der Republikaner klar hingestellt, indem er sagte, die Republik sei die Regierung der Ordnung, des Frieden« und der Freiheit, die einzig conservative, den Interessen und Bedürsniffen Frankreichs allein entsrechende Regierung. Ob eS ihm aber gelingt, die Furcht der Bourgeoisie vor dem rothen Gespenst durch dieses Programm und seine eigene Persönlichkeit zu beschwichtigen, ist sehr zweifelhaft. Für>S Erste hat Mac Mahon in der Person deS Papstes einen nicht hoch genug anzuschlagenden Bundesgenossen gefunden; dieser hat nämlich den französischen Pilgern, die er vor einigen Tagen empfing, ohne allen Rückhalt empfohlen, sich bei den bevorstehenden Wahlen aus die Seite der Regierung zu stellen.
Pius IX. hat zwar durch den Empfang der Pilger von Angers bewie sen, daß er noch nicht ganz ohne Kräfte ist; trotzdem gibt sein Gesundheitszustand notorisch zu den begründetsten Besorgnisien Anlaß. Im Vatican macht man sich mehr und mehr mit dem Gedanken an einen baldigen Tod des Papstes vertraut, und die Jesuitenpartel thut in Erwartung des folgenschweren Ereignisses Alles, was sie thun kann, um die bevorstehende Papstwahl nach ihren Wünschen zu lenken. Mittlerweile hält der König von Italien große Manöver ab und seine Regierung macht sich, nachdem sie das Brigan- tenweserr mit Erfolg bekämpft, nunmehr auch an die Ausrottung des anderen Krebsschadens der socialen Verhältnisse in den südlichen ProvinM, der söge nannten Camorra. _________________
Deutschland.
Darmstadt, 13. Septbr. Se. König!. Hoheit der Großberzog haben allergnädigft geruht, mittelst Allerhöchster Entschließung vom 12. September 1877 zu verleihen : dem Stcuer-Commissär des Großh. Steuer Commissariatö Butzbach, Johannes Hechler, sowie dem Steuer-Commifsär des Großh. Steuer Commissariats Worms, Ludwig Pfannmüller, den Charakter als „Steuerrath."
Dresden, 13. September. Die verwittwete Königin Maria ist heute Nachmittag 5 Uhr gestorben.
Stuttgart, 13. September. Heute trat hier unter dem Vorsitz des Gelnral-Staatsanwalts Schwarze (Dresden) der Verein der deutschen Strafanstalts-Beamten zusammen. Ueber die Regelung des Strafvollzugs entwickelte sich eine lebhafte Debatte, welche zu nachstehenden Beschlüsien führte: Die Einzelhaft ist als die regelmäßige Art des Vollzuges der Gefängniß- und Zuchthaus-Strafe zu betrachten; demnach niuß gesetzlich sichergestellt werden, daß die Gefängniste in bestimmter Frist nach diesem System emzurichten sind. Ueber die Frage des einem jeden Gefangenen zustehenden Raumes wurde im Sinne der die Staatskasse weniger belastenden Anträge Jlling's (Berlin) Beschluß gefaßt, unter Verwerfung der Ausschuß-Anträge, welche die zu normiren- den Dimensionen höher gegriffen wissen wollten.
Der orientalische Krieg.
Belgrad, 13. September. Die serbischen Truppen sind heute nach der Grenze abmarschirt.
Wien, 13. September. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cettinje, 12. Septbr.: Bei Jezero fand ein größeres Gefecht statt, in welchem die Montenegriner glänzend siegten, eine Abtheilung des türkischen Corps wurde abgeschnitten. Am 8. d. fand em Treffen bei Pharmaki Dinos statt; die mit Uebermacht angreifenden Türken wurden nach 6 Stunden dauerndem Kampfe mit großen Verlusten zurückgeworfen und darauf noch weiter verfolgt. — Dasselbe Organ meldet aus Belgrad, 13. Septbr.: Der Abmarsch des regulären Mili tärs aus dem Lager von Topschider nach Alexinatz hat heute begonnen; von hier ist der ganze Fahrpark jammt den Munttions-Colonnen nach der Grenze abgegallgen.
