Oesterreich.
Wien, 16. April, Äleko Pascha soll zu einem hiesigen Industriellen geäußert haben: „II ny aura pas de guerre.“ Im Liderspruch hiermit wird die unmittelbar bevorstehende Einstellung des Bahn-Verkehrs zwischen Rustschnk und Krakau, sowie bie Unterbrechung des Landpost-Verkebrs zwischen Konstantinopel und Wien angekündigt. Das ..Fremdenblatt" meldet: Der rechte Flügel der russischen Armee rückt von Chotim über den Dnjester und Pruth nach Paskany, das Centrum mittelst der Eisenbahn über Jasiy nach Paskany, der linke Flügel überschreitet bei Ismail die Donau. Die Position Chotim-Kischeneff-Trrsapol-Odefla wird bis zum 23. April geräumt. Die „Buda-Pesther Corresp." meldet: Oesterreich wird im äußersten Fall zur Wahrung seiner Interessen in Bosnien einrücken.
— Die „Polit. Corresp." veröffentlicht folgendes Telegramm aus Petersburg : Die diplomatische Campagne ist definitiv beendet. Der Kaiser reist wahrscheinlich am 19. April zur Armee ab.
Arankreich.
PariS, 17. April. Der „Presse" zufolge steht Midhat Pascha in bindern Briefwechsel mit bem Scheik ül Islam und formulirt elf Bedingungen für seine Rückkehr. Deren wichtigste ist die Ersetzung des GroßvezirthumS durch einen Minister-Präsidenten und die Verpflichtung, daß der Sultan und seine Familie sich nicht in Staats-Angelegenheiten mischen.
England
London, 16. April. Das „Reuterffche Bureau" meldet: Sechs türkische Panzerschiffe sind heute an der Sulina-Mündung eingetroffen.
London, 17. April. Der „Standard" bespricht die möglichen Folgen eines russisch-türkischen Krieges und ist der Ansicht, daß ein Eroberungs-Krieg nicht geduldet werden würde. England könnte die Ruffen auf beiden Ufern der Donau sehen, ohne einen Finger zu rühren. Wenn jedoch Oesterreich und Deutschland gegen die Anwesenheit der Ruffen in Bulgarien protestiren und England auffordern würde», diesen Protest zu unterstützen, so wäre letzteres bei seinem Jntereffe, Rußland nicht die Herrschaft über den Bosporus ein- zuräumcn, gezwungen, der Aufforderung Folge zu leisten.
Rumänien
Bukarest, 16. April. Der neuernannte Minister des Auswärtigen, Cogolniceanu, hat an die rumänischen Agenten bei den auswärtigen Regierungen ein Rundschreiben gesendet, worin erklärt wird, die auswärtige Politik werde dahin streben, keinerlei nationales Jntereffe zu verletzen, den Frieden zu erhalten und stricte Neutralität zu beobachten. Die Regierung beabsichtigt, die Kammer erst nach Beendigung der Senatswahlen zu berufen.
Lokal-Notiz.
Gieße», 18. April. (Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer zu Gießen vom 4. April 1877.) Anwesend: Homberger, Noll, Fritz Koch, F. C- B. Koch und S i l b e r e i s e n.
Der Vorsitzende berichtet über die Eingänge, welche theils zu den Acten genommen, theils zur Circulation bei den Mitgliedern bestimmt werden.
Auf Anregen Großherzoglichen Kreisamts dahier werden die in einer an Großherzogliches Gesammtministerium zu Darmstadt gerichteten Note des Reichskanzleramts vom 5. März betreffend Erhebungen bezüglich der durch die sogenannten Wanderlager und Waarenaucttonen hervorgerufenen Uebelstände gestellten Fragen wie folgt beantwortet:
1) Der Betrieb der fraglichen Geschäfte umfaßt hauptsächlich Kurz-, Manufactur-, Leinen- und Weißwaaren, Schreibmaterialien, Portefeuille- waaren, Cchnhwaaren und fertige Garderobe.
