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nual. <X 2325.50, neuer Roggen je nach Qual. JL 1719, neue Gerste 1819.50, öafer 1317.50, Kohlsamen JL 3637, Erbsen Jt 2124, Wicken 17.50, Linsen jC 2130, Rüböl, detail, ^L81.. Stimmung unentschieden. Dringend offertrt russ Hafer und Roggen. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewichl = 100 Kilo ) Wetter: Bedeckter Himmel.

Der Stand der Handelsverträge.

Es ist eine mißliche Sache, den politischen Propheten spielen zu wollen; auf Jahrhunderte hinaus di- Zukunft vorherzusagen, ist leicht, weil man nicht in die Lage kommt, von den Ereignissen corrigirt und Lügen gestraft zu werden. Wer aber bei schwebenden Verhandlungen und bei Streitfragen der Gegenwart den Verlauf verkündigen will, der sollte, zumal wenn dieS von der parlamentarischen Rednerbühne herab geschieht, mit seinem Prophetenthum doch etwas vorsichtiger sein.

Bei den Debatten über die Retorsionszölle erklärte der Abgeordnete Herr Eugen Rechter bekanntlich mit großer Emphase, den Agitationen der Industriellen würde sofort ein Ende gemacht werden, wenn der Reichstag die Vorlage der Regierung ohne Weiteres zurückweisen würde. Vier Wochen später strömten aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes 500 Fabrikanten unb Gewerbetreibende aller Branchen nach Frankfurt a. M., um dort feierlichst gegen die doktrinäre Haltung der Majorität der Volksvertreter Protest einzulegen. Andere Manchestermänner hatten behauptet, daß Deutschland bei den Nachbarstaaten nur bann auf ein Entgegenkommen rechnen könne, wenn es zuförderst auf den Altar der Freihandelsdoktrin einige Hekatomben geschlachtet hätte, und wahrlich an Opfern hat es nicht gefehlt; zahllose industrielle Etablissements sind verödet und die Nahrungslosigkeit hat ungeahnte Dimensionen angenommen. Und welchen Erfolg haben diese freihändlerischen Libationen gehabt? das Ausland hat unsere Schwächen erkannt, und auf den Fanatismus der Systematiker bauend, hat es seine Anforderungen noch weit über die bisherigen Grenzen gesteigert.

Glücklicherweise werden die Verhandlungen über den Abschluß neuer Handelsverträge nicht von Hrn. Bamberger oder Hrn. Rückert oder gar von Hrn. Richter geführt, sondern vom Fürsten Bismark, unv an dem maßvollen, aber zugleich klugen und consequenten Verhalten, welches die deutsche Negierung den Ocsterreichern gegenüber an den Tag legt, merkt man es, daß nicht irgend ein geheimer oder subalterner Rath, sondern der Reichskanzler in eigener Person die Parole."ausgiebt, und das entscheidende Wort für sich reservirt hat.

'Wir wüßten in der Geschichte des letzten Jahrhunderts kaum einen Zeitpunkt zu finden, der in Bezug auf den Abschluß von Handelsverträgen so günstig gewesen wäre, wir der gegen» wärtige. Politisch geeint und militärisch gerüstet, wie kaum eine andere Nation sind wir geachtet unb gefürchtet int Rathe ber Völker, unb unsere Freundschaft wiegt schwer in ber Wage ber Turopäischen Diplomatie. Zum ersten Male sinb wir somit seit langer Zeit im Stande, unsere Handelsbeziehungen allein und ausschließlich nach wirthschaftlichen Rücksichten regeln zu können, unb während wir vorläufig keines fremden Staates Dienste brauchen, sind unsere Nachbarvölker wesentlich auf unsere politische Unterstützung und Allianz angewiesen. Die französisch-englischen Konferenzen über die Erneuerung der Vertragstarife sind bekanntlich gleichfalls abgebrochen und vorläufig bis nach Beendigung der französischen Neuwahlen vertagt worden. Was kümmert einen Prätendenten, der nach einer lebenslänglichen Ausdehnung seiner Machtstellung trachtet, die Lage der Industrie unb bes Gewerbes? In erster Linie stehen bie persönlichen Interessen, unb biesen müssen sich die allgemeinen unterordnen. Das französische Kampfministerium fürchtet durch den Abschluß eines neuen Handelsvertrages., wie ;er auch immer ausfallen möge, eine Partei, seien es die Schutzzöllner, seien es die Freihändler, vor den Kopf zu stoßen unb dadurch die Zahl seiner Anhänger an der Wahlurne zu verringern, und um dieses politischen Motives