— Die „Polit. Corresp." meldet: Die vereinigte russisch - rumänische Armee hat Grivica, die stärkste Position Osman Pascha's bei Plewna, erstürmt.
— Das „Tageblatt" meldet aus Schumla, 11. Septbr.: Türkische Kavallerie rccognoscirte bis Stunden von Bjela, ohne auf Ruffen zu stoßen. Nach Erstürmung des Forts Bostepe zwischen Travna und Gabrowa ist Sulci- mau Pascha ungehindert nach Norden vormarschirt. — Officieller Versicherung zufolge ist die Gefahr für Plewna beseitigt.
Wien, 13. September, lieber Bukarest wird gemeldet: Die Kämpfe um Plewna sind beispiellos blutig. Die Rumänier verloren bereits an 7000 Mann; sie sind gezwungen, im Vordertreffen zu kämpfen, hinter ihnen stehende russische Colonnen verhindern jede Bewegnng nach rückwärts, während das Feuer der Türken ihre Reihen declmirt. Die Volks-Stimmung dahier ist furchtbar erregt. — Es verlautet, der serbische Agent in Konstantinopel habe heute seine Päffe verlangt und werde morgen abreisen. — Die Tschechen-Blätter fordern Wuiidärzte und Aerzte zur Reise nach Belgrad auf unb gewähren denselben Reise-Vorschüsse. — Das ungarische Amtsblatt veröffentlicht den Wortlaut des Kaschauer Trinkspruchs des Kaisers Franz Joseph; in demselben fehlt das Wort „Alliirter." Die Aufregung der Bevölkerung hat angenommen.
— Das „Tageblatt" bringt folgende Nachrichten: Belgrad. Das Kriegs- Manifest des Fürsten wird am 18. ds. erscheinen. Montenegro hat den vorjährigen Allianz-Vertrag mit Serbien erneuert und sich zum Vormarsch gegen Sjenitza verpflichtet. Das „Amtsblatt" veröffentlicht einen Aufruf zur «ei fd)affiing von Verbandzeug. Fremde Aerzte treffen hier ein. — Sistowa. Die Türken haben die vorderen Schanzen bei Plewna in guter Ordnung geräumt, ebne irgenb welchen Verlust an Gefangenen. Der russische Verlust beläuft sich auf 2000 Todte und 5 — 6000 Verwundete. — Serajewo. Aus ganz Bosnien ist jetzt der Belagerungs-Zustand mit Standrecht ausgedehnt worden.
Mpii^tantinppel, 13. September. Der Gouverneur von Widdin meldet untenn 10. ds.: Das Bombardement von Kalafat aus bat gestern drei stunden lang gedauert und wurde von türkischer Seite erwidert; die Mehr- jabl der Redouten und Gebäude des Feindes wurde zerstört. In Widdin wurden 13 Gebäude in Brand geschoffen und 5 Personen verwundet. — Das Bombardement von Rahowa dauert fort. — Eine Depesche Hafiz Pascha's meldet aus Novibazar vom 9. ds.: 5000 Montenegriner haben türkische Bersch anzungen am Fuße des Gebirges angegriffen und ließen nach 15 Stunden bauernccm Kampfe 300 Todte zurück. - Von Osman und von Suleiman Pa cha liegen keine amtlichen Nachrichten vor. — Der Schah von Persien beglückwünschte den Sultan zum Jahrestage seiner Thronbesteigung. — Der Khedlve bat eine neue Division ägyptischer Truppen nach Europa gesendet. — tss werden Vorbereitungen zu einer inneren ZwangS-Anleihe getroffen.
Lokal-Skoki».
Gießen, 15. Septbr. Endlich ist eS den Bcmühuigen der Polizeibehörde gelungen, desjenigen habhaft zu werden, der vor etwa 14 lagen mit Hülfe eines Soldaten den biefijen Uhrmacher W Böger um 6 goldene Damenuhren uns 5 Medaillons befchwindelt hat. Der Betrüger wurde in der P rson des GeometergehÜlfen Christian Schmiegel von Butzbach in (SaHel verhaftet und ist gestern gefänglich hier eingeliefert worden. Der verhaftete Soldat beftnbet sich in Darmstadt noch in Untersuchungshaft- Bezüglich einer weiteren Person, die sich dahier als verdächtig, an dem Betrüge Theil genommen zu haben, m Haft befunden hat, hat es sich herausgestellt, daß sie nicht an dem Betrüge betheiltgt gewesen. Dieselbe wurde gestern Abend noch auS der Haft entlassen.
