gebracht, und die Modificationen in der Fahrordnung werden dem Publikum besonders bekannt gemacht werden.

Literarisches.

Die vsn Ernst Eckstein rebtgirte im Verlage von Joh. Fr. Hartknoch in Leipzig erscheinenbe

Deutsche Dichterhalle"

bringt in ihrer ersten Nummer folgenden tMtereffanten Inhalt:

Gedichte von Emanuel Getbel, A. F. von Schack, Friedrich Spielhagen, Ernst Eck'iein, Friedrich Bodenstedt, Felix Dahn, Robert Hamerlmg. Epischer Theil: Sängers Dank. Von Alexis Aar. Ueber Fortbildung epischer und lyrischer Foim in der Dichtkunst. Von Christian Kirchhoff. Ein offener Bries an den Liebesgott. Von Margarethe Halm. In der Veranda. Von Albert Möser. Kurze Bücherschau. Vermischte Mittheilungen. Be­obachtungen über die Frauen. Von Albert Lindner. A.>horismen. Offener Sprechsaal. Briefkasten. An unsere Leser.

Soeben ging uns das sechste Heft des neunzehnten Jahigangs vonlieber ßanb und Meer" (Stuttgart, Verlag von Eduard Hallberger) zu und führen wir dessen äußerst mannigfaltigen und interessanten Inhalt hier an.

Text: Der neue Leander. Erzählung von Max v. Schlägel - Geheimer Ober­hofbaurath Strack. Von Schmidt-Weißenfels. Taffo in Belriguardo. Notizblätter. Am Grabe der Capuletti. Novelle von C. R. Struwy. Hallberger's Shakespeare. I. Der Illustrator: John Gilbert- II. Die Ueberfefcer. Das neue Schillerdenkmal in Wien, von A S Der Gorilla im berliner s2lquarium. Von Biuno Dürigen. Bilder aus der römischen Gesellschaft. Von Emil Frischauer. VIII. Arbib. Mili­tärischer Unverstand. Allerlei Plaudereien von W. v. Dünheim VI. Theure Me- bicin. Aus derNhetnjahrt". Jlanz. Alken. Dr. Stroußberg und sein Wirken. I. II. Aus den Erinnerungsblättern des Freiherm 0. Nordkirch. 8 Ein Tag auf Sanssouci. I. II. Aus dcm Leben deutscher Dichter. I. Die gefahrvolle Fahrt. Von der politischen Warte. Von Benno Reden. I. Wien, von Poliz.sten gesehen. Von A. Sikberstein. Miniaturbilder. Erinnerungen an berühmte Tondichter von Mosenthal. 5. Rubinstein. Liezen Mayer'sFaust". Prachtwerk aus dem Verlag von Ströfer & Kirchner in München u. New-York. Eine Vorlesung im Park Das türkische VoikSthcater. Von Nathanael Müller. Bilder aus derDuschen Jugend". Leipzig, Ve.lag von A. Dürr. Zeitchronik. Vom Büchermarkt- Bilderräthsel. Schach. Rälhsel. Briefmappe.

Illustrationen: Geheimer Oderhofbaurath Strack. Originalzcchnung von F. Weiß. Tasso am Hofe des Herzogs Alphons von Ferrara. Gemälde von Ed. Ender. Mit Genehmigung der Kunstverlagshandlung von Goupil & Comp. in Berlin. Sir John Gilbert. Der Fackelzug vor dem neuen Schillerdenkmal in Wien. Original- zeichnung von L. Katzler. Der Gorilla im berliner Aquarium. Origmalzeichnung von F. Specht. Schwarzes Allerlei. Nach Skizzen von Hermann Hede» ich T ,mre Medicin. Gemälde von F. Schlesinger. Ans dem Pi achtwerkRheinfahrt": Htadt- thor von Jlanz; Alken Originalzeichnungen von R. Püttner. (Verlag von A. K^öner in Stuttgart) Gefahrvolle Fahrt. Nach Hermann Junker's Bildern ausGvethe's Leben". (Verlag von Johannes Alt in Frankfurt a. M.) Die Shakespeare-Ucber- setzer der Hallberger'fchen Ausgabe. Originalzeichnung von F. Weiß. Auer. ich's Keller; Mephisto und der Schüler, ausFaust", iUuftmt von Liezen Mayer. (Verlag v Ströfer & Kirchner in München u. New Aork.) Eine Vorlesung im Park Ge­mälde DOh Arthur von Ramberg. Nach Dem Kupferstich im Verlag von P. Käse, in WienO, daß wir frohe Kinder blieben*; Gescbwisterliebe; Große Geleh sam- ftit. Originalzeichnungen von O. Plettch Jllustrattonsproben auSDeutsche Jugend * herausgegeben von I. Lobmcyei. ________________________________

Inserate,

welche in der folgenden Nummer Aufnahme finden sollen, bitten wir bis Vormittags 11 Uhr aufgeben zu «ollen. Größere Inserate wolle man einen Tag vorher aufgeben. Um den Satz rechtzeitig fertig zu stellen ist diese Bestimmung unerläßlich.

Die Expedition.

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Frucht- und Mehlpreise in verflossener Woche von nachbenannten Orten und Fruchlmarkten.

Nsrmalgcwicht per Malter: Walzen 200, Korn 180, Gerste 160, Spelz und Hafer 120, Erb en, Linsen, Wicken 220, Kartoffeln 200, Mehl 140 Pfund.

Walzen.

Korn.

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Hafer.

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Kartoffeln.

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Die Mainzer und Lauterbacher Preise oerstchen sich zu 200 Psd., die von Grünberg zu b0 Klgr.