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Anzeige- imi AmtsliM für den Kreis Gießen.
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Expedition r Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
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Deutschland.
Darmstadt, 14. April. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:
Am 7. April ven Kreisarzt Dr. Julius Glasor zu Grünberg zum Kreis: arzte des Kreisgesnndheitsamtes Gießen, an dems. Tage den Universitäts-Rent- amtmann i. P. Idam Schmidt zum Oberrechnungsrevisor bei der 2. Abtheilung der Juftificatur der Oberrechnungskammer zu ernennen.
Mainz, 14. April. Die Nachricht, daß die Untersuchungen wegen der Militär-Excesse an Kaisers Geburtstag niedergeschlagen seien bis auf jene wegen Insubordinations-Vergehen, muß widerrufen werden, indem das Militärgericht: Uche Verfahren noch vollständig im Zuge ist, und in diesen Tagen nach dem Ergebniß der Untersuchung noch weitere Verhaftungen erfolgten. Verwundete beherbergt das Lazareth noch 14 ober 16 Mann, von denen jedoch auch die Schwerverletzten nun außer Lebensgefahr sind.
Berlin, 13. April. Reichstag. Auf der Tagesordnung befindet sich das Schreiben Bismarck's, betr. dessen Beurlaubung. Hänel bestreitet die Behauptung verschiedener Zeitungen, wonach sein Antrag auf Besprechung des Schreibens eine Demonstration oder der Ausdruck der Opposition sei. Das Abschiedsgesuch Bismarck's sei ein europäisches Ereigniß. Daffelbe sei zu einer Zeit eingetreten, während welcher die deutsche Volksvertretung auf Ferien abwesend gewesen sei; dieselbe habe aber die Pflicht, in diesem Augenblicke ihre Stimme zu erheben, um zu betonen, wie ein schweres Unglück der Rücktritt Bismarck's im kritischen Augenblicke der gegenwärtigen auswärtigen Lage wäre. Deutschland dürfte ruhig fein, so lange Bismarck seiner jetzigen Politik getreu bleibe. Ebenso wäre der gegenwärtige Moment im Hinblick auf die innere Politik für eine Verabschiedung Bismarck's unglücklich gewählt. Die kirchliche Gesetzgebung, welche unter der Devise „nach Canoffa gehen wir nicht" inaugu- liit wurde, ferner die Justiz-Gesetzgebung, vor Allem jedoch das gelammte wirthschaftliche Gebiet erheischen die starke Hand Bismarck's, von dem sie aus- gegangen sind und dessen Name das System bedeute, nach welchem auf diesem Gebiete verfahren worden sei. Es sei auch ein Zeichen hoher Regentenweisheit, daß das Abschiedsgesuch Bismarck's abgelehnt worden und daß man demselben ausgewichen sei. Auch eine Stellvertretung des Reichskanzlers sei nicht wün- schenswerth gewesen, sie hätte eine Versaffungs-Aenderung erheischt und diese höchstens zu einer Organisation ad hoc geführt. Auf diese Weise wäre die eben getroffene Auskunft die beste gewesen, denn sie sei auch juristisch unanfechtbar, wenn die Contrasignatur, die volle Verantwortlichkeit und die Stellung des Reichskanzlers zum Reichstage unverändert dieselbe bleibe, worüber der Redner Auskunft vom Bundesraths-Tische erwarte. Die Kanzler-Krisis beweise jedoch die volle Unhaltbarkeit der Organisation der oberen Reichsbehörden. Hier fei eine Lücke, die man bei guten Zeiten auszusüllen bedacht fein müsse, und dazu gebe es keinen andern Weg, als die Errichtung von Reichsministeriell. Die Partei des Redners (Hänel) habe aus tactischen Gründen von einer Resolution Abstand genommen, da sie erfahren, daß die Majorität, wenn auch aus formellen Gründen, nicht dafür zu gewinnen war. Staatssecretär v. Bülow erklärt: es werde weder bezüglich der Contrasignatur, noch der vollen Verantwortlichkeit des Reichskanzlers während der Beurlaubung desselben eine Veränderung eintreten, v. Bennigsen meint, daß der Reichstag in diesem Augenblicke nicht schweigen dürfe; es sei dankenswerth, daß der Reichskanzler, trotz seiner angegriffenen Gesundheit, sich in diesem kritischen Augenblicke habe bewegen lassen, auf seinem Posten zu verbleiben. Es gezieme dafür dem Reichstage, seinem Danke für diese That Ausdruck zu gebe». (Beifall.) Man bedenke doch die Stellung, zu welcher Deutschland unter den Mächten durch des Kaisers und des Reichskanzlers Wirken in einem