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Dienstag den 16 Januar
1S99.
Anzeige- anb Amtsblatt sie den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montes. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Gxpvdiiionr Schulfiraße, fiit B. Nr. 18. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Amtlicher Pheil.
Bekanntmachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß in dem I. Wahlkreis des Großherzogthums, bestehend aus den vormaligen Kreisen Gießen, Grünberg und Nidda
Herr Adalbert Freiherr v. Rordeck zur Rabenau in Friedelhausen
mit 9167 von 13117 gültig abgegebenen Stimmen zum Abgeordneten des deutschen Reichstags erwählt worden ist.
Gießen, den 14. Januar 1877.
Der Wahl-Commissär.
v. Röder.
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Deutschland.
Berlin, 12. Januar. Die Sitzung des Herrenhauses wurde vom bisherigen ersten Vice-Präsidenten v. Bernuth eröffnet, welcher zunächst zur Berufung des provisorischen Bureaus schritt. Aus einem zur Verlesung gebrachten Schreiben des Ministers des Innern ergibt sich, daß Fürst Bismarck als Besitzer seiner Herrschaft m Lauenburg einen erblichen Sitz im Heirenhause erhallen hat. Da der Namens-Aufruf die Beschluß-Fähigkeit des Hauses ergab, so wurde alsbald die Präsidenten Wahl vorgenommen. Zum Präsidenten ward mit 53 Stimmen der Herzog v. Ratibor gewählt; 24 Stimmen fieltn auf Graf Lippe, 15 auf Prinz Reuß, 2 waren zersplittert. Bei der Wahl des ersten Vice-Präsidenten kam es zur engeren Wahl zwischen den Grafen Brühl, Odo Stolberg, Armm-Boytzenburg, Lippe und v. Bernuth, aus welcher der Letztgenannte mit 51 Stimmen alö Sieger hervorging. Zum zweiten Vice- Präsidenten ward mit 66 Stimmen Hasselbach gewählt.
— Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge hat die deutsche Kriegs-Corvette „Vineta" telegraphischen Befehl erhalten, von Jokohama nach der Insel Mr .nilla zu segeln, um die Kriegestagge zu zeigen und die deutschen Handels Jntereffen in den dortigen Gewässern zu schützen.
Berlin, 13. Januar. Nach der „Voss. Ztg." soll sofort nach beendigter Lesung des Entwurfs eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches in der mit der Ausarbeitung deffelben beauftragten Commission zur Aufstellung des Ent wurss eines deutschen Handelsg-esetzbuches von dem Bundesrath eine Commission ernannt werden, welche aus hervorragenden praktischen und theoretischen, mit dem Handelsrecht vertrauten Juristen, sowie aus Mitgliedern der Commission für das bürgerliche Gesetzbuch besteht. Vor jener ersten Lesung, welche wahrscheinlich im Jahre 1880 oder 1881 stattfinden wird, soll für jeden der dem deutschen Handelsgesetzbuche neu hinzutretenden Theile, das Versicherungsrecht, das Recht der Binnenschifffahrt und das Verlagsrecht, ein vorläufiger Entwurf mit Motiven ausgearbeitet werden. Die Ausarbeitung erfolgt durch einen oder mehrere von dem Buudesrathe ernannte Special - Redactoren. Jeder dieser Entwürfe wird der gutachtlichen Berathung technischer und juristischer Sachverständiger, welche vom Bundesrathe hierzu ernannt werden, unterstellt.
Berlin, 13. Januar. Der Gesetz-Entwurf über die Gerichtskosten wird den nächsten Reichstag nicht beschäftigen, die Vorarbeiten haben noch nicht begonnen.
Berlin, 13. Januar. Der „Reichs-Anz." erklärt die Meldung des in Konstantinopel erscheinenden „Levant Herald", daß der deutsche Botschafter in der CoufereuzSitzung vom 11. Jan. seinen Austritt angekündigt, wenn sich die Pforte nickt kategorisch über die Annahme oder die Ablehnung der Confe- renz-Vorschläge erkläre, für vollständig erfunden. Im Anschluß an vorstehende Meldung des „Reichs-Anz." werden alle anderen Nachrichten der auswärtigen Preffe über eine angeblich der Herstellung eines friedlichen Abkommens mit der Pforte weniger günstige Haltung der deutschen Regierung von bester Seite als falsch bezeichnet.
Stuttgart, 13. Januar. Der „Staats-Anz. für Württemberg" enthält gegeutheiligen Zeitungs-Behauptungen gegenüber eine Ausführung, worin gesagt wird: Die Regierung von Württemberg förderte das Zustandekommen der Justiz-Gesetze so viel wie möglich. Der Vertreter derselben im Bundesrath nahm persönlich ein lebhaftes Interesse an der Einigung. Die Insinuation. Minister v. Mittnackt wäre bei dem Abschluß des Compromisses zurückgesetzt tooiben, für unwahr und grundlos, sämmtliche Bevollmächtigte erhielten vor Abschluß Kenntniß über den Abschluß des Compromisses.
Hrsterreich.