willen hat cs die Frage der Handelsverträge sich vorläufig vom Halse geschafft. Bei uns herrscht glücklicherweise zwischen Regierung unb Nation bie größte Eintracht, unb für derartige selbstsüchtige Tendenzen unfähiger Prätendenten ist für uns kein Raum. Zwar haben die Oesterreicher den Versuch gemacht, durch allerhand diplomatische Kniffe und Flinten Deutschland zu überlisten, allein mit solchen kleinen Fechterkünsten werden sie den Fürsten Bismark aus seiner festen Position nicht verdrängen. In Oesterreich-Ungarn richtet man sich bereits auf die Feststellung eines autonomen Tarifeö ein und auch wir in Deutschland müssen uns schon jetzt darauf gefaßt machen und Alles vorbereiten, um, wenn es im Reichstage gelten wird, einen solchen Tarif aufzustellen, mit dem erforderlichen Material bei der Hand zu sein.

Voraussichtlich wird der Central-Verband deutscher Industrieller auch in dieser Hinsicht die Jnttative ergreifen unb das Erforderliche veranlassen, um rechtzeitig gewappnet und gerüstet das thatsächliche Material, welches zur richtigen Beurtheilung der Handelsfrage nothwendig ist, an den Reichstag gelangen zu lassen. Es wird jedoch die Aufgabe der einzelnen Vereine unb Derbänbe sein, bem Central-Verbande vorzuarbeiten unb alle die Fälle zusammen zu stellen, in denen durch die bestehende, das Ausland begünstigende Handelspolitik und Zollgesetzgebung der heimische Gewerbefleiß in flagranter Weise geschädigt worden ist.

Der Fleischimport in Deutschland.

In dem Fleischhandel scheint sich in Folge der Erfindungen, welche einen längeren Transport frischen und zubereiteten Fleisches ohne Gefährdung seiner Genießbarkeit gestattet, ein erheblicher Umschwung vorzubereiten. Der Bezug des Fleisches aus überseeischen Ländern, welcher bisher verhältnißmäßig sehr gering war, wird zum Schaden und Aerger unserer Viehzüchter, Viehhänvler unb Fleischer in nächster Zeit wohl ähnliche Dimensionen annehmen, wie sie ber Hanbel in ausländischem Betreibe angenommen hat. Aus der uns vorliegenden Statistik des auswärtigen Handels Deutschlands für die ersten 5 Monate dieses Jahres entnehmen wir, daß in dieser Zeit bereits 143,737 Ctr. zubereitetes Fleisch vornehmlich über Belgien, die Niederlande, Bremen und Hamburg in Deutschland zum Verkauf eingeführt worden sind, eine abnorme Erscheinung, da in den Vorjahren die ganze Jahreseinfuhr nur 140,000 Ctr. erreicht hat und sich für das ganze Jahr 1877 somit eine Zunahme von 160,000 Ctr. oder 120% berechnen würde. Die Thatsachc legt die Erwägung nahe, ob es sich nicht empfehlen dürfte, bei der bevorstehenden Revision des Zolltarifs auf eine Erhöhung der Fleischzölle Bedacht zu nehmen. Als die Landwirthschaft durch die Freigebung des Getretdehandels ihre Existenz bedroht sah, erklärte man die Viehzucht als die allein rationelle Bewirthschaftungsart der in der Cvltur vorgeschrittenen Länder. Es ist nicht zu bezweifeln, daß jetzt auch die Viehzucht Gefahr läuft, ihre ErtragS- fähigkciten zu verlieren. Die überseeischen Länder bergen so ungeheure Mafien von Vieh in sich, daß die Erzielung und Gewinnung des Fleisches fast kostenlos erfolgt und für den Handel nach Europa nur die Transportkosten in Betracht kommen. Die Concurrenz des ausländischen Fleisches muß den europäischen und vornehmlich deutschen Fleischproducenten daher immer empfindlicher werden. Für eine Erhöhung der Zollsätze läßt sich geltend machen, daß die rationelle Benutzung des Bodens durch Viehhaltung durch die ausländische Concurrenz eingeschränkt werden könnte, dagegen, daß der Bezug billigen Fleisches eine bessere Ernährung der Bevölkerung herbeiführen würde. Wenn sich nun auch die Schädigung der Landwirthschaft durch die Mehr­einfuhr von Fleisch auf die eine oder die andere Art umgehen ließe, sei es durch Uebcrgang zu anderen Culturen oder durch Züchtung edlerer Racen, so muß jedenfalls, wenn der bisherige mäßige Fleischzoll bestehen bleiben soll, darauf gedrungen werden, daß in den Fleischexportircndcn Ländern auch die Erzeugniffc unserer Industrie unb Lanbwirthschaft mit berselben Billigkeit behandelt werden, damit wir vas, was unserer Landwirthschaft in diesem Falle verloren geht, durch die Ausdehnung unseres Absatzes nach jenen Ländern wiedergewinnen können.