Zeitraum von noch nicht einem Dutzend Jahren, trotz der Gegnerschaft Oesterreichs und Frankreichs gelangte, die Staunen und Furcht heroorgerufen, zu der Stellung, die nun den friedlichen Ausbau des Rechtsstaates gestatte. Das sei das Verdienst des Kaisers und des Kanzlers und da habe die Vertretung der Nation sicherlich die Pflicht, ihre Anerkennung dieser Verdienste auszusprechen. Das Schreiben Bismarck's sei formell — zumal nach den Erklärungen Bülow's — unanfechtbar. Der Redner hofft, daß auch bezüglich der wichtigen handels-politischen Fragen der Reichstag eine bestimmte verantwortliche Erklärung nicht vermiffen werde. Der Redner hält die Ordnung der höchsten Reichsorgane für unerläßlich, aber für durchaus unthunlich, dieselbe in Abwesenheit des Kanzlers in Angriff zu nehmen. Solche Dinge könnten nicht allein aus der Initiative des Reichstages hervorgehen, und selbe in einem ungeeigneten Momente beginnen, hieße beabsichtigen, den Erfolg derselben zu verkürzen. Im Bundesstaate seien diese Fragen schwieriger zu lösen, wie im Einheitsstaate, und sei man deshalb bislang nur schritt, weise vorgegangen. Der Redner und seine Partei hätten niemals die Lücken der Reichs-Verfassung bezüglich des Reichs-Ministeriums verkannt und hielten früher wie jetzt stets die Hoffnung aufrecht, daß die vorhandenen Lücken auch ausgesüllt werden. Auch für die Reichs-Regierung könnten die Vorgänge der letzten Zeit nicht wirkungslos gewesen sein. Es sei zu hoffen, daß die Regierung selbst Institutionen schaffen werde, um das Amt des Reichskanzlers zu erleichtern. Dahin werden Redner und seine Partei nach Rückkehr Bismarck's
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zu den Geschäften mitwirken. Habe in Deutschland großes Mißtrauen bestanden, daß man den Einheitsstaat wolle, Bismarck's Name und Regierungs- Princip habe diesem Mißtrauen ein heilsames Gegengewicht erhalten; das sei nicht zu unterschätzen. Nothwendig sei eine verantwortliche Finanz-Verwaltung, vielleicht die Vereinigung der Finanz-Verwaltung des Reichs mit der von Preußen in einer Person. Hoffen wir, daß, wenn der Reichskanzler gestärkt zurückkehrt, er mit uns Hand anlegt an die Fortentwicklung der inneren Zustände Deutschlands auf Grund der bestehenden Verfaffung 1 (Lebhafter Beifall.) Windthorst (Meppen) spricht nach längerer Rede über die äußere Politik, die er billige, und die bisherige innere Politik, gegen welche er Widerspruch erhebe, den Wunsch aus, den Wortlaut der Cabinetsoidre kennen zu lernen, durch welche Fürst Bismarck beurlaubt worden fei. Dann erst werde der Reichstag sich darüber entscheiden können, ob die Sache nicht an eine Commission zu verweisen sei. Die frühere Vertretung Bismarck's durch Delbrück sei eine generelle gewesen; die jetzige scheine mehr eine partielle zu sein. Er frage daher den Staats-Minister v. Bülow, ob er seine heutige Erklärung im Auftrage des Reichskanzlers gegeben habe. Staats-Minister v. Bülow antwortet : Ja! Windthorst fährt fort: „Das freut mich; ich werde aber diese Frage bei jeder neuen Erklärung wiederholen." Redner hält übrigens die Einsetzung zweier Stellvertreter der Verfassung zuwider; er kann das Schreiben des Reichskanzlers nur dahin interpretiren, daß derselbe nach wie vor die Geschäfte fortführt und für sie voll verantwortlich bleibt, v. Kleist-Retzow hält die Beurlaubung des Reichskanzlers für verfassungsmäßig zulässig; die jetzige ernste politische Zeit ändere nichts an ihrer Gesetzmäßigkeit; man gehe zu weit, wenn man jetzt verantwortliche Reichs-Minister fordere. Der Reichskanzler werde nach wie vor auf den Gang der Politik Einfluß üben. Graf Bethusy-Huc betont, der Urlaub des Reichskanzlers werde nach der ganzen bisherigen Entwicklung des Reiches deffen Weitergedeihen nicht aufhalten. Alle Reichs Ministerien würden nicht soviel ausrichten, als der Kaiser mit Bismarck, Moltke und dem Heer gethan. Die Hauptsache sei, daß das Reich kein loses Gefüge sei, sondern eine einheitliche Verwaltung habe, und dazu werde der Reichskanzler wohl die nöthigen Rathschläge gegeben haben. Damit schließt die Besprechung dieser Angelegenheit.