Wie«, 12 Januar. Die Lage im Orient hat sich erheblich verschlim merk. Zufolge energischen Auftretens des deutschen Botschafters Frhrn. v. Werther beharrte die Conferenz bei ihren alten Beschlüssen. Der Pforte wurden keine neuen Propositionen vorgelegt, weil ihre Delegirten deren Ablehnung voraussagten. Nunmehr wird der Bruck für wahrscheinlich gehalten. ■— Rumänien erklärt die Antwort der Pforte aus seine Reclamstion für unge-
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nügend. Aus Jassy werden Maßregeln in Betreff des Einmarsches der Russen gemeldet. — Der serbische Abgesandte Marinovics hat dem Grafen Andrassy mitgetheilt, der Czar verzichte aus Serbiens Mitwirkung bei einem allenfallsi- gen Krieg. — Die Türkei kauft in Ungarn große Mehl-Vorräthe, welche nach Bulgarien geschafft werden.
Wien, 13. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstant!, nopel: Die Lage ist äußerst gespannt und auf einen Umschwung der Ansichten der Pforte kaum noch zu rechnen, doch dauern die officiösen Pourparlers noch fort. Ein Schreiben der „Polit. Corresp." aus Petersburg betont, daß die Pforte, indem sie in der Mäßigung der Conferenz eine Schwäche Rußlands zu erblicken glaubt, ganz vergesse, daß nicht Rußland, sondern die Conferenz das Wort führt. Wenn der Augenblick gekommen, daß Rußland im Namen Europas sprechen soll, dann werden auch kräftiger, der Pforte verständlichere Argumente nicht ausbleiben.
Krankreich.
Paris, 12. Januar. W'e ich höre, ist der Eindruck der gestrigen Conferenz-Sitzung kein guter gewesen. Die Türkei will jetzt bis zu dem Programm der Andrassy'schen Note gehen. Mithat Pascha hat schon angefangen, die tüikische Gensd'armerie mit europäischen Osficieren zu organistren, aber die Bevollmächtigten der Großmächte finden die Pforte nicht geneigt, fich mit ihnen über die Principien ihrer Forderungen zu benehmen. Man fürchtet, einem Bruch nahe zu sein.
Paris, -13. Januar. Selbstverständlich dürfen im Frühling 1877 die Gerüchte über kriegerische Absichten Deutschlands gegen Frankreich ebenso wenig wie in den vorigen Jahren fehlen und das warme Wetter scheint sie, wie andere Blüthen, zeitiger als gewöhnlich, bervorzulocken. Schon seit einigen Wochen wurde hier und da von Befürchtungen über Deutschland gemunkelt; heute entnimmt die „Estafette" gar einem „Diplomatenbrief" die Behauptung, Pr.ußen allein verzögere in machiavellistischer Weise die Lösung der orientalischen Frage, und man habe allen Grund, ein deutsch-französisches Kriegsfeuer zu fürchten! Andere Leute plagen sich mit dem Gedanken, Fürst Bismarck stehe hinter dem Fürsten Karl von Rumänien, und werfen die Frage auf, ob wohl Deutschland den Einmarsch russischer oder türkischer Truppen in die Moldau-Walachei gestatten werde. Alles das ist müßiges Gerede. In besser unterrichteten französischen Kreisen will man wissen, Herr v. Werther sei in der letzten Conferenz- Sitzung weit energischer als früher aufgetreten; über die Einzelheiten seines Verhaltens werden keine Mittheilungen gemacht, wohl aber wird hinzugefügt, es sei der Art gewesen, daß man sein Eingreifen als eine Chance zu Gunsten des Friedens betrachten könne.
Paris, 13. Januar. Die „Agence Havas" meldet: Die Vertreter der Großmächte werden in der Conferenz-Sitzung am Montag von der Pforte formell verlangen, daß letztere in der zum Donnerstag anzuberaumeuden Sitzung auf die Vorschläge der Mächte ihre definitive Antwort abgebe. Sollte diese nicht erfolgen, so würden die Bevollmächtigten Konstantinopel verlassen. Von dieser Eventualität wird man die Pforte ebenfalls am nächsten Montag verständigen.
Versailles, 12 Januar, Abends. In der Deputirten-Kammer richtete du Bodan an die Regierung eine Anfrage über die Absetzung des General- Ädvocaten Vailleul in Basanyon, welcher sich zu Gunsten der im Jahre 1852 zur Äburtheiluug republikanisch Gesinnten eingesetzten gemischten Commissionen ausgesprochen hatte. In Erwiderung auf die Anfrage erklärte der Justizmmister Märtel, die gemischten Commissionen seien auf das Entschiedenste zu verurthei- len; er habe Bailleul abgesetzt, weil dieser den Anweisungen des General- Procurators nicht gehorchte. Hierauf wurde von Cassagnac ein Antrag auf die Tagesordnung gestellt, der zugleich die Billigung des Verfahrens des Ministers ausdrückte. Dagegen trat Cassagnac für die gemischten Commissionen ein und äußerte dabei: die Republik beging seit 100 Jahren jede Art von Verbrechen und Infamien, sie erhielt niemals die Genehmigung durch ein Volks- Votum ; die Imperialisten könnten es auf die öffentliche Discussion des 2. Decembers ankommen lassen. Schließlich wurde die von Gr^vy vorgeschla- gcne Tagesordnung mit 395 von 397 Stimmen angenommen.


