Dreiecks Groß Jagni, Awliar und Wisinköi; der Fürst Swätogor-Mirski da. gegen bestand auf der Umgehung des rechten feindlichen Flügels bei Am, der Einnahme des Aladja-Dagh und dem Angriffe der türkischen Positionen von oben nach unten. Beide Gegner kämpften lange gegeneinander, bis endlich dem letzten Plane der Vorzug gegeben wurde. Loris-Melikoff traf seine Dispositionen, überzeugte sich jedoch bald, daß mit denselben die Erfolge des 20. bis 22. September nicht erreicht würden, und so erhielt General Lazareff die Aufgabe, mit 23 Bataillonen, 40 Geschützen und entsprechender Kavallerie die rechte türkische Flanke zu umgehen. Die „Mosk. Ztg." schrieb — wenn wir nicht irren — diese Diversion dem Feldherrnblick des Großfürsten Michael zu. Der glänzende Sieg vom 3. October, wie gegenwärtig die Vereinigung der Eorps der Generale Heymann und Tergukasoff in Haffan-Kaleh, 30 Kilometer von Erzerum, haben dem ganzen Kriege in Armenien eine Wendung gegeben. So zufrieden Rußland indesien mit seinen Erfolgen jenseits der kaukasischen Berge sein kann, desto kritischer gestalten sich die machen im Innern des Kaukasus. Die Aufstände, welche fortwährend, hier unterdrückt, dort unerwartet von Neuem ausbrechen, sind freilich keine allgemeine Schilderhebung, sie nehmen jedoch eine beträchtliche Ausdehnung an und verbreiten den Allarm von Telawa bis zum Kaspischen Meere, d. h. fast über die Hälfte des östlichen Theiles der kaukasischen Berge. Wir lesen zwar, daß hier ein Aul genommen, dort ein anderer sich unterworfen, das verhindert jedoch nicht die Erhebung der Lesghi- ner in Daghestan, welche Furcht und Schrecken in Baku und Derbent verbreiten, einer Festung ohne Munition, aus welcher Frauen und Kinder auf einem Dampfer nach Baku und Astrachan gebracht wurden. Und das sind nicht gewöhnliche Empörungen, sie tragen ohne Ausnahme den Charakter eines fanatischen Religionskrteges gegen die Giauren. Haben sich doch sogar jenseits des Kaspischen Meeres bei Krasnowodsk die Tek-Turkmenen in Masse erhoben und den General Lamakin gezwungen, sich aus der Steppe zurückzuziehen. Die russischen Streitkräfte im Kaukasus genügen gegenwärtig nicht, die Ruhe herzustellen ; später aber wird es keine leichte Aufgabe werden und nicht geringe Opfer kosten. (Köln. Ztg.)
Konstantinopel, 12. November Die Friedens-Partei hat den Scheik ül Islam aufgesordert, ein Fetwa abzugeben, ob der Krieg sortzusetzen oder Frieden zu schließen geboten sei. — Der Kommandant von Banjaluka, Hussein Fevzi, führt 15 Bataillone und eine Kruppssche Batterie zur Verstärkung Mehe- med Ali's nach Bulgarien.
Cettinje, 12. November. Die Montenegriner haben heute das die Festung Antivari beherrschende Fort Sutorman erobert, in welchem sie zwei Geschütze nebst Munition und Proviant erbeuteten. Dieselben sind unter Führung des Fürsten im weiteren Vorrücken begriffen.
Wien, 12. November. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cattaro: Der Fürst von Montenegro traf am 10. d. bei Wirbazar am See von Sku- tari ein, um die daselbst concentrirten Truppen zu inspiciren, woraus man auf eine bevorstehende Action gegen Podgorttza schloß. Inzwischen wandte sich der Fürst mit 20 Bataillonen gegen Antivari und grjff diese Stadt an. Am Sonntag Nachmittag war der Kanonen-Donner von Antivari her bis Cattaro hörbar.
