Der orientalische Krieg.
Konstantinopel, 19. November. Der Gouverneur von Kassorod forderte die Mohamedaner der Provinz auf, sich gegen einen Einfall der Serben nöthigensalls zu vertheidigen, und gab den Befehl, ein Verzeichniß der zum Waffendienste fähigen Männer eines jeden Ortes anzufertigen. — Regierungs- Nachrichten zufolge meldet Mukhtar Pascha aus Erzerum, daß sich nichts von Belang zugetragen habe. Die Verbindungen seien durch Schneefall unterbrochen. — Aus Kars liegen keinerlei Nachrichten vor. — Der Flotten-Kommandant des Schwarzen Meeres, Husni Pascha, sandte am 18. Novbr. fünf Schaluppen gegen eine russische Abtheilung in der Sulina-Mündung ab und brannte ein Proviant-Lager nieder. — Suleiman Pascha meldet aus Rasgrad vom 18. d., der Feind recognoscire nach allen Richtungen. Ibrahim Pascha hatte bei Kochowo ein Gefecht mit den Ruffen. Nach Salonichi abgeschickte Truppen hatten ein Recognoscirungs-Gefecht mit den Ruffen in der Nähe von Tirnowa, ebenso fanden Gefechte türkischer Recognoscirungs-Truppen bei Pyrgos und türkischer Kavallerie mit den Ruffen bei Dedebal unweit Storno statt.
Bukarest, 20. November. Nachrichten aus Poradim zufolge erregte die Eroberung von Kars großen Enthusiasmus bei den russischen Truppen vor Plewna. Alle Batterien gaben dreimalige Salven ab, um die glänzende Waffen- that zu feiern. — Auf der Eisenbahn Bender-Galatz ist der erste Zug in Ta- bacz eingetroffen. — Hier ist schönes Wetter.
Petersburg, 20. November. Officiell wird aus Weran-Kaleh gemeldet: Der Sturm auf Kars wurde gegen die südöstlichen Forts geführt, mit Demonstrationen gegen die übrigen Forts. Die Forts Hafiz, Kanli und Siwari wurden durch Sturm genommen, Karadagh und Arab durch Freiwillige überrumpelt, ersteres vom Rücken, das zweite von der Front aus. Morgens versuchte die Garnison der verlaffenen Forts in die Berge zu flüchten, wurde aber umzingelt und gefangen genommen. Wir haben über 10,000 Gefangene gemacht und 300 Geschütze, sowie maffenhafte Vorräthe erbeutet. In den Spitälern wurden 4500 Verwundete und Kranke vorgefunden. Der Verlust auf unserer Seite beträgt 2500 Todte und Verwundete.
Wien, 20. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cettinje von heute: Die Montenegriner nahmen das Spizza beherrschende Fort Nehab, nachdem sich Spizza am 16. d. ohne Widerstand ergeben hatte. Fürst Nikita befindet sich in Antivari, dessen Cttadelle dem Bombardement der Montenegriner widersteht.
Moskau, 20. November. Der „Mosk. Ztg." zufolge hat sich die Hauptmacht der Russen gegen Erzerum gewandt und haben dieselben in Kars nur eine Besatzung zurückgelassen.
Lokal-Notiz
Gießen, 22. Nov. Es ist gut, daß die Woche bald zu Ende geht und mit ihr die aufregende Zett der Stadtverordneten-Wahl-Vorberathungen und Versammlungen. Man stumpft fast schließlich ab vor lauter Reden und Vorschlägen und denkt: Wählt wen Ihr wollt- In der gestrigen Wählerversammlung wurden als Einleitung zwei Privatschreiben verlesen und bewegte sich darauf die Discussion in ziemlich enger Grenze. Es wurden durch die Versammlung, welche 155 Stimmzettel abgab, mit einer größeren Anzahl von Stimmen nachstehende Herren bedacht: K. Grüneberg, Rechner, A. Katz, H. Werner, Andr. Euler, O- Kempff, Fr. Leib und E. Simon.