Allgemeiner Anzeiger.

Bekanntmachung.

4486) Folgende städtische Gelder, als:

1) Die am 15. Juli er. fällig gewesenen Pachtgelder,

2) Die bis zum 1. August er. fällig gewesenen Holzgelder,

3) Communalsteuer 13. Ziel er.,

rönnen in den nächsten acht Tagen an den Zahltagen : Dienstag, Donnerstag und Samstag noch ohne Kosten zllr hiesigen Stadtkasse entrichtet werden.

Gießhn, am 11. August 1877.

Der Stadt - Rentmeister:

__Enders.______________________________

Bekanntmachung.

Vom 16. d. Mts. ab findet bei der Stadtpostanstalt Hierselbst Wall- tborstraße A. Nr. 96 eine Ausgabe von Briefpostsendungen für abholende Correspondenten statt.

Von demselben Tage ab beginnen die Dienststunden bei der Stadtpost­anstalt um 7 Uhr Morgens.

Gießen, den 13. August 1877.

Kaiserliches Postamt.

In Vertretung: Pagenstecher.

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Versteigerungen.

Samstag den 18. b. Mts., Vormittags 11 Uhr, soll auf dem städtischen Baubüreau ein Loos Pflasterarbeit, veranschlagt zu 192 jl, versteigert werden.

Gießen, den 14. August 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

4527)_______A. Bramm__________

Holz-Versteigerung

im Gießener Stadtwalde.

Monrag den 20.

und Dienstag den 21. August 1877, jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde in den Distrtcten Alte Viehweide und Neumark nachverzeichnetes Holz versteigert werden:

A. Brennholz r

Scheith. Prügelh. Stockh. Reish.

Raummeter Wellen Nadel 391 1440 563 23780

B. Bau-, Wert- und Nutzholz:

379 Kiefern- und Fichtenstämme bis zu 47 Zentimeter Durchmesser und 13 Meter Länge mit 104,80 Festmtr. 1421 Kiefern - und Fichtenftangen mit 85,76 Festmtr.

Die Zusammenkunft ist am Exerzierplatz. Montag Vormittags kommt das Bauholz und hiernach daS Brennholz zur Versteige­rung.

Gießen, am 13. August 1877. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4520) A. Bramm.

Versteigerung von Chausseebäumen.

Auf der Chausseestrecke zwischen Gießen und Gladenbach in den ©tat. 26,8 bis 33,6, Gemarkung Oberweidbach und Wilsbach sollen

320 Stück Ahornbäume in der Gemarkung Oberweidbach «bis 25 cm. Stammstärke).

114 Stück Pappelbäume in der Gemarkung Wilsbach (bis zu 35 cm. Stammstärke) an Ort und Stelle öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert werden und ist hierzu Termin auf

Donnerstag den 23. August 1877, Vormittags 10 Uhr, anberaumt. Die Versteigerung beginnt mit den Pappelbäumen in der Gemarkung Wilsbach. Die Bäume können bis zum Winter stehen bleiben und es kann das Laub zu Schaflaub benutzt werden.

Dillenburg, den 13. August 1877.

Der Wegebauinspector: 4525) Fisch er.

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