Petersburg, 12. November. Officiell wird aus Bogot, 12. Novbr., gemeldet: Am Schipka-Paß wurde beiderseits am 8. d. eine heftige Kanonade geführt; die Russen hatten 4 Todte und 14 Verwundete. Am 9 d. rückte Skobeleff, den Nebel benutzend, nach Abgabe einer Signal-Salve vor, nahm im ersten Anlaufe die vordere Höhe des grünen Hügels und machte die türkische Besatzung nieder. Skobeleff befestigte sofort die eroberten Positionen, was noch des Morgens beendet war. Die Türken versuchten zweimal, die Russen wieder herauszutreiben, am 9. Abends und am 10. Morgens, wurden aber jedesmal mit großem Verlnst zurückgewiesen.
Petersburg, 13. November. Eine Depesche des „Golos" meldet aus Weran-Kaleh vom 11. d.: Die Detachements von Saganlugk und Eriwan befinden sich jetzt bei Erzerum. Der Gesundheits-Zustand der Truppen st vortrefflich. Das Hauptquartier ist nach Weran-Kaleh verlegt.
Lokal-Notiz.
Gießen, 14. Nov. (Auszug aus dem Jahresbericht der Handelskammer in Gießen für das Jahr 1876.) (Fortsetzung.)
Statistische Uotizen über Handel und Uerkehr in Kiesten.
Centner,
Stahl
-0
Gentnern,
von
Tonnen,
Ftschthran
47
zwar be
1.
2
3.
571
1125
192
129
7
82
Tonnen, Centner,
rohem Leinengarn . . grauer Packleinwand . roher Leinwand. . . Korinthen und Rosinen Häringen
Vergleicht man diese Ergebnisse mit denen des Vorjahres, so ergibt sich mit Aus- ahne nachstehender Gegenstände, bei welchen eine Abnahme und zwar bei
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6) e) 0 e)
zu constatiren ist, trügt dieselbe
Zollverkehr bei dem Hauptsteueramt in Gießen.
Im Jahre 1876 sind folgende Waaren bei dem Hauptsteueramt in größerer Menge verzollt ober zollfrei abgefertigt werden:
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
Roh- und Eementstahl, Guß- und raffinirter Stahl Maschinen, überwiegend auS Gußeifen Rohes Leinengarn (Maschtnengespinnst) Jutegarn . .............
Graue Packleinwand Rohe Leinwand Wein Korinthen und Rosinen Häringe Roher Kaffee Stärke, Kraftmehl .....
Geschälter Reis Unbearbeitete Tabaksblätter Unbearbeitete Tabaksstengel Leinöl . ........
Anderes Del in Fässern Fischthran . .
„ 47 Gentnern,
bei allen vorstehend genannten Artikeln eine Zunahme und
277
135
511
551
102
171
800
119
202
4852
135
4232
17262
3260
701
585
190
1. bei Maschinen
2. i, Jutegarn
3. „ Wein
4. „ rohem Kaffee
5. „ Stärke, Kraftmehl
6. „ geschältem Reis
7. „ unbearbeiteten Tabaksblättern . . .
8. „ unbearbeiteten Tadaksstengeln . . .
9. „ Leinöl...... . . . .
10. „ anderem Del in Fässern
36
424
12
229
45
672
2931
794
463
322
Centner, n ii H
H
H n H
Dlehmärkte zu Gießen.
Auf dm im Jahre 1876 dahier abgehattenen Viehmärkten wurden aufgetrieben: 12780 Schweine, 18222 Rindvieh,
2 Pferde und 1 Fohlen.
Perkehrsanstalteu. oft a mt Gießen.
Aus folgender Zusammenstellung ist der Verkehr bei dem Postamt dahier in 1876 verglichen mit dem des Vorjahres ersichtlich:
Portoeinnahme
üngekommene Portopflichtige und portofreie Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenproben......
Aufgegebene portopflichtige und portofreie Briefe, Postkarten, Drucksachen und Waarenproben . .
