No. «ÄS.
Samstag, den 22 December
1877.
Amißk- und Amtsblitl fit ücn Kreis Eiche».
Erscheint täglich mit Ausnahme des Dtonf«rgs-. Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18
Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
M-lilisch Keutschland.
v 1[J3e*lin' Y1- ?ecePlbcr- Die ftcster« hier staitgehabte Versammiun-, ^u"ch-r Brauer hat den Antraft mehrerer rheinischen Brauereien: „Ein kat- >°rl ches Reechsgesundheltsamt zu ersuchen, bet dem Reichskanzleramt dahin zu wirken, daß gesetzlich festgestellt werde, daß zur Bterbereitung nur Malz Hopsen, Hefe und Master verwendet werden dürfen und die Anwendung aller Surrogate und sonstiger Zusätze verboten sein solle", — abgelehnt. — Aus die Motivirung dieser Ablehnung sind wir recht begierig.
Berlin, 19. December. Ein Artikel der „Prov.-Corresp." über die Lösung der Krisis in Frankreich schließt folgendermaßen: Für die auswärtigen Beziehungen Frankreichs ist der eingetretene Wechsel insofern von Bedeutung als durch die politische Richtung des neuen Ministeriums und durch die Stellung der maßgebenden Personen desielben die bisher gehegten Besorgnisse, baß ge- wisie bedenkliche Richtungen und Bestrebungen eine Stütze in der auswärtigen französischen Politik suchen und finden könnten, nunmehr als beseitigt gelten können. ö
— Bezüglich der türkischen Mediations-Note äußert sich die „Prov.- Corresp." : Wenn sich die Türkei dabei wesentlich auf den ihrerseits vor dem Kriege eingenommenen Standpunkt gestellt habe, so scheine ihr die richtige Er- kenntniß ihrer Lage und der daraus solgenden Nothwendigkeiten noch nicht beizuwohnen.
— Dem „Berl. Aktionär" zufolge wird die Regierung, nachdem sie die Ermächtigung des Abgeordnetenhauses zur Uebernahme des Betriebes der hin- terpommer'schen Bahnen erhalten, dem Landtage demnächst eine Vorlage wegen der Betriebs-Uebernahme der vorpommer'schen Bahnen machen. Bei dieser Gelegenheit soll auch der Betrieb der Zweigbahn-Strecke Pasewalk-Mecklenburgische Grenze unter Ertheilung der Zinsgarantie für das Anlage-Eapital übernommen werden. Die bezüglichen Abmachungen mit der Berlin-Stettiner Bahn sind darüber bereits getroffen.
München, 19. December. Im wetteren Verlaufe der Sitzung der Abgeordueten-Kammer wurde der Gesetz-Entwurf, betr. die Erweiterung des Staatseisenbahn-Netzes durch die Herstellung einer Eisenbahn von Lohr nach Wertheim mit 121 gegen 31 Stimmen angenommen; die Minorität bestand aus Ultramontanen.
Stuttgart, 19. November. Prinzessin Marie, Gemahlin des Thronfolgers Prinzen Wilhelm von Württemberg, Tochter des Fürsten von Waldeck, ist heute Nachmittag um 2 Uhr von einer Prinzessin glücklich entbunden worden.
Hesterreich.
Wien, 19. December. Das „Neue Tagebl." meldet aus Belgrad: Gerüchtweise verlautet, daß die serbische Avantgarde unter Horvatovic bet Bel- gradzyk ihre Vereinigung mit einer russischen Abthetlung vollzogen hat.
