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wurde die Interpellation auf die Tagesordnung vom Montag gesetzt. Die Gruppen der Rechten haben im Anschlüsse an die Interpellation folgende Tages­ordnung vorbereitet: Der (Senat, intern er die Erklärungen der Regierung billigt und, entsprechend den conjervativen Grundsätzen, welche er stets unter­stützt hat, von dem Streben beseelt, die Prärogative, welche jeder der öffent­lichen Gewalten zukommen, aufrecht zu erhalten, geht zur Tagesordnung über.

Versailles, 19. November. In der Sitzung des Senat- beantragte Arago im Namen der Gruppen der Linken die Vorfrage hinsichtlich der Inter­pellation Kerdrel's, da letztere unconstitutionell sei und in die Rechte der Depu- tirten-Kammer eingreife. Der Senat wies jedoch die Vorfrage mit 155 gegen 130 Stimmen zurück.

AtaNerr

Rom, 17. November. Die aus mehreren italienischen Officieren be­stehende Commission, die bei Besichtigung und Prüfung der neuen Krupp'schen Belagerungs-Geschütze in Bredelar anwesend war, besucht noch wettere derartige Etabliflements und hat auch dem Creuzot in Frankreich einen Besuch zugedacht. Der hiesige deutsche Verein veranstaltete ein Diner zu Ehren seines neu gewählten Vorsitzenden, Bildhauers Cauer, wozu auch der deutsche Botschafter v. Keudell eingeladen war. Der italienische Botschafter in Wien, Graf Ro bilant, kehrt am Dienstag nach Wien zurück und wird vorher vom Könige in Audienz empfangen werden.

Außland.

Petersburg, 19. November. Von einer Note Lord Derby's, die sich angeblich gegen die etwaige Besitzergreifung Armeniens durch Rußland richten soll, ist hier in bestunterrichteten Kreisen nichts bekannt.

Türkei.

Konstantinopel, 16. November. Die ZeitungVakit", welche Eng­land feindliche Artikel veröffentlichte und die Mohamedaner Indiens zur Erhe­bung aufforderte, erhielt eine Zuschrift, welche besagt, die Regierung dulde solche Artikel nicht, weil England der Freund der Türkei sei.

Abends. Von der Versammlung der 40 Delegirten der Konstanti­nopeler Wähler, welcke im Ganzen 10 Deputirte zum Parlament zu wählen hat, wurden heute 6 Deputirte gewählt, 4 Mohamedaner und 2 Christen.

Konstantinopel, 16. November. Der Sultan überreichte heute der Bür­gergarde Fahnen und hob in seiner Ansprache hervor, die Ehre der Nation erfordere die Vertheidigung des Vaterlandes, seiner Rechte und Würde durch Ausübung des allgemeinen Kriegs-Dienstes. Er sei glücklich, zur Vermehrung der Streitkräfte durch die Schaffung der Bürgergarde beizutragen. Gott möge die Fahnen ein Zeichen der Unabhängigkeit und Wahrung der Rechte der Türkei sein lasten.

Konstantinopel, 18. November. Heute fand hier die Wahl zur Ver­vollständigung der Deputirten- Wahlen statt. Von den gewählten 10 Depu­taten sind 4 armenische Christen, 6 Muselmänner, unter diesen Sadyk Pascha.

Aumänien

Bukarest, 17. November. Durch fürstliches Decret sind die Kammern auf den 27. November Unberufen. Bei einem Gefecht vor Plewna am 15. d. wurde General Skobeleff leicht verwundet. Derselbe behält jedoch sein Commando.

Der orientalische Krieg.

Konstantinopel, 17. November, Abends. Nachrichten aus Erzerum von Donnerstag Abend zufolge hatten die Rusten Verstärkungen erhalten und trafen Vorkehrungen, die Stadt von der Nordseite anzugreifen. Das Wetter war bester geworden.

Konstantinopel, 18. November, Abends. Nach einer Meldung Reuf Pascha's aus Schipka hatte derselbe neue 44pfündige Mörser in Position ge­bracht, durch welche zwei russische Geschütze im Fort Nikolai demontirt wurden. 732 früher nach Oesterreich geflohene römisch-katholische Bosniaken haben ihre Unterwerfung angezeigt und sind in ihre Dörfer zurückgekehrt.

Petersburg, 18. November. Amtlich wird aus Wecan-Kaleh von heute gemeldet: Kars ist heute erstürmt worden. Der Kampf, der gestern Abend 9 Uhr begonnen hatte, war heute Morgen 8 Uhr beendigt. Ueber die Trophäen, sowie über die Verluste der Rusten ist noch nichts bekannt.