Weimar, 11. April. In der heute stattgefundenen Nachmittags-Sitzung beschloß der Landtag nach mehrstündiger Debatte mit großer Majorität den Fortbestand der Lehranstalt für Landwirthe an der Universität Jena in seiner bisherigen Organisation.
Hesterreich.
Wien, 16. April. Der russische Botschafter Novikoff hatte gestern eine längere Audienz beim Kaiser, sodann eine Conferenz mit Andraffy. Nach Berechnung hiesiger Diplomaten ist der Uebergang der Ruffen über den Pruth erst gegen Ende der Woche zu erwarten.
Pesth, 15. April. Bei Topola bat ein Zusammenstoß zwischen Türken und Aufständischen stattgefunden. Die Türken haben sich in die Schanzen zurückgezogen. Suleiman Pascha versucht Nikfic, Derwisch Pascha Podgoritza zu verproviantiren, wo heiße Kämpfe bevorstehen.
IranLreich.
Paris, 14. April. Der „Moniteur" bemerkt bei Besprechung der gegenwärtigen Lage der orientalischen Frage: Das Londoner Protokoll ging aus dem aufrichtigen, anerkennenswerthen Bestreben hervor, die Souveränetät der Türkei intact zu lasten. Man forderte von der Pforte nur die Durchführung derjenigen Reformen, welche sie aus eigenem Antriebe in's Werk setzen wollte. Die Declaration Rußlands betonte vor Allem die Entwaffnung. Die Declarationen Englands und Italiens findet der „Moniteur" sehr begreiflich und fährt dann fort: Frankreich hatte nicht nöthig, sich diesen Vorbehalten annischließen, um von ihnen Vortheil zu ziehen. Die in Konstantinopel gefaßte Entschließung bezüglich des Protokolls sei beklagenswerth. Frankreich werde Angesichts der nunmehrigen ernsten Eventualitäten strenge Neutralität bewahren. Seine Haltung sei ihm von Anfang an in der gemeinsamen auf Erhaltung des Friedens gerichteten Action Europas vorgezeichnet gewesen. Hiervon werde Frankreich auch ferner nicht abweichen.
Paris, 15. April. Midhat Pascha hat sich heute Vormittag in Marseille eingeschifft, um sich nach Barcelona zu begeben. — Layard ist gestern Abend nach Brindisi abgereist und wird sich daselbst auf der Yacht der Königin Victoria nach Konstantinopel einschiffen.
England
London, 15. April. Das Journal „Observer" schreibt: Man dürfe annehmen, daß England den österreichischen Vorschlägen bezüglich gemeinsamer Schritte beider Mächte zu Gunsten des Friedens nicht beitreten würde, da die englische Regierung sich keinen zufriedenstellenden Erfolg davon verspreche.
London, 16. April. Dem „Standard" zufolge wird englischerseits ein letzter Versuch zur Abwendung des Krieges gemacht. Das Blatt bezweifelt jedoch den Erfolg dieser letzten nach Petersburg gerichteten Mahnung. Die