Als Candtdaten zur Stadtverordnetenwahl wurden bis jetzt öffentlich bezeichnet 21 Herren, Auswahl genug, um 6 richtig zu bestimmen. Wir lassen die Namen alphab. geordnet hier nochmals folgen: Euler, Andr.; Gail, Ferd.; v. Gehren, Georgi, Ludw-; Grüneberg, Carl, Rechner; Dr. Gutfleisch; Habenicht, Friedr.; Hochstätter, Hetnr.; Hofmann, Ferd.; Katz, Aron; Kempff, Otto; Leib, Fritz; Lüdektng, Phil.; L-Petri II.; Pfannmüller, Wild.; Sack, Ed.; Simon, C.; Uhl, Phil.; Werner, Hermann; Wortmann, Theod.; Ztnßer, Adolf. — Wir glauben, daß es außerdem nicht schaden kann, daß wir nochmals die Namen der ausgeschiedenen Stadtverordneten erwähnen. Es sind dies die Herren: Buchhändler Ferber, Ferd. Gail, Wilh. Keller, PH. Lüdeklng, Rechner Körber -j-, Wilhelm Schmall.
B e rmi f d) t e
— Ominöses Geftändniß. Unter diesem Titel berichtet die „Saar- u. Moselztg." aus Trier folgendes nette Histörchen, das sich thatsächltch dort zugetragen haben soll: Zu einem hiesigen Metzger kam dieser Tage eine Hausfrau und wünschte einige Pfund von einem mächtigen Stück Rindfleisch zu kaufen. Als sie nach dem Preise fragte, wurde ihr derselbe, weil das betreffende Stück von einem Ochsen sei, zu einem teuereren Preise angegeben, als vorher öffentlich annoncirt worden war, unter der Angabe, daß in der Bekanntmachung nur Kuhfletsch gemeint sei. Nachdem das gewünschte Quantum abgeschnttten und wtegefertig war, bittet die Käuferin, ein daran hängendes größeres Stück Fett, das sie nicht gern habe, von dem Ochsenfletsch zu entfernen- „Aber, liebe Frau, das ist ja gerade was Feines, das ist ja vom Euter!" versetzte ganz geschäfts- eifrig der Fleischer. Den Schluß der Scene kann man sich denken.
— In Sachen der Dynamtlpatronen ist in Hagen das kaum Denkbare vorgekommen, daß ein Arbeiter der Berg.-Märk. Bahn die Zündhütchen der Patrone lose in der Tasche trug zwischen seinem Tabak, von diesem sich ein Pfeifchen stopfte und ein
Zündhütchen gedankenlos zufügte. Beim Rauchen explodirte das Zündhütchen, |cr> »chmeNeUe den Pfetfenkopf und warf den Messingdeckel in das Auge deS Rauchenden und soll derselbe wunderbarer Weise noch mit blauem Auge davon gekommen fein.
— (AdgeferNgt.) Justizrathswitlwe (zu ihrer ehemaligen Köchin): .Sie Haden ja, wie ich hörte, geheirathet, — was ist denn Ihr Mann?" — Köchin: ,,Scheeren- ichleifer, gnädige Frau!" — Justizrathsw.ttwe: ,,Soo! Das ist aber wenig!" — Köchin: „Nun ich mein’, ein lebendiger Scherenschleifer ist doch immer noch besser, alS em tobter Justtzralh! ’
In Cairo rettet jeden Morgen ein Polizeibeamter, der sog. Brodoogt, von mehreren Soldaten, einem Bettelvogt und einem Haufen armer deute begleitet, von einem Bäckerladen zum andern, um das Gewicht der zum Veikaufe ausgelegten Brode zu untersuchen. Wenn er nun einen Bäcker trifft, dessen Brode zu leicht gerathen sind, so läßt er ihm vom Betieloozte eine PcÜgelsuppe auf die Fußsohlen verabreichen, einen
Haken mit einem Bindfaden, an dem ein Brod befestigt ist, durch die Nase bohren und
dann das Gesicht mit Erde bedecken. Der übrige Brodoocrath wird unter die Armen vertheilt, die tm Gefolge des BrodoogleS sind. W-nn derartige Maßregeln bei uns
Mode wären, wie viele durchboh te Nasen gab' es da'.