Konstantinopel, 19. November. Einem amtlichen Telegramm zu­folge besichtigte Mehemed Ali Pascha die Festung Ntsch und traf am Freitag in Sofia ein. Eine russische Abteilung, die vorübergehend Berkowatz besetzt hatte, mußte sich wieder zurückziehen, nachdem die Türken Verstärkungen heran­gezogen hatten.

Petersburg, 19. November. Eine Depesche desGolos" aus Weran- Kaleh vom 18 d. meldet: Die Rusten kämpften bei der Erstürmung von Kars mit beispielloser Tapferkeit; auch die Türken vertheidigten sich mit verzweifelter Bravour. Ein Theil der Garnison versuchte gegen Olti hindurchzubrechen, wurde aber durch Kavallerie abgeschnitten. 7000 Türken wurden gefangen ge­

nommen, darunter zwei Pascha's und der Stabs Chef der Artillerie. Die Beute der Rusten bestand in Fahnen, 300 Geschützen, Gewehren, Munition und Proviant. Ihre Verluste sind noch nicht bekannt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 20. Nov. Wir lassen nachstehend die Tagesordnung für die Sladt- verordneten-Sitzung am Donnerstag den 22. November 1877, Stachmittags 4 Uhr, im Sitzungssaale des alten Realschulgebäudes, folgen:

1. Die Erbauung eines Garntsons-LazarethS.

2. Gesuch des Maschinenbauers Hetligenft äd t um Erlaubniß zur Errichtung eines Hintergebäudes.

3. Gesuch des Kaufmanns L. A. Müller um Erlaubnis zu Vornahme von Bauveränderungen.

4. Bauwesen des Stadtverordneten Kauf in der Kaplansgasse.

5. Bauwesen des Löb Süß.

6. Den städtischen Platz zwischen der Reichensandftraße und dem Tiefenweg betreffend.

7. Erdauffüllungen im Gartfeld und der Schwarzlach.

8. Anlagen auf der Schoor zwischen Wallthor und Neustadt.

9. Anlegung einer Straße vom Asterweg nach dem Gartfeld.

10. Straßenumbau zwischen SelterS- und Neustädter Thor.

11. Die Anlegung eines Trottoirs vor dem Neuftädter Thor.

12. Bedürfnisse im Schulhause in der Schulstraße.

13. Bauliche Veränderungen im rechtsseitigen Thorhaus am Wallthor.

14. Verwendung eines Theils des Gartens der alten Realschule zu Schul­zwecken.

15. Graben-Arbeiten in der Altentischwiese.

16. Die Instandhaltung der städtischen Karre.

17. Frachtsendungen für die Stadt Gießen.

18. Die Bedingungen bei Holz Versteigerungen.

19. Der Transport von Leichen Verunglückter betreffend.

20. Gesuche um Erlaß von Communalrückständen.

21. Die Ueberlassung des RathhauSsaales an den Frauen-Verein.

22. Kostendecretureu.

23. Die Ergäozungtzwohl der Stadtverordneten.

24. Die Verwendung einer Diaconissin für die Armenkrankenpflege.

Gießen, 20 Nov. Die in einem sehr ruhigen und anständigen Tone geschriebene Einladung zur Bürgeroersammlung am 19. Oktober sowie auch das ,,Eingesandt" in unserer Sonntagsnummer lockte eine sehr große Anzahl, von wir möchten hier den Ausdruck gebrauchen,Kernbürger", die Elite der Bürgerschaft, nach Wenzel's Garten. Aber, man findet kaum einen bezeichnenden Ausdruck um das Benehmen derHerren" zu charakterisiren, die diese Versammlung berufen haben und das Publikum an der Nsse herumführten. Es dauerte bis gegen 9 Uhr und noch immer fand sich keiner der Herren" bereit die Versammlung zu ei öffnen und die Verhandlungen einzuleiten. Es erfolgten Interpellationen an das Publikum und an den Wirth wer die Versammlung berufen, keine oder ausreichende Antwort geschah, so daß mit tiefster Erbitterung das Publikum den Saal verließ. Es ist traurig, daß wir uns anderen Städten unseres Großherzogthums gegenüber bloSstellen müssen. Aber, indem wir das Faktum der gestrigen Versammlung constatiren, vermögen wir nicht unsere Ent­rüstung solchen Herren gegenüber hintanzustellen, welche sogar dte Freihett hatten den gesamnnen Stadtvorstand zu dieser Versammlung einzuladen. Wir wissen nicht, wir es Feigheit oder Dummheit, daß man sich nicht hinstellte und sagte,wir sind die­jenigen die die Versammlung beriefen um aus dem Partetgetrtebe daS Beste für unsere Stadt zu besorgen." Dem Wirth kann man keine Schuld betmefsen, er war nur selbst der Dupirte. Das Publikum aber wird sich für die Zukunft hüten einer anonym ein­berufenen Versammlung Folge zu leisten. Wir gebrauchen nicht gerne scharfe Aus­drücke, aber wenn man mit Ehrensachen der Bürgerschaft Spott und Hohn treiben will, bann ist es am Platze, d.ß man denHerren" sagt, was ihnen zu wissen nökhtg ist.

