JWo» Mittwoch, den 17. Januar 1877.
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Anreize- eei Amtsblstt fir iti Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagA. PreiA vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.
Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen Vierteljährlich 3 Mark M Pf.
Amtlicher Hßeit.
Gießen, am 15. Januar 1877.
Betreffend: Gesuch der Frankfurter Hypothekenbank um Zulassung der von ihr ausgegebenen Pfandbriefe zu Kapitalanlagen der Gemeinden-, Kirchen- und Stiftungsfonds.
Das Großherzogliche Krcisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Nackdem zufolge Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 6. Mai 1873 die Anlegung von Kapitalien der Gemeinden, Kirchen- und Stiftungs-Fonds in Pfandbriefen der Süddeutschen Boden-Creditbank zu München genehmigt worden ist, ist nun zufolge Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 4. l. M. die gleiche Genehmigung hinsichtlich der Pfandbriefe der Frankfurter Hypothekenbank ertheilt worden, wovon wir Sie zu Ihrem Bemessen hiermit in Kenntniß setzen.
v. Röder.
Gießen, am 13. Januar 1877.
Betreffend: Armenkrankenpflege.
Das Grvßherzogliche Krcisamt Gießen
an die Großberzoglichen Bürgermeistereien.
Nach § 19 pos. 7 der Allerhöchsten Verordnung vom 28. December v. I , betreffend die Aushebung der Ober-Medicinal-Direction 2C., ist die Verpflichtung der Kreisärzte zur Behandlung der armen Kranken in Wegfall gekommen und nur in denjenigen Fällen, wo eine Gemeinde nicht im Stande ist, durch Vertrag mit einem praktischen Arzte für die ärztliche Behandlung ihrer Armen genügende Fürsorge zu treffen, kann der Kreisarzt von seiner vorgesetzten Behörde für verpflichtet erklärt werden, jene Behandlung gegen entsprechende Vergütung aus der Gemeindekasse zu übernehmen.
Indem wir Sie in Gemäßheit Ausschrcibenö Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 6. l. M. hierauf, aufmerksam machen, sehen wir innerhalb 14 Tagen Ihrer Vorlage darüber entgegen, in welcher Weise in Ihren Gemeinden für die Armenkrankenbehandlung gesorgt ist.
Sollte in einzelnen Fällen die ausnahmsweise zugelasseue Vetheiligung des betreffenden Kreisarztes an der ärztlichen Behandlung der Armen erforderlich erscheinen, so wollen Sie dies angeben. •
v. Röder.
politisch
Deutschland.
Darmstadt, 13. Januar. Die zweite Kammer wird nun doch nicht, wie früher beabsichtigt, am 22. d. M., sondern erst später und zwar wahrscheinlich am 29. d. M. zusammentreten, indem der Druck ausführlicher Berichte, insbesondere des Finanz-Ausschusses, vorerst noch beendet werden mich. Ter Petitions- und Beschwerde-Ausschuß wird sich am 19. d. M. zur Er- ledigung zahlreicher Angelegenheiten, und zwar für mehrere Tige hier eilifinden. — Abg. Heinzerling hat mit neun Genossen einen Gesetz-Entwurf wegen Auf- hebuug der althessischen Verordnung vom 29. Juli 1791 über die zwangsweise Abtretung benöthigter Bau'Plätze zum Neubau von Häusern eingebracht. Diese Verordnung, der Ausfluß eines wohlwollend absolutistischen Regierungs-Systems, gewährte, um das Bauen zu fördern, eine Zwangs-Entäußerung zu Privat- Bauten und paßt jedenfalls nicht mehr in die heutige Zeit, die, abgesehen von den Fällen, wo das Eigenthnm zn öffentlichen Zwecken in Anspruch genommen wird, volle Unverletzlichkeit des Grund-Eigeulhums verlangt. In Rheinhessen kennt man eine solche oder ähnliche Vorschrift nicht. Dem Antrag sind ausführliche Motive beigefügt.
Darmstadt, 14. Januar Die amtliche Ermittelung hat folgende Resultate der am 10. d. Mts. im Großherzogthum Hessen 'statlgehabien Wahlen zum Reichstage ergeben:
1. Wahlkreis (Gießen, Grüuberg, Nidda.) 13,139 abgegebene Stimmen. Gewählt ist Frhr. Adalbert v. Nordeck zur Rabenau auf Friedelhausen mit 9167 Stimmen gegen Georg Zimmer zu Winnerod mit 2513 Stimmen und Wilhelm Liebknecht zu Leipzig mit 1431 Stimmen.
2. Wahlkreis (Friedberg, Vilbel, Büdingen.) 10,927 abgegebene Stimmen. Gewählt ist Dr. Bernhard Schröder zu Worms mit 8855 Stimmen gegen Oberrechnungsrath Back6 zu Darmstadt mit 1400 Stimmen und Hof- gerichts Advocat Curtman zu Friedberg mit 523 Stimmen.
3. Wahlkreis (Alsfeld, Lauterbach, Schotten.) 11,092 abgegebene Stimmen. Gewählt ist Eduard Wadsack in Alsfeld mit 7740 Stimmen gegen Graf Friedrich zu Solms-Laubach mit 2110 Stimmen, Theodor Kübel in Herbstein mit 330 Stimmen und Eugen Richter in Berlin mit 298 Stimmen.