— (Kellerwechsel.) Dem Vernehmen nach ist wieder eine Genossenschaft, der Creditverein Beerfelden, das Opfer einer großartigen Wechselreiterei geworden und soll oas den Verein treffende Deficit über 100000 x betragen, so daß eine ConcurSer- kiärung unausbleiblich fein Dürfte. Es ist geradezu unerkiäclich, daß nach den nun schon fett Jahren allerwärts gemachten traurigen Erfahrungen, namentlich auch in unserer Nachbarschaft, die Gleichgültigkeit und Faulheit der Mitglieder einer Genossenschaft in Wahrung ihrer eigenen pecuaiären und wirtschaftlichen Interessen so weit gehen kann, daß, wie in B- geschehen sein soll, der Vorstand mit einer einzigen Firma von zweifelhafter Solidilät Wechsel-Discont-Geschäfte bis zum Betrage von mehreren Hunderttausend Mark Jahrelang abzuschließen im Stande ist. Wo ist denn da die Controle des Vorstands durch den Aufsichtsrath uns die des letzteren durch die Ge- sammtheit der Mitglieder ? Was Helsen denn alle die von dem Anwalt und den Leitern oes Genossenschaftswesens zum Schutz der Mitglieder veranlaßten gesetzlichen Bestimmungen, die Rathschläge und Resolutionen der genossenschaftlichen Vereinstage, die ununterbrochene Thätigkelt der Presse in Besprechung genossenschaftlicher wirthschaftlicher Fragen, wenn eine solche Indolenz unter Denjenigen herrscht, die sich zusammengeihan haben, um sich durch Selbsthilfe, wie das schöne Wort heißt, vom Großcapstal unabhängig zu machen. Vom L-tarkenburger Genossenschaftsoerbande hat sich der Verein in Beerfelden ferne gehalten, sicherlich zum Schaden feiner Mitglieder.
— Die Militärverwaltung in Wien ließ aus Interesse an der Sache Brod von jeder Gattung kommen, wie solches die Nahrung der russischen Soldaten auf Dem Kriegsschauplätze bildet und übergab dasselbe Fachmännern zur genauen Untersuchung. Diese lieferte etn Ergebniß, welches begreiflich macht, daß die russischen Intendanten und Lieferanten kriegsrechtlich halbdutzendweise erschossen werden. Jenes Brod enthält nämlich nicht weniger als 19 Procent Sägespäne und 14 Proc. Sand.
— Ein Abschlag des Bierpreises steht in Aussicht, denn nicht allein die Brauer mehrerer bayerischen Städte, sondern auch die Brauereien von Wien und Umgebung haben, den Zeitverhältnissen und dem Consum Rechnung tragend, den Biecpreis ermäßigt. Man wird anderwäits nicht umhin können, diesem lobenswerthen Beispiel nachzufolgen, da ja auch der Preis des Hopfens bedeutend niederer ist, alS in den Vorjahren.
Literarisches.
Illustrirte Jagdzettung. Organ für Jagd, Fischerei und Naturkunde. Herausgegeben vom k. Oberförster H. Nitzsche. 5. Jahrgang. Nr. 4 enthält: Erkenntnisse des Könial. Preuß. Obertribunals zu § 292 des Reichs-Strafgesetzbuches. Jagdbilder aus der Ostindischen Inselwelt von H. von Clausewitz. Das beste Gewehr von M. Wagner. Eine seltsame Hasenentbindung. Die Hofjagden bet Ohlau. Literatur: Jagdbilder vom königl. Vice-Oberjägermeister R- von Meyerinck (mit Bild) und andere interessante Notizen. — Diefe Zeitschrift erscheint im Verlage von Schmidt & Günther in Leipzig. Alle Buchhandlungen und Postanstalten nehmen Abonnements an.
6285) Jedermann weiß, wie viel Tisanen, Pastillen und sonstige Medicamente man 'in Erkältungsfällen, bei Katarrhen oder zur Heilung der Bronchitis anwendet. Die neue Heilmethode dieser Krankheiten durch die G uy o t'sch en T h e er kap feln kommt nicht höher als 10 bis 12 H täglich zu stehen. Man nimmt zu jeder Mahlzeit 2 oder 3 Kapseln und häufig macht sich eine große Linderung schon nach den ersten Dosen bemerklich.
Zur Vermeidung der zahlreichen Nachahmungen ist darauf zu achten, daß die Etiquette die Unterschrift des Herrn Guyot in dreifarbigem Drucke enthält.
Depot in Gießen bei Dr. Hempel, Apotheker, und in den übrigen Apotheken.
Handel und Verkehr.
Limburg, 21. Nov. (Fruchtbericht.) Rother Weizen JC. 20.10, Korn JL 13.25, Gerste X 12.15, Hafer X 7.25. (Durchschnitts-Preis pro Malter.)