Wien, 20. December. Die „Presse" enthält folgende Mittheilungen: Der Perwaltungsrath der ungarisch-galizischen Eisenbahn hat die Voll-Einlösung des Januar-Actten-Coupons befchloffeu. — Aus Bukarest, 19. Decbr.: Die Verwaltung der rumänischen Eisenbahn wurde verständigt, daß demnächst 24,000 Mann mit Pferden und Geschützen nach Bulgarien durchmarschtren würden. — Aus Sistowa: Bei der Insel Warden und bei Satunowo werden zwei neue Donaubrücken errichtet. Die Hauptmacht Suleiman Pascha's hat sich aus der Umgebung von Rustschuk zurückgezogen. — Aus Tiflis: General Heimann hat die in Erzerum residirenden Consuln aufgefordert, mit ihren bez. Landes-Angehörigen die Stadt zu verlaffen, da deren Belagerung und Beschießung bevorstehe.
Pesth, 20. December. Im Zoll-Ausschuß des Abgeordnetenhauses sprach sich gestern Graf Albert Apponyi gegenüber Baros für Annahme des Zoll-Tarifs aus. Minister-Präsident v. Tisza erklärte sich bereit, die Aufrechterhaltung der Zölle für Industrie-Artikel von der Annahme der Finanzzölle in Oesterreich abhängig zu machen; es sei dies aber schwer durchführbar, wenn die Finanzzölle in Ungarn bekämpft oder verworfen würden. Der Ausschuß acceptirte darauf mit 7 gegen 5 Stimmen den vorgelegten Zoll-Tarif als Grundlage; alsdann wurden die ersten vier Paragraphen unverändert angenommen.
Nagufa, 19. December. 6000 Türken von Podgoritza schlugen ein montenegrinisches Corps und marschiren Scutari und Antivori zu Hülse. Die Montenegriner haben die Anhöhen, welche Antivari beherrschen, besetzt.
AranLreich.
Paris, 20. December. Lkpöre ist zum Unterstaats-Secretär im Ministerium des Innern ernannt worden. — Eine Note des „Journal des D^bats' dementtrt entschieden die Gerüchte, daß von einer Conversion der 5procentigen Rente die Rede ist. -- Daffelbe Blatt sagt: Unbestreitbar gewiß ist, daß die englische Regierung die Mächte ernstlich sondirt, um zu erfahren, ob es nicht möglich wäre, eine gemeinsame diplomatische Action in's Werk zu setzen.
er HHeil.
England.
London, 17. December. Der Besuch, welchen die Königin am Samstag ihrem ersten Minister Earl Beaconsfield in Hughenden abstattete, war eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung und verdient entsprechend gewürdigt zu werden. In ihrer mehr als 40jährigen Regierung hat die Königin bisher nur zweimal ihre Premier-Minister mit persönlichen Besuchen beehrt, das erstemal besuchte sie den Lord Melbourne, ihren persönltchen Freund und Rathgeber, in Brocket Hall im Jahre 1841, der zweite Besuch, im Jahre 1843, galt dem damaligen Premier Sir Robert Peel in Drcyton. Es sind also 34 Jahr verstrichen , ehe sich ein neuer ähnlicher Fall zugetragen, und Earl Beaconsfield darf wohl mit der Zusammenstellung mit solchen Vorgängen zufrieden sem. Die Königin hat überhaupt nur sehr selten Unterthanen besucht. Bet Gelegenheit ihrer Fahrt nach Hughenden wurde fie von der Bevölkerung in loyalster Weise begrüßt und die Stadt High Wycombe ließ ihr durch eine Deputation eine Bewillkommnungs-Adreffe überreichen. Zum Andenken an ihren Besuch pflanzte die Königin in Hughenden einen Baum und die Prinzessin Beatrice that desgleichen.
London, 19. December „Standard" jagt: Nicht die Schwäche der Türkei erheischt die Schwenkung der bisherigen britischen Politik; nicht der Steg der Ruffen, sondern die Freihtit, welche die Kaisermächte Rußland gewähren, um seinen Sieg nach Belieben auszunützen, bildet die Gefahr für die britischen Jntereffen. England kann niemals die Beilegung des Zwistes unter solchen Bedingungen billigen und es mag sogar Ursache haben, gegen ein n directen Frieden zwischen den Kriegführenden zu protestiren. England beansprucht seine Stimme bei der Regelung. Um hierauf bestehen zu können, adov- tirt die Regierung jene Maßregel, welche zu sanctioniren das Parlament angegangen wird. — „Times" mißbilligt auf das Entschiedenste den Schritt der Regierung; sie glaubt, die Jntereffen des Landes wären jetzt in keinerlei Gefahr.
