terzeichnet, der Friede zwischen der Türkei und Montenegro abgeschloffen und Seitens der Pforte ebenfalls die Demobilisirungs-Ordre ergangen sein würde. — Die „Times" gibt der englischen Regierung im Allgemeinen den Rath. Rußland betreffs der Redaction des Protokolls entgegenzukommen.
London, 20. März. Nach einer Depesche des „Reuter'schen Bureaus" aus Havanuah wäre den deutschen Kaufleuten aus Cuba angezeigt worden, daß sie eine Eontribution von 30 pCt. zu zahlen hätten, widrigenfalls innerhalb drei Tagen aus ihr Vermögen Beschlag gelegt würde. Nachdem Seitens des Generals Jovellar geäußert war, daß diese Abgabe mit der früher aufgelegten Kriegssteuer nicht identisch sei, unterbreitete der deutsche Consul die Angelegenheit der Entscheidung seiner Regierung in Berlin.
— Im Unterhause erklärte Courtney, Angesichts der Unterhandlungen, welche zum Zwecke einer neuen Feststellung der Haltung der Großmächte gegenüber der Türkei geführt «Arten, wolle er seinen für den 23. März angekündigten Antrag nicht vorbringen, so lange die bestehende Ungewißheit über jene Unterhandlungen sortdauere. Auf eine Anfrage von Duff ertheilte der Unter» Staatssecretär für Indien Lord Hamilton die Auskunft, daß mit Afghanistan noch kein neues Abkommen getroffen sei. Ferner erklärte der Schatzkanzler Northcote auf eine Anfrage, er werde die nachträgliche Correspondenz bezüglich der orientalischen Frage in 14 Tagen vorlegen; die von Rußland vorgeschlagenen Abänderungen des Protokolls seien von der Regierung noch nicht geprüft worden. Auf Erkundigung von Seiten Simon's theilte Unter-Staakssecretär Bourke mit, daß die Regierung noch keine Ausschlüffe über die Ausweisung von Juden aus Serbien erhalten habe. Wegen der Juden - Ausweisung in Rumänien hätten England und Oesterreich der dortigen Regierung Vorstellungen gemacht.
Italien
Rom, 20. März. Der Papst hat in dem heute abgehaltenen Consi- storium die Ceremonie der Mund-Schließung und -Oeffnuug an den Cardinälen Apazzo. Howard, Canossa Serastni, Nina, Sbaretti und de Falloux vollzogen und denselben die Cardinals Insignien verliehen. In dem Consistorium ernannte der Papst auch mehrere italienische und nichtitalienische Geistliche zu Bischöfen.
Rom, 20. März. Bei dem heutigen Consistorium hielt der Papst fer- uer eine Allocution, worin er das in dem Consistorium vom 12. d. Mts. von ihm Gesagte bekräftigte, mit dem Hinzufügen, er werde vor der ganzen Welt Protest dagegen einlegen, daß man ihm die Redefreiheit entziehen wolle. Der „Agencia Stefani" zufolge wäre der Papst von einem leichten Unwohlsein befallen.
Rom, 21. März. Das Befinden des Papstes ist durchaus bedenklich, wenngleich dies verheimlicht wird.
Türkei.