2) Die Beschaffung dieser Maaren geschieht meist:
a) durch Aufkäufen geringer und billiger Fabrikate,
b) durch Erwerbung von Lagerresten aus größeren Magazinen und aus den Meffen,
c) durch Uebernahme von Lagerbeständen nothleidender Geschäfte,- von fehlerhaften Fabrikaten, sogenanntem Ausschuß und dergleichen.
Besondere Fabrik-Etablissements, die ausschließlich für Wanderlager arbeiten, existiren nicht.
3) Es ist nicht zweifelhaft, daß dem Publicum mehr Nachtheile als Vortheile durch diese Geschäfte entstehen, da in den meisten Fällen die billigere Anschaffung durch die mangelhafte Beschaffenheit der Waaren mehr als ausgewogen wird. Während die stehenden Geschäfte behufs Erhaltung ihres Renommd's darauf angewiesen sind für solide Bedienung ihrer Abnehmer Sorge zu tragen, ist das Streben der Wanlagerbesitzer hauptsächlich dahin gerichtet, bei möglichst kurzem Aufenthalt durch umfangreiche Verkäufe großen Gewinn zu ziehen. Der bedeutende Kostenaufwand, welcher bem Wanbergeschäfte burch fortwäh- renbe Transportkosten ihrer Lagerbestänbe, burch die unverhältnißmäßig hohen Miethen auferlegt ist, weist sie geradezu darauf hin, billigere und mithin auch geringere Waaren zu vertreiben, als die soliden Platz' gcschäfte, um diesen die erforderliche, dem Publicum in die Augen springen sollende tzoncurrenz zu machen.
Eine Benachtheiligung, welche den Platzgeschästen durch die Wanderlager noch indirect zugefügt wird, ist der Umstand, daß die Einkäufe bei den letzteren gegen Baarzahlung Statt finden, wodurch die ersteren, bei welchen dieß in der Regel nicht der Fall ist, vielfach durch Inanspruchnahme eines noch längeren Zahlungsziels geschädigt werden.
4) Der fragliche Geschäftsverkehr wird tbeils aus eigene Rechnung, theils im Dienste Dritter durch umherzi^hende Händler betrieben.
5) Der Aufenthalt an einem Platze richtet sich nach der erforderlichen Rentabilität, dauert wohl in den meisten Fällen einige Wochen bis zu einem Monate, und möchten die Geschäfte daher wohl als stehende, nicht als hausirende zu betrachten sein, weßhalb — wie wir uns auch schon in unserem Jahresberichte pro 1875 ausgesprochen haben — eine Besteuerung nach Maßgabe des gewöhnlich in verhältnißmäßig kurzer Zeit erzielten größeren Umsatzes, zu welchem bei den einzelnen Artikeln für die übrigen kaufmännischen Geschäfte neben der Minderung
durch die Wanderlager wohl die zehnfache Zeit erforderlich sein dürfte, nur zu gerechtfertigt und erforderlich erscheinen muß.
Das Gesagte bezieht sich auch auf die Waarenauetionen; dieselben erscheinen jedoch noch weit gerneinschädlicher, als die Wanderlager, insofern bei ihnen eine Prüfung der Waaren von vornherein ganz ausgeschlossen, während eine solche Bei den Wanderlagern noch eher ermöglicht ist; auch werden im Wege der Waarenauctionen in noch weit kürzerer Zeit mehr Waaren verkauft, als vermittelst der Wanderlager, und sind deßhalb die hervorgehobenen Nachtheile bei den ersteren in größerem Maße vorhanden, welche öfters noch durch weitere unlautere Ausbeutung dieser Vertriebsmeise erhöht werden.
Gießen, 18. Avril. Das gestern Abend im Clubsaale stattgehabte Concert vnn Frau Dr. Peschka-Leutner war bis zum letzien Platze besetzt und ernteten die Mitwirkenden. namentlich Frau Peschka Leutner, sowie Herr Concertmeister Walter für sein vortreffliches Violmspieten, reichsten und wohlverdienten Bnall.
--Von Seiten mehrer Eltern wird darüber Klage geführt, daß bei dem jetzigen rauhen und kalten Wetter in dem neuen Realschul.iebäude kein Feuer in den Klassen unterhalten wird. Hoffentlich bedarf es nur dieses Hinweises, um diesem Uebel- tande abzuhelfen.
