Ausgabe 
18.9.1877
 
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Dienstag, den 18. September

1879.

Ayki-e- null AmtsM fär den Kreis Gieße«.

Erscheint tL-ttch mit Ausnahme de» Mont«gL>. Gxpsdttts«: Schulstraße, 8it. B. Nr. 18.

politisch

Zur allgemeinen politischen Lage.

Das Kriegsglück scheint sich neuerdings, aller heißen Gebete desUnfehl­baren" für die Uglänbigen ungeachtet, wieder den Nusfen zuzuwenden. (?) Es wird ihnen aber doch recht schwer, ihre Feinde niederzuwerfen, denn die Türken wehren sich in ihrer Verzweiflung wie Löwer,. Mit Griechenland hat Rußland zwar soeben eine Mitwirkung über desien Cooperation erreicht; auch Serbien ist bereit, nächstens in die Action einzutreten, und die rumänische Armee hat sich unter Führung des Fürsten Karl schon mit Erfolg an den letzten Kämpfen bethetligt. Trotzdem dürfte eine baldige Beendigung des Krieges nicht zu er­warten sein. Jedenfalls ist ein Anlaß zu Friedensvermittlungen Seitens der neutralen Mächte nicht eher vorhanden, als bis die gänzliche Niederwerfung der einen kriegführenden Partei erfolgt ist.

Mittlerweile bricht sich immer allgemeiner die Ueberzeugnng Bahn, daß der bisherige Zustand der Dinge im Orient auf keinen Fall noch länger sort- dauern dürfe. Selbst in dem Fall, daß der Sieg wider alles Erwarten den Türken verbleiben sollte, würden sich die europäischen Mächte wahrscheinlich ge­zwungen sehen, eine Neuordnung der Verhältnisie in die Hand zu nehmen. Soll doch der Großvezir Edhem Pascha selbst geäußert haben, an dem Tage, wo die Türkei siegte, würde sie die besiegte sein! Die Anklagen, welche der bis­herige türkische Botschafter in Wien, Fürst VogorideS, soeben öffentlich gegen die Pforte erhoben hat und welche mit dem Urtheil des berühmten Ethnogra­phen Kanitz merkwürdig überetnstimmen, machen gerade deshalb, weil sie von Freunden der Türkei ausgehen, einen für letztere geradezu vernichtenden Ein­druck. Auch in der türkenfreundlichen Preffe Europas ist ein Umschlag der Stimmung zu Ungunsten der Türkenwirthschaft zu bemerken. Man will ihr ein Ende gemacht fehen und Europa für die Europäer haben!

Glücklicher Weise stellt es sich immer deutlicher heraus, daß von der im Orient bevorstehenden radicalen Veränderung des bisherigen Zustandes ein den Frieden bedrohender Rückschlag auf Europa nicht zu befürchten steht. Bezeich­nend ist in diiser Beziehung die Thatsache, daß Oesterreich, je näher der Augen­blick für die Entscheidungs-Schlacht heranrückt, um so weniger daran denkt, seine Armee mobil zu machen. Merkwürdig ist auch, daß gerade im gegenwär-

Prei» vierteljährlich 7 Aart 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Dr. Johannes Baptist Keller, zum Director des Gymnasiums zu Bensheim; den Oberrechnungs-Probator I. Klaffe bei der ersten Abtheilung der Justificatur der Oberrechnungs-Kammer, Eduard Otmar Eger, zum Oberrechnungs-Revisor bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Oberrechnungs-Kammer und den Revisions-Gehülfen Ludwig Schmitt aus Salzhausen, im Kreise Büdingen, zum Oberrechnungs-Probator II. Klaffe bei der zweiten Abtheilung der Justificatur der Oberrechnungs-Kammer zu ernennen.

Arankreich.