Frankfurt, 21. November. Der heutige Heu- und Stroh-Markt war gut >be- fahren. Heu kostete je nach Qual, per Ctr. X 2.50—3.40, Stroh per Ctr. X 2.10—2.30. Lutter im Großen kostete das Pfund 1. Qual. X 110, 2. Qualität 1 X, im Detail 1 Qual. X 1.30, 2. Qual. X 1.15—20. Eier, das Hundert «>4L 6—7.60. Weißkraut das Hundert X 10—15. Erbsen, geschälte (per 100 Kilogr.) 26—28 X. ganze Erbsen 21 bis 24 X, Bohnen 28—30 X. Linsen 30—36 x Fleischpreise: Ochsenfleisch per Psd. 75 Rindfleisch 60—63 H, Kuhfleisch 55—60 Hammelfleisch 55—63 H, Kalbfleisch 65 Schweinefleisch 70—80
6556) Der diesjährige Daheimkalender für das deutsche Reich bietet für den Preis von V/z X em fertig gebundenes Buch von stattlichem Umpfange, mit einer interessanten Weltumschau mit zahlreichen Abbildungen, außer allem Anderen, waS man in einem guten Kalender finden muß.
Äklgemeiner Anzeiger.
6509) Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Hungen die Genehmigung ertheilt hat, eine höhere Schule zu errichten, und dem Stadtvorstand es gelungen ist, in der Person des Herrn Dr. phil. Kellner, seitheriger Oberlehrer der Realschule zu Hanau, sowie des Herrn Pfarramtscandidaten Gauert, seitheriger Jnstitutslehrer dahier, anerkannt tüchtige Lehrkräfte zu engagiren, so wird hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß diese Schule am 1. December 1877 ihren Anfang nimmt.
Bezüglich des in dieser Schule ertheilt werdenden Unterrichts sowohl, als auch der zu leistenden Schulgeldern ist der Unterzeichnete bereit, jede gewünschte Auskunft zu ertheilen, sowie Anmeldungen entgegen zu nehmen.
Hungen, den 19. November 1877.
Großherzogliche Bürgermeisterei Hungen.
Bender.
Oeffentliche Ladung.
Gegen den Maurermeister Wilhelm Steinbach von Gießen ist der förmliche ConcurSproceß erkannt worden. Es werden daher Alle, welche Ansprüche an denselben zu bilden haben, hiermit aufgefordert, fa che in dem Termin
Montag den 7. Januar 1878, Vormittags 9Vs Uhr, bei Meldung des stillschweigend erfolgenden Ausschlusses von der Masse dahier anzumelden und etwaige Vorzugsrechte bei
Meidung Verzichts auf dieselben zu begründen. Auch soll in diesem Termine die Güte versucht und eventuell ein Massecurator und Gläubigerausschuß erwählt, sowie deren Befugnisse feftgeftellt werden. Die nicht erscheinenden Gläubiger werden in diesen Punkten als den Beschlüssen der Mehrheit der erschienenen beitretend angesehen.
Sämmtlichen Betheiligten ist Acteneinsicht gestattet.
Gießen, den 29. October 1877. (6254
GroßherzoolicheS Stadtgericht Gießen.
Bötticher, Stammler,
Stadtrichter. Stadtg.-Assessor.
Brauerei-Inventar-
Verkauf.
6503) Wegen Aufgabe des Geschäfts sollen
Dienstag den 27. November,
Vormittags 11 Uhr, sämmtliche Inventar-Gegenstände der Gräflich Sto l berg'schen Brauerei dahier unter den bei der Versteigerung bekannt zu machenden Bedingungen öffentlich meistbietend verkauft werden. Es befinden sich darunter:
1 kupferner Braukessel, 43 hl haltend, 1 „ „ 12 . „
1 gußeisernes Kühlschiff, 51 „ „
1 Maischbütte mit gußeisernem Senkboden, 102 hl haltend,
1 Maischbütte, 28 hl haltend,
9 Gährbütten, 46 u. 28 hl haltend, 1 Quellbottig, 46 hl haltend, 40 Stück Lagerfässer ä 16 hl,
:500 Transportfäffer, ca. 80, 40 und 20 1 haltend,
1 Maischpumpe und 1 Malzschrotmühle,
1 Kastenkühler und 1 Bierwürgel, beide ganz neu,
1 Decimal- und 1 Schnellwaage, Schläuche, Blechrohre ic. rc.
Vorbenannte Gegenstände sind theils erst in den letzten 10 Jahren neu angeschafft und befinden fich meistens noch in sehr gutem Zustande.
Ferner werden versteigert:
ca. 115 Ctr. Malz,
5 „ Saazer Hopfen von 1876.
Gedern, den 16. November 1877
Gräflich Stolberg'sches Rentamt. Brumhard, Domänenrath.
Neue
ital. Haselnüsse
empfiehlt (6523
Cmil Fischbach.