Angekommene portopflichtige und portofreie Packet- und Geldsendungen
Aufgegebene portopflichtige und portofreie Packet- u. Geldsendungen ................
Eingegangene Postvorschußsendungen
Eingegangene Postaufträge zur Geldeinziehung
Eingegangene Postaufträge zur Wechselaccepteinholung (besteht erst feit 1. August 1876).........
Aufgegebene Postaufträge . .
Eingegangene Postanweisungen . .
Aufgegebene Postanweisungen...........
Beförderte Nummern von im Abonnement bezogenen Zeitungen ...........
Zahl der beförderten außergewöhnlichen Zeitungen . . .
Einnahme von Wechselstempelsteuer.........
1876 118258
JL 62
1875 109889
716500
Stück
657306
711700
ti
699390
73100
ii
71226
87200
86616
10200
10494
5491
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3033
35
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35866
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4446
1109
6143
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5799
Telegraphie.
1) Bei dem hiesigen Telegraphenamt waren in 1876 12375 Depeschen aufgegeben (gegen 12316 in 1875) und sind 12290 Depeschen daselbst angekommen (gegen 11514 im Vorjahr). Für die aufgegebenen Depeschen wurden 9630 je. 37 vereinnahmt gegen 10035 96 H in 1875. Beschäftigt waren 6 Beamte, 2 Boten, und 15 Apparate im
Betrieb.
2) Bei der Dberhessischen Eisenbahn wurden 1518 Privat- und 59 Dienstdepeschen gegen 2340 Privat- und 62 Dienstdepeschen in 1875 aufgegeben.
3) Die Zahl der auf der hiesigen Station der Main-Weser-Bahn aufgegebenen und angekommenen Depeschen ist autz dem Geschäftsbericht der Direction über den Betrieb im Jahr 1875 nicht zu ersehen.
4) Köln-Gießener Eisenbahn. Die Zahl der auf der hiesigen Station aufgegebenen Privatdepeschen betrug 1356, die der angekommenen 1377. (Forts, f.)
Vermischtes.
Hanau, 12. Noo. Der Ruf ,,Der Löwe ist los" brachte gestern panischen Schrecken unter die zahlreichen Meßbesucher und es entwickelte sich eine Scene, wie wir sie aus dem bekannten Bilde kennen. Wenn auch gar nicht daran zu denken ist, daß die in der Menagerie auf dem Paradeplatz sich befindenden Raubthiere aus ihrem sicheren Verwahrsam entschlüpfen können, so ist nicht ausgeschlossen, daß die Bestien in ihrem Käfig mitunter unartig werden. So geschah es gestern; ein nette- Bübchen, jedenfalls der Sohn des Menaaeriebesitzers, befand sich im Käfig des Löwen und wurde von demselben seftgepackt. Sofort war Hülfe bei der Hand, so daß das Kind nur eine glücklicherweise nicht gefährliche Verletzung am Bein davontrug. — Menagerien werden immer gerne besucht und es ist insbesondere für die Schuljugend lehrreich die gefürchteten Raubthiere aus eigener Anschauung kennen zu lernen, aber die Productionen der Thierbändiger mit den Bestien versetzen den größten Theil der Besucher jederzeit in Aufregung und sollten diese lebensgefährlichen Handlungen ganz unterbleiben; die Zugkraft würde ganz gewiß dadurch feine Abschwächung erleiden.
Eingesandt.
(Stenographisches.) Der hiesige „Gabelsberger-Stenographen-Verein" hat es auch in diesem Winter wieder unternommen, einen Kursus der Stenographie in der Aula abzuhalten. Wer auch immer sich die Mühe, diese schöne Kunst zu erlernen, nicht verdrießen läßt, der wird in jedem Falle reichlichen Lohn finden und der oerhält- nißmäßig geringe Zeitaufwand, der für das Studium der Kunst erforderlich ist, wird späterhin durch ihre ganz bedeutenden Vortheile, die sie bietet, vielfach ersetzt.