Paris, 15. September. DieR^publique sran^atse" resumirt das Programm der Revublikaner folgendermaßen: Wir wollen die Republik, welche in dtfinitivem und loyalem Sinne als solche constituirt ist. Alle Acte des 16. Mai muffen ausgelöscht werden. Frankreich will Garantien und wird solche erhalten.

Ztußlarrd.

Petersburg, 13. September. DerRegier.-Anz." veröffentlicht eine Verordnung des Ministers des Innern, wodurch demGolos" eine zweite Verwarnung ertheilt wird, und zwar wegen eines in Nr. 96 abgedruckten Arti­kels aus dem Lager von Bijukmastastar. Der russischenSt. Petersb. Ztg." ist der Einzelverkauf verboten.

Amerika.

New - Nork, 13. September. Die Demokraten von Massachusetts haben William Gaston zum Candidaten für den Gouverneur-Posten ernannt und Resolutionen angenommen, wonach sie die Ueberzeugung aussprechen, daß Tilden als rechtmäßiger Präsident der Vereinigten Staaten gewählt sei, zu-gleich aber im Jntereffe der öffentlichen Ruhe sich der constituirten Autorität zu un­terwerfen versprechen, obwohl das verübte Verbrechen gegen das Volk Tadel verdiene. Ferner wird die ehrliche Zahlung der Zinsen der Staatsschuld und Geldcirculation auf Basis der Goldwährung befürwortet.

Der orientalische Krieg.

Deutschland.

Darmstadt, 15. Septbr. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 23. August den Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, Professor

Konstantinopel, 13. September. Ein Telegramm Suleiman Pascha's an die Pforte meldet Folgendes: Während einer Recognoscirung auf dem linken Flügel bemächtigten sich die Türken der feindlichen Befestigungen aus der Anhöhe von Busludscha an der nach Travna führenden Straße und bewerk­stelligten dadurch die Verbindung mit dem rechten Flügel. Die aus den Be­festigungen vertriebene russische Infanterie und Kavallerie nahm unter dem Schutze eines auf ihrer Linken gelegenen Gehölzes Ausstellung. Die ciikassische Reiterei, unterstützt von Infanterie, warf jedoch die Ruffen noch drei Stunden dauerndem Kampfe mit bedeutendem Verlust zurück, wobei viele Pferde und Waffen in die Hände der Türken fielen. Nachdem sie die eroberten Höhen von Bnsludscha befestigt hatten, kehrten die siegreichen türkischen Truppen in ihre Quartiere zurück. Ihr Verlust betrug 2 Todte und 5 Verwundete. Die Straße noch Travna ist in türkischem Besitze.

Konstantinopel, 14. September. Suleiman Pascha meldet in einem Telegramm aus-ipka von heute: Der Artillerie-Kampf war gestern sehr heftig; mehrere russische Geschütze wurden demontirt und zahlreiche russische Artilleristen getödtet. Gegenwärtig schweigen die russischen Batterien. Sulei­man schätzt den täglichen Verlust der Türken auf 5 Verwundete; gestern jedoch betrug derselbe 3 Todte und 10 Verwundete. Ein Telegramm Mukhtar Paschals vom 13. S»ptbr. meldet: Die Russen, in der Stärke von 16 Ba­taillonen, 16 Regimentern Kavallerie und 7 Batterien, griffen die Vorposten des rechten türkischen Flügels bei dem Dorfe Tschad an. Nach mehrstündigem Kampf wurden die Ruffen zurückgeschlagen. Die Türken hatten einen Verlust von 10 Todten und 17 Verwurdeten; der russische ist um das Fünffache größer.

Mukhtar Pascha berichtet telegraphisch unterm 12. Septbr.: Eine Recognoscirungs-Abtheilung ist in der Richtung auf Ardahan vorgerückt. Die Russen sollen in der Besorgniß, daß sie durch bedeutende Streitkräfte ange­griffen würden, Ardahan geräumt und sich in die Festung Emiroghi zurückge­zogen haben. Nach einem amtlichen Telegramm vom 13. Septbr. wurden sämmiliche russische Stürme auf die Befestigungen von Plewna bisher zurück­geschlagen. Zwei Redouten im Süden von Plewna, deren sich die Ruffen bemächtigt hatten, wurden türkischerseits wieder genommen.

