Lauf gelassen werden muffe. Die italienische Negierung hat die Arbeiten zur Befestigung RomS nunmehr wirklich in Angriff genommen; natürlich stehen dieselben nicht sowohl mit den orientalischen Angelegenheiten, als mit den sich in Frankreich vorbereitenden Dingen ui Zusammenhang.
Deutschland.
Elberfeld, 16. August. Die „Elberf. Ztg." meldet: Dem nächsten Landtage wird eine Vorlage zugehen, betreffend die Erwerbung der seither im Eigenthum der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft stehenden Eisenbahn-Linien Oberhausen-Arnheim und Deutz-Gießen nebst Rheinbrücke durch den Staat.
Serbien.
Belgrad, 17. August. Das gesammte Cabinet hat demissionirt. Die Demission wurde mit Ausnahme derjenigen des Minister-Präsidenten Ristic und des Ministers der öffentlichen Arbeiten, Stevtscha Mihailovits, nicht angenommen. Die sämmtlichen übrigen Minister behalten ihre Portefeuilles bei.
Griechenland.
Athen, 16. August Die Regierung schloß einen Vertrag behufs Ankauf von Kriegsschiffen und Torpedos ab. Die Rüstungen sollen bis Ende Oclober beendet sein. Auf Kreta ist Alles ruhig. — Der nämlichen Correspondenz wird aus Belgrad vom 16. d. gemeldet: Die Jnsurgenten-^chaaren des in- ternirten Obersten Despotovic haben sich wieder gesammelt und wählten einen neuen Ober-Commandanten. Einige Banden sind wieder in Action getreten und lieferten den Türken Gefechte.
Aegypten.
Alexandrien, 16. August. Die Bewegung zu Gunsten Griechenlands und der Abgang von Freiwilligen dorthin beginnt größere Dimensionen anzu- nkhmen. Heute sind 120 Freiwillige dorthin abgereist; 60 andere wurden als christliche Unterthanen der Pforte von den Behörden zurückgehalten.
Der orientalische Krieg.
Petersburg, 16. August. Officiell. Alexandropol, 14. August. Das Corps Ismael Pascha's stellte das Vorrücken gegen General Tergukasoff's Eo- loime ein und von demselben steht diesseits des Gebirges nur noch die Avantgarde. Die Hauptkräste Ismael Pascha's, welche etwa 40 Bataillone mit zahlreicher Kavallerie und 55 Geschützen stark sind, concentriren sich gegen den Mysyn'schen Engpaß.
Konstantinopel, 16. August. Ein kaiserlicher 3rabe.orbnet die Bildung einer mobilen, sowie seßhaften Nationalgarde aus der männlichen Bevölkerung bis zum vierzigsten Jahre an. — Ein Telegramm Mehemed Ali's bestätigt den für die Türken günstigen Ausganz des Kampfes vom 14. d. aus der Straße nach Tirnowa. — Ein Telegramm aus Widdin meldet, daß die türkischen Batterien einen russischen Dampfer bombardirt und dienstuntauglich gemacht haben. — Einem Telegramm Derwisch Pascha's auS Saturn vom 14. d. zufolge hat derselbe eine russische Redoute eingenommen, welche den linken Flügel seiner Armee beunruhigte. Die Ruffen hatten einen Verlust von 200 Todten. — Depeschen aus der Herzegowina melden, daß die Insurgenten an mehreren Punkten geschlagen wurden. — In Adrianopel wurden gestern 30 Bulgaren gehenkt. _
Petersburg, 17. August, lieber die Kanonade zwischen L-lobofia und Rustschuk wird aus dem Hauptquartier Gorni-Studen vom 16. d. amtlich gemeldet: Die russischen Batterien bei Slobosia haben am 14. d. das Feuer gegen die Damvsmühlen, welche sich in Rustschuk befinden, eröffnet, so daß acht von den letzteren in Flammen aufgingen. Die Rnstschuker Batterien wurden zum Schweigen gebracht. Am 15. d., Morgens 4 Uhr, eröffneten die Türken das Feuer gegen Giurgewo; der Artillerie-Kampf dauerte den ganzen. Tag. — Ferner wird aus dem Hauptquartier amtlich gemeldet: Am 14. d. früh begann eine türkische Jnfanterie-Colonne mit zwei Kavallerie-Sotnien von Plewna auf Fakenitza vorzurücken, zog sich aber vor dem Feuer der russischen Artillerie zurück. Die russischen Vorposten bezogen wieder ihre früheren Positionen; seitdem ist Alles ruhig geblieben. Die Colonne des Generals Gurko hat vom 14. Juli bis 1. August an Verlusten gehabt: 10 Officiere, 181 Mann tobt, 24 Officiere, 709 Mann verwunbet, 9 Officiere contusionirt, 57 Mann vermißt. Die bulgarische Miliz verlor an Todten und Verwundeten gegen 22 Officiere und 600 Mann.
