nachkommen und die Nothwendigkeit einer Invasion des Landes beseitigen werde. Eine Abänderung der dem General Ord ertheilten Instructionen ist indeß nicht in Vorschlag gebracht worden.
Der orientalische Krieg.
Wien, 17. Juli. Eine Meldung der „Presse" aus Giurgewo zufolge ist die Bahnlinie Küstendsche-Czernawoda, sowie die Linie Jamboli-Karapnnar unterbrochen.
Konstantinopel, 17. Juli. Der Minister des Auswärtigen hat den Vertretern der Pforte im Auslande folgende Mittheilung zugesendet: Nach den der Pforte zugegangenen Depeschen haben die Rusten mit einigen Bataillonen den Balkan bei Bonghaz überschritten, wo nur ein Bataillon Tücken zur Stelle war. Dasselbe mußte sich zurückziehen, nachdem es den Rusten in heroischem zweistündigem Kampfe den Uebergang streitig gemacht hatte. Der Marine- Minister, Reuf Pascha, welcher im Balkan gegenwärtig ist und nicht erwartete, daß die Rusten an dem genannten Orte übergehen würden, begab sich eiligst an jene Stelle, griff den Feind an und warf ihn zurück.
Wien, 17. Juli. Auf die Anfrage der rumänischen Regierung, ob Oesterreich gegen die Ueberschreitung der Donau durch zwei rumänische Armee- Corps etwas einzuwenden habe, erfolgte der „Preste" zufolge die Antwort: Oesterreich wolle sich nicht in die militärischen Dispositionen Rumäniens einmischen, gebe jedoch zu bemerken, daß es aus dem rechten Donau-User absolut kein Gebiet für Seitens Rumäniens zu machende Eroberungen gebe. — Ferner meldet die „Preste" aus Bukarest, 16. Juli. Heute Nachmittag wurde in Giurgewo von der entgegengesetzten Seite von Rustschuk her starker Kanonendonner gehört. Die türkische Polen-Legion hat sich aufgelöst. — Das „Tageblatt" meldet aus Odessa: Vier türkische Monitors haben in der Nähe von Sebastopol Anker geworfen.
Bukarest, 17. Juli. Im Balkan operiren 70,000 Rusten, nämlich das 8. Armee - Corps, Theile des 9. und 12. Armee-Corps, die bulgarische Legion und das „fliegende Corps" (Skobeleff); das 7. Armee-Corps folgt theilweise. Das 14. Corps steht in der Dobrudscha. Das 4., 11., 13. und 14. Corps, sowie Theile des 7. und 12. Corps operiren gegen das Festungs- Viereck. Die Bahn-Linien Küstendsche-Tschernawoda und Rustschuk-Varna sind in Folge des Vorrückens der Rusten unterbrochen.
Konstantinopel, 17. Juli. Die Aufregung ist groß. Die Botschafter verlangen die Bewilligung der Einfahrt von Kriegsschiffen. Der Sultan dürfte dem allgemeinen Drängen nachgeben. Die SostaS sind unzufrieden mit der Unthätigkeit Abdul Kerims und verlangen die Entfaltung der Fahne des Khalisen.
Wien, 17. Juli. Der „Polit. Corresp." zufolge hätten die Rusten bei Einnahme von Nikopoli 40 Kanonen und 2 türkische Monitors erbeutet. Die gefangenen Paschals seien Achmet und Hassan. Derselben Correspondenz zufolge stände es nunmehr definitiv fest, daß die rumänische Armee nicht offensiv vorgehen, sondern nur die Aufgabe haben werde, die Donaulinie zu decken.
London, 17. Juli. „Reuters Bureau" meldet aus Schumla vom 17. d.: Die Rusten haben Medschidie und Mangalir in der Dobrudscha besetzt, nachdem die Türken die Plätze geräumt hatten.
Konstantinopel, 17. Juli. Der Ministerrath tagt in Permanenz. Die Mohamedaner werden durch eine Proclamation zur allgemeinen Bewaffnung aufgerufen. Die Pforte ist noch keineswegs entmuthigt. An der Linie Jenisagra- Jamboli finden Kämpfe statt, deren Ausganz noch unbekannt ist.