Konstantirropel, 20. März. Die im Namen des Sultans bei der Eröffnung des Parlaments verlesene Thronrede hat im Wesentlichen folgenden Inhalt: Nach einem Rückblick auf die frühere Größe und spätere Schwächung der Türkei, als deren Ursache das Vergessen und Aufgeben der guten und zugleich gerechten Verwaltung bezeichnet wird, folgt eine Darlegung der geschichtlichen Hanptmomente der neueren Zeit: dec Reformen des Sultans Mahmud II., des von Abdul Medschid erlassenen Tansimats, des Krim-Kriegs, der Stellung der Integrität der Türkei unter die Garantie der Großmächte. Das Land würde in eine neue Aera des Fortschrittes und des Wohlstandes eingetreten sein, wenn nicht die Bchnühungen dec Regierung durch Jntriguen und Aufreizungen paralysirt wären. „Dieselbe mußte starke Armeen unterhalten und zur Beschaffung des nothwendigen Kriegs-Materials den Staatsschatz erschöpfen. Dazu kam die schlechte Finanz-Verwaltung, die bei Ausbruch des Aufstandes in der Herzegowina zu Ausnahme-Maßregeln, namentlich zur Reduction der Zinsen der Staatsschuld nöthigte, wodurch der Staatscredit schwer erschüttert wurde. Der jetzige Sultan, unter den schwierigsten Verhältniffen zur Thronfolge berufen , stellte zunächst die Armee wieder her zur Wahrung der Sicherheit und Unabhängigkeit des Landes, nahm sodann die inneren Reformen in Angriff und erließ die Verfassung, durch welche allen Unterthanen Freiheit und Gleichheit gesichert wird. Hiernach zählt die Thronrede die Berathungs-Gegenstände für das Parlament auf, und zwar: das Wahl-Gesetz, das Provinzial- und Com- munal-Gesetz, die Civilproceß - Ordnung, die Vorlagen wegen Reorganisation der Gerichte und der Beförderung der Beamten, das Pensions-Gesetz, das Preß-Gesetz, die Organisation der Rechnungs-Höfe und endlich das Budget. Im Weiteren wird die Prüfung und Annahme der Finanz-Gesetze empfohlen und der Maßregeln Erwähnung gethan, um den Staats-Gläubigern, unter Zuziehung und Zustimmung von Vertretern derselben, Garantien für die Erfüllung der ihnen gebührenden Verbindlichkeiten zu bieten. Ferner werden die Institutionen zur Hebung des öffentlichen Unterrichts aufgeführt, wie die Vergrößerung der bestehenden Cioil-Schule zur Heranbildung der öffentlichen Beamten. Zum Schluß wird der geschehenen Pacification des Landes und des Friedens mit Serbien gedacht. Der Sultan hofft auch auf einen günstigen Ausgang der Verhandlungen mit Montenegro, wodurch es dann endlich auch ermöglicht werden würde, die Soldaten zum Vortheile des Landbaues nach Hause zu entlasten. „Wenn die Conferenz zu keinem definitiven Einvernehmen führte, so erwies dieselbe nichts desto weniger, daß die Regierung von vornherein die Wünsche der Mächte zur Ausführung bringt, insoweit solche mit den Verträgen und den Regeln des internationalen Rechts und den nothwendigen Bedingungen der Lage sich vereinigen lasten." Die Schlußworte der Thronrede lauteten folgendermaßen: „Meine Regierung hat beständig Beweise der Aufrichtigkeit und Mäßigung gegeben, was dazu beitragen wird, die Bande der Freundschaft und Sympathie, die uns mit der großen europäischen Familie verbinden, enger zu knüpfen."
Konstantinopel, 20. März. Nach Verlesung der Thronrede Bei Eröffnung des Parlaments begründete Savfet Pascha im Namen und Auftrag des Sultans die anwesenden Mitglieder des diplomatischen Corps, um für deren Erscheinen zu danken, mit dem Hinzufügen, sie hätten soeben von den Absichten Sr. Majei.ät Kunde erhalten, welcher keine bestimmteren Versicherungen über seine aufrichtigen Intentionen, das Loos der Bevölkerung zu verbestern, aussprechen könne.
Konstantinopel, 21. März. Die Pforte, genau den Standpunkt der Conferenz einnehmend, wird unter Hinweisung auf die Constitution und daS Parlament das Protokoll ablehnen.
Amerika.
Washington, 20. März. Präsident Hayes hat gestern gegenüber von ihm empfangenen repulikanischen und demokratischen Deputationen ans dem Süden erklärt, daß das Cabir.et sofort die Lage in Süd-Carolina und Louisiana prüfen werde; einstweilen sei die Aufrechterhaltung des Status quo nothwendig. — Der von demokratischer Seite unterstützte Gouverneur von Louisiana Nichollo hat an den Staats-Gerichtshof die Anfrage gerichtet, ob Letzterer beauftragt sei, den republikanischen Gouverneur Packard und desten Anhang aus der Legislatur zu entfernen.
Landwirt bschaftlich es.
praktische Winke für die rationelle Behandlung und Anwendung der wichtigeren concentrirten Düngemittel.