Vermischtes.
— In Bremen lief dieser Tage — so schreibt die deutsche ,,VerkehrS-Zeitung" — eine Postkarte aus Budweis mit folgender Adresse ein: „An meinen lieben Sohn mit den gelbledernen Hosen, is er net in Hamburg so in Bremen " Bis jetzt ist eö noch nicht gelungen, den gelb behosten Empfänger zu ermitteln. Vielleicht erleichtern wir der Post durch Bekanntmachung des Inhalts der Karte ihre schwierige Aufgabe: „Luiba Anton. I wirda in Setember 5 Guida schücka und an Stitzel t Muata lost die güßa und i. a. Da Vota Wenzel."
— Eine interessante Entscheidung ist durch das Hamburger Niedergericht getroffen und hat dieselbe auch durch das Obergericht Bestätigung erhalten. Bekanntlich enthalten die meisten Lebensversicherungs Policen die Bemerkung, daß im Falle des Selbstmordes des Versicherten die Police bedeutungslos ist. Die Wiltwe eines in Folge Selbstmordes verstorbenen Mannes machte dennoch die Forderung auf Grund der Police geltend, indem sie behauptete, daß ihr Mann den Selbstmord in unzurechnungsfähigem Zustande begangen habe und dieser Zustand einem natürlichen Tode mit rechtlichen Folgen gleichzuachten sei. Das Gericht erkannte diese Auffassung an und ver« urtheilte die LebenSoersicherungsgesellschaft zur Zahlung.
Herborn, 16. Aug. Heute rückte das Jäger-Bataillon von Wetzlar zu Herbstübungen aus. Auf dem Marsche nach Herborn wurden zwei Mann krank, wovon der eine (aus Aachen) so eben gestorben ist.
Handel und Verkehr.
Gießen, 18. August. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. JC 1.26—30, Hühnereier, per Stück 6 Enteneier, per Stück 7 H, Käse, per Stück 4—10 Käsematte, per St. 3 Erbsen, 1 Liter 18 H, Linsen, 1 Liter 20 H, Tauben, daS Paar 60 H, Hühner, per Stück 1 JL, Hahnen, per Stück 65 H, Enten, per Stück JL 1.60, Kartoffeln 100 Kilo 6
Frankfurt, 16 August. (Fruchtbericht.) Die uns vorliegenden Ernte-Resultat- üben auf den Geschäftsgang nicht mehr den regelmäßigen Einfluß aus, da die Epeculation und vielfache Ueberspeculation sich der meisten Branchen des Producten- Marktes in so hohem Grade bemächtigt hat, daß die wirkliche Situation des Geschäftes dadurch verdunkelt ist, indem nicht selten Realisationen einen in den Verhältnissen nicht gerechtfertigten Preisdruck bervorbringen, andererseits Deckungen und speculatioe Neukäufe die entgegengesetzte Strömung herbeiführen. Unser Montags-Markt war tobt,
fremde Käufer fehlten, da hiesiger Landweizen im Durchschnitt in Qualität sehr gering ausfällt. Man handelte guten neuen Weizen JL 24—24.75 ab unserer Umgegend; ungarischer, greifbare Waare JC. 25.50. August-Abladung 25.20. In Roggen war für disponible Waare schwacher Handel, da zum Versandt nichts genommen wurde. Prima Pfälzer-Roggen JL 19 CourS, hiesiger Land Roggen notirt JC 18; russische Sorten kaum genannt Gerste noch verlassen; wirklich feine Qualitäten werden hohe Preise erzielen. Man taxirt von 18—20; wir übernehmen jedoch für diese Notiz keine Verantwortlichkeit, da uns Abschlüsse nicht zu Ohren kamen. In Hafer ist nicht viel Umsatz; wirklich feine Qualitäten auS Böhmen bringen am offenen Markte JL 17.50 btS 75, während geringere Sorten schwer zu 16—17 unterzubringen sind. Hülsen- srüchte ohne Umsatz. RepS soll mit JL 37 gehandelt fein. Mehlmarkt ruhig. Brod« mehl gefragt Futterstoffe still.