Giften, 15. September. Gestern Abend sprach Herr Professor Robert von Schlag» intw eit auf Einladung des hiesigen kaufmännischen Vereins im Saale des Hotel Prinz Earl vor einer großen Zuhörerschaft in anderthalbstündiger spannenden, sehr interessanten, fließenden Rede über die von ihm zweimal ihrer ganzen Ausdehnung nach bereifte Paeifie-Eisenbahn tn Rord- Amerika und erläutert« sie durch eine größere Karte und zahlreiche stereoskopische Ansichten. Der berühmte Rei'ence gab in anziehender Weise dem Auditorium ein vortrefflich,? Gesammtbilv der an Großartigkeit alle Eisenbahnen der alten, wie der neuen Welt übertreffenden von New-Iork biS San Francisco führenden 717 deutsche Meilen langen Bahn, welche den Transport von Ocean zu Ocean auf 6 Tage abkürzt. Der Vortrag erstreckte sich insbesondere über die eigentliche Pacisic^ Bahn, welche, 415 deutsche Meilen lang, bei Omaha am Missouri beginnt, durch die weiren Prairien und ungeheuren Oeden von RebraSka und Colorado fort über die jähm Felsengebirge nach der Mormonenstabt am großen Salzsee, durch Nevada und über die schneegekrönte Sierra Nevada aus esner Höhe von mehr als 7000 Fuß hinab in die gesegneten Landschaften des gold- reichen Galiforpien führt, um bei San Francisco zu endgen.
Der hochgHchätzte Gelehrte schilderte nicht nur seine ganze Reise auf dieser Bahn, sondern auch die verschiedenen merkwürdigen Bauten und praetischen inneren Einrichtungen der Bahn, die Sehenswüroigkeiten in der ganzen Ausdehnung derselben, die Bevölkerung dieser Gegenden, insbesondere noch verschiedene Indianerstämme und die Mormonen, welchen letzteren ein großer Antheil am raschen Ausbau der Bahn zufällt, während von den Indianern trotz ihrer Be dürftigkeit und der hohen Arbeitslöhne sich keiner an der Bahn beteiligte.
Wie sehr der Vortrag allgemein angesprochen, möge der dem geehrten Herrn Redner nach Beendigung seines Vortrags zu Theil gewordene allgemeine laute Beifall darthun. Wir hoffen, ihn noch öfter hören zu können. r.
Oeffentlichc GesundoheitSpficge.
*** Von dcr Universität zu Athen schreibt unS der berühmte dortige Prosissor Dr. Länderer:
„Daß ich die von dem König!. Preutz. Apotheker I CI Herrn Dr. Ludwig Tiedemann in Stralsund a. d. Ostsee (für 7 jfc) bereiteten Pen-te»o:)>räparate für einen mir seh' befreundeten jungen Mann in Athen, der durch die bösen Folgen geheimTr^Jugendsünden völlig geschwächt war, mit dem besten Erfolge gebraucht, bestätige ich durch diese Zeilen. Ebenfalls bestätige ich, daß sowohl das Elixir, wie auch der Balsam in keiner Weise schädlich wirkende Ingredienzien enthalten, sondern nur solche, welche stärkend und für den Organismus heilbringend wirken, und spreche ich demgemäß mein unpartheiisches Urtheil dahin aus, daß diese Mittel als die vorzüglichsten aller mir bisher bekannten Präparate dieser Gatttung zu empfehlen sind.
Dr. Länderer,
Professor an der König!. Universität zu Athen, 5131) Ritter hoher Orden rc.
Handel und Verkehr.
Gießen, 15. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter, per Pfd. JL 1.10—40, Hühnereier, per Stück 6 H, Käse, per Stück 5—10 Kasematte, per St. 3 H, Erbsen, 1 Liter 18 Linsen, 1 Liter 20 Tauben, das Paar 50 Hübner, per Stück 90 H, Hahnen per St. 60 Enten p. St. JL
Niederschlag ir^Gießen.