Gießen, 18. April. Die Lonstituirung der drei pharmaceutischen Provinzial' vereine des Großherzogthums in Gemäßheit der Bestimmungen der neuen Medicmal- organisation hat nunmehr stattgefunden und wurden in den am 29. März l I bier- selbst und in Mainz abgehaltenen Versammlungen der Prooinzlaloereine für Oderhessen und Rheinhessen die Herren Apotheker Dr Mettenheimer zu Gießen und Thurn zu Mainz zu Mitgliedern des pharmaceutischen Centralausschusies gewählt.
In der unter dem Vorsitze des Herrn Apotheker Dr. Denner zu Darmstadt am 26. v. M. abgehallenen Versammlung des Prooinzialsereins für Starkenburg wurde nacb Constitulrung des Vereines der Vorsitzende, Herr Dr. Denner zu Darmstadt, zum Mitglieoe jenes Ausschusses gewählt. Vor Schluß der Versammlung gab dieselbe auf Antrag des Herrn Apothekers Scriba sen. zu Darmstadt der Großh.. Staatsregierung noch durch Erheben von den Sitzen ihren Dank für die „dem pharmaceu» tischen Stande in der neuen Organisation zugestandene Fürsorge und Berückst Ptigung, wie sie bis jetzt demselben in keinem deutschen Staate zugestanden worden sei", zu erkennen.
iewf"yewwm» i w Vermischtes.
— Der Blaumann, Amtsblatt für den Bezirk Blaubeuern in Württemberg, bringt in Nr. 21 vom 15. März nachstehenden Artikel, welcher der Verbreitung wert- ist und Stoff zu einem kleinen LustspWle abgeben könnte. In D., Oberamt Pt, war am 28. o. M- Schulprüfung. Der Herr Schultnspector gab der oberen Abtheilung stylistische Aufgaben, die zu Papier gebracht werden mußten. Der größte Dhetl derselben waren Briefe an wirklich existirende Personen, nämlich an Brüder, Schwestern, Verwandle, Bekannte ic- und enthielten diverse Nachrichten, z. B. Todesnachrichten, Unglücksfälle, Zahlungsmahnungen tc., wie solche im Leben häufig vorkommen. Der Herr Visitator wollte sich nun ferner überzeugen, ob die Kinder auch geübt wären, eine« Brief formrichtig zu adressiren und zu schließen, behufs dessen sie solche in Couvert legen, mit Adresse »ersehen und schließen mutzten. Die Kinder sollen ihre Aufgabe ganz wacker gelöst und sogar das „franco" deutlich angebracht haben. Zum Zwecke der Correctur und Beurtheilung der Schule wollte sie der Herr Schultnspector mit nach Hause nehmen, ließ solche aber aus Versehen im Psarrhause zu D- liegen. DeS anderen Tags aber, während des Gottesdienstes, kam der Amtsbote, wie gewöhnlich anfragend, ob nichts zu besorgen sei. Die Magd sah nach und fand auf dem Pulte des Pfarrers eine erkleckliche Zahl Briefe, die sie nun dem Boten zur Besorgung übergab. Auf der Post jedoch bemerkte der Beamte, daß die Briefe alle mit „franco" bezeichnet waren und fordert den gesetzlichen Tarif. Der Bote, im Glauben, der Herr Pfarrer habe solches vergessen, erlegte das Porto und bekam hierüber Bescheinigung- Mittags 12 Uhr wieder zurückkehrend, übergab er dem Pfarrer die Bescheinigung, der aber sehr verdutzt drein schaute, da er schon einige Tage her keinen Bries geschrieben hatte Nun hellte sich die Sache auf, daß die Proben der Schüler ihren durch die Adresse bezeichneten Weg angetreten hatten, von denen sogar einer bis nach Amerika und ein anderer gar bis nach Australien lautet. Der Herr Lehrer wurde nun schleunigst von dem ärgerlichen Falle in Kenntniß gesetzt, er eilte sogleich nach R , um die Briefe wieder zurückzuerhalten. Allein auf der Post hieß e8: „die sind besorgt und aufgehoben." Die nun folgende Confusion zwischen Empfänger und Schreiber kann sich der geehrte Leser oorstelle«. Der Herr Schultnspector aber ist durch diesen Fall der Mühe der Corretur enthoben.