Handel und Verkehr.

Gießen, 20. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pid. XAAO, Hühnereier, per Stück 78 Käse, per Stück 511 Käsematte, per Stück 3 Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 22 H, Tauben, das Paar 50 Hübner, per Stück 70 H, Hahnen per St. 60 H, Enten X 2, Gänse per Psd. 50 H, Kartoffeln 100 Kilo 7 x

Frankfurt, 19. Nov. Der heutige Viehmarkt war mit Ochsen etwas besser befahren als der voi'ge, die Preise hielten sich auf früherer Höhe. Angetrieben waren 320 Ochsen, 150 Kühe, 180 Kälber und 600 Hämmel und Schafe. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 7375, 2. Qual. X 6769, Kühe 1 Qual. X 6063, 2 Qual. X 5456, Kälber 1 Qual. X 58 60 2. Qualstät X 5154 Hämm l 1. Qual. X 5154, 2. Qual. X 4850, Schafe 1. Qualität X 4648, 2. Qualität X 4042.

6285) Jedermann weiß, welch ein ausgezeichnetes Medikament der Theer gegen Bron­chitis, Schwindsucht, Katarrh, Erkältungen, und im Allgemeinen gegen Hals» und Lungcnkrankheiten ist.

Unglücklicherweise wenden viele Kranken, denen dieses Produkt nützlich sein würde, dasselbe gar nicht an, sei es nun seines Geschmackes wegen, der nicht Jedermann zusagt, oder sei es der Umständlichkeiten halber, welche die Bereitung des sogenannten TheerwasserS stets verursacht.

Heute ist, Dank der sinnreichen Erfindung des Herrn Guyot, Apotbeker in Paris, auch dieser mehr oder weniger gerechtfertigte Wioerwillen der Kranken gegen obigeS Produkt beseitigt.

Es ist Herrn Guyot gelungen, den Theer in eine leichte Hülle durchsichtiger Gallerte zu verschließen und daraus runde Kapseln, etwa in Pillengröße darzustellen. Man nimmt diese Kapseln beim Mittag: und Abendesien und lasten dieselben hierbei auch nicht den geringsten Nach­geschmack zurück. Im Innern löst sich dann die den Theer verschließende Hülle auf, letzterer wird frei und mit der größten Raschheit absorbirt.

Diese Kapseln besitzen eine unverwüstliche Erhaltungskraft; selbst bei angebrochenen Flacons haben die restirenden ihre volle Wirksamkeit noch nach Verlauf mehrerer Jahre bewahrt.

Die Guyot'schen Theerkapseln schließen für sich allein eine vollkommen rationelle Cur in sich, deren Kosten auf nicht höher als 10 12 H täglich zu stehen kommen und welche die Anwendung jeder weiteren Medikamente, Tisanen re., alS überflüssig erscheinen läßt.

Wie alle guten Produkte, haben auch die Guyot'sche Theerkapseln zahlreiche Nachahmun­gen gefunden. Herr Guvot kann daher nur für diejenigen Flacons eine Garantie übernehmen, welche mit seiner Unterschrift in dreifarbigem Drucke versehen sind.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

Die verehrlichen Mitglieder des Spar- und Leihkasse- Vereins zu Gießen werden auf

Donnerstag den 22. d. M., Nachmittags 3 jdjr, in das Sparkassehaus zu einer Hauptversammlung einge- laden.

Tagesordnun g :

1) Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1876.

2) Ergänzungswahl des Ausschusses.

3) Berathung über die von dem Rechner zu zahlende Miethe. Gießen, den 6. November 1877.

Ter Director des Spar- und Leihkasse-Vereins zu Gießen:

Haberkorn.

6509) Nachdem Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Hungen die Genehmigung ertheilt hat, eine höhere Schule zu errichten, und dem Stavtvorstand es gelungen ist, m der Person des Herrn Dr. phil. Kellner, seitheriger Oberlehrer der Real­schule zu Hanau, sowie des Herrn Pfarramtscandidaten Gauert, seitheriger Jnstitutslehrer dahier, anerkannt tüchtige Lehrkräfte zu engagiren, so wird hier­mit zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß diese Schule am 1. December 1877 ihren Anfang nimmt.

Bezüglich des in dieser Schule ertheilt werdenden Unterrichts sowohl, als auch der zu leistenden Schulgeldern ist der Unterzeichnete bereit, jede gewünschte Auskunft zu ertheilen, sowie Anmeldungen entgegen zu nehmen.

Hungen, den 19. November 1877.

(Srosiherzogliche Bürgermeisterei Hungen.

Bender.

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