Mehl Nr. 1 JL 42, Nr. 2 ut 38, Nr. 3 jl 34, Nr. 4 30, Nr. 5 24, Roggen
mehl */i (Berliner Marke) —, do. II. (Berl. Marke) , Weizen, effect. hies., neuer, ab Bahnhof hier 25.50, ab unserer Umgegend JL 24—24.75, do. fremder je nach Qual. JL 23—25.—, neuer Roggen je nach Qual. JL 16.50—19, neue Gerste 18—20, Hafer JL. 12—17.75, Kohlfamen Jt 36—37, Erbsen JL 21—24, Wicken^ 17.50, Linsen v4L 21—30, Rüböl, detail, JL 81.—. Stimmung unsicher. Dringend offerirt russ. Hafer und Roggen. (Die Preise verstehen sich fämmllich per 200 Pfund Zollgcwicht =i loo Kilo)
Literarisches.
— Eriminal-Zeitung. Wie sich die Meereswogen tn’8 Unendliche fortwälzen, so ruft die Zeitung-presse stets neue Erscheinungen in's Leben, die aber leibet meist ebenso schnell vom Schauplatze verschwinden, wie sie unerwartet auf demselben erschienen sind. Die „Allgemeine Deutsche Criminal-Zeitung", welche soeben in Leipzig zu erscheinen beginnt, dürfte, wenn sie in gleicher Weise weiter rebigirt wird, nicht zu der letzteren Kategorie der Novitäten gehören. Ohne die landläufige Phrase von bei „Befriedigung eine- dringenden Bedürfnisses- zu wiederholen, halten wir doch die Crinn- nal-Zeitung für lebensfähig. In der Form, in der sie heute vor uns tritt, wird sie, getreu ihrem Programm, im Stande sein, der seichten, gehaltlosen Literatur mit Erfolg entgegenzuwirken, welche durch die Eolportage in den weitesten Kreisen eine unheilvolle Verbreitung findet. Der gute Criminalroman, dessen Pflege sich das Blatt zur Hauptaufgabe stellt, wird seine Zugkraft bei den Massen ausüben, die culturhistorischen und criminalistischen Beiträge, sowie die Eorrefponbenzen aus Städten des Auslandes werden der Eriminal-Zeitung die Kreise des gebildeteren Publikums öffnen.
— Im Verlag von Hermann Beyer 4 Söhne in Langensalza erscheint soeben: Allgemeines Fremdwörterbuch, enthaltend bte Verdeutschung und Erklärung der in der deutschen Schrift- und Umgangssprache, sowie in den einzelnen Künsten und Wissenschaften vorkonimenden fremden oder nicht allgemein bekannten deutschen Wörter und Ausdrücke mit Bezeichnung der Abstammung, Aussprache und Betonung von Friedrich Wilhelm Looff, Herzog!, sächs. Schulrath, Ehrenmitglied der Münchener Künstler-Genossenschaft und des allgemeinen ärztlichen Vereines von Thüringen. Zweite, vielfach vermehrte Auflage. Vollständig in 18 Lieferungen k 40 H.
Die neuesten Erfindungen und Erfahrungen auf den Gebieten der praktischen Technik rc. schreiben über dieses empfehlenswerthe Buch:
„öon der zweiten vermehrten Auflage deS im vorstehenden angezeigten Buches liegen uns heute die ersten drei Lieferungen vor, welche von A bis EhrysaötoS (Goldadler) reichen.
Spricht schon im Allgemeinen die Nothwenbigkeit einer zweiten Auflage gegenüber der großen Concurrenz in der Literatur der Fremdwörterbücher für die Brauchbarkeit deS angezeigten Werkes, so möchten wir doch den Hauptwerth deS „Allgemeinen Fremdwörterbuches^ ganz besonders in der exacten, wissenschaftlichen Richtung begründet finden, welche das Buch so vortheilhaft von vielen anderen derartigen, mehr oberflächlichen Erscheinungen abhebt. Auch der Quantität der Silben ist eine rühmenS- wehrte und correcte Sorgfalt in den deutlichsten Zeichen zugewendet und die nöthigen Desinittonen klar, bündig und trotz der Kürze erschöpfend gegeben.
Sind die Fortsetzungen in gleichem Geiste und mit derselben Formvollendung auSgestattet, und wir zweifeln durch deS Verfassers Namen daran nicht im Mindesten, so wird das „Allgemeine Fremdwörterbuch" nicht nur eine hervorragende Stellung, sondern wohl den ersten Rang unter den Fremdwörterbüchern emnehmen und, was von dieser Act der Literatur nur sehr ausnahmsweise gesagt werden kann, auch der Wissenschaft gebührende Rechnung tragen."
Zu beziehen durch jede Buchhandlung.