Wien, 18. Juli. Das „Tageblatt" meldet aus Cetttnje vom 17. d.: Der Fürst von Montenegro ist heute in Ostrog eingetroffen, um morgen nach zwei Richtungen hin die Offensive zu ergreifen. Aus Serajewo: Die Aufständischen sind von Ismet Pascha bei Sreditz geschlagen; eine große Anzahl derselben wurde sodann bei Kobath in den Sair-Fluß getrieben; die übrigen entflohen in den Maroititzer Wald. In einem Tagesbefehl des Gouverneurs von Bosnien wird die Schonung der Gefangenen und Verwundeten anempfohlen und ferner eingeschärft, daß die Kirchen heilig gehalten und nicht beschoffen werden sollen.
Konstantinopel, 18 Juli. Ueber den Vormarsch der Russen in Bulgarien liegen keinerlei osficielle Nachrichten vor; auch fehlen Details über die von Reuf Pascha über das den Balkan überschrittene russische Corps errungenen Vortheile. Ein Theil des Corps Suleiman Pascha's ist in Thracien eingetroffen. Die Türken sollen dem Vormarsch der Ruffen In der Dobrudscha Widerstand leisten.
Lokal-Atotiz.
Gießen, 19. Juli. Für Feuerwehrleute, die Zeit und Lust haben auswärtige Versammlungen zu besuchen, bietet sich in nächster Zett vielfache Gelegenheit. Am 29. l. M. hält die Feuerwehr Alsfeld Nachmittags eine größere Uebung ab und hat auf Wunsch benachbarter Kameradschaften hierzu Einladungen nach Fulda, Schlitz, Stock hausen, Lauterbach, Grünberg und Gießen ergehen lasten. Abfahrt Mittags 12 Uhr, Rückkunft Nachts V2II Uhr. Sodann folgt am 12. u. 13. August die Versammlung aller deutschen Feuerwehren in Stuttgart mit großer Ausstellung, zu der selbst vom Auslande — Rußland, Ungarn rc. — schon zahlreiche Anmeldungen ergangen sind. Die Theilnahme ist durch Preisermäßigung bei allen Bahnen abwärts Frankfurt erleichtert- Anmeldungen auf Karten müssen bis zum 22. I. M. bei hiesigem Commando geschehen. Endlich findet am 26. u. 27. August die Jahresversammlung der Hessischen Feuerwehren inBessungen statt, die voraussichtlich von hier aus stark besucht werden dürfte. Anmeldungen bis zum 18. August bei A. Scheyda.
Gießen, 19. Juli. Wir lassen nachstehend das Protokoll der Stadtverordneten- Sitzung vom 12. Juli folgen:
1 . Die von Herrn P h. Christian Euler nachgesuchte Pflasterung der Trottoir vor seinem Hause an der Ludwigsstraße soll solange ausgesetzt bleiben, bis dieselbe auch vor der Besitzung des Herrn Bepler vorgenommen werden kann und die damit in Verbindung stehende, vorerst erforderliche Auffüllung vor derselben soll geschehen, wenn das angefangene Wohnhaus des Herrn Bepler unter Dach gebracht ist.
2 » Herr Redacteur A. Scheyda will seine, ehemals Wagner'sche Besitzung an der Ganenstraße mit einer Einfriedigung versehen lasten, bet deren Ausführung nach dem vorgelegten Plane nichts zu beanstanden ist.
3 . Der zur Vorlage gekommene Entwurf einer Instruction für die städtischen Schuldtener wurde genedmigt.
4 Bet der in heutiger Sitzung vorgenommenen Verloosung der für das Jahr 1877 zur Rückzahlung kommenden Schuldverschreibungen auf Inhaber wurden folgende Nummern gezogen, und zwar:
1. von dem 3y2o/oipen Anlehen:
Lit. A. No. 83, 102, 136 u. 146 a 1714 JL 29 X
Lit. B. No 15, 17, 40 122, 123 u. 125 ä 857 14
Lit. C. No. 11, 25, 59, 338, 348 u. 376 a 171 43 X
Lit. D. No. 31, 34, 38 u 52 ä 85 JL 71 H.
2. von dem 4o/gigen Anlehen:
Lit. A. No. 7 zu 1714 JL 29 H.