3. Wahlkreis (Darmstadt, Groß-Gerau.) 12,190 abgegebene Stimmen. Es sielen auf Fabrikant Wilhelm Büchner zu Pfungstadt 4672 Stimmen, guf Geb. Obersteuerrath Welcker zu Darmstadt 3679 Stimmen, auf Johann Most zu Berlin 2909 Stimmen, auf Dr. Max Rieger zu Darmstadt 466 Stimmen, aus Frhrn. PH. v. Wambolt zu Bensheim-Birkenau 333 Stimmen. Engere Wahl zwischen Büchner und Welcker erforderlich
5. Wahlkreis (Offenbach, Dieburg.) 20,217 abgegebene Stimmen. Es fielen aus Redacteur Friedrich Dernburg zu Berlin 9891 Stimmen, auf Wil- helni Liebknecht zu Leipzig 5304 Stimmen, aus Nikolaus Nack6 zu M stnz 4655 Stimmen, auf Pfarrer Gustav Schlosser zn Frankfurt a. M. 271 (Stirn men. Engere Wahl zwischen Dernburg und Liebknecht erforderlich.
> e r H ß e i l.
6. Wahlkreis (Bensheim, Lindenfels, Neustadt, Erbach.) 14,684 abgegebene Stimmen. Gewählt ist Georg Martin, Rentner zu Darnistadt, mit 10,627 Stimmen gegen Hofgerichtsrath Eugen Frank zu Darmstadt mir 3826 Stimmen und Hofprediger Baur zu Berlin mit 227 Stimmen.
7. Wahlkreis (Worms, Heppenheim, Wimpfen.) 15,149 abgegebene etimmeii^ Gewählt ist Fabrikant Cornelius Wilhelm Heyl zu Worms mit 10,585 Stimmen gegen Staarsrath a. D. Arnold v. Bieaeleben zu Darmstadt mit 4531 Stimmen.
8. Wahlkreis (Bmgen, Alzey, Wörrstadt.) 16,821 abgegebene Stimmen. Gewählt ist Ludwig Bamberger aus Mainz mit 12,203 Stimmen gegen Philipp Wasserburg zn Mainz mit 4456 Stimmen und Karl Julius Preetorius zu Alzey mit 149 Summen.
9. Wahlkreis (Mainz, Oppenheim.) 18,768 abgegebene Stimmen. Es fielen auf Dr. Georg Oechsner zu Mainz 9360 Stimmen, auf Dr. Christoph Moufaug zu Mainz 7465 Stimmen, auf Johann Most zu Berlin 1884 Stimmen. Engere Wahl zwischen Oechsner und Moufang erforderlich.
(Darmst. Ztg.)
Darmstadt, 14. Januar. Wie erheblich die Abstriche waren, welche die Stände an den in dem vorgelegten Budget vorgesehenen ordentlichen Ausgaben gemacht 'haben, erhellt aus der soeben im Druck erschienenen Zusammenstellung des Finanz-Ausschusses der zweiten Kammer. Während die Negierung an solchen Ausgaben vorgesehen hatte: 17 899,309 JL. 52 H, haben die Stände nur bewilligt 17,444,331 JL 45 H, das heißt weniger 454,978 Jl. 7 H. Von den Abstrichen entfallen auf Lasten und Abgänge 11,428 Jl., auf Pensionen 50,000 «M., auf Bedürfnisse des Großh. Hauses und Hof-Staats 31,428 «/#., auf Matricular-Beiträge 95,756 auf Gesammt-Ministerium 575 7 J4, sowie weiter 6885 JL. auf das Ministerium des Innern 88,973 JL, auf daö der Justiz 8315 «X, ans das der Finanzen 65,903 aus garantirte Ltaals-Zuscküste an Privat-Eisenbahn-Unternehmungen 100,000
Berlin, 13. Januar. Herrenhaus. Der Herzog von Ralibor zeigte telegraphisch die Annahme der auf ihn gefallenen Wahl als Präsident und sein demnächstiges Eintreffen an. Es folgte die Vereidigung neuer Mitglieder und die Entgegennahme mehrerer unerheblicher Vorlagen und deren Verweisung an Commissionen. Die nächste Sitzung ist unbestimmt.
— Ein bekannter Staatsmann soll erklärt haben, er sei mit dem Ausfälle der Berliner Wahlen gar nicht so ganz unzufrieden; denn wenn die Berliner Bürger zur Besinnung kommen sollten, müßte ihnen vorher das Mester an der Kehle stehen. Erfreulich ist bei den Wahlen der Hauptstadt wenigstens, «daß die Thnlnahme lebendiger war als seit lange. Am rührigsten waren die Social-Demokrateu, deren Wahlorganisation den übrigen Parteien zum Muster dienen könnte. Von ihnen erfuhr man auch zuerst das Wahlergebniß. Sie hielten unmittelbar nach der Wahl eine große Volksversammlung auf Tivoli ab. Nicht nur war der Saal, der größte in Berlin, dickt gedrängt voll, auch draußen im Dunkeln stand eine ungeheure Menge, die auf 5000 Mann veran-