Beweis hterfür liefert hinlänglich die von Jahr zu Jahr zunehmende Zahl der Stenographen, die sich bet einer Existenz von 242 Vereinen auf 20369 beläuft und eS gibt wohl kaum eine Stadt im deutschen Reiche, in Der die Stenographie nicht getrieben ober durch Vereine verbreitet wird.
Die erwähnten Vortheile hier anzuführen, würde zu weit führen, das aber kann versichert werden, daß dieselben schon nach kurzer Zeit des Studiums so deutlich hervortreten, daß, wie ein Meister in Gabelsberger's System mit Recht behauptet, derjenige, welcher sich einmal der ebenso nützlichen, wie interessanten Kunst Angegeben, nicht nur trachten werde, sich dieselbe ganz zu eigen zu machen, sondern auch dahin wirke, ihren Gebrauch immer allgemeiner zu machen.
Die Bedeutung eines angefünbtgten Kursus ist von dem geehrten Senate der Landesuniversität wohl anerfannt worden, indem derselbe in bereitwilligster Weise dem „Stenegraphen-Verein" ein Local in der Aula Überlassen hat. Dem Besucher ist Gelegenheit gegeben, sich mit dem System Gabelsberger's durchaus vertraut zu machen und wollen wir hoffen, daß der Unterricht, der von Herrn stad. math. Tasche, einem tüchtigen Stenographen, ertbeilt wird, dazu beitragt, daß die Kunst und ihr Werth immer mehr verbreitet werbe. B.
Sehiffeberielit. Mitgetheilt von dem Agenten deS Norddeutschen Lloyd (5. W. Dietz in Gießen.
Newyork, 13. Nov. (Per transatlantischen Telegraph.) DaS Postdampfschiff Mosel, Capt. H. A F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welches am 28. Octoder von Bremen und am 31. October von Southampton abgegangen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten hier angekommen.
Gültige Privat Banknoten.
Die beschränkenden Bestimmungen des S 43 des Reichs-BankgesetzcS vom 14. März 1875 sind (nach den im Reichsgesetzblatte erschienenen Bekanntmachungen) bezüglich nachstehender Privat-Notenbanken als nicht anwendbar erklärt worden und es dürfen daher die Noten dieser Banken in ganz Deutschland, auch außerhalb desjenigen Staates, welcher denselben die Befugniß zur Notenausgabe ertbeilt bat, zur Zahlung gebraucht werden: 1. Badische Bank in Mannheim. — 2. Bayerische Notenbank tn München — 3. Bremerbank in Bremen. — 4. Breslauer Bank in Breslau. — 5. Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz. — 6. Cölnische Privatbank in 68In. — 7. Danziger Privatbank in Danzig. — 8. Frankfurter Bank in Frankfurt am Main — 9. Hannoversche Bank in Hannover. — 10. Leipziger Cassenoerein in Leipzig. — 11. Lübecker Commerzbank in Lübeck. — 12. Magdeburger Privatbank in Magdeburg. — 13. Posener Privatbank in Posen. — 14. Sächsische Bank in Dresden. — 15. Bank für Süddeutschland in Darmstadt. — 16. Württemberger Notenbank in Stuttgart. — Die Verwendung der Noten anderer deutscher Privat-Notenbanken ober Corporutiomn zur Leistung von Zahlungen außerhalb desjenigen LaudesgebiLtes, für welches dieselben zugelassen sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.
CTS* Seitens der Nationalbank für das Großherzogthum Luxemburg sind neuerdings auf NeichSwährung lautende Banknoten in Abschnitten zu 5, 10 und 20 Mk. ausgegeben worden. Die Verwendung dieser Banknoten zu Zahlungen innerhalb des Reichsgebiets ist nach S H des Bankgesetzes vom 14. Marz »87^ verboten und wird mit Geldstrafe von 50 bis 500 Mk., im Falle gewerbsmäßiger Verwendung daneben mit Gefänönih bis zu einem Jahre bestraft.