— Defraudation beim Peterspfennig. Wie der Cittadino meldet, ha'ie man im Vatican in der Kasse des PeterSpsennigs einen Abgang von 800,000 Thaler« entdeckt, worüber noch jede Aufklärung fehle. Entdeckt wurde dieser Abgang durch die Quittungen, die Cardinal Antonelli, der Verwalter deS PeterpfennigS, ausgestellt hatte und die sich in den Händen des Papstes befinden-
— Abgekürztes Verfahren. I« einem Hause der Oranienstraße in Berlin hängt der Besitzer desselben am 1- des Monats, an w.lchem die Miethen zu zahlen sind, eine Tafel mit folgender Inschrift an die Thüre seiner in der 1 Etage befindlichen Wohnung : „Für jene die'S angeht! Bitte Ihre Miethe zu bezahlen." Am zweite« Tage wird der Nachsatz dahin abgcändert, daß es nunmehr heißt: ,,Nun, wie wird'S denn mit der Miethe t‘ Am dritten endlich lautet die Inschrift: „Noch immer keine Miethe — gebe noch einen Termin bis 8 Uhr Abends, wenn nicht — so--." Ob sich
diese öffentliche Mahnung auch in jetziger Zeit noch so wirksam erweist, wie in früheren Jahren, darüber schweigt unser Gewährsmann.
Handel und Verkehr.
Mainz, 16. April. Weizen per Mai Jt 25 40. Roggen per Mai 18.30, Hafer per Mai A 16.90. Rüböl per Mai A 35.20.
Friedberg, 14. April. (Fruchtbericht.) Das FruchtgeschSst blieb anhaltend fest, der Umsatz in (Betreibe ist viel geringfügiger als in früheren Jahren, die Bestände in Weizen sind klein und kann man sagen, daß solche in Gerste und Roggen beinahe aufgeräumt sind. In Hafer bleibt es immer noch ruhig. Wir notiren: äßeijen JL 26.50, Roggen A 20.75 Gerste JL 20, Hafer «X 15—19.
Frankfürl, 16. April. (Produktenbörse.) Weizen (per 100 Kilo) höher, effectiv hiesiger u. wettet. JL 263/4—27‘/?, fremder A 24—261/,, auf Lieferung*) per diesen Monat JL. 24i/t. Roggen (per 100 Kilo) höher, effectiv hiesiger JL 20, auf Lieferung *) per diesen Monat A 18‘/,. Gerste (per 100 Kilo) höher, eff. hiei. u. weiter. .A 2O‘/t, frank. ,A 2P/,. Hafer (per 100 Kilo) höher, cff hiesiger «A 17‘/a—18*/4, per d. M- A 171/,. Rüböl (per 50 Kilo) effectiv hiesiges ohne Faß in Partien von 50 Etr. Jt 38, auf Lieferung **) per d M <A —-
*) Weizen mindestens 75 Kilo, Roggen mindestens 70 Kilo Naturgewicht per 1UO Liter; **) mindestens 37t* nach der Fischer'i'chen Orlwaage und incl. Faß mit Eisen- band. —
Mannheim, 16. April- (Getreide.) Im Getreidegeschäft herrscht fieberhafte Aufregung, seitdem die politische Sachlage so ernst geworden. Preise von Weizen und Roggen gingen rapid in die Höhe, da man fürchtet, daß Zufuhren von Rußland ab- gcschnitten werden und Amerika schon seit sehr lange theuer ist. Zu notiren ist: Weizen, Saxonska JL 27,50, bto. gewöhnlicher russischer 25.50—26, dto. ordinärer rulsticher JL 25, Roggen, französischer, A 20.75, dto. russischer und amerikanischer 19—19 50, Gerste A 19 50—20.50, Hafer JL 17—18.50. Alles per 100 Kilo.
Zur gefll* Beaclitunge
Für alle auswärtigen Inserat-Aufträge nehmen wir, wenn der Betrag nicht beigefügt ist, Post-Nachnahme, da uns nicht zugemuthet werden kann, für jeden Einzelnen ein Conto zu errichten.
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