Januar bis August incl.
1851—1872
23 33 p. Zoll
15.85 p. Zoll
(Normal-Mittel)
1873
15.39 „
11.21 „
1874
15 69 „
9.71 „
1875
28.80 „
19 30 „
1876
30.18 „
18 55 „
1877
— - . -
18 86 „
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Auszug s. d. Standesamtaregiitkrn dkg Stsndesamls Gießen.
Vom 8. bis 14. September 1877.
Aufgebote.
8. September. Fabrikant Heinrich Ludwig Myiius von Gießen mit Johanna Elisabethe Karoline Busch von Gießen. 14. Sept- Kaufmann Johann Philipp Julius Schulze mit Johanna Wilhelmine Grüneberg, beide von Gießen. — Arbeiter Georg Appel von Londorf mit Anna Margarethe Stielet von Grob-Buseck. — Fuhrmann Konrad Hofmann von Grebenau mit Sophie Größer von Groß-Linden.
Eheschließungen.
12. Sept. Schuhmachermeister Wilhelm Jung von Butzbach mit Johanna Louise Noll von Gießen.
Geborene.
3. Sept. Ein Kind männlichen Geschlechts (noch ohne Vornamen) von Heilgehilfen Chnstian Frech. 13. Sept Ein Kind männlichen Geschlechts lohne Vornamens von Schneider Johann Georg Wagner. 8. Sept. Ein Kind männlichen Geschlechts inod) ohne Vornamen) von Briciträger Johannes Weber.
G e st o r b e n e.
7. Sept. Marie Margarethe Ebel, geb. Vogt, 70 Jahre 3 Monate 29 Tage alt, Wittwe des Rentners Karl Ebel I. 9 eept. Clementine, 5 Monate 13 Tage alt, Tochter von Heizer Jacob Maurer. 10. Sept. Ein in der Geburt verstorbenes K>nd männlichen Geschlechts von Bahnarbeiter Johannes Wagner. 14. Sept. Ein Kind männlichen Geschlechts (ohne Vornamen), 103/4 Stunden alt, von Schneider Johann Georg Wagner.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Sept. 9. Otto Bernhard Müller, Schlosser dahier, des Eisendrehers zu Chemnitz Friedrich August Müller, ehel. Sohn: und Marie Louise Susanne Josephine Wein- Hardt, des verstorbenen Flurschützen Wilhelm Meinhardt, ehel. Tochter.
Sept. 12. Wilhelm Jung, Schuhmacher zu Butzbach, des verstorbenen Schuhmachers Jacob Jung daselbst, ehel. Sohn; und Johanna Louise Noll, deS Bäckermeisters @mil dahier, ehel. Tochter.
Getaufte.
Den 9. Sept Dem Gepäckträger Gottlieb Helfenbein, eine Tochter, Marie Elisabethe, geb. den 18. August.
Denselben. Dem Schreiner Cdristoph Weiß, eine Tochter, Lina Elisabethe Eleonore Margarethe, geb. den 25. Juli.
Denselben. Dem Agenten Johann Boeck, eine Tochter, Auguste Karoline Louise Kunigunde Jobanna, aeb. den 16 August.
Denselben. Dem Schreiner August Biek, eine Tochter, Elisabethe Christiane Henriette, geb. den 21. August.
Denselben. Dem Bremser an der Main-Weser-Bahn, Jakob Wagner, ein Sohn, Wilhelm Georg Martin Reinhard, geb. den 12. August.
Denselben. Dem Gastechniker Okto Bergen, eine Tochter, Wilhelmine Adolphinc Ottilie, geb. den 10. August.
Beerdigte.
Den 8. September. Elisabethe Zinn, geborene Henkel, Wittwe des verstorbei en Dienstmanns Conrad Zinn, alt 29 I. 1 M- 26 T-, gest. den 7. Sept-
Den 9. Sept. Margarethe Ebel, geborene Vogt, Wittwe deS verstorbenen Bürgers und Rentners Karl Ebel!., alt 70 I. 4 M , gest. den 7. September.
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