Die „Allgemeine BersorgungS-Anstalt im Grohherzogthum Baden zu Karlsruhe" nimmt unter den deutschen LcbenSversicherungß-Gesellschaften eine bernerkenswerthe Stellung ein. Der soeben erschienene Rechenschaftsbericht dieser Anstalt für das Jahr 1 8 76 zeichnet sich durch eine eingehende Darstellung der gejammten Verhältnisse des Instituts aus.
Die Hauptabtheilung der Geschäftszweige der Anstalt bildet jene für Lebensversicherung. Der Zugang war größer alS in jedem der Vorjahre und betrug 3165 Verträge mit 12,504,465 vNa versichertem Kapital und 355,700 JL jährlicher Prämie. Der Abgang zu Lebzeiten nahm keine unverhältnißmäßigen Dimensionen an und gibt ein günstiges Zeugniß für die Gewissenhaftigkeit und Solidität der Anstaltsvertreter.
Die wirkliche Sterblichkeit blieb bedeutend hinter der erwartungSmäßigen zurück, indem nur *14 Personen mit 429,127 JL versichertem Kapital starben, während eine Sterblichkeit von 140 Personen mit 516,596 Jü angenommen war. Es ist dadurch die Anstalt wieder in der günstigen Lage, eine Dividende zu verteilen, welche — auf die Prämie umgerechnet — den bereits im Dividendengenuß stehenden Mitgliedern eine Steigerung des Bezug des Vorjahrgewährt. Auch die neu in diesen Genuß eintretenden Versicherten werden ihre Erwartungen erfüllt finden. Der älteste Jahrgang (1864) erhielt 56% und der jüngste (1872) 21 % des jährlichen Beitrags zurück; der Durchschnitt berechnet sich auf 38%.
Das Vertheilungs'-System der Dividende nach Maaßgabe des jährlich wachsenden WertheS der Versicherungen, welches die Versorgungs-Anstalt — abweichend von den meisten übrigen Anstalten — anwendet, befreit bekanntlich den Versicherten »on Jahr zu Jahr mehr von der Prämien-Zahlung und erfreut sich einer stets zunehmenden Anerkennung.
Die Rechnung der Lebensversicherung weist nunmehr 14,830 Verträge mit 53,524,068 JL Versicherungskapital und 11,299 versicherter Rente nach, welchem Resultat eine jährliche Prämieneinnahme von 1,477,858 gegenüber steht. Der Deckungsfonds dafür betragt 3,744,770 und die Reserve 657,153 -H. Bei diesem Stande hielt die Anstalt den Zeitpunkt gekommen, das Maximum der zu versichernden Summe von 36,000 Jt auf 50,000 und jenes der zu versichernden Rente von 3600 Jt auf 5000 zu erhöhen-
Die Geschäftsunkosten — einschließlich der Agenturprovisionen und der Arzthonorare — entsprechen dem Umfang der Anstalt. Die Kosten der Eentralverwaltung sind niederer al8 bei jedem anderen gleichartigen Institut. Die übrigen Kosten stehen in angemessenem Verhältnis zur Ausbreitung deS Geschäfts.
Das Gesammt-Bermögen der Anstalt betrügt 21,214,228 JL
Für das Weitere erlauben wir unS die verehrlichen Leser auf den Jahr eSbericht dieser blühenden Anstalt zu verweisen.
Bei Schwächezuständen und Scrophelkrankheitcn der Kinder, insbesondere für körperlich schwache Personen, ist der viel verbreitete Lu b o w s ky'sche Tokayer Sanitä tL» wein der einzige und anerkannt ftärkendste Ungarwein. Mit Genehmigung des Königlich Preußischen Ministeriums für Medictnal - Angelegenheiten und unter Eontrole chemischer Analyse als Garantie der Unoerfülschtheit durch Herrn Professor Dr. Sonnen? schein an der Berliner Universität sind Original-Flaschengrößen unter LubowSky'- schem gesetzlich deponirten Ettquett und ärztlicher Gebrauchs-Anweisung zu 3 JL, zu 1 JL 50 und Probe-Fläschchen zu 75 $ aus dem alleinigen Depöt für Gieften in der zu beziehen.(4606
Auszug a. d. Stsndksamtsregistrrn des Standesamts Gießen.
Vom 11. biS 17. August 1877.
Aufgebote.
11. August. StationS-Asfistent Karl Matthias Kunert von Rodenkirchen mit Sufanna Jacobine Schwarz von Gießen. 13. August. Schuhmachermeister Wilhelm Jung von Butzbach mit Johanna Louise Noll von Gießen. 14. August. Schlosser Karl Wilhelm Ernst Emden von Brandenburg mit Karoltne Häuser von Gießen. 15. Schlosser Amandus Richard Pröschhold von Grießhetm mit Maria Georgine Noll