Lit. B. No. 55 u. 91 a 171 43 M
5. Eine vacante Hospttalpfründe wurde nach dem Vorschlag der Armendeputation vergeben.
6. Wegen verschiedenen Communalsteuerbeträgen aus dem Jahr 1876 mit zusammen 18 jl 47 ist Niederschlagung beschlossen worden, da über die Zahlungsunfähigkeit der Schuldner der erforderliche Nachweis erbracht wurde.
7. Auf ein an die Stadtverordneten-Versammlung gerichtetes Gesuch der Herren Metzgermeifter Pirr und Seng um Erlaubntß zur Errichtung von Schlächtereien in ihren Behausungen soll denselben geantwortet werden, daß sie dasselbe an Gr. Kreisamt zu richten hätten, indem dem Stadtvorstand nur die Begutachtung solcher Gesuche zustehe.
8. Das Gesuch des Herrn Kaufmanns L- A. Müller um Erlaubniß zur Vornahme von Aenderungen an dem Laden des ehemals Burckhardt'schen Hauses auf der Mäusburg soll befürwortet werden. Ebensa das Gesuch der Frau W. Z u r b u ch Wttw., welche in den Eichgärten ein neues Gebäude für Lackkocherei und Waarenlager errichten will unter Verweisung darauf, daß die Beibehaltung der Lackkocherei das dortige Bauquartier nicht begünstigen werde.
Landwirthfchaftliches.
Schlachtvieh- und Ileisch-Ausfuhr nach London.
tDeutsche Landwirthschaftliche Presse).
Der Fleischconsum in Großbritannien ist sehr beträchtlich und betrug im Jahre 1871 ca. 851/4 Pfd. per Kopf der damals 31,61 Millionen ausmachenden Bevölkerung, was 2,713,136,720 Pfd. ausmacht Im Jahre 1875 erreichte der Fleischconsum 96 Pfd. per Kopf, was bei der auf ca. 32y2 Millionen gestiegenen Bevölkerung 3,120,000,000 Pfd. beträgt.
Im Jahre 1872 wurden an englischem Vieh geschlachtet:
1,290,000 Stück Hornvieh angenommen zu 853,720,000 Pfd.
460,000 „ Kälber „ „ 45,080,000 „
10,640,000 „ Schafe u. Lämmer „ „ 712,880,000 „
4,846,000 „ Schweine u. Ferkel „ „ 644,546,000 „
Summa 2,256,226,000 Pfd-
Consum betrug 2,713.136,720 „
Ergab einen Mangel von 456,910,720 Pfd.
— 203,978 Tons k 2240 Pfd.
Solcher wurde ersetzt:
a) durch fremdes „todtes" Fleisch (deadmeat), frisch und gesalzen, Schinken, Speck rc., im Betrage von........... 142,574 Tons Gewicht-
b) durch eingeführtes lebendiges Vieh von. . 61,404 „ „
Letzteres bestand aus:
110,537 Stück Ochsen und Bullen,
28,840 „ Kühen,
33,525 „ Kälbern,
809,817 „ Schafen und Lämmern,
16,102 „ Schweinen.
Den Bedarf an lebendigem Schlachtvieh lieferte Großbritannien, also bis.........83.16 pCt.
und das Ausland zu nur........5.07 „
an sog. „todtem" Fleische das Ausland freilich 11.77 „
Es erhellt, wie winzig klein die Zufuhr von Schlachtvieh gegen den beträchtlich wachsenden Fleischbedarf Englands ist und der deutsche Viehzüchter und -Mäster sic- wegen eines künftig abnehmenden Exports daher beruhigen kann — freilich aber auf ein Liefern guten Schlachtviehes mehr und mehr sehen und streben muß. Auch die neueren Sendungen frischen Fleisches von New-Bork können keine Gefahr für uns bieten, denn abgesehen davon, daß das amerikanische Fleisch im Allgemeinen wenig schmackhaft sein soll, sind die Preise desselben in New-Aork hoch und der Vtehtransport aus dem fernen Westen theuer; ebenso die Schiffsfracht bis Liverpool, sowie die Eisenbahnfracht nach London, wozu die beträchtlichen Verpackungs- und Bewahrungskosten, die Speesen und mancherlei sonstige Kosten kommen, auch doch ein Gewinn dabei erübrigt werden soll.