Von Dr. E. Wolff
Die Zetten sind vorüber, wo man befürchtete, daß bet Anwendung von leichtlöslichen Dungstoffrn wesentliche Verluste dcrselben, iu Folge von Auswaschen ober Verflüchtigung, nicht zu vermeiden wären und man meinte, die Trockenlegung, die söge- nannte Drainirung des Bodens müßte ein Auslaugen des letzteren, zum Nachtbe'l des Gedeihens der Kulturpflanzen bedingen. Wir wissen jetzt, daß jeder pflanzentragende Boden tm hohen Grave die Eigenschaft besitzt, die Nährstoffe, welche den Wurzeln der Pflanzen zur Aufnahme dargeboten werden müssen, ,u abiorbiren, dieselben auch den vecdünnlesten wässerigen Lösungen zu entziehen und sie in einen Zustand überzufahren, in welchem diese Stoffe zwar vor dem AuSlaugen aus dem Boden und dem raichen Versinken in den Untergrund geschützt sind, dennoch aber in die Wurzeln der ledens- ihätlgen Pflanzen langsam und entsprechend den Anforderungen der Vegetation eintreten können. Das Bestreben des rationellen Landwirthes ist überall bar auf gerichtet, einerseits den großen Vorrath an Pflanzennahrung im Boden besser au^zunutzen, die natürliche Fruchtbarkeit des Badens zu einer größeren Thätigkeit zu bestimmen, andererseits aber die im Dünger dem Bsven zugesührte Pflanzennahrun, in einen raschen Umlauf zu setzen. Das Letztere kann nur tyrnn erreicht werden, wenn der betreffende Dünger aus das Innigste und Gleichförmigste den obersten Schichten des Bodens beigemischt wird und darin nach allen Richtungen hin sich vertheilt; nur in diesem Falle ist eine rasche und vollkommene Ausnutzung des Düngers gesichert und dies ist auch der Hauptge- sichlSpunkt, den man namentlich bei der Anwenduna der concentrirten Düngemittel stets festzuhalten hat Diese Hauptregel wird in der Praxis »ar bäuftg virnachlässt;t und nicht selten hat man der Nichtbeachtung derselben es hauptsächllch zuzuschreiben, wenn die Wirkung der concentrirten Düngemittel eine wenig lohnende ist ober ganz ausbleibt, ja sogar eine für die Gestaltung der Ermen nachtheilige sein kann.
Eine rasche und gleichförmige Virthcilung aber des concentrirten Düngemittels wird wesentlich erleichtert durch folgende Eigenschaften oder BebandlunaSweife desselben:
t) DaS Düngemittel muß ein möglichst feines und gleichförmiges Pulver bilden. Diese Anforderung hat in neuerer Zeit in der Praxis so allgemein sich geltend gemacht, daß die grobkörnigen und urobsplitterlgen Sorten , B von Knochenmehl, von Super» phoSphaten re. überall Srnigstens, wo eine großartige Verwendung dieser Stoffe in der Landwirthschaft stattsindet, wegen Mangel an Nachfrage fast vollständig auS de n Handel verschwunden sind. Mit Recht legt der Landwirth auf diesen seinpuloerigen Zustand das größte Gewicht und bezahlt bei gleichem procentischen Gehalt an Nährstoffen, das mehlartig feine Fabrikat bereitwillig -ft um daS Doppelte höher, als eine grobkörnige Masse.
2) Die Bertheilung des Düngemittels iin Boden und die dadurch wesentlich bedingte günstige Wirkung ist eine um so raschere und mehr gesicherte, wenn dasselbe ganz oder theilweise sofort in Waffer auflöölich ist. Auch in diesem Falle ist der fein« pulverige trockene Zu st and von größtem W rthe, und wenn das Düngemittel in Folge seiner etwaigen hygroskopischen Beschaffenheit feucht hh? klumpig geworden ist, so muß vor dem Autzstreuen auf das Sorgfältigste eine gleichförmige Zertheilung desselben vorgenommen werden Eine Auflösung oder ein Aufrühren in vielem Waffer kann die Wirkung eines solchen Düngemittels, namentlich bei dessen Anwendung auf Wiesen und zur Unterstützung des Wachsthums der Hackfrüchte erhöhen; jedoch ist eine der« artige flüssige Düngung nur selten tm Großen ausführbar.