Wien, 14. September. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Bet Erstürmung der Redoute von Grivica bei Plewna thaten sich die Ruffen glänzend hervor. Unter den Augen des Kaisers von Rußland wurden zuerst zwei Angriffe auf die Redoute abgeschlagen; beim dritten wurden die türkischen Verschanzungen mittelst Sturmleitern erstiegen. In der 3. und 4 rumänischen Division kämpften zumeist Freiwillige; diese beiden Truppen-Abtheilungen ver­loren 269 Todte und 1031 Verwundete. Am 12. Septbr. versuchten die Tür­ken die Grivica-Redoute wiederzunehmen, wurden jedoch mit großem Verlust

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tigen Augenblick der Inhalt des geheimen Vertrags von Münchengrätz vom Jahre 1833 bekannt wird, worin Rußland und Oesterreich übereinkamen, für den Fall eines Zusammenbruchs des türkischen Reichesin Uebereinstimmung und vollständig solidarisch in Bezug aus Alles zu handeln, was die Errichtung der neuen Ordnung der Dinge betrifft, welche bestimmt sein wird, die gegen­wärtige zu ersetzen." Auf welcher Seite die deutsche Reichsregierung mit ihren Sympathien steht, ergibt sich aus dem Glückwunsch, den ihr oberstes Haupt kürzlich als Inhaber eines russischen Grenadier-Regiments diesem vor seinem Abmarsch nach dem Kriegsschauplatz har zukommen lossin. Daß aber bei dem Fortbestand des Drei-Katser-Bündniffes die übrigen Mächte nicht die geringste Neigung haben, der Türkei gegen Rußland zu Hülfe zu kommen, gilt nachge­rade als selbstverständlich.

Berechtigt somit der bisherige Verlauf der Dinge im Osten zu der siche­ren Hoffnung, daß der Krieg nach wie vor localisirt bleiben und der Weltfricde durch denselben nicht werde gestört werden, so will sich dagegen der Horizont im Westen des Welttheils noch immer nicht ausklären. In Frankreich hat der Tod des bisherigen Führers der Republikaner zwar die Aussichten der Regie­rung auf einen günstigen Ausfall der Wahlen gesteigert, aber doch noch keines wegs gesichert; die Vorgänge bei dem Leichenbegängnisse Thiers' haben dagegen die Kluft zwischen der Regierung und den Republikanern nur noch tiefer ge­mocht, so daß ein schließlicher gewaltsamer Austrag des Zwiespalts immer wahrscheinlicher wird. Dazu kommt, daß der Papst neuerdings offen aus die Seite Mac Mahon's getreten ist, indem er die französischen Pilger aufgefor- dert hat, sich mit ihrer Regierung zu vereinigen und nur solche Männer zu wählen, welche entschlossen seien, die Feinde der Kirche zu bekämpfen, welche ausschließlich zu Gunsten der auf eine Vernichtung Frankreichs ausgehenden auswärtigen Feinde die Anarchie herbeiführen würden. Bedenkt man, was diese Worte sagen wollen, so unterliegt es keinem Zweifel, daß der Papst, ebenso wie die aesammte ultramontane Presse, es als Frankreichs Aufgabe be­trachtet, die Feinde Frankreichs, d. h. das Deutsche Reich und das Königreich Italien, zu Boden zu werfen, und daß er das französische Volk durch falsche Vorspiegelungen von den feindlichen Absichten dieser Reiche znm Krieg gegen dieselben aufzuhetzen sucht. Bei dem weitreichenden Einfluffe des Hauptes der römischen Kirche ist diese neueste Kundgebung desselben für die Sache des Frie­dens nicht gerade von guter Vorbedeutung.