Uebrigens können die Schlächter in den deutschen Hafen-Städten mit den New- Aorkern leicht concurriren, indem sie das frische Fletsch, in halben Cadavern sorgsam etngenäht, ohne große oder absonderliche Vorrichtungen z. B. von Hamburg u. Bremen binnen 50 Stunden bestens nach London liefern können, und zwar für vielleicht y10 der Fracht, die der New-Aorker zu zahlen hat, dessen Unternehmen sich schwerlich im yohen Sommer durchführen lassen wird. Ein 2—3 Tage altes Fletsch zieht aber die Hausfrau (auch die englische) dem ganz frischen vor. Erwägt man endlich die Kosten, das Risico und die Gewichtsverluste, welche mit dem Senden von Schlachtvieh nach England verknüpft sind, sowie die Schererei, welche die dortigen sanitätspolizeilichen Maßregeln herbeiführen und meistens das Schachten des ausgeschifften Viehes, oder ein Quarantainehalten am Hafenorte vorschretben — so wird das Senden von ganzen oder halben Cadavern nach England mehr und mehr zunehmen und in unseren Hafenorten voraussichtlich ein derartiges großes Geschäft sich ausbilden, was für unsere Viehzüchter und -Mäster nur erwünscht fein kann. Mr. Read, ein bedeutendes Parlamentsmitglied und Vertreter von Norfolk im Unterhause, durch dessen Güte ich die vorstehenden Zahlen habe, äußert sich ähnlich. —
Wie beträchtlich übrigens der Fleischconsum und die Vteheinfuhr in Großbritannien seit btr 1836 durch Robert Peel veranlaßten Aufhebung jeden Einfuhrzolls auf Vieh (wie auf Korn) zugenommen haben, das sagen nachstehende Zahlen:
Jahr
Rindvieh
Schafe
Schweine
1842
4,264
644
410
1845
16,833
15,957
1,509
1849
53,449
129,266
2,653
1856
83,306
145,059
9,916
1862
97,887
299,471
18,162
1870
202,172
669,905
95,724
1875
263,698
977,863
71,928
An „todtem Fleische" aller Art, an Schinken und Speck, frisch resp. gesalzen, geräuchert, stieg der Import seit 1842 bis 1875 incl. von 92,000 Ctr. auf 3,431,542 Ctr.
Der Preis für „Beef" war
de 1848/53 in London 4 sh. 21/r d. für 8 Pfd.
de 1874/75 „ „ 5 „ 8«/2 „ „ „ „
Der Preis für „Mutton" war
de 1848/53 in London 4 sh. 5 d. für 8 Pfd.
de 1874/75 „ „ 6 „ 5 „ „ „ „
Die Fleischpreisc erhöhten sich demnach innerhalb 22 Jahren: für „Beef" um . . . 35yt pCt. und für „Mutton" um 45 „
Bemerkenswerth ist ferner, daß die verschiedenen Gesetze, welche theils sehr strenge resp. erschwerende Maßregeln für das importirte Vieh enthalten, namentlich die Gattie Diseases Prirention Act (1864), ferner die Contagions Diseases (Animal) Act (1869), und endlich die Animais Order of 1875 den Import von Vieh nicht verminderte, wie aus den vorstehenden statistischen Erhebungen heroorgeht.
Die vor dem diesjährigen Ausbruch der Rinderpest in England von der Central Agricultural Chamber bet dem Privy Council eingebrachten Anträge, die Sicherheitsmaß- regeln gegen importtrtes Vieh betreffend, bestanden im Wesentlichen in folgenden:
1. Erlaß eines neuen allgemeinen Gesetzes mit „befehlenden" (imperativen) statt unter Umständen „gestattenden" (permissiven) Bestimmungen, mit Aufhebung aller Verordnungen (Orders) des Priry Council.
2. Alles einzuführende Vieh dürfe nur auf Schiffen kommen, welchen besondere „Licenz" dazu ertheilt ist und vorgeschrtebene Einrichtungen rc. in den betr. Räumen haben.
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