3) Bei fast allen sehr concentrirten und rasch wirkenden Düngemitteln ist eS zu empfehlen und zum Zweck der gleichförmigen. Vertheilung über größere Flächen oft durchaus nothwendig, dieselben vor dem Autzstreuen mit guter, humoser und feinkörniger Erde zu mischen, mit größeren oder geringeren Mengen, je nachdem die Fläche, über welche man ein bestimmte? Quantum zu vertheilen hat, eine größere oder kleinere ist. Anstalt fccr Erde kann man auch mit gutem Erfolge hierzu Sagemehl verwenden, namentlich wenn das Düngemittel eine feuchte und hygroskopische und daher etwa« klumpige Beschaffenheit hat. Anderweitige Beimischungen, wie von Gyps, Asche u. dgl. sind in der Regel zu unterlassen. Um die Mistmng recht vollkommen hrrzustellen, ist es oft räth- lich, dieselbe durch passende Siebe duichzuschÜlteln oder zu werfen und hierbei für die «eitere Zertheilung aller etwa noch vorhandenen klumpten Massen Sorge zu tragen.
4) Nach dem Ausstreuen des Düngemittels über den Acker muß in der Regel noch auf mechanischem Wege, mittelst der Acker-Instrumente, eine möglichst vollkommene Mischung mit den Bestandtheilen des Bodens vorgenommen werden. Es ist hierbei zu beachten, daß häufig ein tieferes Einarbeiten mit einer kräftig wirkenden Egge einem bloß oberflächlichen Eineggen vorzuziehen ist; auch das Unterackern selbst der leichtlöslichen Düngstoffe, ist oft von sehr günstiger W rkung. Ueberhaupl hat man nach Möglichkeit dafür Sorge zu tragen, daß nicht ausschließlich die oberste dünne Schicht oer Ackerkrume mit der Pflanzennahrung versehen wird, daß also die letztere nicht gleichsam an der äußersten Oberfläche des Bodens haften bleibt.
Hinsichtlich deS Feldes, welches man mit dem BeidÜnger behandeln will, ist zu bemerken:
1) Die concentrirten Düngemittel wirken im Allgemeinen am günstigsten und sichersten auf einem milden Lehmboden, der also weder zähtonig, noch auch sehr sandig und trocken ist. Jedoch ist das letztere Extrem einer lohnenden Wirkung weniger nach- thellig, alS daS erstere, im Fall klimatische Verhältnisse und Witterung keine zu große Trockenheit bedingen. Bel einer sehr ihonigen uodurchlassenden Beschaffenheit des Bodens hat man ganz besondere Sorgfalt zu verwenden auf die völlig gleichförmige Verthellung des Düngemittels und auf die gute Mischung desselben mit den Bestand« theilen der Ackerkrume.
2) Das betreffende Feld muß wo möglich in mittlerer Kraft sich befinden, weder frisch mit Stallmist gedüngt, noch durch vorausgegangene Ernten stark erschöpft fein. Ausgenommen ist jedoch die Kultur von Raps und überhaupt von allerlei Handelsgewächsen, welche sofort im ersten Jahre neben dem Stallmist eine reichliche Beioüngung vertrauen, wen« sie dem Lagern nicht auSgesetzt sind, dagegen aber hinreichend werthvolle Ernteprodukte liefern
3) Nur ausnahmsweise und alS Nothbehelf sind die concentrirten Düngemittel im Großen als ganze Düngung anznwenden. d. h. auf einem landwirthschaftlich erschöpften Felde in größeren Quantitäten auszustreuen in der Erwartung, daß sie mehrere Jahre hinter einander eine volle und durchaus befriedigende Wirkung äußern. Höchstens darf diese- abwechselnd mit einer vollen Stallmistdüngung geschehen und wenn der Boden eine milde, humose, überhaupt in physikalischer Hinsicht mittlere Beschaffenheit hat.
4) Der Boden darf vor allen Dingen nicht sauer fein, nicht an zu großer und stockender Nässe im Untergründe leiden. Wenn dieses der Fall ist, so muß man daS Feld zunächst auf passende Weise trocken legen, brainiren und dafür Sorge tragen, daß der saure Humus durch längere und vollkommene Berührung mit der Lust Der« ändert und zerstört wird.
5) Der Acker muß auch in jeder Hinsicht gut kultivirt und darf namentlich in keiner Weise verunkrautet sein. Ueberhaupt unterstützt und sichert eine sorgfältige mechanische Bestellung deS Feldes im hohen Grade die günstige Wirkung der cencen- trirten Düngemittel; nur der tüchtige und umsichtige Praktiker zieht aus deren Anwendung den giößten Vortheil
Im Speciellen, bei der Anwendung der »ichtigeren concentrirten Düngemittel, hat man ferner Folgendes zu beachten.
(Fortsetzung folgt.)