London, 20. December. Die „Times" glaubt nicht, daß das Motiv ür die Einberufung des Parlaments die Forderung eines Credtts für militärische Maßnahmen sein würde. Die Forderung eines Credtts sei allerdings äußerst wahrscheinlich, aber nur au dem Zwecke, um gewisse Jntereffen Englands im Auslande vermittelst der zu bewilligenden Geldmittel zu schützen.
Starten.
Rom, 20. December. Die „Jtalie" meldet: Die Minister-Krisis dauert fort; noch ist keine Combination zu Stande gekommen, Es bleibt ausgemacht, daß das Ministerium aus den Mitgliedern der Majorität bei der Abstimmung vom letzten Freitag gebildet wird. — Die Befferung in dem Befinden des Papstes hält an. — Der König reist heute Abend nach Turin und wird am Samstag zurückkehren.
Rußland.
Petersburg. Die russischen Blätter führen eine sehr übermüthige Sprache Angesichts des Falles von Plewna. Die „Neue Zett" erklärt, Rußland muffe im Orient herrschen. „Ob Plewna die Vorhalle Rasgrads ist, ob es den ersten Schritt zu dieser Stadt bedeutet — unsere Loosung ist: Vorwärts, vorwärts! Hoch gehoben ist die Fahne der Befreiung, die nationale Fahne der Erneuerung eines großen Stammes, und Rußland wird diese Fahne nicht sinken lassen." Der „Graschdanin" schreibt noch deutlicher: Der Sturm auf Konstantinopel würde sicherlich hundert Mal weniger Schwierigkeiten bieten, als der Sturm auf Kars. Bei aller Friedensliebe des russischen Volkes ist anzuerkennen, daß es noch keinen schnellen Friedensschluß erwartet, indem es instinctiv erkennt, daß der Zweck des Krieges, d. h. Befreiung der Orient- Christen, nicht vor völliger Vernichtung der türkischen Macht erreicht werden kann. Im Volksbewußtsein unterscheidet sich der Sultan in nichts von den durch Rußland vernichteten kasan'chen, astrachanffchen, krim'schen Czaren. Der Kampf wird sein Ziel erreichen, wenn die Herrschaft der Osmanen vernichtet ist, wie die Herrschaft der russischen Tataren, und wenn die türkischen Fürsten ebenso friedlich mit Seife und Schlafröcken handeln, wie die kasanffchen und astrachan'schen Fürsten." Auch die „Ruff. Welt" ist jetzt mehr als Je für eine endgültige Lösung der orientalischen Frage. Unter der unmittelbaren Mitwirkung der befreiten Völker, der Slaven und der Griechen, muffe Rußlands mächtiges Schwert jetzt den gortischen Knoten zerhauen. An eine feindliche Einmischung sei nicht mehr zu denken, wie dies schon aus den letzten Aeußerungen des Lord Derby und des Grasen Andraffy hervorgehe. Dieser Gedanke sei veraltet und nicht mehr zu fürchten. In der öffentlichen Meinung Rußlands herrsche kein Unterschied hinsichtlich der Beendigung des Krieges. Eine einzige russische Zeitung habe sich erlaubt, auf die Einnahme Plewnas als auf den Vorboten des Friedensschluffes hinzuweisen; sie habe aber nichts gemein mit der Stimmung der übrigen Preffe und der russischen Gesellschaft.
Odessa, 20. December. Der Kaiser ist am 19. d., Mittags, in Ras- delnaja etngetroffen und daselbst von den Local-Behörden der Landschaft, dem


